Freitag, 27. Juni 2014

Marktwirtschaft oder Krieg

Kapitalismus und Imperialismus sind doch identisch. Kriege werden nur aus wirtschaftlichen Gründen geführt. Immer wieder geht es nur um Erdöl, Bodenschätze und neue Absatzmärkte.

Nein. Tatsächlich stellt die freie Marktwirtschaft das genaue Gegenteil von Krieg dar. Es ist eine völlig gegensätzliche Idee davon, wie das soziale Miteinander organisiert (beziehungsweise eben nicht organisiert) werden kann.

Doch viele Menschen sind verwirrt. Sie schimpfen auf „Kapitalismus“ und „Globalisierung“ und glauben, dahinter den Ursprung für immer neue Konflikte und militärische Auseinandersetzungen erahnen zu können. Sie glauben, der „Kapitalismus“ sei schuldig für „Ausbeutung“, Hunger und Armut.

Viele ihrer Kritikpunkte sind richtig. Doch der Adressat ist der falsche. Statt einem ominösen „Kapitalismus“ die Schuld für so mancherlei Probleme in der Welt zu geben, sollten sie vielmehr staatlichen Großorganisationen und imperialen Machtstrukturen den Marsch blasen.

Denn die als „Kapitalismus“ gescholtene Marktwirtschaft ist lediglich ein System des freien Austausches von Waren, Geld und Dienstleistungen auf freiwilliger Basis. Sie fußt auf Eigentum, Vertragsfreiheit und dem gleichen Recht für alle. Allesamt bedeutsame und ehrenwerte Grundsätze. Erst die friedliche Koexistenz macht den freiwilligen Tausch schließlich möglich.

Dem völlig konträr gegenüber steht der politische Anspruch, möglichst große Ländereien und Territorien zu beherrschen. Dies ist ein System, in dem privilegierte Menschen aus einem Teil der Erde eine Wertschöpfung auf Kosten von weniger privilegierten Menschen aus einem anderen Teil der Erde betreiben wollen. Krieg stellt das wichtigste Werkzeug in diesem System dar.

„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, schrieb der preußische General Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz vollkommen zutreffend in seinem bekanntesten literarischen Werk „Vom Kriege“, das seine Witwe im Jahr 1832 publizierte. Die traurige Blütezeit des europäischen Imperialismus bahnte sich gerade an.

Politische und letztendlich auch militärische Gewalt sind die Schlüssel zu Dominanz und Herrschaft in einem imperialistischen Gesellschaftssystem. Hingegen werden sie in der freien Marktwirtschaft kaum zum Erfolg führen. Denn je freier die Marktteilnehmer agieren können, desto weniger Erfolg werden sie mit gewalttätigen Mitteln erzielen können. Denn auf die Kunden kommt es an. Sie sind frei zu wählen zwischen den Anbietern und Produkten.

Dagegen wird gerne das Beispiel der europäischen Ostindien-Kompanien aufgefahren, die im 17. und 18. Jahrhundert den Handel mit Asien ausbauten und dabei auch zu einem großen Teil auf kriegerische Mittel, auf Unterdrückung und Ausbeutung der ausländischen Bevölkerung setzten. Jedoch hinkt dieses Beispiel an allen Ecken und Enden. Die Ostindien-Kompanien waren von staatlicher Seite privilegierte Handelsunternehmungen, die weder Konkurrenz noch freie Märkte fürchten mussten. Sie besaßen das Monopol auf den Asien-Handel. Diese als Händler getarnten Agenten der Imperialisten waren alles andere als dafür geeignet, Exempel für Akteure auf einem freien Markt zu statuieren. Verweigerten ihre asiatischen Handelspartner den Tausch, war es schnell vorbei mit der Freiwilligkeit und die staatliche Polizei- und Militärmaschinerie wurde in Gang gesetzt. Die Einnahmen der Kompanien speiste sich also nicht aus einer hochwertigen Dienstleistung, dem Handel, sondern aus politischer Macht und dem staatlichen Gewaltmonopol.

Dieses Modell war der Grundstein für das britische Weltreich und wird bis heute fortgeführt von vielen halb- bis vollstaatlichen Konzernen aus den USA, Europa, Russland und China. Von einer freien Marktwirtschaft kann hier keineswegs gesprochen werden.

Dies im Hinterkopf sollte eigentlich darüber geschimpft werden, dass die Marktwirtschaft auch in Deutschland und der übrigen westlichen Hemisphäre viel zu sehr beschnitten und eingeengt wird, dass politische Macht viel zu oft immer noch erfolgsversprechender erscheint als gute Produkte zu guten Preisen.

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