Donnerstag, 27. Juni 2013

Von der Monarchie zur Demokratie: Eine anarchokapitalistische Analyse

Anarchokapitalistische Ikone: Murray N. Rothbard
von Jonathan Danubio
„Der moderne Staat ist niemand anderes als der König der vergangenen Jahrhunderte, der im Triumph sein hartnäckiges Werk vollendet.“ (Paul Viollet)

1. Einleitung

Der Demokratisierungsprozess in den westlichen Gesellschaften begann mit der Französischen Revolution und endete mit dem Ersten Weltkrieg. In der politischen Theorie gab es vor der Französischen Revolution kaum einen Befürworter der Demokratie und selbst Apologeten – wie etwa Rousseau – konnten sich die Demokratie nur in kleinen Gesellschaften vorstellen, da ihrer Meinung nach die hohe soziale Kontrolle vor ausuferndem Machtmissbrauch schütze. Etwa zweihundert Jahre später hat sich die Demokratie in den westlichen Ländern zu einer Art säkularen Religion entwickelt und die Infragestellung des demokratischen Prinzips an sich gilt schon als ein Sakrileg. Dies überrascht umso mehr, wenn man das historisch junge Alter der Demokratie bedenkt. Jene ideologische Tabuisierung, dessen Ursachen hier nicht behandelt werden können, hat zahlreiche Konsequenzen, von denen uns eine besonders interessiert.

Es ist eine bekannte Weisheit, dass Geschichte stets von Siegern geschrieben wird. Mit anderen Worten: die historische Perspektive, die dann auch an öffentlichen Schulen und Universitäten gelehrt wird, ist determiniert. Da Demokratie etwas Gutes ist, muss der Sturz der Monarchie auch etwas Gutes gewesen sein. Solch eine Voreingenommenheit, die sich aber stets mit dem Mantel der Wertneutralität tarnt, verhindert einen wahren historischen Erkenntnisgewinn. In der folgenden Hausarbeit wird die Demokratie nicht als teleologischer Endpunkt der Geschichte betrachtet, sie ist daher notwendigerweise revisionistisch.

Die europäische Transition von den Monarchien zu den Demokratien soll im Folgenden aus anarchokapitalistischer Sicht analysiert werden. Nach einer kurzen Einführung in den Anarchokapitalismus – und folglich dem normativen Standpunkt des Verfassers – wird die Monarchie sowohl aus historischer als auch aus theoretischer Perspektive mit der Demokratie verglichen. Der Vergleich besteht aufgrund der Komplexität des Themas aus der Untersuchung mehrerer Beispiele, die sich dann zu einem Mosaik zusammenfügen lassen, welches abschließend in einem Fazit skizziert werden soll.


2. Einführung in den Anarchokapitalismus

Der Anarchokapitalismus ist eine Synthese aus politischer Philosophie und Wirtschaftstheorie, die Mitte des 20. Jh. von Murray N. Rothbard begründet wurde. Sein Ziel ist die Lösung gesellschaftlicher Konflikte, die durch die Unvereinbarkeit von Verwendungszwecken bezüglich knapper Güter entstehen. Da nicht alle Verwendungszwecke gleichzeitig befriedigt werden können, profitiert eine Partei nur auf Kosten der anderen. Diese Situation lässt sich erst durch die Institution des Privateigentums – der exklusiven Verfügungsgewalt über ein knappes Gut – lösen.

Rothbard begründet das Privateigentum naturrechtlich: jeder Mensch gehört von Natur aus sich selbst, andernfalls gehört man einer Gruppe oder der Gesamtheit von Menschen. Ersteres ist mit einem universalen ethischen Naturrecht, Letzteres mit dem biologischen Fortbestand der Menschheit unvereinbar. Der Mensch muss sich zum Überleben die Natur aneignen und nach Locke/Rothbard wird derjenige zum legitimen Eigentümer eines zuvor herrenlosen Gutes, der es zuerst nutzt. Zu dieser ursprünglichen Aneignung gibt es keine logischen oder praktischen Alternativen. Verwendet ein Eigentümer seine Güter weiter zur Produktion, wird er auch zum Besitzer des Produktes, denn andernfalls gehört es wiederum einer Gruppe oder der Gesamtheit von Menschen, die ihn dann rechtmäßig gegen seinen Willen enteignen dürften. Jeder Mensch kann mit seinem Privateigentum – Körper und Güter – nach eigenem Gutdünken verfahren, solange er das Eigentum anderer nicht belästigt (Nichtaggressionsprinzip). Folglich können Güter auch nur noch freiwillig getauscht werden, da niemand ein Recht zur Initiierung von Gewalt besitzt (Verstoß gegen Universalitätsprinzip). Zudem würde Gewalt als Norm der Eigentumsaneignung gesellschaftliche Konflikte nur verschlimmern.

Da jeder (souveräne) Staat ein territorialer Rechtsmonopolist sein muss, ist die Initiierung von Gewalt ein inhärenter Bestandteil des Staates. Das Rechtsmonopol impliziert die Zwangsbesteuerung, welche auf Unfreiwilligkeit beruht und daher vom Diebstahl nicht zu unterscheiden ist. Auf diese Weise entstehen zwei Klassen: Netto-Steuerzahler und Netto-Steuerprofiteure. Staatsangestellte erhalten ihr Einkommen – anders als die restlichen Marktteilnehmer – nicht über freiwillige Täusche (pareto-superior), sondern nur durch Enteignung (pareto-inferior). Dies beweist auch, dass der freie Markt – Bezeichnung für die Gesamtheit freiwilliger Täusche – dem Staat vorausgeht, denn um enteignen zu können, muss zunächst etwas produziert worden sein. Selbst wenn man hypothetisch eine freiwillige Steuerzahlung annähme, initiiert der Staat immer noch Zwang, da er als Rechtsmonopolist alle potentiellen privaten Rechtsanbieter gewaltsam von der Konkurrenz ausschließen muss.

Aus anarchokapitalistischer Sicht ist folglich jeder Staat ein Verbrecher, da er das individuelle Eigentum belästigen muss. Doch anders als übliche Verbrecher hat der Staat seine Eigentumsübergriffe institutionalisiert. Zudem werden die Staatsakte von der Mehrheit der Bevölkerung als legitim angesehen, sodass das Individuum kein Recht auf Selbstverteidigung hat. Anarchokapitalisten plädieren sowohl aus moralischen als auch ökonomischen Gründen für die Abschaffung des Staates und eine Substituierung durch den freien Markt, auf dessen Funktionsweise aus Platzgründen leider nicht eingegangen werden kann.

Abschließend muss noch die Frage beantwortet werden, wie eine anarchokapitalistische Geschichtsinterpretation aussieht. Im Fokus steht primär die Untersuchung der Staatsgewalt – Gesamtheit der gouvernementalen Elemente – hinsichtlich ihres Ausmaßes und nicht ihrer Form. Je mächtiger die Staatsgewalt ist, desto größer auch der gesellschaftliche Bereich, über den sie bestimmen kann und umso geringer die individuelle Freiheit. Ein Mehr an Staatsgewalt beurteilen Anarchokapitalisten daher als schlechter. Jede Staatsgewalt strebt nach Expansion, aber der Grad der tatsächlichen Ausdehnung hängt von der Regierungsform ab. Im Folgenden soll anhand einiger Beispiele gezeigt werden, dass sich mit dem Übergang von den Monarchien zu den Demokratien die Staatsgewalt in europäischen Ländern massiv ausgeweitet hat.

3. Historisch-theoretischer Vergleich zwischen Monarchien und Demokratien

3.1 Definitionen

Der Unterschied zwischen Monarchien und Demokratien besteht laut dem Ökonomen Hans-Hermann Hoppe darin, dass sich Monarchien in Privatbesitz und Demokratien in öffentlichem Eigentum mit temporären Verwaltern befinden. Diese Differenz führt zu diametralen Anreizstrukturen, die noch näher beleuchtet werden. Der historische Idealtypus privaten Herrschaftsbesitzes sind Erbmonarchien, während demokratische Republiken ihr Pendant darstellen. Die Begriffe Monarchie und Demokratie werden fortan in obigem Sinne verwendet.


3.2 Abriss der historischen Genese von Monarchien und Demokratien

Ein Unterschied zwischen Monarchien und Demokratien lässt sich schon in ihren historischen Genesen erkennen. Die mittelalterlichen Feudalmonarchien entstanden durch Raubzüge (exogene Ursache), wobei das Königsamt dem Anführer der Räuberbande zufiel. Damit kann aber nicht erklärt werden, weshalb Monarchien auch in Gesellschaften entstanden, die nicht gewaltsam unterworfen wurden.

In jeder Gesellschaft mit geringem Komplexitätsgrad (Stammesgesellschaften) erlangen einige Individuen aufgrund exzeptioneller Eigenschaften bzw. Leistungen den Rang einer natürlichen Elite. In den frühen europäischen Gesellschaften wurde diese Position meist von den erfolgreichsten Kriegern wahrgenommen, da ihre Beutezüge das Stammesvermögen erhöhten. Sie hatten nicht nur den höchsten Sozialstatus, sondern auch die größten Familien, denen sie als Patriarchen vorstanden. Der gesellschaftliche Zusammenhalt basierte auf der freiwilligen Kooperation der wichtigsten Familienoberhäupter. Zu diesem Zwecke wurde meist ein Senat gegründet, dem ein gemeinsam gewählter König aus ihren Reihen vorstand (meist der geachtetste Patriarch). Der König war das militärische Symbol des Senats, da er im Kriegsfall Oberbefehlshaber über die zusammengelegten Kontingente war. Er musste mit dem Senat zusammenarbeiten, denn andernfalls konnte er nur seine eigene gens befehligen. Doch da der König naturgemäß nach einer Ausdehnung seiner Macht strebte, kam es im Laufe der Zeit zu Konflikten mit dem Senat.

