Montag, 23. Dezember 2013

Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen? Sind deutsche Professoren unterfordert?

Wo sind sie nur, meine Steuergroschen?
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,
oft kann man lesen, dass die Professoren in Deutschland hoch belastet, ja überlastet seien. Forschung und Lehre als Kerngeschäft, dazu immer mehr Gremienarbeit, steigende Studentenzahlen und nicht enden wollende Reformen im Hochschulbereich, es stürmt wirklich eine Menge auf die Professorenschaft an den staatlichen Hochschulen ein.

Aber gelegentlich ist in den Medien auch von umfangreichen Nebentätigkeiten einzelner Wissenschaftler die Rede. Da kommen einem doch Zweifel, ob die Professoren wirklich so stark belastet sind, wie sie es der Öffentlichkeit gerne verkünden.
In Nordrhein-Westfalen wurden die Nebentätigkeiten von Professoren vor einigen Jahren umfassend untersucht. In die Untersuchung wurden mehr als ein Viertel aller Universitätsprofessoren und rund die Hälfte aller Fachhochschulprofessoren dieses Bundeslandes einbezogen.

Im Ergebnis übten insgesamt etwa 25% aller Universitätsprofessoren eine Nebentätigkeit aus. Besonders aktiv waren die Professoren der wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlichen Fächer, hier gingen 46 % bzw. 42 % einer Nebentätigkeit nach. Im Gegensatz dazu übten in den geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Fächern kaum mehr als 10 % aller Professoren eine Nebentätigkeit aus.

Stärker noch als ihre Kollegen an den Universitäten waren die Professoren an den nordrhein-westfälischen Fachhochschulen nebentätig aktiv. Von ihnen gingen insgesamt 38% einer Nebentätigkeit nach. Spitzenreiter in Sachen Nebentätigkeiten waren auch bei den Fachhochschulen die Professoren der Wirtschaftswissenschaften (42%) und der Ingenieurwissenschaften (45%).

Sowohl bei den Universitäten als auch bei den Fachhochschulen waren nebentätig ausgeübte Lehr- und Vortragstätigkeiten am häufigsten anzutreffen. Aber auch als Berater von Firmen, als Gutachter, als Geschäftsführer von Gesellschaften sowie als Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder waren die Professoren aktiv. Auch Nebentätigkeiten freiberuflicher Art als Ingenieur, Architekt, Steuerberater, Rechtsanwalt und Psychotherapeut waren nicht selten.


Gibt es auch unausgelastete Professoren?
Die vorstehenden Statistiken stammen aus den Akten der Hochschulleitungen, welche die Nebentätigkeiten ihrer Professoren zu genehmigen haben oder denen die Nebentätigkeiten zumindest anzuzeigen sind. Wie aber, wenn die Professoren einfach „vergessen“, ihre Nebentätigkeiten der jeweiligen Hochschulleitung mitzuteilen, weil sie den zulässigen zeitlichen Rahmen sprengen oder aus sonstigen Gründen nicht genehmigungsfähig sind? Hier gibt es sicherlich eine Grauzone neben den offiziellen Statistiken.

In diese Grauzone wollten ein Professor und ein Journalist vor einigen Jahren ein wenig hineinleuchten. Sie haben deshalb eine Lockanzeige in der ZEIT geschaltet mit dem Inhalt, dass gegen gute Bezahlung unausgelastete Professoren für 2 bis 3 Tage pro Woche gesucht würden. Auf dieses fingierte Nebenjob-Angebot meldeten sich Dutzende von Professoren. Sie bekundeten, während der Vorlesungszeit problemlos für 2 bis 3 Tage in der Woche zur Verfügung stehen zu können, während der Semesterferien wöchentlich für noch mehr Tage.

Dazu ist anzumerken, dass nach den für Professoren geltenden Bestimmungen lediglich ein Tag pro Woche für Nebentätigkeiten verwendet werden darf. Um die Vereinbarkeit eines derart zeitintensiven Nebenjobs mit ihren Dienstpflichten schienen sich die interessierten Professoren keine Gedanken zu machen. Die Auftraggeber für die Lockanzeige waren von den Reaktionen auf ihr fingiertes Stellenangebot so erschüttert, dass sie ihre Erlebnisse flugs zu einem Buch verarbeiteten (Uwe Kamenz, Martin Wehrle: Professor Untat. Was ist faul hinter den Hochschulkulissen). Sicherlich nicht zur Freude der Professorenschaft!


Strikte Beachtung des Nebentätigkeitsrechts
Es besteht ein großes öffentliches Interesse daran, dass die Nebentätigkeiten der aus Steuergeldern gut bezahlten Professoren den gesetzlich zugelassenen Rahmen nicht überschreiten. Keinesfalls dürfen sich Nebentätigkeiten zu einem Zweitberuf entwickeln, für den ein Großteil der Arbeitskraft eingesetzt wird. Vielmehr haben die Hochschulen als Arbeitgeber und die Steuerzahler einen Anspruch darauf, dass die Professoren ihren dienstlichen Pflichten in Forschung und Lehre in vollem Umfang und mit voller Kraft und Aufmerksamkeit nachkommen.

Das großzügig ausgestaltete Nebentätigkeitsrecht lässt genügend Raum dafür, dass Professoren Erfahrungen in der Praxis sammeln und in gewissem Umfang ihre finanzielle Situation verbessern können. Alles, was über die geltenden Regelungen des Nebentätigkeitsrechts hinausgeht, ist nicht zu rechtfertigen und darf nicht toleriert werden. Das meint
Ihr um Gerechtigkeit bemühter



Gotthilf Steuerzahler

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