Freitag, 20. Dezember 2013

Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen? Schülerzahlen und Lehrerstellen

Wo sind sie nur, meine Steuergroschen?
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn die Zahl der Schüler im Schulsystem abnimmt, müsste entsprechend auch die Zahl der Lehrer abnehmen. Denn schließlich ist für weniger Schüler auch weniger Unterricht zu erteilen. Sollte man meinen.

Doch in den staatlichen Schulen Deutschlands ist das anders: Da hat sich in den letzten Jahren die Zahl der Schüler zwar deutlich verringert, die Zahl der Lehrer ist jedoch gleich geblieben oder hat sich sogar weiter erhöht!
Können Sie kaum glauben? Dann lassen Sie beispielhaft die nachfolgenden Zahlen aus Baden-Württemberg auf sich wirken, die der Rechnungshof dieses Bundeslandes dankenswerterweise für eine Denkschrift zusammengetragen hat. Sie zeigen Ihnen die Entwicklung der Schülerzahlen von 2000 bis 2011. Ob sie das Denken der zuständigen Politiker anregen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Entwicklung der Schülerzahlen


Insgesamt hat die Zahl der Schüler in Baden-Württemberg seit dem Höchststand im Jahr 2003 um mehr als 100.000 abgenommen. Ab 2004 gehen die Schülerzahlen in den Grund- und Hauptschulen sowie in den Realschulen zurück und schließlich seit 2011 auch  in den Gymnasien.
Dass die Gymnasien erst deutlich später von dem zahlenmäßigen Rückgang betroffen wurden, hängt damit zusammen, dass in den letzten Jahren ein immer höherer Anteil eines jeden Schülerjahrgangs auf die Gymnasien überwechselte. Der Rückgang der Schülerzahlen geht natürlich auf die seit vielen Jahren in ganz Deutschland sinkenden Geburtenzahlen zurück, ein aus meiner Sicht sehr beklagenswerter Trend.

Entwicklung der Lehrerstellen

Die Lehrerstellen in Baden-Württemberg sind im Zeitraum 2000 bis 2011 von rund 68 300 auf rund 77 200, also um etwa 13 Prozent, gestiegen. Dabei können auf einer Lehrerstelle auch mehrere Teilzeitlehrkräfte beschäftigt werden. Die Gesamtzahl aller Lehrer in Baden-Württemberg liegt somit noch über den vorstehend genannten Zahlen.

Die Zunahme der Lehrerstellen hat in allen Schulformen stattgefunden, also auch bei den Grund- und Hauptschulen, die vom Rückgang der Schülerzahlen am stärksten betroffen sind. Aufgrund der vielen zusätzlichen Lehrer verbesserte sich in Baden-Württemberg die Schüler-Lehrer-Relation von 17,7 im Jahr 2000 auf 14,2 im Jahr 2011.

Die Erhöhung der Lehrerstellen wurde von den Bildungspolitikern gewollt und erfolgte in Kenntnis der sinkenden Schülerzahlen. Begründet wurden die zusätzlichen Lehrerstellen mit den verschiedensten schulpolitischen Anliegen. Von der Landespolitik gibt es nur schwache Signale, dass in Zukunft auf den absehbaren weiteren Rückgang der Schülerzahlen mit einem deutlichen Abbau von Lehrerstellen reagiert werden wird. Mindestens zum Teil sollen die überzähligen Lehrerstellen auch in Zukunft für neue bildungspolitische Erfordernisse verwendet werden.

Immer wieder neue Bedarfe in der Bildungspolitik

In einem Land wie Deutschland, das kaum über Bodenschätze verfügt, ist es sicherlich nicht falsch, viel Geld in die Ausbildung der nachfolgenden Generation zu investieren. Es fällt jedoch auf, dass von der Schulpolitik immer wieder neue Bedarfe definiert werden, auf die dann stets mit der Schaffung neuer Lehrerstellen reagiert wird.



Überzeugender wäre es, angesichts der enormen Steuergelder, die in den Schulbereich fließen, die bildungspolitischen Maßnahmen der Vergangenheit zunächst einer Erfolgskontrolle zu unterziehen, ehe neue Wünsche realisiert werden. Wurden die gesteckten bildungspolitischen Ziele tatsächlich erreicht? Kam es zu nachweisbaren Verbesserungen bei der Qualifizierung junger Menschen? Oder gilt es schon als ein bildungspolitischer Erfolg, dass einfach nur mehr Geld ausgegeben wurde?



Das nur mittelmäßige Abschneiden des deutschen Schulsystems in den internationalen PISA-Studien lässt eher den Schluss zu, dass in der deutschen Bildungspolitik bisher zu viel auf den Input und zu wenig auf den Output Wert gelegt wurde. Vor diesem Hintergrund drängt sich der Verdacht auf, dass die Schulpolitiker dieser Republik die in harten politischen Verteilungskämpfen errungenen Lehrerstellen trotz sinkender Schülerzahlen einfach nicht wieder hergeben wollten.

Rückläufige Bedarfe müssen die öffentlichen Haushalte entlasten

Der Staat erfüllt in Deutschland eine Fülle von Aufgaben, deren Umfang zunehmen oder auch abnehmen kann. Typisch für den staatlichen Bereich ist, dass auf Aufgabenzuwächse in der Regel sofort reagiert wird, indem zusätzliche Gelder bereitgestellt werden. Zurückgehende Bedarfe hingegen werden meist nur sehr schleppend von der Politik wahrgenommen und anerkannt.


Die Zahl der Lehrerstellen ist von großer Bedeutung für die Finanzen der Bundesländer. Von den Personalausgaben der Länder entfällt mehr als die Hälfte auf den Lehrerbereich. Die Länder sollten die rückläufigen Schülerzahlen unbedingt zu einer Entlastung ihrer Haushalte nutzen, indem sie überzählige Lehrerstellen nicht wiederbesetzen, sondern wegfallen lassen.

Nutzen die Länder solche Entlastungsmöglichkeiten nicht, werden sie nie aus ihren finanziellen Nöten herauskommen. Oder es wird wieder, liebe Leserinnen und Leser, der Ruf nach Steuererhöhungen erschallen, weil der Staat ja trotz reichlich fließender Steuereinnahmen mit seinem Geld nicht auskommt. Dies fürchtet

Ihr geplagter

Gotthilf Steuerzahler

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