Unabhängig vom Ausgang des internen Kampfes kann festgestellt werden, dass das Amt des Königs nicht nur durch Eroberungen, sondern auch aufgrund von natürlicher Autorität (endogene Ursache) entstehen konnte. Demokratien hingegen können selbst in kleinsten Gesellschaften nicht endogen entstehen, da natürliche Autorität per definitionem eine individuelle Eigenschaft ist. Aus diesem Grunde muss die Mehrheit ihre Legitimation auf unnatürliche Weise behaupten. Historisch gesehen setzte sich die Demokratie im Zuge von Kriegen und Revolutionen durch, da der Erfolg dieser Aktionen in hohem Maße von gemeinsamen Massenanstrengungen abhing. Dies erklärt auch, warum Demokratien typischerweise auf Monarchien – der ursprünglicheren Form der Herrschaft – folgten.


3.3 Der Gang der Zivilisation und der Prozess der Entzivilisierung

Der Zivilisationsprozess ist durch ständig sinkende Zinssätze geprägt. Im 6. Jh. v. Chr. lag der Minimalzinssatz in Griechenland bei ca. 16% und sank zur Zeit des Hellenismus auf 6%. In Rom fiel er von mehr als 8% (Anfang der Republik) auf 4% (Frühphase des Kaisertums). Im Europa des 13. Jh. lag der Minimalzins bei 8%, sank jedoch sukzessiv, bis er Ende des 19. Jh. seinen historischen Tiefpunkt von 2,5% erreichte. Diese Entwicklung war nicht linear, sondern wurde insbesondere durch Inflationen, Kriege und Revolutionen beeinträchtigt.

Die Ursache dieser Entwicklung ist eine fallende gesellschaftliche Zeitpräferenz. Allgemein gibt die Zeitpräferenz das individuelle Verhältnis zwischen Konsum und Sparen – Verzicht auf gegenwärtigen zugunsten mehr zukünftigen Konsums – an. Konsumiert jemand viel in der Gegenwart, hat er eine hohe Zeitpräferenz und vice versa. Die gesellschaftliche Zeitpräferenz (Aggregat individueller Zeitpräferenzen) drückt sich im Zinssatz aus. Der Zins ist hoch, wenn eine Gesellschaft viel in der Gegenwart konsumiert und niedrig, wenn sie vermehrt auf jetzigen Konsum verzichtet. Ist die gesellschaftliche Zeitpräferenz erst einmal niedrig genug, um die Akkumulation von Kapital zu ermöglichen – welches dann in einen als profitabel erkannten Produktionsumweg investiert wird –, setzt ceteris paribus ein Prozess fallender Zeitpräferenzen ein. Der Grund dafür: ist eine Produktion erfolgreich, hat man mehr Konsumgüter als man ohne die Produktion gehabt hätte und es entsteht ein Anreiz zu erneutem Sparen und Investieren. Wenn die nächste Produktion auch erfolgreich ist, sinkt die Zeitpräferenz noch weiter etc. pp. Die stetige Ausweitung der Produktionsprozesse führt zu gesellschaftlicher Arbeitsteilung und in der Folge zu steigenden Reallöhnen bzw. einem höheren Lebensstandard, was dann wiederum in einem Sinken der Zeitpräferenz mündet.

Dieser Zivilisationsprozess wird jedoch beeinträchtigt. Ein üblicher Verbrecher beeinflusst nur temporär die effektive Zeitpräferenz vereinzelter Individuen. Die regelmäßigen Staatsübergriffe hingegen erhöhen die gesellschaftliche Zeitpräferenz im Allgemeinen, da sie ein Sinken des gegenwärtigen und des zukünftigen Güterangebotes implizieren. Jeder Staat setzt einen entzivilisierenden Gegenprozess in Gang, doch das Ausmaß hängt von der Regierungsform ab. Die Zinssätze im Europa des 20. Jh. sind wider Erwarten nicht weiter gesunken, sondern durchschnittlich wieder auf 4-5% gestiegen, was etwa dem Zinsniveau des 15. Jh. entspricht. Es gibt zwei Erklärungen: entweder die Realeinkommen sind gesunken, was empirisch widerlegbar ist, oder die Menschen haben eine allgemein höhere Zeitpräferenz. Hoppe sieht den Siegeszug der Demokratie als Ursache für Letzteres an, denn legt man jeweils das Selbstinteresse der Herrscher zugrunde, d. h. die Bevorzugung von mehr Macht/Reichtum gegenüber weniger, dann hat ein Monarch ceteris paribus eine geringere Zeitpräferenz als der demokratische Verwalter.

Nun lassen sich historische Beispiele zitieren, in denen Monarchen eine höhere Zeitpräferenz demonstrierten als Verwalter. Diese empirischen Beispiele können aber die folgenden theoretischen Ableitungen aus den Anreizstrukturen von Monarchen bzw. Verwaltern nicht widerlegen, da bei ihnen schlicht die ceteris paribus-Klausel nicht gegeben ist, d. h. Faktoren außer dem Selbstinteresse intervenieren. A priori-Deduktionen können nicht durch die Empirie, sondern nur durch grundlegendere Axiome oder den Nachweis falscher Ableitungen falsifiziert werden. Im Folgenden sollen nun Monarchien und Demokratien sowohl historisch – hinsichtlich des Ausmaßes der tatsächlichen Staatsgewalt – als auch theoretisch – hinsichtlich der wesenseigenen Unterschiede – verglichen werden.


3.4 Privateigentum vs. öffentliches Eigentum

Privateigentum führt zu einem schonenden Umgang mit den verfügbaren Ressourcen. Der Monarch als Eigentümer seines Territoriums, das er verkaufen oder vererben kann, wird versuchen sowohl sein gegenwärtiges Steuereinkommen als auch die Kapitalwerte (vereinfacht: die zukünftigen Erträge) seines Landes zu maximieren. Doch er wird nicht das eine auf Kosten des anderen erhöhen. Aus diesem Grunde haben Monarchien eher geringe Steuerquoten, denn je niedriger die Steuern sind, desto höher ist die gesellschaftliche Produktivität und folglich die Zahl der Besteuerbaren. Die Abgabenlast hat insbesondere im 16. und 17. Jh. durch neue Einnahmequellen (Verbrauchssteuer, Zölle etc.) stark zugenommen, doch der Anteil des Regierungseinkommens am Inlandsprodukt blieb relativ niedrig und stabil (selten höher als 5-8% des Inlandsprodukts ). Daher gab es auch nur wenige Beamte. Ihre Zahl stieg zwar seit dem Absolutismus beständig an, doch bis zum Ende des 19. Jh. waren selten mehr als 3% der europäischen Bevölkerung im Staatsdienst tätig.

Demokratische Verwalter besitzen ein Staatsterritorium nicht, sondern können den Regierungsapparat bloß temporär – bis zu ihrer Abwahl – nutzen. Aus diesem Grunde haben sie eine hohe Zeitpräferenz und werden die verfügbaren Ressourcen schnellstmöglich verwenden. Da sie nur über das laufende Regierungseinkommen gebieten, werden Verwalter die Steuern auch auf Kosten der Kapitalwerte erhöhen. Ein Politiker hat zudem keinen Anreiz, langfristig zu denken, denn die Ressourcenschonung käme erst seinen Nachfolgern zugute. So lag der Anteil des Regierungseinkommens am Inlandsprodukt in Westeuropa nach dem Ersten Weltkrieg zwischen 15-20% und im Jahre 2000 bei ca. 50%. Damit ging eine Expansion des öffentlichen Sektors einher. Im Jahre 2000 waren 15-20% der westeuropäischen Bevölkerung im öffentlichen Dienst tätig .

Aus ökonomischer Sicht ist der öffentliche Sektor eine Kapitalverschwendung. Beamte produzieren Güter, wodurch Kosten entstehen, die auf die Bürger abgewälzt werden. Man kann aber niemals angeben, ob diese Kosten gerechtfertigt sind, da öffentliche Güter per definitionem unverkäuflich sind, d. h. kein Konsument kann durch eine freiwillige Zahlung demonstrieren, ob und wie viel ihm diese Güter wert sind. Selbst wenn ein demokratischer Verwalter ressourcenschonend wirtschaften wollte, könnte er dies eben aufgrund fehlender Marktpreise nicht. Da es keine freie Konkurrenz im Anbieten von öffentlichen Gütern gibt, wird die Qualität der Produkte minderwertiger sein und bleiben. Die staatlich garantierte Monopolstellung der Beamten – bspw. keine Entlassungen oder Gehaltskürzungen bei unzufriedenen Kunden – setzt zudem einen Anreiz zur Faulheit, der noch dadurch verstärkt wird, dass Beamte entbehrlich und ihre Budgets gekürzt würden, wenn sie bei der langfristigen Lösung von Problemen erfolgreich wären.

