Montag, 14. April 2014

Marktversagen – The Market for Lemons

von den Münchner Libertariern
1. Marktversagen allgemein

Als Marktversagen wird in der neoklassischen Theorie eine Situation bezeichnet, in der in einem freien Markt ein gemäß dem Interesse der Marktteilnehmer suboptimales Ergebnis erzielt wird. Das kann verursacht werden durch

1) Öffentliche Güter (Trittbrettfahrerproblem)
2) Externalitäten (Entstehende Kosten werden auf Dritte abgewälzt)
3) Natürliche Monopole (Markteintrittskosten für Konkurrenten zu hoch)
4) Informationsasymmetrien

Unter Informationsasymmetrien versteht man eine Situation, in der einige Marktteilnehmer einen mitunter deutlichen Informationsvorsprung gegenüber anderen Marktakteuren haben, der ihre Position z.T. erheblich stärkt und dessen Überwindung hohe Kosten verursachen würde. Diesen Vorsprung können die besser Informierten gegenüber den schlechter Informierten ausspielen.

Wir werden uns in diesem Artikel anhand des oft angeführten Beispiels des sog. „Lemons Problem“ mit dem Fokus auf Informationsasymmetrien mit Marktversagen beschäftigen.


2. The Market for Lemons

George A. Akerlof, dem zusammen mit Michael Spence und Joseph E. Stiglitz 2001 der Wirtschaftsnobelpreis für ihre Analyse von Märkten mit Informationsasymmetrie verliehen wurde, beschrieb das Problem erstmals in seinem im Jahre 1970 veröffentlichten Artikel „The Market for Lemons“.

Darin beschreibt er die Problematik, dass Käufer eines Produktes – im Gegensatz zu den Verkäufern – bei Vertragsabschluss nur unvollständige Informationen über das Produkt besitzen. Als Beispiel führt er den Markt für Gebrauchtwagen an, in dem qualitativ hoch- und minderwertige Autos (lemons) verkauft werden. Der Käufer kann dabei aufgrund seiner schlechten Informationslage nicht entscheiden, ob das Auto ein gutes oder schlechtes ist und wird sich dadurch im Zweifel für ein günstiges Auto entscheiden, um einen Fehlkauf zu vermeiden.

In seinem Buch „Price Theory“ führt David D. Friedman folgendes Beispiel an:

Er beschreibt die Annahme, dass es nur schlechte und gute Autos sowie lediglich Käufer und Verkäufer gibt. Jeder Verkäufer hat genau ein Auto, wobei die Hälfte der zu verkaufenden Autos gute und die andere Hälfte schlechte sind. Im Gegensatz zu den Käufern kennen die Verkäufer die Qualität der Kraftwagen. 

„Verkäufer bewerten schlechte Autos mit minimal 2000$ und gute Autos mit 4000$, wobei sie jeweils für jeden darüber liegenden Wert zum Verkauf bereit sind. Käufer bewerten schlechte Autos mit maximal 2500$ und gute Autos mit 5000$ und sind bereit für jeden niedrigeren Preis dem Tausch zuzustimmen. Es macht den Anschein, dass alle Autos verkauft werden sollten, schlechte Autos zwischen 2000$ und 2500$ und gute zwischen 4000$ und 5000$.“ Es wird offensichtlich, dass die Käufer nicht ohne weitere Informationen entscheiden können, ob es sich um gute oder schlechte Autos handelt. Gleichzeitig gibt es für die Verkäufer keine Möglichkeit die Qualität des Wagens unter Beweis zu stellen. Da die Käufer ein 50-prozentiges Risiko eingehen, ein schlechtes Auto zu kaufen, werden sie im Durchschnitt bereit sein, 3750$ für den Gebrauchtwagen zu bezahlen. Dies liegt jedoch unter dem Preis, der den Verkauf von guten Autos rentabel macht. Somit entsteht eine Anreizstruktur, lediglich günstige Autos, d.h. lemons, anzubieten. Merken die Käufer ihrerseits, dass die Qualität der Gebrauchtwagen abnimmt, werden auch sie zunehmend bereit sein, weniger zu zahlen. Dadurch wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die erst dann endet, wenn nur noch schlechte Autos für einen niedrigen Durchschnittspreis verkauft werden.


