Dienstag, 4. März 2014

Die ungelöste (?!) Frage nach dem Eigentum an Land

Stefan Blankertz entkräftet die
Theorien gegen das Bodeneigentum.
Foto: fotografa/Marten 2012
von Tommy Casagrande
Person X behauptet: ,,Je länger ich darüber nachdenke und diskutiere, desto mehr bin ich überzeugt, dass die Frage, wie Eigentum an Land (Boden, inkl. Wasserflächen) geregelt ist, die absolut zentrale Frage für eine freie Gesellschaft ist. Dieses Thema ist derart vielschichtig und komplex, dass der Hinweis auf das Primat der Freiheit und dass alles Recht sein würde, wenn die Menschen endlich frei wären (Freiheit negativ definiert, selbstverständlich), nicht genügt."

Diese Auffassung wird von nicht wenigen vertreten, die sich selbstredend für liberal oder gar libertär halten. Oft ist man schnell mit der eigenen Kategorisierung für Standpunkte. Fühlt man dem genauer auf den Zahn, bemerkt man, dass sie zu wackeln beginnen. Stefan Blankertz hat sich einmal mehr die Mühe gemacht, diese Position zu analysieren, um aufzuzeigen, dass sie nicht haltbar ist. Ein Danke an dieser Stelle an Stefan.
Stefan Blankertz: ,,Ich halte die Landfrage für nicht ungelöst, aber selbstredend gibt es immer wieder neue Diskussionen. Alle, die das Eigentum am Boden bestreiten (Georgisten, Gesellianer, Tuckerianer, Mackayianer) landen letztlich beim Staat und der Negierung von Eigentum und Freiheit schlechthin. Wenn der Boden niemandem oder allen gehört, bestimmt die Körperschaft, die im Namen dieses "niemandem" oder dieser allen das Land verwaltet. Die Grundsteuer der Georgisten und Gesellianer verweist notgedrungen auf den Staat. Die Versteigerung von Grundnutzungsrecht bei Mackay verlangt eine Weltbehörde und erzwingt optimale Ausbeutung und Nutzung des Bodens.

Letztlich basieren alle Theorien gegen das Bodeneigentum auf drei grundlegenden Fehlern:

1. Jeder Geborene habe qua Geburt ein Anrecht auf ein Stück Boden der Gesamtfläche der Erde geteilt durch die Menschenzahl. Das ist ziemlich lächerlich. Ich weiß, dass "lächerlich" kein Argument ist. Aber wodurch sollte ein solches Recht begründet sein? Man könnte genauso gut sagen, jeder Geborene habe qua Geburt ein Anrecht auf eine Tafel Schokolade. Oder ein Anrecht auf einen Teil des Mondes.

2. Boden unterscheide sich von anderen Gütern dadurch, dass er nicht vermehrbar sei. Das ist in beiderlei Hinsicht falsch. Boden ist in dem Sinne vermehrbar, dass er neuen und effektiveren Nutzungen zugeführt werden kann. Der Boden auf dem Mond nutzt niemandem etwas. Und andere Waren sind auch nicht so "beliebig" vermehrbar, sondern nur im Verhältnis von Boden und Arbeit. Zum Zeitpunkt X, an dem ein Kind geboren wird, steht das Warenangebot genauso fest wie der nutzbare Boden. Das kann zum Zeitpunkt x+1 (wobei "1" für eine beliebige Zeiteinheit stehen kann) anders aussehen und zwar sowohl hinsichtlich des Bodens als auch der verfügbaren Waren. Warum ein Kind zur Zeit der Geburt nicht ebenso ein "Anrecht" auf die weltweit verfügbare Warenmenge geteilt durch die Kopfzahl der Menschheit hat, können diese "Theoretiker" nicht argumentieren.

3. Das Bodeneigentum werde sich monopolisieren. Wenn das stimmte, würde sich auch sonst alles auf dem Markt monopolisieren. In Wirklichkeit dezentralisiert der Markt alles Eigentum, auch das am Boden. Bodenmonopole ergeben sich wie andere Monopole nicht auf dem Markt, sondern durch Staatsinterventionen."

1 Kommentar:

  1. Hallo, Sie schreiben: " In Wirklichkeit dezentralisiert der Markt alles Eigentum, auch das am Boden. Bodenmonopole ergeben sich wie andere Monopole nicht auf dem Markt, sondern durch Staatsinterventionen."

    Dazu eine Frage: ich stimme Ihnen prinzipiell zu, wenn ein Markt quasi neu entsteht. Doch wie wollen Sie es bewerkstelligen, das eine kommende libertäre Gesellschaft ohne die bestehenden Bodenmonopole, also ohne Vorteile für die derzeitig von den Monopoen begünstigten, entstehen kann. Boden privatisieren ja, aber bitte mit Chancengleichheit zu Beginn.

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