Ob Herrschaft privatisiert oder kollektiviert ist, hat sowohl für die Regenten als auch die Untertanen unterschiedliche psychologische Folgen. Ein auf Lebenszeit regierender Monarch identifiziert sich stärker mit der beherrschten Gesellschaft. Seine Sorge um das Allgemeinwohl ist daher – unabhängig von egoistischen Motiven des Machterhalts – ganz natürlich. Diese Fürsorge kann sowohl gute (bspw. Pax Augusta) als auch schlechte Folgen haben, wenn nämlich die gesellschaftlichen Bedürfnisse falsch interpretiert werden. Temporären Verwaltern fehlt aber aufgrund ihrer kurzen Amtsdauer eine Identifikation mit der Gesellschaft, d. h. die Sorge um das Wohl der Untertanen geht vollends in der möglichst schnellen Ausbeutung der regierten Gesellschaft unter.

In Monarchien bildet sich bei den Untertanen ein gemeinsames Klassenbewusstsein heraus. Auf der einen Seite der Herrscher und seine Höflinge, die als einzige von den Steuern profitieren, und auf der anderen Seite die Untertanen, die niemals regieren werden. Versuchte der Monarch die Staatsgewalt auszuweiten, wurde dies – bis zur Französischen Revolution – als eine Repression bekämpft. Das Klassenbewusstsein erodierte, als der Regierungszutritt und somit die politische Macht für die Egoismen jedermanns geöffnet wurde. Aufgrund der nunmehr anonymisierten Herrschaft entstand sogar die Illusion der Selbstregierung. Der Historiker Bertrand de Jouvenel entlarvt diesen Mythos: das Wort Staat bezeichnet a) eine organisierte Gesellschaft mit autonomer Regierung und b) den Apparat, vermittels welchem die Gesellschaft regiert wird. Im Sinne von a) sind alle Bürger Teil des Staates, aber im Sinne von b) sind es nur die Bürger, die am Staatsapparat teilhaben. Eine Vermengung der Konnotationen führt zur Selbstregierung. Mit dem Verschwinden des Klassenbewusstseins wird auch die Machtausdehnung des Staates nicht mehr als Angriff gesehen, da man nun potentiell davon profitieren könnte. Das Ausmaß der tatsächlichen Staatsgewalt hängt also stark vom gesellschaftlich dominierenden Herrschaftsbild ab.


3.5 Legitimationsideologien

Entgegen einem verbreiteten Fehlglauben beruhen nicht nur Demokratien, sondern alle Herrschaftsformen auf der (passiven) Akzeptanz der Bevölkerungsmehrheit. Aus diesem Grunde haben sich Herrscher seit jeher mit Legitimationsideologien umhüllt, die den Bürger zum Gehorsam verpflichten sollten. Es gibt derer zwei Arten: a) Souveränitätstheorien und b) Zwecktheorien. Beide wurden ursprünglich erdacht, um die monarchische Gewalt zu beschränken, doch im Laufe der Zeit missbrauchte man sie als Rechtfertigung für die Ausweitung der Staatsgewalt.


a) Souveränitätstheorien

Souveränitätstheorien gehen davon aus, dass Herrscher ein höchstes Befehlsrecht haben, dem alle individuellen Rechte untergeordnet sind. Dieses Recht wurde stets aus zwei ehrfurchtgebietenden Quellen abgeleitet: entweder von Gott oder dem Volk. Ein hartnäckiger Aberglaube besagt sinngemäß: Die mittelalterlichen Monarchen missbrauchten das Prinzip der göttlichen Souveränität, um willkürlich zu herrschen. Tatsächlich war der mittelalterliche Monarch nicht einmal souverän im heutigen Sinne, da er über keine Gesetzgebungskompetenz verfügte. Seine Macht wurde sowohl vom Adel (s. 3.6) als auch von der Kirche eingeschränkt. Das Prinzip der göttlichen Souveränität gemahnte anfänglich auch nicht die Bürger zum Gehorsam gegenüber dem König, sondern den König zur Einhaltung des göttlichen Gesetzes (Kirchenrecht), welches von der Kirche kontrolliert wurde. Die göttliche Souveränität garantierte also eine Zeit lang die Eindämmung der Staatsgewalt.

Auf göttliche Souveränität im Sinne eines absoluten, von Gott direkt legitimierten Herrschers stößt man erst im 17. Jh. Diese Konnotation war eine Pervertierung der Ursprungsidee, die erst im Zuge der Reformation entstehen konnte. Durch die Teilung von kirchlicher und weltlicher Macht gelang es den reformierten Fürsten, das Souveränitätsrecht zu vereinnahmen. Zuvor hatte der Fürst ein göttliches Mandat unter kirchlicher Aufsicht und jetzt verkörperte er die göttliche Herrschaft auf Erden ohne jedwede Kontrolle. Der Historiker Neville Figgis schrieb: „Had there been no Luther there could never have been a Louis XIV.” An dieser absolutistischen Säkularisierung übte insbesondere der Jesuit Francisco Suárez Kritik: weltliche Herrschaft sei zwar gottgewollt, aber die Herrscher selbst würden nicht von Gott, sondern der Gemeinschaft erwählt. Der König sei also sowohl Gott als auch dem Volke verpflichtet. Die Volkssouveränität wurde also anfänglich ebenfalls zur Begrenzung der Staatsmacht ins Feld geführt.

Entfernt man Gott aus Suárez Überlegungen, dann wird politische Herrschaft unmittelbar durch das Volk legitimiert. Doch in dem Moment, in dem der Wille des Volkes als einzig legitime Autorität anerkannt wird, kann man jedweden Despotismus und die Unterordnung des Individuums ableiten. Am wirksamsten wurde dieser Gedankengang von Thomas Hobbes vollzogen. Er geht davon aus, dass alle Menschen ihren Trieben unterworfen sind und bei deren Befriedigung notwendigerweise in Konflikt geraten. Auch Verträge können diesen Naturzustand nicht beseitigen, da sich niemand an sie halten würde und es keine unabhängige dritte Partei gibt, die sie erzwingen könnte. Um dem zu entgehen, tritt jedes Individuum seine individuellen Rechte per Vertrag an einen friedenbringenden Souverän mit (summiertem) Kollektivrecht ab. Es mag zunächst anders scheinen, aber Hobbes war kein totalitärer Denker, denn er sah die Untertanen nicht als Teil eines übergeordneten Ganzen an. Der Leviathan wurde nur gegründet, um die individuellen Sphären zu schützen. Doch damit die Triebe der Menschen unterdrückt werden können – und das ist die logische Implikation des Hobbesschen Denkens – benötigt es einen stabilen und starken Staat. Wird der Leviathan geschwächt, dann bröckelt auch die gesellschaftliche Ordnung. Der seinerzeit radikalste Gedanke war jedoch ein ganz anderer: wenn erst der Leviathan den subjektiven Rechten Geltung verschafft, dann wird der Souverän zum Ursprung allen Rechts, d. h. es gibt kein vorstaatliches Recht mehr, das als normativer Maßstab an den Staat angelegt werden kann. Auf die Verwirklichung dieses Rechtsdespotismus, der nicht aus einem ewig gleichen göttlichen Gesetz abgeleitet werden konnte, wird weiter unten noch eingegangen.

Da der (implizit anerkannte) Gesellschaftsvertrag auch heute noch als philosophische Legitimation des Staates gilt, lohnt es sich, auf die logische Fehlerhaftigkeit der Theorie einzugehen. Wir akzeptieren Hobbes Anthropologie, auch wenn sie offenkundig übertrieben ist, denn andernfalls wäre die menschliche Rasse längst ausgestorben. Wenn aber nun die egoistischen Menschen vernünftig genug sind, um zu erkennen, dass Konflikte auf friedlichem Wege besser gelöst werden können, warum sollten sie ihre Rechte dann unwiderruflich an einen Souverän abtreten? Ist der absolute Wert des Friedens einmal anerkannt – wie Hobbes impliziert –, dann benötigt man zur Rechtssicherung keinen Staat mehr. Doch nehmen wir an, der Gesellschaftsvertrag wurde trotzdem geschlossen. Nach Hobbes können Verträge nur bindend sein, wenn eine unabhängige Drittpartei involviert ist. Damit kann aber die Entstehung eines Staates nicht erklärt werden, denn der Gesellschaftsvertrag selbst wäre ja nur bindend, wenn es einen externen Schlichter gäbe, der ihn erzwingen könnte. In einem infiniten Regress muss also stets das Vorhandensein eines älteren Staates angenommen werden. Die bloße Existenz eines heutigen Staates hingegen widerlegt die Vertragstheorie, da er eben ohne Drittpartei entstanden ist. Der Staat selbst befindet sich also noch im Naturzustand, was die Frage aufwirft, wer die Bürger vor den natürlichen Trieben des Leviathans – der ja auch nur aus Menschen besteht – schützt.

