Donnerstag, 29. Mai 2014

Die Vielfalt als Feindbild

von Tommy Casagrande
Immer wieder werden in Diskussionen oder Dokumentationen, die über die staatlich lizenzierten Fernsehkanäle flimmern, Zustände, Gesetze, Regelungen, Gesetzesauslegungen, höhere Freiheitsgrade und vieles mehr kritisiert. An so ziemlich jedem Land der Erde entdeckt man zu verändern wollende Zustände. Gibt es beispielsweise Länder wie die USA, in denen die Bundesstaaten eine gewisse Autonomie besitzen, so sind es hier wiederum die bundesstaatlichen Diversitäten, die das Problem darstellen. Washington müsse alle Bundesstaaten unter seine Knute bringen, um rigide und zentralstaatlich mit aller Kompetenz ausgestattet über sie zu herrschen. Und wenn einem dann nicht gefällt, wie von Washington aus geherrscht wird, so liegt das Problem wieder an einem Unterschied. Dieses mal aber in Unterscheidung zum eigenem Land meist.
Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit, als der uneinheitliche Jugendschutz, der von Bundesland zu Bundesland anders geregelt wurde, als schlecht bezeichnet worden ist, da er Schlupflöcher böte, sobald man in einem anderen Bundesland sei, da es ungerecht sei, wenn die einen etwas dürften, was andere nicht dürften, und weil natürlich der Eindruck entsteht, dass bei unterschiedlichen Auslegungen es womöglich sich nicht um Wahrheiten, sondern eben nur um zur Herrschaft gelangte subjektive Positionen handelt.

In Konsequenz muss man all jenen unterstellen, dass deren Paradies letztlich doch eine Weltregierung sein müsste, welche die Kompetenz hätte, mit Zwang und Gewalt die gesamte Welt zu einen, Unterschiede zu beseitigen und alle ungleich gewachsenen Menschen und Lebensbedingungen gleich zu schneiden. Dieser Gedanke konsequent angewendet würde zum Untergang der Menschheit führen. Denn alles gleich zu machen erlaubt konsequent gedacht noch nicht mal eine Abweichung von einem Cent oder einem Kleidungsstück. Eigentlich auch nicht von Gedanken und Sprache. Und auch nicht vom Aussehen. Außer man bleibt inkonsequent und möchte die Gleichheit nur oberflächlich mit ideologischer Rhetorik garniert über die Welt bringen. Auch dann funktioniert sie nicht. Weder ökonomisch, noch moralisch, noch ethisch. Eine solche Welt funktioniert gar nicht. 

Dennoch steckt die Sehnsucht nach einer solchen Welt in vielerlei Verunglimpfungen über die Unterschiede und Vielfältigkeiten, die es auf der Welt gibt. 

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