Sonntag, 27. Oktober 2013

Marktkommentar: Was, wenn die Zinsen weiter steigen?


von Claus Vogt
Die Duration ist eine für Anleiheanleger sehr wichtige Kennzahl. Sie misst die Bindungsdauer des in einem festverzinslichen Wertpapier angelegten Kapitals und ist ein Maß für dessen Zinssensitivität. In dem kürzlich erschienen Global Financial Stability Report berichtet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass die durchschnittliche Duration globaler Rentenportfolios auf 6,2 Jahre gestiegen ist. In den drei Zinssteigerungszyklen der Jahre 1994-1995, 1999-2000 und 2004-2006 habe sie im Durchschnitt nur 5 Jahre betragen.
Obwohl - oder vielleicht gerade weil - das aktuelle Zinsniveau erheblich niedriger ist als in den gerade genannten Jahren, sind die Anleger also ein deutlich höheres Zinssteigerungsrisiko eingegangen. Und warum auch nicht, werden Sie vielleicht sagen. Haben die Zentralbankbürokraten nicht versprochen, die Zinsen bis zum Sankt-Nimmerleinstag niedrig zu halten?

Auch Planwirtschaftler irren - mit oft verheerenden Folgen

Das haben sie zwar tatsächlich mehr oder weniger deutlich getan. Aber ob sie es auch können? Immerhin sind die Zinsen an den Anleihemärkten in den vergangenen 12 Monaten bereits recht deutlich gestiegen. Und die wenigen Damen und vielen Herren der Gelddruckmaschine haben sich in der Vergangenheit schon oft mit gravierenden Fehleinschätzungen hervorgetan. Schließlich leiden sie wie alle überzeugten Planwirtschaftler und Weltverbesserer, die stets auf Kosten anderer agieren, an Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit. Das trübt den Blick und mag erklären, wieso die Zentralbanknomenklatura fest daran glaubt, den Konjunkturzyklus und mit ihm den Finanzzyklus steuern, ja „besiegen“ zu können. Es erklärt aber nicht, warum Anleger immer und immer wieder auf derlei Beteuerungen hereinfallen und den Sirenengesängen erliegen.
Ende der 90er Jahre waren es die NASDAQ- und Neuer Markt-Aficionados. Dann folgten die Beton-Gold-Gläubigen. Und jetzt also die von ihrem Naturell her eigentlich konservativen Anleihekäufer. Bernanke, Draghi & Co. haben es mit ihrer systematischen Bestrafung des Sparers also tatsächlich geschafft, dass dieser seine Vorsicht aufgegeben und sein Vermögen zum Spielball unverantwortlich agierender Zentralbank-Planwirtschaftler gemacht hat. 

 Zinsen 30-jähriger US-Staatsanleihen, Momentum-Oszillator, 2008 bis 2013

Trotz massiver Markteingriffe der Zentralbankbürokraten sind die Zinsen
seit Mitte 2012 deutlich gestiegen
Sind 2,3 Billionen Dollar viel? Ich bin gespannt, was nach dem Platzen dieser Anleihe-Spekulationsblase passieren wird. Der IWF schätzt in seiner Studie die weltweiten Verluste der Anleiheanleger bei einem Zinsanstieg von nur einem Prozentpunkt auf stattliche 2,3 Billionen $.
Ein Gespür dafür, wie stattlich diese Zahl tatsächlich ist, erhält man durch einen Blick zurück auf die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009. Damals beliefen sich die Abschreibungen der Finanzinstitute auf 2,1 Billionen $. 2,1 Billionen $ galten seinerzeit als viel. Als so viel sogar, dass Banker, Zentralbankbürokraten und Politiker den Weltuntergang an die Wand malten - für den Fall, dass diese Verluste dort verbleiben würden, wo sie entstanden waren und hingehörten, anstatt sie auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Prompt wurde unter Umgehung diverser Gesetze massiv umgewälzt, und viele gewichtige Großbanker durften ihre bestens dotierten Pöstchen unverdientermaßen behalten.
Dass die Zahl der Lebensmittelmarkenempfänger in den USA seit 2008 von 28,2 Mio. Menschen auf derzeit 47,6 Mio. von Armut betroffene Einzelschicksale gestiegen ist, scheint kein Argument gegen die eingeschlagene Politik zu sein.

US-Staatsausgaben für Lebensmittelmarken in Mrd. $, 1960 bis 2013 

Unvermeidbare Kollateralschäden oder das traurige Ergebnis
verantwortlungsloser Politik? Um Großbanken vor dem Untergang zu
retten, scheint kein Opfer zu groß zu sein
Wie gut die Verlustschätzungen des IWF letztlich sein mögen, weiß ich nicht. Vermutlich sind sie wie fast immer viel zu optimistisch. Aber hoffentlich nicht so daneben wie die Verlustschätzungen, mit denen sich Ben Bernanke einst für den Job des Fed-Präsidenten empfahl, der im Ranking der mächtigsten Staatsdiener ja weit über den IWF-Bürokraten steht: Im Sommer 2007, als die große Krise unter dem Namen „Subprime-Krise“ schon begonnen hatte, schätzte Bernanke die daraus entstehenden Verluste des Bankensektors „auf bis zu 100 Mrd. Dollar.“ Seiner Karriere als monetärer Planwirtschaftler tat das natürlich keinen Abbruch. 
Ich selbst kommentierte diese Prognose damals übrigens mit den Worten, dass es wohl auf ein Vielfaches der genannten Summe hinauslaufen werde. Hoffentlich bewegt sich der Schätzfehler des IWF nicht in derselben Größenordnung wie der von Prof. Bernanke.

Ihr 
Claus Vogt

P.S.: In eigener Sache: Am 9. November werde ich um 13:15 Uhr auf der Edelmetallmesse in München einen Vortrag über "Das große Bild" halten, und bereits am 8. November um 13:00 für pro aurum - ebenfalls auf der Edelmetallmesse - den Fokus etwas stärker auf den Goldmarkt legen.

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