Kritik am Modell

Die Annahme des Modells, dass es für die Verkäufer keine Möglichkeit gibt, die Qualität des Wagens unter Beweis zu stellen, trifft nicht ohne weiteres auf die Realität zu. Tatsächlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten für die Verkäufer, die Qualität ihres Produktes offensichtlich zu machen.

So gibt es beispielsweise für die Verkäufer die Möglichkeit, Zertifikate von Gutachtern einzuholen oder Garantien über die Qualität des Autos im Kaufvertrag auszustellen. Dies wird in der Principal Agent Theorie „Signaling“ genannt. Durch solche Maßnahmen entstehen zwar zusätzliche Kosten für den Verkäufer, jedoch wird es dadurch leichter, das Auto hoher Qualität im lemon market zu verkaufen. Eine solche Sicherheitsgarantie wird aber nur dann stattfinden, wenn der ermöglichte Verkaufsgewinn die Zusatzkosten übersteigt. 

Für den Käufer gibt es die Möglichkeit seine Informationslage zu verbessern. Mit „Screening“ wird dieser Mehraufwand bezeichnet. So kann er zum Beispiel ein Gutachten Dritter einholen oder auf eine Qualitätsgarantie vom Verkäufer bestehen. Für die zusätzlichen Transaktionskosten erhöht er seine Sicherheit, tatsächlich ein Auto guter Qualität zu erhalten.

Genau diese Transaktionskosten fehlen im Modell des lemon markets an entscheidender Stelle:

Am Schluss ergibt sich ein scheinbarer Widerspruch, der darin besteht, dass es Verkäufer guter Autos gibt, die ihre Produkte nicht absetzen können, es aber gleichzeitig Käufer gibt, die genau diese Autos erwerben würden, wenn sie auch um die Qualität wüssten. Hierbei wird aber nicht berücksichtigt, dass der Käufer nicht nur das Auto, sondern auch das Wissen um die gute Qualität kaufen möchte. Der tatsächliche Gesamtpreis setzt sich also aus dem Verkaufspreis des Autos und den Transaktionskosten inklusive der Kosten für die Informationsbeschaffung zusammen. In unserem Fall ist also der Gesamtpreis für ein gutes Auto höher als der Preis, den der Käufer maximal bereit ist zu zahlen. Dies ist jedoch auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen, da die Transaktionskosten im Gegensatz zum reinen Verkaufspreis des Autos nicht offensichtlich sind. 

Ähnlich, aber offensichtlicher, wäre die Lage, wenn man bereit ist, eine CD bei einem Versandhändler zu kaufen, der Kauf aber wegen zu hoher Versandkosten nicht zustande kommt. Der Kunde möchte hier nicht nur die CD kaufen, sondern sie auch bei sich zuhause haben. Dies entspricht im lemon market dem Käufer, der nicht nur ein anscheinend gutes, sondern sicher ein tatsächlich gutes Auto zu einem bestimmten Preis erwerben möchte. 

Hier wird also kein Marktversagen, sondern im Gegenteil ein Funktionieren des Marktes gezeigt, da sämtliche Kosten Berücksichtigung finden.

Kommentare:

  1. Hallo Zusammen,

    also kann man zusammenfassend sagen:

    suboptimales Ergebnis = Marktversagenerzielt

    Für mich stellt sich nur die Frage, alles reguliert sich immer irgendwie selbst, auch solch eine Situation. Kann man dies wirklich als "Marktversagen" darstellen?

    Gruß
    Markus Patentanwalt Elektrotechnik

    AntwortenLöschen
  2. wie kommen Sie zur Annahme, dass sich diese Situation des Marktversagens wieder selbst reguliert?
    Ein gescheiterter Markt bleibt ein gescheiterter Markt. Man könnte einen neuen Markt erschließen, aber dieser ist und bleibt tot.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *