Donnerstag, 27. März 2014

Das Problem mit dem Libertarismus

von Moritz Ballauff
Die Anhänger des Libertarismus haben sich zumindest in Deutschland zu einer Gruppe geformt, die abgeschottet über ihre Ideen debattiert und sich gegenseitig über Details zerfleischt, während der Rest der Bundesrepublik immer noch völlig hilflos vor sich hin treibt, ohne den leisesten Verdacht, dass das mit der staatlichen Gewalt vielleicht doch eine miese Idee sein könnte, die uns alle am Ende den Kopf kostet. Ich möchte hiermit an diejenigen appellieren, denen die persönliche Meinungshoheit und das eigene Ego an vielen Stellen noch wichtiger sind als konkrete Freiheit.
Libertarismus setzt die Freiheit des Individuums an höchste Stelle und braucht dabei nichts weiter als das natürliche Recht absoluten Eigentums an sich selbst, wie auch an den Früchten der eigenen Arbeit. Das ist ein Grundsatz, an dem sich jeder festhalten kann, der sich mit dem Libertarismus assoziiert.
Besserwisser, Nerds, Spammer und Hitzköpfe versuchen der eigenen bescheidenen Existenz einen Sinn zu geben und Anerkennung in einer Umgebung zu finden, die eigentlich das Kollektiv in jeglicher Form ablehnt. Keiner sabotiert uns, keiner greift uns an, keiner interessiert sich für uns. Wir sind bloß die Spinner, die philosophische Kunststücke vollführen, die in sich logisch sind, aber kaum eine Handlungsdevise mitgeben, außer nicht zur Urne zu gehen. Sobald es konkret wird flüchten wir uns in das gelernte Links-Rechts-, Ost-West-, Gut-Böse-Schema. Dann werden aus Libertären wieder Konservative, linke Anarchisten und theoretische Besserwisser, die alles außer der eigenen Auffassung für Faschismus halten.
Ich handhabe meine persönlichen politischen Aktivitäten so, dass ich Freunde, deren politische Frustration und Orientierungslosigkeit ich mitbekomme, mit meiner persönlichen Philosophie von Gerechtigkeit und Freiheit in Kontakt bringe. Ich missioniere nicht, ich debattiere nicht, ich gebe eine Lösung an die Hand, nach der sich viel mehr Menschen sehnen als wir derzeit erreichen, einfach weil die Art und Weise, in der unsere Kommunikation stattfindet abschreckend und (machen wir uns nichts vor) größenwahnsinnig wirkt. Ich denke an niemanden bestimmten, wenn ich das hier schreibe, aber ich bin der festen Überzeugung, dass einigen Leuten dieser Underdogstatus lieber ist, weil sie sich so besser profilieren und wichtig machen können mit selbstgerechten intellektuellen Gedankenspielen, die so fernab von der Realität sind, dass sie einfach außerhalb eines bereits penetrierten Kreises überhaupt kein Interesse wecken.
Der Libertäre hat gegenüber dem Politiker den Nachteil, dass er nicht auf Vereinfachungen durch Populismus zurückgreifen darf, weil er damit seine Botschaft zerstört. Wohl aber können wir den Freiheitsbegriff, den wir für natürlich im Menschen verankert halten, bei den Frustrierten und Enttäuschten wiederbeleben.
Die Angst vor dem Markt und vor dem freien Willen ist bei der Masse heute so ausgeprägt wie nie. Dennoch wollen sich viele Menschen im Alltag nicht von Beamten und Behörden bevormunden lassen. Das sollte unsere Zielgruppe sein!
Stattdessen lassen wir die aktuellen Geschehnisse in unseren Redaktionen einrollen und interpretieren sie im Sinne unserer Denkschule, ohne dabei jedoch irgendetwas Neues zu schaffen, außer internen Streitigkeiten zur Deutungshoheit.

