Freitag, 25. April 2014

Pirinçci und so

von Dr. Peter J. Preusse
„Liebste, die Begeisterung ist schön, allein wenn es ihr gar zu sehr an Erleuchtung fehlt und exaltierte Spießbürger in heißem Feindesblut schwelgen, weil eben die historische Stunde ihnen ihre böse Lust freigibt, so hat das selbstverständlich sein Peinliches“ – so Adele Schopenhauer in Thomas Manns Lotte in Weimar. Wie indolent sind sie eigentlich, unsere staatstragenden Intellektuellen in Funk und Fernsehen, die Blogwarte (A. B. C. Krauss, ef-online) der postmodernen Korrektheit? Dummheit und Uninformiertheit mag hier und da eine Rolle spielen, die wesentliche bestimmt nicht. Es pfeifen ja alle Spatzen von den Dächern, wie schief es um die veröffentlichte Moral bestellt ist, keiner kann doch ernsthaft glauben an all den Unsinn von menschengemachter Klimakatastrophe und verteuerbaren Energien, an die Gleichheit aller Menschen ausser den Rechten und Pädophilen, an die Zukunftsfähigkeit der Schuldenberge, an den Genderquatsch und die Friedfertigkeit des Islam, die Bedrohung durch Genmais und die Weisheit der Eurokraten.
Jetzt, spätestens jetzt, wo ein als solcher kaum angreifbarer gebürtiger Türke der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten hat wie keiner vor ihm, und wo die hilflosen Nazi-Keulen-Schwinger sich in aller Öffentlichkeit nur noch lächerlich machen, jetzt könnte sich doch langsam mal der eine  oder andere in den Redaktionsstuben peinlich berührt fragen, wie blamiert er bald dastehen wird, wenn die Schuldigen am Ruin des Finanzsystems benannt werden, wenn Biostrom ohne Trassen und Speichermedien als teuerster Schildbürgerstreich aller Zeiten gelten wird, gegen den das frühere Staatsprojekt Atomstrom ohne Endlager noch rational war, wenn millionenfaches Zerfetzen von Föten als brutalster Massenmord identifiziert werden wird. Kein Strahlentoter in Fukushima, kein „Stummer Frühling“ durch DDT, dafür aber Millionen Malaria-Opfer durch das DDT-Verbot und ein gelungener grüner Gründungsmythos, keine Erderwärmung in den letzten 16 Jahren oder so: Macht nix, Macht ist eben alles.

Haben wir es nicht langsam satt, uns ständig mit alten und neuen Lügen, Fehlinformationen und Denkverboten rumzuschlagen? Wollen wir nicht langsam mal ein wenig tiefer schürfen? „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, heisst das auf gut Deutsch, Bedürfnispyramide auf Neudeutsch. Und ganz, ganz oben, an der Spitze der Pyramide, da, wo’s am ehesten abbröckelt, da steht die Liebe zur Wahrheit, zur Erkenntnis. An der breiten Basis liegen Durst, Hunger, Kälte, Hitze, dann kommt der Sex, dann vielleicht die Sicherheit, dann das riesige Mittelfeld der verfeinerten Genüsse, gut durchmischt mit einer Prise Selbstachtung, einer breiten Brust und dem ewigen Positionskampf in der Hierarchie, dann, so ziemlich weit oben schon, ein bisschen Sinn für Kunst und Kultur. Hauptsache, der bildungsbürgerliche Anstrich hält.

Was macht sie aus, unsere Intellektuellen, die Interpreten, Designer und Konstrukteure gesellschaftlicher Wirklichkeit in Schule und Hochschule, in Politik und Medien, im gigantisch aufgeblähten Sicherheits- und Rechtswesen, in think-tanks und NGOs, in Banken und Wirtschafts-, Gender- und Umweltforschungs-Instituten und im fast gesamten Kunst- und Kulturbetrieb? Leben sie für die Wahrheit oder auch nur von der Wahrheit? Kann die Wahrheit Geld drucken und Gehälter zahlen, Pensionen zahlen, Macht sichern, ist man in ihrem Dienst unkündbar? Aber der Staat kann das alles, er und sein System von Zentral- und Geschäftsbanken, die Kriege und Sozialleistungen scheinfinanzieren und eben auch die staatstragende Meinungsindustrie am Leben halten, ins Leben rufen mit Leistungen, für die die Damen und Herren Staatsintellektuellen am Markt ihr parasitäres Leben nicht finanziert bekämen. Und wenn sie die Kuh schlachten sollten, deren dünne Milch sie trinken, müssten sie ja am Ende etwas Richtiges arbeiten, wofür Leute freiwillig ihr Geld ausgeben, etwas Banales wie Kochen, Bauen, Blumen binden, Heilen, Produzieren,  Handeln, Organisieren, Sparen und Investieren.


Den Staat können wir immerhin wegdenken, statt uns ständig nervzerfetzend und unfruchtbar über ihn aufzuregen und eine andere, vermeintlich bessere Politik zu fordern. Es gibt keine gute Politik, Politik ist immer Vergewaltigung des Selbsteigentums, gut gemeint oder nicht. Wirklich gut meint es ja wohl jeder zumindest mit sich selbst, und wenn der ach so intelligente Intellektuelle dem „einfachen Bürger“ raten will, was wirklich gut für ihn sei: Bitte sehr, gern willkommen. Aber vorschreiben, weil der von einer relativen Wählermehrheit in der buntbedruckten Wundertüte namens Partei Gekürte sich einbildet, es besser zu verstehen, weil eine hochmögende Experten-Kommission sich mehrheitlich, „demokratisch“ auf eine Wahrheit verständigt hat: Wir können es vorerst nicht verhindern, aber es uns verbitten, gedanklich verbitten und Alternativen suchen für ein wirklich friedliches Zusammenleben, das können wir. Und, solange es neben den direkten Staatsmedien noch private Zeitungs- und Medienverlage gibt, können wir denjenigen unter ihnen, die die bekannte Staatssauce über alles giessen, unser Geld und, was wertvoller ist: unsere Zeit und Aufmerksamkeit entziehen.

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