Die Hobbessche Theorie der Volkssouveränität wurde von Jean-Jacques Rousseau folgenschwer modifiziert. Er geht davon aus, dass ein Volk seine Souveränität nicht an einen Herrscher abtreten, sondern nur sich selbst gehorchen kann. Da es aber naturgemäß nicht in der Lage ist als Gesamtorgan zu herrschen, wählt es Mandatare, die aber kein absolutes Befehlsrecht haben. An dieser Stelle wird Rousseau regelmäßig missinterpretiert. Die absolute Befehlsgewalt liegt beim Volk bzw. aus praktischen Gründen bei dessen Mehrheit. Rousseau hatte aber nur Abstimmungen über generelle Vorschriften im Sinn und keine Legislative, die sich konkrete Gesetze gibt, denn dafür existierte bereits das Gewohnheitsrecht. Nicht jede Volksstimmung konnte sich in Gesetze verwandeln. Der Sinn der Volksabstimmungen besteht darin, dass die Bürger, die sich selbst den Gesetzen unterwerfen müssen, ihnen affirmativ zustimmen oder sie ablehnen können, falls sie gegen das gesellschaftliche Rechtsempfinden verstoßen. Die Aufgabe der Regierenden besteht nur darin, das Recht – die allgemeinen Bestimmungen des Volkes und das Gewohnheitsrecht – zu vollstrecken. Das Volk selbst ist nur den Gesetzen unterworfen und innerhalb dieses feststehenden Rahmens absolut frei. Was ist heute von Rousseaus Theorie geblieben? Die Volkssouveränität wurde mit parlamentarischer Souveränität – die Rousseau vehement bekämpfte – gleichgesetzt, d. h. die Mandatare haben jene Macht erlangt, die Rousseau ihnen verweigerte. Das Parlament darf als angebliche Vertretung des Volkswillens nun willkürlich Gesetze erlassen, ohne selbst jedoch an irgendein Recht gebunden zu sein.

In diesem Kontext bietet es sich an, auch auf die Probleme des demokratischen Mehrheitsprinzips einzugehen. Zahlreiche Begründungen wurden ersonnen, um die moralische Überlegenheit einer Mehrheitsherrschaft zu beweisen, doch sie lässt sich – wie jede andere Form der Zwangsherrschaft – ethisch nicht rechtfertigen. Dies wird deutlich, wenn man die Position einer Minderheit einnimmt. Aus ihrer Sicht ist die Demokratie von einer Diktatur nicht zu unterscheiden, denn in beiden Fällen muss man sich einem fremden Willen unterordnen. Ein sog. Minderheitenschutz kann dem nicht abhelfen, denn dieser besteht nicht in unveräußerlichen Rechten, sondern in staatlichen, widerrufbaren Privilegien für bestimmte Minderheiten. Abgesehen von diesem ethischen Problem krankt das Mehrheitsprinzip jedoch an zwei inhärenten Widersprüchen. Erstens: Kann ein Mehrheitswille die Demokratie abschaffen? Ja: Dann zählt zwar der Mehrheitswille, aber die Demokratie existiert nicht mehr. Nein: Dann zählt der Mehrheitswille nicht und es handelt sich um keine wahre Demokratie. Zweitens: Darf sich innerhalb des Staatsgebietes eine interne Mehrheit – etwa die eines Bezirkes – vom Staat lossagen? Ja: Dann gibt es keinen logischen Haltepunkt für Sezession und die Demokratie würde sich selbst auflösen. Nein: Dann ist die größere Mehrheit berechtigt über die kleinere zu herrschen und man könnte logisch nichts dagegen einwenden, dass einwohnerstärke Länder das eigene Land überstimmen und folglich kontrollieren.

Das (numerische) Mehrheitsprinzip findet seine reale Anwendung in regelmäßigen Wahlen, die gerne als Legitimation des politischen Systems durch das souveräne Volk gedeutet werden. Der Rechtsphilosoph Lysander Spooner entlarvt diesen Mythos anhand einer Analogie: wenn der Staat einen Soldaten in den Krieg zwingt und dieser tötet, um selbst nicht getötet zu werden, dann kann daraus sicherlich keine Befürwortung des Krieges gefolgert werden. Wenn nun jemand wählt, damit andere ihn nicht durch ihre Wahlzettel unterdrücken, kann daraus keine Legitimierung des politischen Systems abgeleitet werden. Doch selbst wenn Wahlen politische Herrschaft legitimierten, wie kann das Volk der Regierung Rechte verleihen, über die es selbst nicht verfügt (Recht auf Besteuerung etc.)?

Das Volk kann sich in einer Demokratie zwar seine Herrscher wählen, doch der Einfluss auf Politiker endet auch mit der Wahl. Ein Politiker muss sich nicht an Versprechen halten und das Volk kann ihn dafür nur ex post bei der nächsten Wahl abstrafen. Oftmals sind die Konsequenzen politischer Handlungen jedoch irreversibel (bspw. wurden weder Wilson noch Roosevelt gewählt, um Amerika in die Weltkriege zu stürzen).

Ein Monarch konnte durch seine Erziehung etc. sowohl ein guter als auch ein schlechter Herrscher werden. Doch das demokratische Massenwahlrecht garantiert, dass nur die besten Demagogen an die Macht kommen. Bei Wahlen kann man sich im Prinzip zwischen zwei Einkaufswagen voller versprochener Güter entscheiden. Die eigene Stimme ist wertlos, da man den Wagen erhält, für den sich die Mehrheit ausspricht (Folge ist die sog. rationale Ignoranz). Um die Mehrheit zu erreichen, wird sich der Politiker bei der Güterauswahl am sog. Medianwähler orientieren und an dessen Neidinstinkte appellieren, d. h. im Einkaufswagen befinden sich viele Privilegien für stimmstarke Gruppen, die dann nach der Wahl von den Nichtprivilegierten finanziert werden sollen. Der Schriftsteller H. L. Mencken formulierte pointiert: „Jede Abstimmung ist eine Art Versteigerung im Voraus von gestohlenen Gütern.“ Zur Verdeckung der gesellschaftlichen Folgeschäden einer solchen Umverteilung muss ein Politiker lügen und seine Handlungen als nützlich deklarieren (Expertenmeinungen etc.). Ein Politiker, der fremdes Eigentum achtet und Lügen scheut, hat im politischen Konkurrenzkampf einen strukturellen Nachteil.


b) Zwecktheorien

Zwecktheorien gehen davon aus, dass einem Herrscher gehorcht werden muss, damit dieser seinen Zweck – die Wahrung des allgemeinen Wohles – erfüllen kann. Nach Thomas von Aquin verstand man darunter im Mittelalter die gerechte Jurisdiktion des Königs gemäß dem Gewohnheitsrecht (ius suum cuique tribuere). Sollte der König ungerecht urteilen, hatte das Volk ein Widerstandsrecht. Diese Auffassung des Allgemeinwohls konnte offenkundig nicht zur Ausdehnung der Staatsgewalt genutzt werden. Mit dem Aufkommen der Volkssouveränität verschwand auch der Staatszweckgedanke, da man davon ausging, dass eine aus dem Volk entstehende Regierung – als die Verkörperung ihres allgemeinen Willens – automatisch auch das Allgemeinwohl anstrebe. Die Zwecktheorie wurde erst im 19. Jahrhundert folgenschwer von G. W. F. Hegel zwecks Ausweitung der Staatsgewalt umgedeutet.

Um Hegels Theorie zu verstehen, ist es unabdingbar, den vorherigen Wandel des Gesellschaftsbildes nachzuvollziehen. Bis zur Französischen Revolution wurde die Gesellschaft als ein nominalistisches Aggregat von Individuen betrachtet, das keinerlei Eigenexistenz besaß. Doch in der Französischen Revolution personifizierte sich die Gesellschaft als ein reales Faktum in der Nation, d. h. als ein höheres Wesen, dem die Individuen untergeordnet waren. Logischerweise standen auch die nationalen Ziele über den individuellen, sodass unter Allgemeinwohl nicht mehr das Wohl aller Individuen verstanden wurde, sondern ein abstraktes Nationalwohl. Die vom König übernommene Staatsgewalt wurde keinesfalls gebrochen, sondern im Namen der Nation ausgedehnt. Hegel formulierte als Erster eine zusammenhängende Lehre dieser neuartigen nationalen Souveränität, die insbesondere in Preußen auf großen Beifall stieß. Hegel begreift die Individuen als Glieder eines nationalen Organismus, doch nicht alle Individuen verhalten sich demgemäß. Das liegt daran, dass sie das notwendige Ziel der Geschichte – die Selbstverwirklichung des höherstehenden Kollektivs – noch nicht vermittels ihrer Vernunft erkannt haben. Nur diejenigen, die bereits auf dieser Bewusstseinsstufe stehen, können die Gesellschaft voranbringen. Ihr Wille ist – in Anlehnung bzw. Abgrenzung zu Rousseau – der allgemeine Wille, der stets auf die Erreichung jenes Ziels gerichtet ist bzw. der zustande bringen wird, was zustande gebracht werden muss. Dieses Ziel wird ohnehin, d. h. mit oder ohne Zustimmung der Unwissenden, erreicht und daher ist es auch kein Zwang, wenn die Wissenden im Namen der Unwissenden sprechen, um die Erfüllung des historischen Imperativs zu beschleunigen. Die Gesellschaft ist dann am Ziel, wenn alle Individuen von dem Ziel wissen und sich als Teil des Ganzen verhalten. Diese autoritäre Theorie liegt nicht nur dem Faschismus bzw. Marxismus zugrunde, sondern partiell auch dem modernen Staatsverständnis.

