Mittwoch, 20. November 2013

Falsche Gegensätze - falsche Verbündete

von Tommy Casagrande
Die Grünen als die bösen Totalitaristen hinzustellen führt zur Stigmatisierung falscher Feinde und zur Annahme falscher Freunde. Auch die FDP spricht sich, wie die Grünen und alle anderen Parteien, in der Naivität ihres Glaubens, alle Menschen zu einer bestimmten Form von "Freiheit" zwingen zu dürfen, für ein Gewaltmonopol aus.
Wenn Menschen freiwillig Gesellschaft machen, dann können Menschen auch eine solche konzipieren, in der einer einzigen Organisation die Alleinanbietung zugestanden wird. Dies unterscheidet sich fundamental von einem Gewaltmonopol, wenn es freiwilliges Mitmachen oder Austreten erlaubt. Ein Alleinanbieter und ein Gewaltmonopolist sind nun mal auch nicht das selbe.
Eine grüne Organisation der Alleinanbietung wäre genauso legitim, wie eine anders ausgerichtete Alleinanbietung. Alleinanbietung und Freiwilligkeit müssen dabei jedoch ident sein. Ignoriert man die Freiwilligkeit und gründet Gesellschaft auf einem Gewaltmonopol, in dem alle gezwungen werden, nach bestimmten Inhalten zu leben, dann ist es auch ein Verbrechen, wenn die FDP regiert und nicht nur, wenn es die Grünen tun.
Wenn Menschen in einer freiwilligen Gesellschaft einer grünen Organisation die Alleinanbietung übertrügen, Lebensmodelle auszuarbeiten und Instanzen zu schaffen, an die man vielerlei delegieren kann, sodass man nicht alles selber tun muss, kann das, was wir heute Staat nennen, auf freiwilliger Ebene gelingen. Es würde sich das Gewaltmonopol mit der Freiwilligkeit tauschen. Die FDP steht aber für ein Menschenbild des Selbermachens. Sie verweigert die Delegierung von menschlichen Handlungen und steht einer solchen gesellschaftlichen Organisation kritisch gegenüber. Sie unterstützt gesellschaftliche Prozesse der Kommerzialität und des reinen Wachstums an Technik und Geld. Sie ist eine in diesem Sinne materialistische Organisation und zwingt durch das Gewaltmonopol den Menschen diesen Lebensstil auf. Auf diese Weise reduziert eine FDP beispielsweise den Begriff des Liberalismus auf die Funktionen der menschlichen Effizienz. Wenn Freiheit mit Geld verdienen, reich werden, technologischem Fortschritt und Fabriken gleichgesetzt wird, dann grenzt dieser Freiheitsbegriff alle jene Vorstellungen darüber aus, dass Menschen auch umgekehrt Freiheit mit weniger Geld, aber mehr Freizeit, mit Nachhaltigkeit, gesunder Ernährung, Natur, Spaß und Freude verbinden.
Eine Vergeschwisterung aller menschlicher Bedürfnisse ist nur unter einem Freiheitsbegriff möglich, der alles miteinschließt, was freiwillig gewünscht ist. Für eine derartige Gesellschaft ist aber das Gewaltmonopol das falsche Fundament. Die Annahme, die FDP oder irgendeine andere Partei sei graduell weniger totalitär als die Grünen, stigmatisiert die Grünen zum Feindbild und nicht das Gewaltmonopol. Zugleich entsteht die Selbsttäuschung, dass andere Parteien das geringere Übel und somit besser und freiheitlicher sind, womit dem gewaltmonopolistischem Denkzugang der Vorrang gegenüber der Idee freiwilliger Vergesellschaftung gegeben wird.
Graduell zwischen Parteien zu unterscheiden, die das Gewaltmonopol befürworten, ist letzten Endes sinnfrei, denn es führt zum Aufbau sowohl falscher Gegensätze, als auch zur Annahme falscher Verbündeter.

Kommentare:

  1. Ich kann dem Autor nicht ganz zustimmen, auch wenn ich seinen Gedankengang nachvollziehen kann. Glaubt man dem Autor, macht es nämlich keinen Sinn zwischen der NSDAP, der SED und etwa der PDV zu unterscheiden. Ich sehe das anders.

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  2. Ich finde ebenfalls, dass man bei aller Ablehnung durchaus sagen kann, dass manche Parteien sich in ihren Grundsätzen in eine Richtung Bewegen, die zumindest grob die Freiheit anpeilt, von der wir reden (FDP, PDV), während andere Parteien einfach die Definition des Etatismus auf den Punkt bringen (z.B. die Grünen). Ein Frank Schäffler ist nicht aus Versehen in die FDP eingetreten und nicht in die Grüne.

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  3. Es ist egal ob jemand in der FDP oder bei den Linken ist. Es ist egal was jemand wählt. Die Teilnahme an dem Zwangs-System ist nur mit Unterstützung des Zwanges möglich. Der eine mag durchaus für etwas weniger Zwang einstehen. Aber er steht für Zwang ein. So wie ein Herr Schäffler oder ein Herr Janich.
    Zum nachlesen weiterer Argumentation bitte hier lang:
    http://www.misesde.org/?p=6548

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