Mittwoch, 30. April 2014

Vernunft ist nicht die Grundlage staatlicher Grenzen

von Tommy Casagrande
Wer dem Staat grundsätzlich das Recht zuspricht, in die Wohnungen und Häuser der Menschen eindringen und Platz nehmen zu dürfen; wer dem Staat grundsätzlich erlaubt, sich in die Belange der Menschen einmischen zu dürfen; wer bei all dem aber zugleich auf Grenzen des Staates pocht, über die dieser nicht hinaus ufern darf, der argumentiert inkonsistent, unlogisch und wider der Vernunft. Denn die Position, dem Staat grundsätzliches Einmischen zuzusprechen, zugleich aber jenem Grenzen setzen zu wollen, kann nicht konsistent mit Vernunft und Logik argumentiert werden. Es ist nämlich eine willkürliche und subjektive Position. 
Willkürlich und subjektiv deswegen, weil jener, der eine Grenze ziehen will, sie dort zieht, wo er subjektiv/willkürlich diese gezogen sehen will. Andere Menschen jedoch würden diese Grenze womöglich ganz woanders ziehen, wenn sie denn überhaupt eine zögen. Somit wird die Frage, ob sich der Staat innerhalb beliebig definierter Grenzen bewahren lässt oder ob er diese überschreiten und darüber hinaus ufern wird, zu einer solchen, die den Macht- und Gewaltaspekt in den Vordergrund rückt. 

Mittels Vernunft ist die Grenzziehung nicht zu erschließen. Ob man die Grenze des Staates bei einer Staatsquote von 20%, 50%, 70% oder 100% gezogen sehen will, ist subjektiv und willkürlich. Ob der Staat als Gewaltmonopol grundsätzlich zu legitimieren ist, jedoch nicht. Diese Frage lässt sich nämlich mittels der Vernunft beantworten. Sich in die Bücher der Freiheit eingelesene Menschen haben erkannt, dass der Staat als Gewaltmonopol sich nicht legitimieren lässt. Übergeht man jedoch diese Frage und setzt den Staat mit einem Naturzustand oder Schicksal gleich, dem die Menschen sich anzupassen haben, wird es problematisch. Denn die Frage der Grenzziehung würden viele Menschen sehr unterschiedlich beantwortet sehen wollen. Die Vernunft ist bei einer solchen Frage bereits übergangen, denn ob der Staat eine Legitimation zu seinem Gewaltmonopol genießt, wurde übersprungen. Nun geht es nur noch um das wie viel

Dieses ist subjektiv und willkürlich und keine Frage der Vernunft mehr. Der Boden dieser Erörterung ist die Beliebigkeit. Auf Grundlage der Beliebigkeit wäre jeder Versuch, eine vernunftgemäße Antwort zu geben, wie ein Spott gegenüber der Fähigkeit des menschlichen Denkens. Ob eine Grenze, die gegenüber dem Staat beliebig gezogen wurde, sich bewahren lässt, oder ob der Staat darüber hinausschwappt, ist somit eine Frage, welche durch die größere Macht und die größere Gewalt beantwortet wird. Setzen sich jene Kräfte durch, welche die Grenzbeibehaltung erwünschen oder doch jene anderen, die pflegen über sie hinaus zu gehen um sie an anderer Stelle neu zu bestimmen? Wie auch immer dieser Kampf entschieden wird, Vernunft ist nicht das Instrument, welches den Schiedsrichter spielen wird. Um nämlich so weit zu kommen, diese Frage zu behandeln, muss bereits im Vorfeld, ohne schiedsrichterliche Vernunft gedacht worden sein. Die individuelle Freiheit auf der Grundlage der Beliebigkeit zu verteidigen schlägt darum fehl. 

Das Unrecht zu akzeptieren, um in weiterer Folge das Recht zu verteidigen, erweckt einen unseriösen und selbstwidersprüchlichen Eindruck. Aufgrund dieses Selbstwiderspruches genießen jene utilitaristischen Befürworter der individuellen Freiheit einen widersprüchlichen und unglaubwürdigen Ruf, der es nicht erlaubt, mit Ideen zu werben, die in sich stichhaltig und kraftvoll sind. Auf diese Weise werden die von Mises angesprochenen besseren Ideen in schlechteren Gewändern präsentiert und müssen sich nicht wundern, unbeachtet zu bleiben. 

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