Abschließend soll noch auf die Problematik eines kollektivistisch verstandenen Allgemeinwohls eingegangen werden. Da es in einer Großgesellschaft keine ideale Interessenharmonie gibt, hat jedes Interesse auch ein Gegeninteresse. Entscheidet sich der Staat – an den man sich typischerweise mit seinen Bitten wendet – für eine Partei, dann wird ihr Interesse für die Gesellschaft bindend und alle Gegeninteressen verlieren. Dadurch entstehen soziale Konfliktlinien (Arme vs. Reiche etc.). Dieser Mechanismus ist der Demokratie inhärent, da sie per se eine kollektivistische Idee ist, d. h. individuelle Probleme werden sukzessiv zu öffentlichen Angelegenheiten. In Monarchien konnte man ein Partikularinteresse – das aber niemals per Gesetz für die Gesamtgesellschaft verbindlich gemacht wurde – übrigens nur durch intensive Kontakte zu den Höflingen des Königs verwirklichen.


3.6 Gewohnheitsrecht vs. Rechtspositivismus

Die Entwicklung der europäischen Rechtsanschauung ist eng mit dem Wandel des gesellschaftlichen Herrschaftsbildes verknüpft. Der mittelalterliche König hatte keine Gesetzgebungskompetenz, sondern eine Sonderstellung innerhalb des präexistenten Rechts. Bei der Thronbesteigung verpflichtete er sich zur Anwendung und Wahrung des alten und guten Gewohnheitsrechts, welches Teil der ewigen göttlichen Ordnung war (diese theoretische Rechtssicherheit krankte praktisch an der technischen Undurchführbarkeit). Weder gab es eine Trennung zwischen Privat- und Staatsrecht noch zwischen positiven und idealem Recht, d. h. jeder Versuch der Abänderung galt als Affront gegen das Gute an sich. Daher waren der König und das Volk dem Recht gleichermaßen untertan. Brach ein König es, dann verlor er sein subjektives Recht auf Herrschaft und das Volk stand in der Pflicht zur Widerherstellung des zeitweise verdunkelten Rechts. Bei neuartigen Konflikten fanden der König bzw. die Schöffen auch neues Recht, allerdings in dem Bewusstsein, bereits vorhandenes – und daher altes und gutes – Recht wiederzuentdecken. Die Neuerung wurde akzeptiert, wenn sie sich im Einklang mit dem Rechtsgefühl des Volkes befand, welches wiederum von Adligen vertreten wurde. Seit Etablierung der Ständeordnung im Spätmittelalter musste der König bei bestimmten Bereichen – etwa der Steuererhebung – die Zustimmung des Parlaments (aristokratischer Gerichtshof) einholen. Doch der König konnte auch mit der Zustimmung des Parlamentes niemals ein subjektives Recht gegen den Willen des Betroffenen beseitigen. Das ursprüngliche Parlament bekämpfte aufgrund seiner Zusammensetzung – Aristokraten, die ihre subjektiven Rechte verteidigten – den König. Sukzessiv wurde es aber – vom König gefördert – um bürgerliche Elemente erweitert, die den Feudaladel bekämpften. Die früheste Demokratisierung diente also der Ausdehnung der königlichen Kompetenzen. Dies erklärt auch, warum die autoritärsten Herrscher dieser Epoche am häufigsten das Parlament einberiefen.

Der König war neben dem germanischen Gewohnheitsrecht auch an das Kirchenrecht gebunden und der Wandel des mittelalterlichen Rechtsverständnisses war insbesondere eine Folge der kirchenrechtlichen Praxis. Die Idee einer absoluten Zentralgewalt, die zum Vorbild der weltlichen Herrscher wurde, setzte sich erstmals in der plenitudo potestatis des Papstes durch und es war der Papst, der die gewohnheitsrechtlichen Bindungen des Königs lockerte. Für die Kirche war der König – genau wie der Papst – nur der göttlichen Gerechtigkeit unterworfen, d. h. er durfte vermeintlich ungerechtes Gewohnheitsrecht abschaffen. Durch die Reformation gelang es dann den reformierten Fürsten, sich als Stellvertreter Gottes mit eigener Gesetzgebungskompetenz zu inszenieren. Der Grund: göttliches Gesetz schrieb nur das absolut Erlaubte bzw. Verbotene vor und der Zwischenbereich unterlag anfänglich kirchlicher und nach der Reformation weltlicher Gesetzgebung. Die absolutistische Idee war nun geboren: ein Herrscher darf Recht setzen, sofern es nicht gegen göttliches Naturrecht verstößt, d. h. nur Grundsatzfragen sind der Willkür entzogen, aber nicht mehr die subjektiven Privatrechte. Der absolutistische Monarch war also keinesfalls absolut bzgl. seiner Verordnungen. So konnte sich im 17. Jh. die Vorstellung auch nicht durchsetzen, dass der fehlbare Wille eines Einzelnen Verhaltensnormen diktieren durfte. Daran zeigten sich die Monarchen aber uninteressiert, denn ihnen ging es vornehmlich um die drastische Erhöhung der Steuern, wie im Europa des 17. Jh. beobachtet werden kann. Die Folge waren blutige Auseinandersetzungen: die Revolte von 1639 in der Normandie, die Guerra dels Segadors in Katalonien, der Restaurationskrieg in Portugal, die Gründung der Republik Neapel und die Fronde in Frankreich. Stets waren die Parlamente Gegner des Monarchen. Da sie ihre Zustimmung zu den Steuererhöhungen verweigerten, lösten die Könige sie kurzerhand auf. In Frankreich – dem Mutterland des Absolutismus – gelang dies, in England riss hingegen das Parlament die Souveränität an sich.

Im Laufe der Jahrhunderte konnten sich die Parlamente Europas – nun gefüllt mit sog. Volksvertretern – die Mitwirkung an der Legislative erkämpfen. Doch schon bald übernahmen sie die ganze Legislative und beschränkten den König auf die Exekutive. Dieser Prozess wird gerne als Abkehr vom willkürlichen Absolutismus gesehen, der jedoch – im Sinne von legibus solutus – nie existierte, da kein Monarch alles verordnen konnte. Sobald das Parlament zur einzigen Legislative wurde und gleichzeitig aus Volksvertretern bestand – die anders als die Aristokraten keine subjektiven Rechte verteidigen – hörte es auf, eine Bastion gegen die Staatsgewalt zu sein und dehnte sie stattdessen im Namen des Volkes aus. Erst das souveräne Parlament war absolutistisch, da es wirklich über jedem Recht stand. Der Staat legte nun willkürlich fest, was Recht bzw. Unrecht war und da er zudem mit der Fiktion des allgemeinen Willens herrschte, durfte – anders als gegen den fehlbaren Willen eines Monarchen – kein Widerstand mehr geleistet werden. Diese Beliebigkeit schafft sowohl eine theoretische als auch praktische Rechtsunsicherheit. So bestand bspw. der amerikanische Code of Federal Regulations 1925 noch aus einem Buch und 2010 bereits aus über 200 Büchern. Damit sich die neue Autorität im Volke auch Gehorsam verschaffen konnte, ging mit der Demokratisierung eine massive Ausdehnung der Polizeigewalt einher, die Monarchien – aufgrund der hierarchischen Gesellschaftsstruktur – weitgehend fremd war. Die Volksherrschaft – genauer: die Parlamentsherrschaft – gilt als Überwindung der monarchischen Rechtsungleichheit, doch dies ist eine Chimäre. Die rechtliche Sonderstellung des Monarchen wurde in Demokratien beibehalten, auch wenn sie heute kein beschränktes persönliches Privileg mehr ist, sondern ein funktionales und daher unbeschränktes. Personen, die unter die Gerichtsbarkeit des vermeintlich höheren öffentlichen Rechts fallen, sind nicht nur von jedweder Haftung für ihre Handlungen enthoben, sondern dürfen auch Straftaten begehen, die im Privatrecht geahndet würden (bspw. Steuern erheben). Diese Idee ist ein Produkt der Französischen Revolution, als das Volksparlament den Juristen jedwede Behinderung der Verwaltung bei schlimmen Strafen verbat. Abschließend soll noch auf zwei vermeintliche Machtbeschränkungen des Staates eingegangen werden: a) die Verfassung und b) die Gewaltenteilung.

Ad a): Keine Verfassung ist feststehend, d. h. sie kann von der Parlamentsmehrheit prinzipiell abgeändert werden. Auch wenn die sog. Grundrechte – die übrigens kein Ergebnis demokratischen Geistes, sondern aristokratischen Kampfes waren – pro forma geschützt werden, muss die Verfassung stets von Staatsbeamten interpretiert werden. Ein Beispiel für diese Funktionsweise: Nach dem Niedergang der Sowjetunion entschied das BVerfG, dass die sozialistischen Landenteignungen vor Gründung der DDR legitim waren und die BRD diese Ländereien daher nicht an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben müsse. Auf diese Weise eignete das BVerfG dem deutschen Staat 50% der landwirtschaftlichen Fläche der DDR an.

Ad b): Eine Gewaltenteilung war solange gegeben, wie das aristokratische Parlament um seine Privilegien kämpfte. Sobald die Gewalten aber aus derselben Quelle stammen, funktioniert die Idee nicht mehr. Hoppe vergleicht die demokratische Variante mit dem Nepotismus: alle Gewalten sind Teil einer Familie und gewiss kommt es mal zu Streitigkeiten, aber niemals zu fundamentalen Divergenzen, da ein gemeinsames Interesse – hier der Machterhalt – die Familie eint.

