Samstag, 12. April 2014

Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen? Von der Feigheit der Politik

Wo sind sie nur, meine Steuergroschen?
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,
dem deutschen Staat fällt es ungeheuer schwer, einmal gewährte Wohltaten wieder zurückzunehmen oder Strukturen abzubauen, über welche die Zeit hinweg gegangen ist. Es könnte ja Widerstand gegen derartige Reformen geben, im Ausland könnte man die Stirn runzeln, die Presse könnte negativ berichten. Solche Reaktionen will die Politik wenn irgend möglich vermeiden.

Eine Wohltat, über die ich mich schon lange nicht mehr aufrege, besteht darin, dass junge Menschen, egal aus welchem Land sie kommen, in Deutschland umsonst studieren können. Immerhin zehn Prozent aller Studienplätze sind für Studenten aus dem Ausland reserviert. Andere Länder verdienen gutes Geld an ausländischen Studenten, aber das scheint unser Staat nicht nötig zu haben!

Dass man diese Großzügigkeit noch toppen kann, hat mich dann aber doch erschüttert. Denn der deutsche Staat kümmert sich sogar um junge Menschen aus aller Welt, die in Deutschland studieren wollen, aber von zuhause keine ausreichende Qualifikation mitbringen.

Diesen jungen Leuten wird mit Hilfe deutscher Studienräte ein dem deutschen Abitur vergleichbarer Wissensstand vermittelt. Selbstverständlich völlig kostenlos für die Studieninteressenten. Alles wird aus Steuergeldern finanziert! Wir hams ja, kann ich da nur sagen, mag auch an unseren Schulen der Putz von den Wänden fallen.

Begonnen hat der Unsinn um das Jahr 1960, als es den Deutschen wirtschaftlich wieder besser ging und die Staatseinnahmen stiegen. Die Politik - beseelt von dem Wunsch, Gutes zu tun - suchte sich neue Aufgabenfelder, zum Beispiel in der Entwicklungshilfe. Ein entwicklungspolitisch begründetes Projekt bestand darin, begabte junge Menschen aus Afrika und Asien zum Studium nach Deutschland zu holen. Nach Abschluss ihres Studiums sollten sie dann wieder in ihre Heimatländer zurückgehen, um dort Führungspositionen einzunehmen und als Ansprechpartner für die deutsche Wirtschaft zu fungieren.

Bildungsdünkel führte zur Gründung des Studienkollegs

Als die ersten jungen Ausländer zum Studieren nach Deutschland kamen, stellte man fest, dass diese in der Regel nur zwölf Schuljahre statt der hierzulande üblichen dreizehn Jahre bis zum Abitur absolviert hatten. Daraufhin verweigerten die zuständigen deutschen Behörden voller Bildungsdünkel - es war lange vor PISA – die Anerkennung dieser Reifezeugnisse. Entwicklungspolitisch durfte es aber nicht sein, dass man den jungen Afrikanern und Asiaten den Zugang zum Studium in Deutschland verweigerte. Also verfiel man auf den Gedanken, die ausländischen Studierwilligen nachzuschulen, sie auf das Niveau deutscher Abiturienten zu heben.

So entstanden die sogenannten Studienkollegs, die es in fast allen Bundesländern gibt. Deutschlandweit sind in ihnen mehrere Hundert Pädagogen tätig, die den ausländischen Studieninteressenten deutsche Bildungsgüter vermitteln. In den Studienkollegs herrschen traumhafte Relationen, auf einen Pädagogen kommen kaum mehr als zehn Studierwillige. Ausgewählt werden die Studienkollegiaten nicht etwa von ihrer zukünftigen Hochschule und schon gar nicht nach erwiesener oder zu erwartender Leistungsfähigkeit. Nein, eine Behörde lässt die Bewerber zu, wobei – schön bürokratisch - das Datum der Antragstellung ausschlaggebend ist.

Studienkollegs haben sich überlebt

Aber in den letzten Jahren haben sich Entwicklungen vollzogen, die auch bei wohlwollenden Zeitgenossen Zweifel an der Existenzberechtigung der Studienkollegs hätten wecken müssen. Zum einen hat die deutsche Kultusbürokratie nach und nach für viele Länder die Gleichwertigkeit des Abiturs anerkannt, unabhängig davon, wie viele Jahre Schulbesuch dafür erforderlich waren. Zum andern können junge Ausländer dann zum Studium in Deutschland zugelassen werden, wenn sie in ihrem Heimatland bereits studiert haben, und sei es auch nur ein Semester. Über diese Schiene kommt heute die große Mehrheit der ausländischen Studenten in das deutsche Hochschulsystem. Auf die verhältnismäßig wenigen Absolventen der Studienkollegs kommt es also gar nicht mehr an. Und nicht zuletzt hat Deutschland selbst vor einigen Jahren sein Schulsystem umgestellt, auch hier reichen jetzt zwölf Jahre Schule bis zum Abitur.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten überall in Deutschland die Studienkollegs, die jährlich viele Millionen kosten, abgeschafft werden müssen. Aber nein, die meisten Bundesländer wollten sich davon nicht trennen. Die Studienkollegs leisteten doch gute Arbeit, hieß es in der Kultusbürokratie. Auch bedeute ihre Schließung ein Rückschlag für den Gedanken der Entwicklungshilfe. Und überhaupt, könnte die Schließung der Studienkollegs nicht als Ausländerfeindlichkeit interpretiert werden? Da müsse man doch ganz besonders vorsichtig sein. Nur ein Bundesland, nämlich Nordrhein-Westfalen, hat sich von den Bedenken der Kultusbürokraten nicht beirren lassen und hat seine Studienkollegs vor einigen Jahren geschlossen. An die hundert Studienräte wurden dadurch frei und können sich jetzt wieder deutschen Schülern widmen.

Vergleichbare Einrichtungen im Ausland sind kostenpflichtig

Vielleicht fragen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, ob es so etwas wie Studienkollegs auch in anderen europäischen Ländern gibt. In der Tat, Einrichtungen, die junge Menschen aus aller Welt auf die Anforderungen eines Hochschulstudiums vorbereiten, gibt es in allen europäischen Nachbarländern. Diese Einrichtungen leben aber nicht von Steuergeldern wie in Deutschland, sondern lassen sich ihre Leistungen ordentlich bezahlen!

Sollte das nicht ein Vorbild für uns sein, wenn wir uns schon von unseren Studienkollegs nicht trennen können? Sollten wir nicht ebenso verfahren wie unsere Nachbarn, im Interesse der Einheitlichkeit in Europa? Schließlich wird doch sonst alles Mögliche in Europa harmonisiert, sagt nicht ohne Hintersinn

Ihr
Gotthilf Steuerzahler






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