Sonntag, 16. März 2014

Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen? Der Staat und der technische Fortschritt

Wo sind sie nur, meine Steuergroschen?
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,

die öffentliche Verwaltung in Deutschland verhält sich sehr widersprüchlich, wenn es um den technischen Fortschritt geht. Einerseits legen sich staatliche Stellen gern neue Computer und sonstige moderne Technik zu, denn das macht bekanntlich Spaß. Und tatsächlich nutzen die staatlichen Mitarbeiter diese neuen Spielzeuge auch, um ihre Aufgaben zu erledigen. Andererseits wollen die staatlichen Stellen aber nicht wahrhaben, dass sich aus dem verstärkten Technikeinsatz eigentlich offensichtliche und kaum zu leugnende Konsequenzen für die Behördenstruktur und für die Anzahl der Mitarbeiter ergeben.


Wenn die technische Entwicklung die Zahl der bestehenden Behörden in Frage stellt oder Personal überflüssig macht, erlahmt der Modernisierungswille der Verantwortlichen schlagartig. Auf organisatorische und personelle Auswirkungen des technischen Fortschritts wird dementsprechend nur sehr schleppend und überaus widerstrebend reagiert. Obstruktion statt Fortschritt, lautet die Parole dann.


Stürmische technologische Entwicklung bei der Landesvermessung …
Schauen wir uns zum Beispiel einmal die staatlichen Vermessungsverwaltungen an, die sehr technisch ausgerichtet sind. Jedes Bundesland verfügt über eine eigene Vermessungsverwaltung unterschiedlichen Zuschnitts. Die Behörden der Vermessungsverwaltung haben die Aufgabe, Basisdaten über die Erdoberfläche zu erheben und in Form von Kartenwerken oder digitalen Informationssystemen bereit zu stellen.

Im Bereich der Landesvermessung hat sich seit den 1990iger Jahren eine stürmische technologische Entwicklung vollzogen. Insbesondere durch satellitengestützte Messverfahren und durch den Fortschritt der Computertechnologie sind viele traditionelle Arbeitsinhalte weggefallen bzw. können mit wesentlich weniger Personal erledigt werden. Konsequenzen hieraus zogen die Vermessungsverwaltungen in aller Regel nicht.

Erst unter dem Druck der leeren Kassen wurde in einigen Bundesländern nach und nach mit der Schließung von Vermessungsämtern und dem Abbau von Stellen begonnen. Im Zuge dieser Modernisierung konnten der Personalbestand und die Anzahl der Vermessungsämter drastisch verringert werden. Dieser Konzentrationsprozess dauert immer noch an, da sich der technische Wandel weiter fortsetzt. Andere Bundesländer haben sich dagegen bisher kaum um eine Verkleinerung ihrer jeweiligen Vermessungsverwaltung bemüht.

… trifft auf geringe Bereitschaft zur Kostensenkung
Wenn die Aufgaben in der Vermessungsverwaltung durch den technischen Fortschritt besser, schneller und mit weniger Personal erledigt werden können, müsste dies die Verantwortlichen doch eigentlich freuen. Mehr Leistung in besserer Qualität, und das zu geringeren Kosten: Günstiger können die Umstände gar nicht sein. Es wird Geld für Zukunftsaufgaben frei, die bislang nicht angepackt werden konnten.


Aber anstelle von Freude über die sich auftuenden Gestaltungsmöglichkeiten war in den Vermessungsverwaltungen nur eine geringe Bereitschaft festzustellen, den technischen Fortschritt zur Kostensenkung zu nutzen. Stattdessen war vielfach das Bestreben zu erkennen, an den überholten Strukturen und vor allem an der vorhandenen Personalausstattung festzuhalten.

Landkarten oder Navigationsgeräte?
Beispielsweise hatte bereits Mitte der 1990iger Jahre ein Gutachter vorgeschlagen, die mit 40 Mitarbeitern betriebene Druckerei eines Vermessungsamtes aus Gründen der Wirtschaftlichkeit aufzugeben und die verbleibenden Druckarbeiten extern erledigen zu lassen. Zehn Jahre später wurde im Rahmen einer Nachuntersuchung festgestellt, dass die Kosten der Druckerei zu weniger als 50 % durch Druckaufträge gedeckt waren. Eine der größten Auftragspositionen war der Druck von Freizeit- und Wanderkarten im Auftrag von Tourismusverbänden und Kommunen. Das Druckvolumen sank von Jahr zu Jahr, weil durch das Aufkommen von Navigationssystemen immer weniger gedruckte Landkarten nachgefragt wurden. Gleichwohl wollte die betreffende Verwaltung noch eine neue, teure Druckmaschine anschaffen.


Dazu kam es im Ergebnis aber nicht mehr, vielmehr wurde das Personal der Druckerei nach und nach abgebaut. Heute unterhält das betreffende Vermessungsamt keine eigene Druckerei mehr. Die für den Druck von Freizeit- und Wanderkarten erforderlichen Daten werden interessierten Verlagen, Kommunen und Wandervereinen in digitaler Form zur Verfügung gestellt.

Na also, es geht doch, kann ich dazu nur sagen. Hat zwar fast zwanzig Jahre gedauert, aber immerhin! Dem Vernehmen nach prüfen die Vermessungsbehörden anderer Bundesländer derzeit, ob sie ihre Druckereien, jetzt vornehm „Grafikzentren“ genannt, ebenfalls abschaffen sollen. Das kann aber noch dauern, liebe Leserinnen und Leser, gut Ding will eben Weile haben, besonders in der öffentlichen Verwaltung, 
sagt nachdenklich




Ihr
Gotthilf Steuerzahler

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