Dienstag, 12. November 2013

Die zwei Formen des Eigentums

von Tommy Casagrande
Es gibt nicht nur ein Wesen von Eigentum, sondern zwei. Das eine Wesen ist anarchistisch und definiert sich durch die Struktur freiwilliger Vergesellschaftung. In einem von Grund auf freiwillig aufgebauten Gesellschaftsmodell entwickeln sich Tauschgeschäfte, Preise, Verteilung von Gütern unter freien Bedingungen. Unter solchen Bedingungen, die es auf der Erde nie gegeben hat, entspricht das Wesen des Eigentumbegriffes der Struktur, die ihn umgibt, denn der Eigentumsbegriff hat seine Voraussetzung in der Struktur der Vergesellschaftung, durch die er definiert wird. 
Eine erzwungene Vergesellschaftung kann keinen anarchistischen Eigentumsbegriff aufbauen, weil schon die Vergesellschaftung auf Zwang und Gewalt beruht und unter diesen Umständen das, was sich als "Markt" entwickeln wird, beeinflusst.
Somit gelangen wir zum zweiten Eigentumsbegriff, der uns heute begegnet. Er hat ein etatistisches Wesen und ist aufgrund der erzwungenen Vergesellschaftungsform Spielball machtpolitischer Interessen. Tauschhandlungen, Preise, Verteilung von Gütern findet unter etatistischen Strukturen statt und wird durch sie beeinflusst, verzerrt und manipuliert. Indem man diesen etatistischen Eigentumsbegriff verteidigt, geht man dem Etatismus auf den Leim. 
Oft wird das Eigentum von Menschen verteidigt, die auf den selben etatistischen Strukturen zu Wohlstand und Reichtum gelangt sind, auf denen andere aussortiert, selektiert, in Abhängigkeit gehalten, arm bleiben oder ärmer werden. 
Das Problem tritt hier wie folgt auf: Einerseits verteidigt der Libertäre das Eigentum von Menschen. Das Problem ist nur, dass er nicht darauf achtet, auf welchen Strukturen es erwirtschaftet wurde. Unternehmer setzen sich sehr oft dafür ein, dass der Staat ihre potentielle oder gegenwärtige Konkurrenz aus dem Markt räumt. Nur weil ein Mensch am Geld machen orientiert ist, bedeutet es nicht, dass ihm die Freiheit aller Menschen wichtig sei. Hier gilt ein wichtiger Satz: Freiheit statt Staats-Kapitalismus. Manche Linke, die es beinah begriffen haben, sind schon sehr nah dran, wenn sie sagen: Freiheit statt Kapitalismus. Allerdings ist es ein immenser Unterschied ob es sich um anarchistischen Kapitalismus oder um Staats-Kapitalismus handelt.
Zum anderen kann man als Libertärer nicht fordern, dass jemandem Eigentum weggenommen wird. Dies würde dem eigenen Grundsatz widersprechen, der beim Selbsteigentum seinen Ausgang nimmt.
Nun sind aber Menschen zu Wohlstand und Reichtum gelangt, die den Staat benutzt haben, um Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit und in die Lohnabhängigkeit zu drängen. Hier zu sagen, dass die in die Arbeitslosigkeit gedrängten Menschen es nicht anders verdient, und die Reichen durchaus ihren Reichtum verdient haben wäre eine etatistische Aussage. Denn das Zustandekommen dieser Zustände beruht auf Macht und struktureller Gewalt. Man braucht aber nicht den Staat aktiv benutzen, um zu Wohlstand und Reichtum zu gelangen, auch wenn organisierte Interessenverbände alles schaffen können. Man kann sich auch einfach auf den staatlichen Strukturen durchsetzen. Ist dieses Eigentum dann verdient? Ich finde nicht, da es immer noch etatistisch ist. Schließlich resultiert die Höhe nach Abzug der Steuern und Abgaben aus den Umsätzen. Und diese Umsätze sind abhängig vom Wettbewerb. Wenn es Millionen gesunder Menschen gibt, die nicht arbeiten können, die keine Unternehmen gründen können, dann hat es für alle Branchenumsätze einen Einfluss und somit auch Einfluss auf die Löhne und Gewinne. 
Ich bin gegen eine Umverteilung, wenngleich diese die folgerichtige etatistische Antwort wäre. Die Umverteilung macht man nicht rückgängig, indem die Armen in ihrer Untätigkeit festgenagelt und mit unveränderbaren Abhängigkeitsgeldern unten gehalten werden. Die Umverteilung ist für die Armen auch kein Gewinn, sondern hält sie weiterhin unten. Es ist ein sehr schlechter Ersatz für fehlende Arbeit und Lebensperspektiven. Zudem stellt es eine psychische Belastung bei vielen Menschen dar, das Gefühl zu haben, nicht gebraucht zu werden.
Ich bin darum für eine Befreiung der Armen. Durch die Beseitigung von Lizenzierungen, Regulierungen, Inflation, Gesetzen usw. usf. würden die Armen befreit und in die Lage versetzt, wenn sie wollen, ihr Leben verbessern zu können. Damit wäre es möglich, dass die Armen nicht arm bleiben sondern mit der Mittelschicht konkurrieren können. Und die Mittelschicht ihrerseits, die aus Angst vor dieser Konkurrenz sich staatlichen Gesetzen anbiedert, welche die Armen beim Aufstieg behindern, hätte ihrerseits die Möglichkeit mit den Reichen in Konkurrenz zu treten. Die Gesellschaft würde an Dynamik zulegen, prosperieren und das zugegebenermaßen idealisierte, aber lebenswerte Prinzip der amerikanischen Gründerjahre verkörpern, wo es noch ein jeder schaffen konnte. Wenngleich mir eine Befreiung der Armen nicht weit genug geht. Sie kann nur ein Anfang sein, um die Scheere aus arm und reich zu verkleinern. Prinzipiell läuft es schon darauf hinaus, Vergesellschaftung freiwillig sich vorzustellen. 

1 Kommentar:

  1. Ich finde es sehr gut, wie Du die soziale Mobilität zu einem wichtigen Kennzeichen einer freien Gesellschaft erhebst, weil das etwas ist, was meiner Meinung nach vielen, den von Dir angesprochenen "Linken", nicht so recht in den Kopf zu gehen scheint.

    Wenn du Staats-Kapitalismus sagst, meinst du Korporatismus oder unterscheidest Du da?

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