3.7 Eine kurze Geschichte der Kriegsführung

Die Geschichte Europas ist seit der Etablierung der Staaten im 11./12. Jh. eine Historie des Staatswachstums. Da insbesondere Kriege zur Ausdehnung der Staatsgewalt genutzt werden, lässt sich diese Entwicklung am besten an ihrer Geschichte ablesen. In monarchischen Kriegen ging es meist um territoriale Erbstreitigkeiten und daher wurden sie als selbst zu finanzierende Privatsache des Herrschers betrachtet. Doch die Monarchen unterschiedlicher Epochen hatten dafür verschiedene Machtmittel. Der mittelalterliche Monarch (exemplarisch: Philipp II. August) hatte kein stehendes Heer, sondern seine Vasallen stellten ihm Kontingente zur Verfügung, über die er vierzig Tage verfügen konnte. Es gab weder die Wehrpflicht noch eine Zwangssteuer, da eine solche als Beschlagnahmung galt. Brauchte der König – der nur von seinem Lehenswesen lebte – für seine Kriege Geld, dann wandte er sich entweder an die Kirche oder musste durch die Städte seine Reiches ziehen und um freiwillige Kontributionen bitten (sog. Bede). In der Folge waren auch die mittelalterlichen Kriege sehr begrenzt (bspw. galt der Aragonesische Kreuzzug mit seiner Dauer von 153 Tagen als ungeheuerlich). Im Zuge des Hundertjährigen Krieges häuften sich die Geldbitten der französischen Könige, sodass 1444 mit Zustimmung des Adelsparlamentes erstmals eine ständige Steuer (sog. taille) zur Finanzierung eines stehenden Reiterheeres eingeführt wurde. Die anderen europäischen Länder fürchteten um ihre Machtpositionen und führten daher ebenfalls eine ständige Steuer ein. Dieser eifersüchtige Konkurrenzmechanismus führte bis hin zum Zweiten Weltkrieg zur Zerstörung der inländischen Freiheiten und zur Ausdehnung der Staatsmacht.

Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung war der Absolutismus Ludwigs XIV. Die Untertanen zahlten regelmäßig Steuern – deren Erhöhung er gegen den Willen des Parlamentes mit der spanischen Gefahr von außen rechtfertigte –, sodass er sich ein 180.000 Mann starkes stehendes Heer leisten konnte (zum Vergleich: das Heer Karls VII. von Frankreich umfasste 12.000 Mann). Damit aber die Untertanen ihre Steuern zahlen konnten, mussten sie arbeiten. Aus diesem Grunde – und aufgrund des gesellschaftlichen Kriegsverständnisses – gab es eine strenge Trennung zwischen Kombattanten und Zivilisten, an die sich jeder Monarch zu halten hatte. Da Kriege teuer sind, neigten Monarchen zur vertraglichen Aneignung von Territorien (bspw. Heiratspolitik) und zum schonenden Umgang mit den knappen Soldaten. So bestand die damalige Kriegskunst auch nicht in der Vernichtung des Feindes, sondern in unblutigen taktischen Manövern, die den Feind zur Aufgabe eines Territoriums zwangen. Krieg war eine Art Spiel zwischen Monarchen mit festen Einsätzen und ihr Geiz machte die Kriege humaner. Daher erklärten Könige auch so oft einen Krieg, denn im Notfall konnten sie sich leicht wieder zurückziehen (es gab keine Kriegshysterie, Massendruck etc.).

All dies änderte sich im Zuge der Französischen Revolution. Mit dem Wandel des Herrschaftsbildes (s. 3.5) veränderte sich auch die Kriegsführung. Da sich das Volk mit abstrakten Konzepten – wie bspw. der Nation – identifizierte, wurden Kriege nun auch als öffentliche Angelegenheit betrachtet. Dies führte zu einer Emotionalisierung bzw. Ideologisierung des Krieges. Aus diesem Grunde weisen demokratische Kriege – von der Französischen Revolution über den Amerikanischen Bürgerkrieg bis zu den Weltkriegen – eine totale Tendenz auf, d. h. Kriege können nicht mehr durch die Besetzung eines Territoriums gewonnen werden, sondern nur durch die Vernichtung des ideologischen Feindes (auch aufoktroyierte Friedensverträge – wie etwa der von Versailles – sind ein Kind dieser Zeit). So wurde nach dem Sturz des Königs in Frankreich der drückende Staatsapparat mitnichten abgeschafft, sondern das neue geistige Klima ermöglichte erstmals eine zuvor unvorstellbare Ausdehnung. 1793 wurde in Frankreich im Namen der Nation die allgemeine – zeitlich bedingte – Wehrpflicht eingeführt, während die rudimentären Versuche der Monarchen stets auf heftigsten Protest gestoßen waren. Die Grenze zwischen Kombattanten bzw. Zivilisten fiel nun und Kriege mussten aus Kostengründen nicht mehr gescheut werden. Die Generäle ließen ihre Untergebenen massenhaft ins feindliche Feuer rennen, da sie auf ein kostenloses und schier unendliches nationales Reservoir zurückgreifen konnten (1794 befanden sich 1.169.000 Mann auf der französischen Militärliste ). Soldaten wurden durch die Wehrpflicht sogar so billig, dass im Zweiten Weltkrieg Massaker an der Zivilbevölkerung als strategisches Mittel toleriert wurden. Um das revolutionäre Frankreich besiegen zu können, führten die anderen europäischen Mächte gleichfalls die Wehrpflicht ein. Folge dieser konkurrierenden Militarisierung: 1888 betrug die Truppenstärke der europäischen Heere in Friedenszeiten drei Millionen Mann (das war die maximale Truppenstärke in den Napoleonischen Kriegen ). Seinen Höhepunkt fand diese Entwicklung dann in der europäischen Totalmobilisierung der beiden Weltkriege, die ohne die vorherige Ausdehnung der Staatsgewalt im Zuge der Demokratisierung unmöglich gewesen wäre. Nun konnte die gesamte männliche Bevölkerung auf unbestimmte Zeit einberufen werden, während die Zivilisten daheim im Dienste der Kriegsmaschinerie arbeiteten. Die Zivilbevölkerung litt an Blockaden, Enteignungen, Massakern etc. So waren von den ca. 65 Millionen Toten der Weltkriege das Gros auch Nichtkombattanten. Dessen eingedenk zieht der Militärhistoriker J. F. C. Fuller sein Fazit: „Nationale Armeen bekämpfen Nationen, königliche Armeen bekämpfen ihresgleichen […].“

Abschließend soll noch auf den Mythos des demokratischen Friedens eingegangen werden. Abgesehen von der Fülle an historischen Beispielen für kriegerische Demokratien, liegt die reziproke Friedfertigkeit der westlichen Länder nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht im Wesen der Demokratie an sich, sondern an besonderen historischen Rahmenbedingungen: a) eine befriedende Wirkung durch die Angst vor der ehemaligen Sowjetunion b) die gemeinsame Mitgliedschaft in der NATO sowie c) die amerikanische Hegemonialstellung. Die Mitglieder des Warschauer Paktes haben sich im Übrigen auch nie gegenseitig bekriegt, kann man daraus nun eine Doktrin des sozialistischen Friedens ableiten?

3.8 Inflation und Schulden

Abschließend soll die unterschiedliche Geld- und Schuldenpolitik von Monarchen bzw. Verwaltern dargelegt werden. Jeder Staat braucht Geld. Er hat jedoch kein eigenes Einkommen, sondern lebt parasitär auf Kosten der Untertanen. Da Steuern nicht endlos erhöht werden können, muss sich der Staat neuen Einnahmequellen zuwenden: der Verschuldung und/oder der Inflation.

Beide Methoden sind für den Monarchen mit Nachteilen verbunden. Der Monarch bzw. seine Erben hafteten noch persönlich für Schulden, d. h. er konnte von den Gläubigern – die zudem noch Bedingungen und hohe Zinsen an die Geldvergabe knüpften – ggf. zur Veräußerung seiner Vermögenswerte gezwungen werden. Des Weiteren etablierte sich mit der Entstehung eines Weltmarktes im 17./18. Jh. ein internationaler Goldstandard (der bis 1914 hielt), sodass der Monarch seine Schulden nicht monetarisieren konnte. Monarchen verschuldeten sich hauptsächlich in Kriegszeiten – daher stiegen mit der Ausdehnung des Krieges seit dem Mittelalter auch die Schulden der Monarchen – und reduzierten ihre Schulden dann in Friedenszeiten. Exemplarisch sei hier England angeführt: nach dem Ende des Englisch-Spanischen Krieges 1748 betrug die Verschuldung 76 Millionen Pfund und nach dem Ende der Napoleonischen Kriege im Jahre 1815 900 Millionen Pfund, während die Schulden von 1815 bis 1914 wieder auf 700 Millionen Pfund gesenkt wurden . Der internationale Goldstandard erschwerte den Monarchen nicht nur die Monetarisierung von Schulden, sondern auch die Inflationierung der nationalen Währung. Solange Geld ein Warengeld wie etwa Gold ist, rentiert sich das historisch erworbene staatliche Geldmonopol kaum, da die Geldproduktion mit hohen Kosten verbunden ist. Dies ändert sich, wenn der Staat qualitativ minderwertigeres Papiergeld als gesetzliches Zahlungsmittel vorschreibt, da die Produktion von Papiergeld nahezu kostenlos ist. Manche Monarchen versuchten ein solches System einzuführen, was jedoch regelmäßig in Katastrophen mündete (Tulpenmanie 1637, Südseeblase 1720 etc.). Dessen ungeachtet inflationierten Monarchen die Währung durch Münzverschlechterungen. Sie werden dabei aber sowohl den unmittelbaren Vorteil als auch die langfristigen Folgen – Abnahme der Kaufkraft bzw. Sinken des Wertes der zukünftigen Steuereinnahmen – bedenken. Daher kann im monarchischen Zeitalter – außer in Kriegszeiten und bei Neuentdeckungen von Gold – die natürliche Tendenz steigender Kaufkraft beobachtet werden.

