Dienstag, 27. Mai 2014

Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen? Wenn Fußballspieler dem Finanzamt davonlaufen

Wo sind sie nur, meine Steuergroschen?
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,

der deutsche Staat tut eine Menge, um seinen Finanzbedarf sicherzustellen. Er hat eine ganze Reihe von Steuergesetzen erlassen, um vom Fleiß und von der Kreativität seiner Bürger zu profitieren. Ferner hat er sich eine zupackende Finanzverwaltung geschaffen, welche die Steuern einzutreiben hat und dafür mit umfassenden Befugnissen ausgestattet wurde.

Gelegentlich zeigt sich jedoch überdeutlich, dass es sich bei den Finanzämtern im Grunde um schwerfällige, altmodische Behörden handelt, welche auf schnelle Veränderungen nicht eingestellt sind. Die nachfolgende Geschichte, welche vor kurzem durch die Presse ging, finde ich deshalb so kurios, weil hier eine Gruppe von Steuerzahlern ohne eigenes Dazutun von den Schwächen der Finanzverwaltung profitieren konnte.



Der niedersächsische Rechnungshof hat vor einiger Zeit festgestellt, dass die Finanzämter mit der Besteuerung von Fußballprofis gewisse Probleme haben. Fußballspieler der ersten Bundesliga gehören zu den Spitzenverdienern in diesem Lande. Das gilt sogar für Reservespieler, die kaum ein Fußballfreund kennt.


Top-Spieler erzielen nicht selten Einkünfte von mehreren Millionen Euro im Jahr. Gleichwohl kümmerten sich die Finanzämter nicht sonderlich um diese großen Steuerfälle, sondern ließen die Fußballprofis nach den Feststellungen des Rechnungshofs weitgehend in Ruhe.

Finanzämter kamen mit häufigem Ortswechsel der Kicker nicht klar
Da fragt man sich als normaler Steuerzahler natürlich, wie es dazu kommen konnte. Denn die sog. Einkunftsmillionäre, die jährlich mehr als 500.000 Euro verdienen, werden normalerweise von den Finanzämtern besonders intensiv überwacht. Sie unterliegen u.a. der Prüfung durch die Großbetriebsprüfung. Damit man als Einkunftsmillionär geführt wird, muss allerdings zunächst eine entsprechende Einstufung stattfinden. Daran fehlte es häufig bei den Fußballprofis. Die Finanzämter bekamen vielfach die rasante Gehaltsentwicklung der Spitzenkicker nicht mit und stuften sie demnach auch jahrelang nicht als Einkunftsmillionäre ein. Überdies ist im Profifußball ein häufiger Vereins- und damit auch Ortswechsel üblich. Jeder Wechsel des Wohnortes begründet wiederum die Zuständigkeit eines anderen Finanzamtes, was die steuerliche Bearbeitung nicht gerade beschleunigt. Viele Spieler wechseln überdies nach einiger Zeit aus der Bundesliga ins Ausland. Dies betrifft vor allem ausländische Profis, die zum Ende ihrer Karriere häufig in die heimische Liga zurückkehren. Die Finanzämter, die solche Entwicklungen zum Teil erst mit großer Verspätung erfuhren, mussten in solchen Fällen ihre Steuerforderungen vielfach in den Wind schreiben.


Finanzämter sind auf schnelle Veränderungen nicht eingestellt
Vielleicht kann man als geplagter Steuerzahler eine gewisse Schadenfreude nicht unterdrücken, wenn es der Finanzverwaltung durch eigenes Versagen nicht gelingt, die Millionäre in kurzen Hosen zur Kasse zu bitten. Kraft Tradition sind die Finanzämter noch viel zu sehr auf den ortsfesten Gewerbetrieb und den sesshaften Steuerpflichtigen fixiert, bei denen es keine großen Veränderungen gibt. Auf sprunghafte Einkommensentwicklungen, häufige Ortswechsel, vielleicht sogar zwischen In- und Ausland, sind die Abläufe in der Finanzverwaltung nicht ausgerichtet.

Andererseits sollten wir Steuerzahler uns nicht zu sehr freuen, wenn es einigen Betroffenen gelingt, ohne Verstoß gegen steuerliche Pflichten durch die Maschen der Finanzverwaltung zu schlüpfen. Umso mehr erhöht sich der Druck der Finanzämter auf diejenigen, die sich dem Zugriff der Steuer nicht so leicht entziehen können.

Der Staat unterstützt den reichen Fußballsport

Im Übrigen steht der Staat, wenn er denn seine Steuern eingetrieben hat, dem Fußballsport durchaus wohlgesonnen gegenüber. Er schickt Hundertschaften von Polizisten in die Stadien der Fußballbundesliga, obwohl die Vereine dort selbst und auf eigene Kosten für Ordnung sorgen müssten. Er finanziert auch schon mal den Bau oder die Renovierung von Fußballstadien mit Steuergeldern, wenn bedeutende Sportereignisse anstehen oder ein Verein finanziell in der Krise steckt. Oder, was zurzeit für Diskussionen in Nordrhein-Westfalen sorgt, das Land beteiligt sich mit Millionen von Steuergeldern an der Errichtung des Fußballmuseums des Deutschen Fußballbundes in Dortmund. Das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen: Das hochverschuldete NRW sponsert den schwerreichen Deutschen Fußballbund!

War da nicht was mit fehlenden Kitas und sanierungsbedürftigen Straßen und Brücken? Scheint wohl doch nicht so dringlich zu sein, sagt voller Empörung

Ihr
Gotthilf Steuerzahler






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *