Mittwoch, 4. Dezember 2013

Was machen eigentlich … meine Steuergroschen? Von Pferden und steuerzahlenden Bürgern

Wo sind sie nur, meine Steuergroschen?
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn sich Stuten und Hengste in Deutschland näherkommen, sind wir steuerzahlenden Bürger regelmäßig mit dabei. Denn die Pferdezucht wird hierzulande als so wichtig angesehen, dass der Staat sie finanziell unterstützt. Zur Freude der privaten Züchter natürlich, die davon profitieren. Können Sie kaum glauben? Dann lassen Sie mich mal ein wenig von den staatlichen Gestüten erzählen, die wahrscheinlich nur Pferdefreunden ein Begriff sind.

Die meisten Bundesländer unterhalten staatliche Gestüte, deren Hauptaufgabe darin besteht, den Züchtern wertvolle Hengste gegen ein Deckgeld zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck wird ein umfangreiches Netz von sogenannten Deckstellen beziehungsweise Besamungsstationen unterhalten. Auf den flächenmäßig großen Gestüten tummeln sich mehrere Hundert Pferde, die von zahlreichen Staatsbediensteten betreut werden. Ein größeres Gestüt verursacht Kosten in Millionenhöhe, denen regelmäßig nur geringe Einnahmen aus Deckgeldern usw. gegenüberstehen. Der Kostendeckungsgrad der Gestüte liegt zum Teil unter 40%.
Die staatlichen Gestüte haben eine lange Tradition, die zum Teil Jahrhunderte zurückreicht. Was in diesem Zusammenhang nicht so gerne herausgestellt wird, früher ging es um die Zucht von Pferden für militärische Zwecke. Als es dann mit der Kavallerie zu Ende war, wurde die Existenz der staatlichen Gestüte mit der Zucht von Arbeitspferden für die Landwirtschaft gerechtfertigt. Heute steht die Züchtung von Sportpferden im Vordergrund. Die Gestüte haben sich auch zusätzlich auf die Ausbildung von Reitern und Pferdewirten verlegt, führen Leistungsprüfungen für Pferde sowie Veranstaltungen mit touristischem Charakter durch.
Das Beispiel der Gestüte zeigt, wie stark das Interesse von staatlichen Einrichtungen ist, auch nach Wegfall des Gründungszwecks weiter zu bestehen und ihre Existenz mit neuen Aufgaben zu rechtfertigen. Es belegt weiterhin, dass die Politik nur ungern Einrichtungen schließt, auch wenn diese sich offensichtlich überlebt haben. Bei neuen Bedarfen reagiert die Politik hingegen schnell und stellt umgehend Geld und Personal zur Verfügung. Wenn Aufgaben sich verringern geschieht dagegen lange Zeit nichts, und nur widerwillig und in kleinen Schritten werden schließlich Konsequenzen gezogen. Bei den staatlichen Gestüten nimmt die Politik sogar dauerhaft in Kauf, dass diese Einrichtungen erhebliche Defizite verursachen.
Nur einige wenige Bundesländer haben richtig auf die geschilderte Entwicklung reagiert: Sie haben ihre Gestüte zusammengelegt oder ganz aufgelöst. Sollen sich doch die privaten Züchter selbst darum kümmern, dass Stuten und Hengste zusammenkommen und für ausreichenden Nachwuchs sorgen! Da sollten auch die übrigen Bundesländer nicht länger zaudern, meine ich, und ihre staatlichen Gestüte endlich auflösen. Die Pferdezucht ist weiß Gott keine Aufgabe, die von der Allgemeinheit finanziell unterstützt werden muss. Zumal es sich ja bei den Züchtern und Pferdefreunden generell nicht um einen notleidenden Teil der Bevölkerung handelt. Das sagt, liebe Leserinnen und Leser, aus eigener Erfahrung
Ihr ungeduldiger

Gotthilf Steuerzahler

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