Mittwoch, 18. Dezember 2013

Nelson Mandela und das Wirtschaftssystem der Apartheid

von Tomasz M. Froelich
Wenn eine berühmte Persönlichkeit stirbt, nimmt das öffentliche Interesse an ihr kurzweilig zu. Dieses Interesse ist meist oberflächlicher Natur. Man trauert der Person ein wenig nach, schaut sich vielleicht noch ein, zwei Fernsehdokumentationen an und liest bestenfalls eine ihr wohlgesinnte Biographie. Man tut dies, um das ohnehin von den Massenmedien einprogrammierte Bild, das man von dieser Persönlichkeit hat, mithilfe der Massenmedien nochmals zu bestätigen. Wie sinnvoll...

Nahezu jeder ist ahnungslos...
Auch der vor kurzem verstorbene Nelson Mandela, Symbolfigur des Kampfes gegen das rassistische Apartheidssystem in Südafrika, war eine solche Persönlichkeit. Nahezu jeder trauert ihm nach. Nahezu jeder hält ihn für einen der größten Helden in der Geschichte der Menschheit. Nahezu jeder ist der Ansicht, dass man sich am Handeln Mandelas orientieren sollte. Nahezu jeder hat gar keine Ahnung davon, wer Mandela wirklich war und was er gemacht hat.

Nahezu niemand wird wissen, dass Mandela ein gewaltverherrlichender Verbrecher, und nicht der von den Massenmedien hochstilisierte Freiheitskämpfer gewesen ist. Nahezu niemand wird wissen, dass Mandelas sozialistisches Wirtschaftsprogramm, das er als Präsident Südafrikas seit 1994 sukzessive einführte, das Land zunehmend an den Rand des Ruins treibte und treibt. Dieses Wirtschaftssystem soll im Folgenden kurz skizziert werden. Des besseren Verständnisses halber ist es jedoch notwendig, das Wirtschaftssystem der Apartheid als das zu entlarven, was es wirklich war, nämlich alles andere als kapitalistisch, wie es von Antikapitalisten sämtlicher Couleur gerne suggeriert wird.

Die Apartheids-Ökonomie
Die Apartheid und das ihr zugrundeliegende Wirtschaftssystem beruhte auf einer staatlich festgelegten und organisierten Rassentrennung zulasten der schwarzen Bevölkerungsmehrheit. In der Wirtschaft äußerte sich dies zum Beispiel darin, dass schwarzen Menschen der Zutritt auf den Arbeitsmarkt erschwert wurde und dass sie nur begrenzt Kapital anhäufen konnten. Thomas W. Hazlett von der George Mason University spricht daher von einem ,,Sozialismus mit einer rassistischen Visage''.
Gestützt wurde dieses System in erster Linie von der weißen Arbeiterklasse und den mächtigen Gewerkschaften, in denen sie sich organisierten. Den Gewerkschaften ging es dabei darum, den möglichen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, den die weniger qualifizierten schwarzen Arbeiter zu entfachen drohten, im Keime zu ersticken. Hazlett schreibt hierzu: ,,In der Regel geht man davon aus, dass das Apartheidssystem eine Erfindung reicher Weißer sei, die die Schwarzen arm halten wollten. In Wirklichkeit aber war dieses System das Ergebnis eines Klassenkampfes, welches von weißen Arbeitern eingeführt wurde, die sowohl gegen die schwarze Mehrheit, als auch gegen die weißen Kapitalisten ankämpften.''

Das Wirtschaftssystem der Apartheid als kapitalistisch zu bezeichnen wäre daher blanker Hohn. Schon William H. Hutt, Mitglied der Mont Pelerin Society, beklagte in seinem 1964 erschienenem Werk ,,Economics of the Color Bar'' die enormen Interventionen in die Wirtschaft durch den südafrikanischen Zentralstaat und forderte einen freien Kapital- und Arbeitsmarkt. Leon Louw und Francess Kendalla kamen in ihrem 1986 erschienenem Werk ,,South Africa: The Solution'' zu einer ähnlichen Analyse der Missstände und boten als Alternative eine Dezentralisierung des Staates nach dem Vorbild des schweizerischen Kantonsystems an. In beiden Werken sind sich die Autoren einig, dass Südafrika während der Apartheid weit von einem kapitalistischen Wirtschaftssystem, einer freien Marktwirtschaft entfernt war. Dass von antikapitalistisch gesinnten Ideologen der Rassismus der Apartheid gerne in einen Topf mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem geworfen wird, ist nichts anderes als hanebüchene Polemik schlechten Stils.

Die Mandela-Ökonomie
Leider machte die Anti-Apartheids-Bewegung mit Mandela an der Spitze den folgenschweren Fehler, das Wirtschaftssystem der Apartheid als kapitalistisch zu klassifizieren, weshalb sie - aus ihrer Sicht fast schon folgerichtig - in einem marxistisch-leninistischen Wirtschafts- und Politiksystem die einzige Alternative zur Überwindung der Apartheid sah.
Als Mandela mit seinem African National Congress 1994 an die Macht kam, schaffte er die Rassentrennung glücklicherweise ab. Jeder Bürger, ob weiß oder schwarz, hatte nun das Recht, Kapital anzuhäufen und hatte gleichberechtigten Zutritt auf den Arbeitsmarkt. Die sozialistischen Prinzipien der Apartheids-Ökonomie wurden jedoch, im Gegensatz zu deren rassistischen Prinzipien, nicht über Bord geworfen. Dabei wäre es wichtig gewesen, die sozialistischen Prinzipien ebenfalls zu überwinden und durch kapitalistische Prinzipien zu ersetzen. Schon der große Murray Rothbard schrieb, dass wirtschaftliche Freiheit der beste Garant zur Überwindung rassischer Ungerechtigkeiten ist: ,,Die freie Marktwirtschaft ist ein wunderbares Gegengewicht zum Rassismus. Auf dem freien Markt werden Arbeitgeber, die keine effizienten schwarzen Arbeitskräfte einstellen, ihre eigenen Gewinne schmälern und somit ihrem eigenen Betrieb schaden. Erst durch staatliches Zutun ist es der Regierung möglich, die mit dem Rassismus einhergehenden Kosten zu sozialisieren und ein Apartheidssystem einzuführen.''

