Montag, 2. Juni 2014

Habermanns Richtigstellung: ,,Rechts''

Prof. Gerd Habermann
von Prof. Gerd Habermann
Diesen Monat: ,,Rechts''
Kaum noch brauchbarer Begriff zur Bezeichnung politischer Positionen. Ursprünglich (im 19. Jahrhundert) im Sinne der ,,Ordnungsparteien'' gemeint, die das Bestehende verteidigen, also so viel wie strukturkonservativ. Dagegen sind heute Parteien, die den Wohlfahrtssozialismus verteidigen - die traditionelle ,,Linke'' - eigentlich ,,rechts'', und ,,links'' stehen, wie schon im 19. Jahrhundert, die Liberalen, die diesen Status überwinden wollen. Überhaupt wird jede Partei, die einen politischen Besitzstand verteidigt, ,,strukturkonservativ''. In diesem Sinne sind heute ,,rechts'' die in Kuba oder Nordkorea noch herrschenden Kommunisten. Nennt man liberale Parteien ,,rechts'', so sind es die Parteien von Eigentum, Freiheit und Rechtsstaat. Die nationale Ausgangsbasis versteht sich immer von selbst, weil es einen Weltstaat nicht gibt.
Besser ist die Einteilung der politischen Positionen in freiheitlich und kollektivistisch, oder liberal und sozialistisch. Die ,,Etikettierung'' als ,,rechts'' gilt in Deutschland häufig als verdächtig, ja als so viel wie ,,rechtsradikal'' im Sinne der Nationalsozialisten, während ,,links'' trotz der Untaten der kommunistischen Regime immer noch irgendwie achtbar scheint.

Literaturtipp: 
Robert Nef: Politische Grundbegriffe, Zürich 2002.
Dirk Maxeiner und Michael Miersch: Ist die Linke noch links? Positionspapier des Liberalen Instituts der Friedrich Naumann Stiftung, Potsdam 2005.
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Prof. Dr. Gerd Habermann, Jahrgang 1945, ist Wirtschaftsphilosoph, Hochschullehrer und freier Publizist. Er ist seit 2003 Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Initiator und Mitgründer der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und der Friedrich-August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft
Bei Freitum erscheint monatlich ,,Habermanns Richtigstellung''.

1 Kommentar:

  1. Kuehnelt-Leddihn2. Juni 2014 um 01:06

    Einer Eurer Autoren, ich meine es war Tomasz Froelich, schrieb letztens in seinem Beitrag über Korwin-Mikke, dass es auch eine positive Lesart des Begriffes ,,Rechts'' gibt, und zwar von Kuehnelt-Leddihn. Ich habe mir die Mühe gemacht, ein wenig zu recherchieren und bin fündig geworden:

    ,, „Rechts“ steht für Persönlichkeit, Vertikalität, Transzendenz, Freiheit, Subsidiarität, Föderalismus und Vielfalt, „Links“ für Kollektivismus, Horizontalismus, Materialismus, Gleichheit-Nämlichkeit, Zentralismus und Einfalt (in beiden Sinnen des Wortes).
    Hier muß man auch bemerken, daß Freiheit und Gleichheit Gegensätze sind, denn Gleichheit ist „unnatürlich“ und kann lediglich in der Tyrannis künstlich geschaffen werden. Nur Sklaven sind „gleich“. Nationalismus und Rassismus sind links, Patriotismus ist rechts. Das Christentum steht rechts, und der Dominikaner Bruckberger sagt mit Recht, das Neue Testament sei eine Botschaft der menschlichen Ungleichheit. Tatsächlich ist in fast allen Sprachen Rechts ein positiver, Links ein negativer Begriff. Im Deutschen hängt „rechts“ mit richtig, gerecht und Recht zusammen (im Englischen ist es ähnlich). Im Slawischen leitet die Silbe prav eine ganze Reihe positiver Bezeichnungen ein. Rechte Im Italienischen ist la sinistra die Linke, il sinistro der Unglücksfall. Analoges finden wir im Arabischen, im Sanskrit, im Japanischen und Ungarischen. Auch die Bibel spricht dieselbe Sprache. Prediger 10,2 sagt uns, daß gegen alle Anatomie das Herz des Weisen auf der Rechten und das des Narren auf der Linken schlägt. Welcher konfuse Idiot war aber dafür verantwortlich, die NS-Abgeordneten auf der äußersten Rechten des Reichstags anzusiedeln? Stalin dekretierte aus ideologischen Gründen, daß man die Nationalsozialisten „Faschisten“ nennen müsse, und die deutsche Linke folgte lakaienhaft diesem Ukas.''

    Quelle: http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/konservatismus/artikel/erik-maria-ritter-von-kuehnelt-leddihn-die-heimat-des-nationalsozialismus-dokumentation.html

    Aber letztlich ist es so, wie es Habermann hier schreibt: lechts und rinks sind unbrauchbare Begriffe.

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