Freitag, 30. Mai 2014

Der Staat ist kein Gott - am Beispiel des Krankenversicherungsgedankens

von Tommy Casagrande
Ein Mensch, der sich für kritisch hielt, fragte neulich, wie es möglich sein soll, ohne staatliche Krankenversicherung das Leben zu bewerkstelligen. Wie soll um Himmelswillen ohne Staat eine Krankenversicherung bezahlt werden können? 

Bevor ich Anregungen zur Beantwortung dieser Frage gebe, will ich Grundsätzlicheres philosophieren, will ich die Absurdität darlegen, eine staatliche Ordnung als alternativlos zu denken, was zum Problem führt, nicht mehr über den Tellerrand zu kommen.

1. Menschen, die sich auf einem im Universum zirkulierenden Erdball entwickelt haben, müssen in Systeme gesteckt werden, in denen sie von anderen Menschen gezwungen werden, in ein von Menschen erfundenes System wie die staatliche Krankenkasse zu bezahlen, weil andernfalls das Lebewesen Mensch nicht auf jenem Erdball im Universum existieren könnte?! Noch schlimmer, das Lebewesen Mensch würde aus dem Universum getilgt, wenn nicht andere Menschen Systeme aus Zwang und Gewalt konzipieren würden?! 
Jene Betrachtung des Lebens ist völlig philosophiefrei, will ich damit sagen. In der eingangs erwähnten Frage steckt eine Annahme über die Existenzmöglichkeit des Lebewesens Mensch, die jener selbst mit Zwang und Gewalt beantwortet, der sich entsetzt, schockiert, erstaunt, ungläubig oder herablassend zeigt, wenn es um die Vorstellung einer menschlichen Ordnung geht, die auf Freiwilligkeit und Kooperation beruht. 
Systeme beruhen immer auf Zwang und Gewalt, andernfalls wären es keine Systeme. Der Begriff System meint etwas starres, das nur mit Einsatz von Kraft oder Gewalt zu ändern ist. Er meint einen Zustand, der sich nicht spontan ändern lässt, nicht auf die individuellen Bedürfnisse abgestellt ist. Er meint ein Ziel, das vorgegeben wird und dem dann mit der Rute nachgeholfen wird. Er meint einen erzwungenen (entscheidend!) über-individuellen Zustand, einen Kollektivismus, der zugleich nicht explizit auf jene sich bezieht, die ihm freiwillig zugestimmt haben, sondern schlichtweg auf alle, die das Glück oder Pech hatten, als Menschen geboren zu werden. 
Solche systemische Gewalt ist immer künstlich, weil sie die Naturen anderer Menschen unterdrückt und letztlich die Grundlage und den Ursprung des Lebens, die spontane, freie Evolution leugnet, nicht zur Entfaltung kommen lässt. Somit leugnet derjenige, der die individuelle Freiheit ablehnt, genau jene Grundlage, aufgrund der er überhaupt im Stande ist, seine empörte Frage zu stellen. Letzten Endes landet man in einem Selbstwiderspruch, sobald man Zwang und Gewalt als ein Naturgesetz voraussetzt.

2. Nun kommen wir mal auf die Ausgangsfrage zu sprechen. Freie Menschen wären frei, alle möglichen Formen von sozialen Absicherungen zu entwickeln, solange diese freiwillig bleiben. Auch heutige Sozialstaatssysteme ließen sich auf freiwilliger Vergesellschaftungsbasis kopieren und übertragen. Der Unterschied liegt vor allem im Fundament der Freiwilligkeit gegenüber dem Fundament aus Zwang und Gewalt von Heute.
Wenn Menschen also frei sind, sind sie gerade nicht eingeschränkt und den Problemen des Lebens hilflos ausgeliefert, sondern gerade indem Menschen frei sind, können durch Kooperationen Dienstleistungen entstehen, die schlichtweg an den echten menschlichen Bedürfnissen dran sind, was heute nicht der Fall ist. 
Nun gibt es noch ein ganzes Bündel weiterer Punkte, die hinzu kommen und die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit aufweisen. Ohne Staat gäbe es ein Marktgeld, ohne Staat könnte der materielle Wohlstand höher sein, ohne Staat könnten die Lebenshaltungskosten ständig abnehmen, ohne Staat könnten sich Individuen mehr leisten, ohne Staat und im Wettbewerb wären die einzelnen Angebote beispielsweise freier konkurrierender Versicherungsunternehmen günstiger und auf die finanzielle Potenz echter Menschen und echten Wohlstandes abgestellt, weil in der Freiheit und nicht im Staat Angebot und Nachfrage zur Deckung kommen. Und vieles mehr... 

Es ist so simpel und natürlich-logisch. Wer aber glaubt, dass der Staat den Menschen erschaffen hat und ohne Staat würde der Mensch aufhören zu existieren, der vergöttert den Staat. Staat ist aber nicht Gott.

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