Ich wiederhole: keiner sabotiert uns. Wir stehen uns selber im Weg und verkümmern in der Bedeutungslosigkeit. Die meisten Leute kümmern sich nur soweit um Politik, dass sie gemütlich im Mainstream mit ihrer Meinung mit treiben können. Aber anstatt einen guten Zugang zu dem fantastischen Freiheitsbegriff zu bieten, den wir für uns gefunden haben, abstrahieren wir unsere Ideen für den Uneingeweihten bis zur Unkenntlichkeit.
Vorstöße wie die „Freiheitskeime“ sind der Weg der gegangen werden muss und keine kollektiven Diskussionen über die Wahrheit der Lehre der Anderen. Wir haben die Pflicht den Freiheitsbegriff weiterzugeben, den wir haben. Jeder für sich und im Einzelnen. Natürlich braucht eine junge Bewegung, wie die unsere, Diskussion und Evolution, aber denkt doch dabei bitte an die Grundsätze die wir predigen: Individualität, Anti-Kollektivität und absolute Freiheit der Meinung. Libertarismus ist für mich persönlich keine Plattform zur Selbstdarstellung, sondern der Glaube an eine bessere und gerechtere Welt.

Was ich hiermit fordere ist ein radikales Umdenken in der Art und Weise, wie jeder Einzelne von uns seine Botschaft formuliert. Ertrinkt nicht in den Fluten der internen Streitigkeiten, sondern erhebt euch selbstbewusst im Sinne der Freiheit und nicht des eigenen Egos. Ich ordne mich keiner Gruppe oder Idee unter und sei sie noch so verlockend. Ich ordne mich ausschließlich meiner eigenen Gedankenwelt unter, aber verlange nicht, dass irgendjemand anderes das auch tut. Wir müssen anfangen die Freiheit, die wir predigen, zu leben und uns nicht hinter dieser wagen Bewegung zu verstecken. 

Kommentare:

  1. Hallo Moritz!

    "Libertarismus setzt die Freiheit des Individuums an höchste Stelle und braucht dabei nichts weiter als das natürliche Recht absoluten Eigentums an sich selbst, wie auch an den Früchten der eigenen Arbeit. Das ist ein Grundsatz, an dem sich jeder festhalten kann, der sich mit dem Libertarismus assoziiert."

    "Ich ordne mich keiner Gruppe oder Idee unter und sei sie noch so verlockend."

    Ordnest Du Dich nicht der Idee des Eigentums an Sachen unter?

    Wenn Du die Freiheit des Individuums an oberste Stelle setzt, und das Konzept des Eigentums an Sachen diesem widersprechen würde, würdest Du dann das Konzept des Eigentums an Sachen in Frage stellen, oder die Freiheit des Individuums?

    Grüsse,
    Peter

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  2. In der Theorie gibt es verschieden Ansätze des Anarchismus, nicht nur den Indvidualanarchismus...

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  3. Mir fällt es schwer auf bestimmte Fragen konkrete Antworten zu geben. Die Ideologie steckt noch in den Kinderschuhen und wird von vielen meiner Bekannten als "Nicht durchführbare Sache" abgestempelt. Nicht weil es an Argumenten gegen das z.Z. vorhandene System mangelt oder gar an Argumentationen für den Libertarismus, es ist vielmehr die Tatsache, dass ich mich mit meinen Argumenten in eine Position manövriere, die von aussenstehenden als reine Utopie gesehen wird. Ein Zustand den die Welt niemals erreichen kann, weil es doch viel zu wenig "Vernünftige" Menschen gäbe.

    Libertarismus sollte eine einfache "Sprache" sein, die jeder verstehen kann und keine hoch philosophische Vorstellung von einer "besseren Welt". Deshalb habe ich ebenfalls angefangen auf Alltagsbeispiele hinzuweisen, ohne überhaupt etwas von Libertarismus oder dem Kollektiv zu erwähnen. Es wird Generationen dauern, angefangen bei meinen eigenen Kindern die Unterjochung und den Zwangskollektivismus aus dem Gedankengut der Menschen zu bekommen.

    Die viel wichtigere Frage für mich ist: Wie kann ich dieses Ziel verfolgen ohne selbst ein "Tyrann" zu werden!

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