Für die Dauer eines Krieges wichen Monarchen typischerweise vom Goldstandard ab. Die kriegführenden Parteien des Ersten Weltkriegs taten dasselbe, führten den Goldstandard jedoch erstmalig nach dem Ende des Krieges nicht mehr ein (wahre Geburtsstunde des Papiergeldes), sodass Hyperinflationen in ganz Europa die Folge waren. Als Abbild des internationalen Machtverhältnisses wurde stattdessen in den 20er Jahren ein Pseudogoldstandard mit dem Dollar als Leitwährung implementiert, d. h. alle nationalen Banken mussten ihre Währung erst in Dollar eintauschen, um von der amerikanischen Zentralbank Gold erhalten zu können.

Dieses System wurde insbesondere durch die parallele Errichtung nationaler Zentralbanken gefährdet. Die Zentralbank verwaltet das staatliche Geldmonopol, d. h. sie darf Papiergeld beliebig drucken, um den Staat mit Geld zu versorgen. Je mehr Papiergeld sie in Umlauf bringt, desto höher ist das gegenwärtige Einkommen des Staates und desto drastischer sinkt zeitversetzt die Kaufkraft der Währung. Diese Enteignung führt auch zu einer gesellschaftlichen Umverteilung (sog. Cantillon-Effekt): der Staat erhält das neugedruckte Geld als Erster und kann Güter daher noch zu alten (vorinflationären) Preisen kaufen, während diejenigen, die das Geld zuletzt erhalten (Rentner, Sparer etc.) Güter schon zu den neuen (inflationären) Preisen kaufen müssen und sich verhältnismäßig weniger leisten können. Ein demokratischer Verwalter ist im Gegensatz zum Monarchen nur an seinem jetzigen finanziellen Vorteil interessiert und nicht am zukünftigen Kaufkraftverlust der Währung. In allen europäischen Ländern ist daher die Geldmenge seit dem Ersten Weltkrieg massiv angestiegen (exemplarisch: in den USA vervierundsechzigfachte sie sich von 1918 bis 1991 ). Das willkürliche Gelddrucken und die Nichthaftung der Verwalter für aufgenommene Schulden setzt zudem einen Anreiz zu massiver und zuvor unmöglicher Staatsverschuldung, die ebenfalls in allen westlichen Ländern sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten beobachtet werden kann (exemplarisch: in den USA stiegen die Schulden von 25 Milliarden Dollar 1919 auf ca. 6 Billionen Dollar im Jahre 2000 ).

Da die nationalen Zentralbanken seit ihrer Gründung immer mehr Papiergeld druckten und die USA Angst vor einem Ansturm auf ihre Goldvorräte hatten, wurde der Pseudogoldstandard 1933 modifiziert: die USA tauschte fortan nur noch die Dollarreserven der nationalen Zentralbanken in Gold um (sog. Golddevisenstandard). Doch die Inflation der Nationen stieg weiter und die Zentralbanken häuften Dollarreserven an, sodass die USA 1971 (erneut aus Angst vor einem Goldansturm) den Golddevisenstandard komplett abschaffte. Seitdem hat jedes westliche Land zum ersten Mal in der Geschichte ein komplett ungedecktes Papiergeldsystem, welches sich nur aufgrund des blinden und ungerechtfertigten Vertrauens der Bevölkerungen erhalten kann.

4. Fazit

Die angeführten Beispiele sind keinesfalls erschöpfend – bspw. könnte man noch auf die unterschiedliche Migrations- und Sozialpolitik von Monarchen bzw. Verwaltern eingehen –, doch dessen ungeachtet lässt sich eine eindeutige historische Tendenz erkennen: die Beseitigung der europäischen Monarchien und ihre Substituierung durch Demokratien führte stets zu einer tatsächlichen Ausweitung der Staatsgewalt, welche anhand von Armeestärken, Steuern, Zahl der Beamten und Verordnungen etc. quantifizierbar ist.

Diese reale Ausdehnung der Staatsgewalt ist jedoch nicht nur historisch beobachtbar, sondern kann auch a) polittheoretisch bzw. b) wirtschaftstheoretisch erklärt werden. Ad a): Das Ausmaß der tatsächlichen Staatsgewalt hängt vom gesellschaftlichen Herrschaftsbild ab. Die demokratischen Legitimationsideologien erlauben dem Staat in der Theorie eine Kompetenzausweitung, die keinem Monarchen jemals möglich gewesen war. Ad b): Legt man allein das Selbstinteresse der jeweiligen Herrscher zugrunde, dann haben Monarchen ceteris paribus eine geringere Zeitpräferenz als demokratische Verwalter. Dies offenbart sich dann u. a. in verhältnismäßig weniger Staatseingriffen in die individuelle Freiheit. Aus anarchokapitalistischer Perspektive muss der Übergang von den Monarchien zu den Demokratien daher summa summarum als Rückschritt beurteilt werden.

Der moderne Glaube, dass mit dem Wechsel des Machthabers aus ein Wandel im Wesen der Staatsgewalt einhergegangen sei, ist offenkundig ein naiver Mythos. Die demokratische Machtübernahme hat keineswegs zu einer Reduktion der zuvor bekämpften Staatsgewalt geführt, sondern zu einer ungeahnten Ausdehnung im Namen eines abstrakten Konzeptes. Diese Entwicklung ist kaum verwunderlich, denn sobald man die schrankenlose Souveränität eines menschlichen Willens – ob nun vom Monarchen oder vom Volk – anerkennt, führt dies stets zum selben absoluten Herrschaftssystem. Es spielt dann auch keine Rolle mehr, ob auf dem Thron ein physischer oder ein fiktiver Körper sitzt.
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[1] 1914 gab es in Europa nur drei Republiken und eine parlamentarische Monarchie. 1918 hingegen existierten fast keine Monarchien mehr bzw. wo sie pro forma bestanden, hatte de facto das Parlament die Macht übernommen.

[2] Vgl. Hoppe, Hans-Hermann: Privateigentum. Die Grundlage der Gerechtigkeit und des Wohlstands, in: Baader, Roland (Hrsg.): Die Enkel des Perikles, Gräfelfing 1995, S. 71-84.




[3] Vgl. Redford, James: Libertarian Anarchism is Apodictically Correct, 2011, am 01.05.2013.

[4] Vgl. Rothbard, Murray N.: Die Ethik der Freiheit, Sankt Augustin 2006, S. 3-29.

[5] Vgl. Hoppe, Hans-Hermann: Der Wettbewerb der Gauner. Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft, Berlin 2012, S. 15-23.




[6] Ausnahmen sind hypothetische Staaten, die freiwillig gegründet wurden und dessen Mitglieder jederzeit wieder aus dem Staatsverband austreten können.

[7] Vgl. Hoppe, Hans-Hermann: Demokratie. Der Gott, der keiner ist, Waltrop und Leipzig 2003, S. 57-68.

[8} Vgl. hierfür bspw. Taghizadegan, Rahim: Wirtschaft wirklich verstehen. Eine Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie, München 2011.

[9] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 68-72.

[10] Vgl. Jouvenel, Bertrand de: Über die Staatsgewalt. Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Freiburg 1972, S. 101-121.



[11] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 69-72 und S. 162-169.



[12] Vgl. Homer, Sidney/Sylla, Richard: A History of Interest Rates, New Brunswick 1991, S. 557-558.



[13] Unter Produktionsumweg wird die Herstellung von Kapitalgütern verstanden (Fischernetze, Maschinen etc.), die allein der Produktion von mehr zukünftigen Konsumgütern dienen.



[14] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 45-49.



[15] Vgl. ebd. S. 152.



[16] Vgl. ebd. S. 61-72.



[17] Vgl. Hoppe, Hans-Hermann: On Theory and History. Reply to Benegas-Lynch, Jr., 1997, am 03.05.2013.



[18] Vgl. Cipolla, Carlo M.: Before the Industrial Revolution. European Society and Economy 1000-1700, New York 1980, S. 48.



[19] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 72-75.



[20] Vgl. ebd. S. 82-84.



[21] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 89, Fußnote 26.



[22] Für das sog. Kalkulationsproblem vgl. Mises, Ludwig von: Die Gemeinwirtschaft. Untersuchungen über den Sozialismus, Jena 1922.



[23] Vgl. Karsten, Frank/Beckman, Karel: Wenn die Demokratie zusammenbricht, München 2012, S. 103-111.



[24] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 140-147.



[25] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 32.

[26] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 76-79 und 84-87.



[27] Für das Wesen des Gehorsams vgl. La Boétie, Étienne de: Von der freiwilligen Knechtschaft, Frankfurt 2009.



[28] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 36-37.



[29] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 39-44.