Auf dem freien Markt kann sich der Unternehmer rassistisches Vorgehen kaum leisten, da ihm sonst die Pleite droht. (Was nicht heißt, dass der Unternehmer auf dem freien Markt nicht rassistisch handeln darf. Es wird sich für ihn jedoch tendenziell aus struktureller Sicht nicht auszahlen). Werden die Kosten für rassistisches Vorgehen in der Wirtschaft sozialisiert, wie dies zu Zeiten des Apartheidssystems in Südafrika der Fall gewesen ist, ist der Anreiz rassistischen Handelns wesentlich größer. Der Kapitalismus ist daher, strukturell betrachtet, die Antithese zum Rassismus. Schade, dass Mandela das nie begriffen hat.

Kommentare:

  1. "Nahezu jeder trauert ihm nach."

    Nun ich wußte schon immer, das ich nicht jeder bin.

    "Auf dem freien Markt kann sich der Unternehmer rassistisches Vorgehen kaum leisten, da ihm sonst die Pleite droht."

    Non sequitur

    Auf einem freien Markt kann sich jeder die Art von Diskriminierung heraus suchen, die er möchte. Und es wird daraus nicht die Pleite folgen, wenn es genügend Leute gibt die "ähnlich" denken und dazu stehen. Es mag durchaus geschäftsschädigend sein, aber auch das ist irrelevant, wenn sich die "restlichen" Kunden gut genug bedient fühlen.

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    1. Das stimmt schon, nur wird ein Unternehmer auf dem freien Markt tendenziell auf Rassismus verzichten, wenn es seinem Geschäft schaden würde. Natürlich hat er aber das Recht im Rahmen seines Geschäfts zu diskriminieren - keine Frage!

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  2. Ich habe nicht gesagt, es sei eine besonders "gute" Idee oder schlecht, nur das es Diskriminierung nicht automatisch Pleite bedeutet.

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  3. Von der Sklaverei zur Zinswirtschaft

    "Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren, und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand."

    Morpheus (Matrix)

    Es ergibt sich die nur auf den ersten Blick erstaunliche Tatsache, dass die Ausbeutung im Laufe der Jahrtausende ihrem Wesen nach gänzlich gleich geblieben ist. Es ist grundsätzlich dasselbe, ob in der Vergangenheit der Sklave als Arbeitsmotor infolge seiner persönlichen und daher wirtschaftlichen Unfreiheit unmittelbar für seinen Herrn fronen musste; oder ob im heutigen Privatkapitalismus der Arbeitende vorwiegend infolge des Geld- und Bodenmonopols – also infolge einer unfreien Wirtschaft – nur einen um den Zins verkürzten Arbeitsertrag erhält oder ob schließlich in dem von den Marxisten gepredigten Staatskapitalismus, der sich fälschlich als Sozialismus ausgibt, infolge der Monopolisierung nahezu der gesamten Wirtschaft durch den Staat der Grundsatz der wirtschaftlichen Unfreiheit zur höchsten Potenz erhoben, die Ausbeutung also auf die Spitze getrieben wird, wobei der Zwangsarbeiter zusehen muss, was – nach Befriedigung der Ansprüche der herrschenden Bürokratie und des riesenhaft aufgeblähten Staatsapparates, die begreiflicherweise den Vorrang genießen – zuletzt für ihn übrig bleibt. In allen drei Fällen ist das Ausbeutungsprinzip dasselbe geblieben, bedingt das Monopol die Einschränkung oder gar den Ausschluss der Konkurrenz und damit zugleich die Ausbeutung.

    Nur in der Technik der Ausbeutung besteht ein Unterschied.

    War es früher erforderlich, Sklaven, das heißt persönlich unfreie Menschen, zu halten, um sie auszubeuten, so bringt die Zinswirtschaft das Kunststück fertig, den Menschen sämtliche persönlichen und politischen Freiheiten zu gewähren und sie trotzdem auszubeuten. Obgleich Zinsnehmer und Zinszahler (angeblich) rechtlich einander gleichgestellt und ebenbürtig sind, vermag der eine sich die Früchte der Arbeit des anderen anzueignen. Diese legalisierte Ausbeutung beruht, wie gesagt, auf dem Vorhandensein von Monopolen. An die Stelle des Sklavenhalters ist im modernen Rechtsstaat der Zinsbezieher, an die Stelle des Sklaven der Zinszahler getreten. Die Ausbeutung erfolgt nicht mehr unmittelbar durch die Aneignung der Arbeit des Sklaven, sondern mittelbar durch das Monopol. Es ist begreiflich, dass die Sklaverei für die Ausbeuter uninteressant wurde, seitdem man die wirtschaftliche Unfreiheit der Auszubeutenden – diese einzige Voraussetzung einer jeden Ausbeutung – anstatt durch persönliche Freiheitsberaubung durch die Monopole zu erzielen vermochte:

    Marktgerechtigkeit

    Die erste vollständige Theorie zur Herstellung absoluter Marktgerechtigkeit wurde bereits im Jahr 1906 veröffentlicht – konnte aber vom "Normalbürger", der sich gedanklich eben nicht in der Realität, sondern noch immer im "Programm Genesis" befindet, bis heute nicht verstanden werden:

    Einführung in die Wahrheit

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