Montag, 17. Februar 2014

Marktkommentar: Neuer Rekord beim Spekulieren auf Kredit

Extremwerte signalisieren das Ende der Party
von Claus Vogt
Liebe Leser,
in den vergangenen Monaten konnte ich in meinem gemeinsam mit Roland Leuschel verfassten Börsenbrief Krisensicher Investieren fast wöchentlich von Finanzmarktindikatoren berichten, die auf Extremwerte gestiegen sind oder gar neue Rekorde aufgestellt haben. Beispielsweise gab es an den Rentenmärkten eine historische Emissionsflut zu bestaunen, die vor allem auch die besonders riskanten Marktsegmente erfasste. Gleichzeitig sind an den Aktienmärkten alle bewährten Kennzahlen der Fundamentalanalyse auf Niveaus gestiegen, die eine drastische Überbewertung, eine Spekulationsblase anzeigen.

Begleitet wurden diese Exzesse von euphorischer Stimmung der Marktteilnehmer und wilder Spekulation. Vorige Woche habe ich Ihnen an dieser Stelle einen Sentimentindikator von Investors Intelligence vorgestellt. Er zeigt, dass der Anteil der Börsenoptimisten auf den höchsten Stand seit dem Crash-Jahr 1987 gestiegen ist.


Spekulative Exzesse wie niemals zuvor

Heute lenke ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine vielleicht noch aussagekräftigere Kennzahl, die Summe der US-Wertpapierkredite. Sie wird von der New York Stock Exchange veröffentlicht und veranschaulicht das Ausmaß, in dem an den Aktienmärkten auf Kredit spekuliert wird. Mit 444,9 Mrd. $ haben die US-Wertpapierkredite per Ende Dezember 2013 einen neuen Rekord erreicht. Es wurde also niemals zuvor an den US-Aktienmärkten in einem größeren Ausmaß auf Kredit spekuliert als heute. Weder am Höhepunkt der größten Aktienblase aller Zeiten im Jahr 2000 noch während der gewaltigen Spekulationsblase des Jahres 2007.

Der alte Rekord dieser Kennzahl wurde mit 381,4 Mrd. $ übrigens im Juni 2007 aufgestellt. Im März 2000, dem Höhepunkt jenes spektakulären Zyklus, belief sich die Summe der Wertpapierkredite übrigens auf 278,5 Mrd. $. Die folgende Grafik zeigt Ihnen den Verlauf dieser Kennzahl zusammen mit dem S&P 500 seit 1997.



US-Wertpapierkredite in Mrd. $ (blau, linke Skala) und S&P 500, 1997 bis 2014
Die Summe der Wertpapierkredite hat den alten Rekord des Jahres 2007 bereits um 17% übertroffen.
Quelle: NYSE.
Summe der Wertpapierkredite ist nicht nur ein Sendimentindikator


Die Kennzahl Summe der Wertpapierkredite kann als Sentimentindikator interpretiert werden. Denn die weitverbreitete Aktienspekulation auf Kredit deutet auf großen Börsenoptimismus der Akteure hin. Und tatsächlich erreichte diese Kennzahl ihre oberen Wendepunkte stets im Bereich wichtiger Tops an den Aktienmärkten.


Die Bedeutung dieser Kennzahl geht aber weit über die Messung der Stimmung der Marktteilnehmer hinaus. Denn Wertpapierkredite unterliegen klaren Regeln. Sobald eine Aktie unter die von der Bank festgesetzte Beleihungsgrenze fällt, muss der Kreditnehmer entweder Geld nachschießen oder seine Position wird von der Bank verkauft. Die auf diese Weise ausgelösten Zwangsverkäufe erhöhen in ohnehin schwachen Marktphasen den Verkaufsdruck: Je stärker die Kurse fallen, desto mehr Zwangsverkäufe finden statt; und je mehr Zwangsverkäufe stattfinden, desto stärker fallen die Kurse.


Spekulationsrekord auch im Verhältnis zum BIP

Die zweite Grafik zeigt Ihnen die Summe der US-Wertpapierkredite in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit 1958. In dieser Darstellung wird das Außergewöhnliche der aktuellen Situation vielleicht noch deutlicher. Ähnlich, aber nicht ganz so hoch wie heute war dieser Indikator nur in den Jahren 2000 und 2007. Beide Male halbierten sich die Aktienmärkte anschließend.

US-Wertpapierkredite in % des BIP, 1958 bis 2013

Wie sehr sich die Zeiten gleichen, verdeutlicht ein Blick auf diese Grafik.
Quelle: NYSE, Fed.
Ich halte die Wahrscheinlichkeit für sehr hoch, dass die hier sichtbar werdenden spekulativen Exzesse, die auch jetzt wieder mit einer deutlichen fundamentalen Überbewertung einhergehen, ein ähnliches Ende nehmen werden wie in den Jahren 2000 und 2007. Aus Sicht meiner Indikatoren und Modelle zeigt die aktuelle Hausse längst alle typischen Charakteristika hoch spekulativer Übertreibungsphasen. Insofern unterscheidet sie sich nicht von ihren besonders wilden Vorgängerinnen. Bisher ist also alles durchaus wie immer. Ich gehe davon aus, dass das auch so bleiben wird. Folglich rechne ich mit dem Platzen dieser Blase und einer Baisse, die den vorangegangenen Exzessen entsprechend verheerend ausfallen wird.

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Ihr

Claus Vogt
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Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. Der ausgewiesene Anlageprofi besitzt ein fundiertes Fachwissen und hat eine Bilderbuchkarriere im Finanzwesen aufzuweisen. Zusammen mit Börsenexperte Roland Leuschel hat er der Bestseller ''Das Greenspan Dossier'' geschrieben. Diese schonungslose Abrechnung mit der Geldpolitik des US-Notenbankchefs stand wochenlang auf den Bestsellerlisten und erscheint aktuell in der dritten Auflage. Auf seiner Webseite www.clausvogt.com hält er aktuelle Informationen, detaillierte Analysen und wertvolles Hintergrundwissen zu den Themen: Eurokrise, Staatsverschuldung, Inflation, Gold, Österreichische Schule, Vermögensschutz für Sie bereit. Außerdem können Sie sich auf www.clausvogt.com für den kostenlosen wöchentlichen E-Mail-Newsletter ,,Claus Vogt Marktkommentar'' registrieren.

1 Kommentar:

  1. Was sie außer Acht lassen:
    nie war es leichter, auf Kredit zu spekulieren (dank Internet), nun auch für Privatanleger (man denke nur an CFD's sowie KO- Zertifikate) Insofern muss der Indikator nicht unbedingt stimmen sonder spricht eher für eine gesundem, zunehmende Liquidität.

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