Dienstag, 4. Februar 2014

Themenwoche: Menschenrechte - Artikel 2

von Tommy Casagrande
Artikel 2 der UN- Menschenrechtsproklamation besagt:

,,Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist."

Grundsätzlich gilt: eine jede Aussage, die einen Anspruch reklamiert, behauptet, dass es ein Recht gäbe, einen Menschen zwingen zu dürfen, ein bestimmtes Gut X zu liefern, sobald jemandem ein Anspruch darauf zugesprochen wurde. Ganz offensichtlich stehen Ansprüche somit im Konflikt und im Gegensatz zum in Artikel 1 deklinierten Menschenrecht der "Freiheit aller Menschen". Denn sobald ich Menschen zwingen kann, ein Gut X zu liefern, weil einem anderen Menschen ein Anspruch darauf zugesprochen wurde, so kann nicht behauptet werden, dass dieser Zwang etwas mit Freiheit zu tun hat, denn gegenüber Menschen Zwang anzuwenden ist geradezu das Gegenteil vom Freiheitsbegriff. Andersrum ist der Freiheitsbegriff das exakte Gegenteil der Annahme, man dürfe Menschen mit Zwang und Gewalt zu Handlungen führen, die sie freiwillig nicht täten. 

Ansprüche beruhen immer auf Zwang und Gewalt von Menschen gegen Menschen, während Rechte abstrahiert werden von der Universalität des Menschseins. Da ein jeder Mensch als Individuum geboren wird und sich selbst gehört, ist die Freiheit des Individuums ein Menschenrecht; der Anspruch aber, diese Freiheit zu opfern, um anderen Menschen ein beliebiges Gut X zukommen zu lassen jedoch nicht. 

Darum braucht man nicht zu verkünden, dass ein jeder Mensch einen Anspruch auf seine Freiheit hat. Im Gegenteil, präziser ausgedrückt wäre es, würde man formulieren, dass kein Mensch das Recht habe, Gewalt und Zwang gegenüber einen anderen Menschen zu initiieren. Auch nicht aufgrund von Ansprüchen, denn wenn Ansprüche Gewalt und Zwang von Menschen gegen Menschen legitimieren, und Ansprüche ein Teil der Menschenrechte sind, dann kann im Gegenzug die Freiheit aller Menschen nicht mehr gewährleistet sein und man müsste sich entscheiden, was das eigentliche Menschenrecht ist. 

Ist es das Menschenrecht, dass alle Menschen frei sind? 
Frei vor Zwang und Gewalt anderer Menschen (einschließlich Institutionen die von Menschen bedient werden).

Oder sind Ansprüche ein Menschenrecht ? 
Sodass Gewalt und Zwang, um diese jeweiligen Ansprüche zu gewährleisten, ebenso ein Teil der Menschenrechte wären. Doch dass Gewalt und Zwang zu ertragen ein Menschenrecht sind, wird demnach nicht explizit ausgedrückt, jedoch implizit als Instrument der Anspruchsgewährleistung zugestanden. 

Der Fehler der begangen wird, ist, keinen Unterschied zwischen Rechten und Ansprüchen zu machen. Darum wird dieser Widerspruch ebenso wenig erkannt wie die Folge, dass aus Sicht deren Vertreter, die gewünschten Zustände nur Illusionen bleiben. 

Die Forderung, zwischen Menschen keine Unterschiede zu machen, ist löblich, doch steckt diese Forderung bereits in der Aussage drin: ,,Jedes menschliche Individuum gehört sich selbst". Natürlich sind Menschen unterschiedlich, doch aufgrund der Tatsache, dass sich jedes Individuum selbst gehört, sind diese an jenen universellen Freiheitsrechten gleich geboren und darum ist kein Mensch in seinem Freiheitsrecht zu verletzen, da alle Menschen hinsichtlich dieser Universalitäten gleich sind. 

Jeder Mensch gehört sich selbst und kein Mensch hat das Recht einem anderen Gewalt anzutun oder sein Eigentum zu verletzen. Dieses Recht gilt unterschiedslos für alle Menschen. 

Die in Artikel 2 vorkommende Anmerkung, dass auch kein Unterschied zwischen politischen Anschauungen gemacht werden darf, führt jedoch zu einem Selbstwiderspruch. Politisch zu sein bezieht sich heutzutage auf Konstrukte erzwungener Vergesellschaftung. Wer heutzutage politisch ist, befürwortet in der Regel ein gesellschaftliches System, das durch den Zwang eines Gewaltmonopols zusammengehalten wird. Verständlicherweise ist dies nicht gut zu heißen, da jene, die diesen Zwang und diese Gewalt befürworten, ihrerseits nicht zur Toleranz bereit sind, indem sie das Zugeständnis machen, dass ihr gesellschaftliches Konstrukt nicht erzwungenermaßen für alle Geltung haben solle. Bewegen sie sich jedoch in dieser Frage und beginnen damit politische Betrachtungen vom Gewaltmonopol zu emanzipieren und politische Ideen als Ideen freiwilliger Vergesellschaftung zu entdecken, so wäre auch Politik und politisches Dasein kein Gegensatz mehr zum Freiheitsbegriff, sondern aufgrund der freiwilligen Strukturen ein Teil davon.
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Bildquelle: Planet Wissen.

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