[30] Figgis, John Neville: Studies of Political Thought from Gerson to Grotius 1414-1625, Cambridge 1907, S. 71.



[31] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 39-44.



[32] Vgl. Jouvenel, Bertrand de: Über Souveränität. Auf der Suche nach dem Allgemeinwohl, Neuwied und Berlin 1963, S. 269-287.



[33] Vgl. Murphy, Robert P.: But Wouldn't Warlords Take Over?, 2005, am 21.05.2013.



[34] Vgl. Hoppe, Wettbewerb, S. 15-23.



[35] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 282-307.



[36] Vgl. Karsten/Beckman, Demokratie, S. 85-95.



[37] Vgl. Rothbard, Murray N.: Power and Market, Auburn 2006, S. 233-246.



[38]Vgl. Spooner, Lysander: No Treason. The Constitution of No Authority, Colorado Springs 1973, S. 15.



[39] Vgl. Higgs, Robert: Democracy and Faits Accomplis, in: Hülsmann, Jörg Guido/Kinsella Stephan (Hrsg.): Property, Freedom, and Society. Essays in Honor of Hans-Hermann Hoppe, Auburn 2009, S. 249-263.



[40] Zit. nach Karsten/Beckman: Demokratie, S. 187.



[41] Vgl. Brandly, Mark: How to Win an Election, 2011, am 21.05.2013.



[42] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 58-59.



[43] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 59-68.



[44] Vgl. Bastiat, Frédéric: Der Staat, in: Diem, Claus und Marianne (Hrsg.): Der Staat – die große Fiktion. Ein Claude-Frédéric-Bastiat-Brevier, Thun 2001, S. 61-73.



[45] Zur Funktion des Höflings vgl. Burke, Peter: Der Höfling, in: Garin, Eugenio (Hrsg.): Der Mensch der Renaissance, Frankfurt und New York 1990, S. 143-175.



[46] Vgl. Kern, Fritz: Recht und Verfassung im Mittelalter, Darmstadt 1952, S. 11-66.



[47] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 189-210.



[48] Vgl. Kern, Recht, S. 66-108.



[49] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 237-257.



[50] Vgl. Jouvenel, Souveränität, S. 218-251.



[51] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 237-257.



[52] Vgl. Beckman, Karel: The False Promise of Democracy, 2012, am 21.05.2013.



[53] Vgl. Jouvenel, Souveränität, S. 96.



[54] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 89-93, insbesondere Fußnote 28.



[55] Vgl. Hoppe, Hans-Hermann: Hans-Hermann Hoppe im Gespräch, in: Schweizer Monatshefte 89 (2010), H. 982, S. 46-50.



[56] Vgl. Pressemitteilung des BVerfG, 2004, am 21.05.2013.



[57] Vgl. Hoppe, Wettbewerb, S. 31.



[58] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 13-29.



[59] Für die Zahlen vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 18.



[60] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 101-111.



[61] Vgl. Jouvenel, Staatsgewalt, S. 181.



[62] Vgl. ebd., S. 182.



[63] Vgl. ebd., S. 166-189.



[64] Zit. nach Hoppe, Demokratie, S. 109, Fußnote 38.



[65] Vgl. Karsten/Beckman, Demokratie, S. 95-103.



[66] Die Österreichische Schule versteht unter Inflation die ungedeckte Geldmengenausweitung, während die Preissteigerungen nur eine Folge davon sind.



[67] Unter Monetarisierung versteht man den Aufkauf von Staatsschulden (Staatsanleihen) durch die Zentralbank. Da die Zentralbank nicht mit eigenen Rücklagen zahlt, sondern zur Bezahlung neues Geld ex nihilo schafft, steigt die Geldmenge an. Bei einer Golddeckung müsste eine Bank mit ihren eigenen Rücklagen zahlen und die Mehrausgaben des Staates hätten ihr Pendant in den gesunkenen Ausgaben der Bank, die daher höhere Zinsforderungen erheben.



[68] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 143.



[69] Vgl. ebd., S. 128-144.



[70] Vgl. Rothbard, Murray N.: What Has Government Done to Our Money?, Auburn 2008, S. 85-90.



[71] Vgl. Hoppe, Demokratie, S. 142.



[72] Vgl. ebd., S. 144.



[73] Vgl. Hoppe, Wettbewerb, S. 60-69.



[74] Vgl. Rotbard, Government, S. 90-101.

 
5. Literaturverzeichnis

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Internetquellen

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Redford, James: Libertarian Anarchism is Apodictically Correct, 2011, <http://theophysics.host56.com/Redford-Apodictic-Libertarianism.pdf> am 01.05.2013.

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  1. Ferdinand A. Hoischen27. Juni 2013 um 17:47

    Ein klasse Artikel!!!

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  2. Sehr gut recherchierter Beitrag (einer der Besten seit langem) und bis ins Detail logisch stimmig aufgebaut!

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  3. Dieser Artikel ist ein Muss für jeden Freitum-Leser!!!

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  4. "Rothbard begründet das Privateigentum naturrechtlich: jeder Mensch gehört von Natur aus sich selbst, andernfalls gehört man einer Gruppe oder der Gesamtheit von Menschen."
    Ab wann gehört der Mensch sich selbst? Kindern werden von Eltern erzogen. Sie gehören sich nicht selbst. Ist das kein Widerspruch?

    "Ersteres ist mit einem universalen ethischen Naturrecht"
    Es gibt kein universales Naturrecht. Universal bedeutet, dass es immer gültig ist. Da es Eigentum aber nicht immer gab und es sich erst mit dem Menschen entwickelt hat, kann es kein universelles Recht sein. Weiterhin stellt sich die Frage, wenn es ein Naturrecht ist, warum gilt es nicht für Tiere? Was definiert einen Menschen?
    Nur zwei Punkte die in meinen Augen zeigen, dass das mit der Universalität schwierig ist. Diese muss allgemeingültig und unveränderlich sein.

    "Der Mensch muss sich zum Überleben die Natur aneignen und nach Locke/Rothbard wird derjenige zum legitimen Eigentümer eines zuvor herrenlosen Gutes, der es zuerst nutzt. Zu dieser ursprünglichen Aneignung gibt es keine logischen oder praktischen Alternativen. Verwendet ein Eigentümer seine Güter weiter zur Produktion, wird er auch zum Besitzer des Produktes, denn andernfalls gehört es wiederum einer Gruppe oder der Gesamtheit von Menschen, die ihn dann rechtmäßig gegen seinen Willen enteignen dürften."
    Hier ergeben sich eine Menge Probleme. Locke/Rothbard gehen von einem unbewirtschafteten Startplaneten aus. Das ist aber nicht unser aktueller Stand. Unser heutiges Eigentum ist teilweise Entstanden wie beschrieben. Allerdings gab und gibt es auch gewaltsame Enteignungen, Diebstahl, Raub und vieles mehr, was gegen das Naturrecht verstößt.
    Wenn man jetzt dieser Philosophie folgen wollte, müsste man den Urzustand herstellen. Das ist nicht möglich. Tut man es nicht festigt man den aktuellen Status Quo und die aktuelle Machtverteilung.

    Fazit
    Es sind interessante Ansätze dabei, aber für ein real entwickelte Gesellschaft sind sie nicht umsetzbar. Das Naturrecht ist genauso konstruiert wie der Herrschaftsanspruch eines Staates, oder einer Einzelperson.
    Ich empfehle hierzu den Soziopod über den Konstruktivismus

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  5. @endless.good.news

    „Ab wann gehört der Mensch sich selbst? Kindern werden von Eltern erzogen. Sie gehören sich nicht selbst. Ist das kein Widerspruch?“

    Kinder gehören sich mit Geburt an selbst. Andere Argumentationen scheitern am Übergang zum Selbsteigentum. Sollten die Kinder den Eltern oder der Mutter gehören, wäre das Kind darauf angewiesen, dass die Eltern oder die Mutter irgendwann freiwillig auf das Eigentumsrecht verzichtet.
    Eltern wollen/dürfen trauhänderisch die Interessen des Kindes vertreten, bis das Kind selbst dazu in der Lage ist. Ein Eigentumsübergang ist nicht notwendig.

    "Da es Eigentum aber nicht immer gab und es sich erst mit dem Menschen entwickelt hat, kann es kein universelles Recht sein."

    Der Ansatz mit dem Naturrecht ist hilfreich, aber nicht zu Ende gedacht. Eigentum wird erst durch einen logisch widerspruchsfreie begründeten (intersubjektiven) Besitzanspruch begründet. Das macht aber erst für knappe Güter Sinn. Damit ist das Eigentum nicht entstanden, sondern wurde durch den Ansprch auf ein knappes Gut erst begründet.

    „Wenn man jetzt dieser Philosophie folgen wollte, müsste man den Urzustand herstellen. Das ist nicht möglich. Tut man es nicht festigt man den aktuellen Status Quo und die aktuelle Machtverteilung.“

    Man möge Unrecht soweit rückgängigmachen wie möglich, solange kein neues Unrecht entsteht. Zum friedvollen Zusammenleben ist es dennoch notwendig nicht alte Wunden immer wieder neu aufzureissen. Eine voluntaristische Gesellschaft mit der Bedingung „alles zurück auf NULL“ anstreben zu wollen ist schlicht Unfug weil nicht möglich.

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  6. @endless.good.news

    "Es gibt kein universales Naturrecht. Universal bedeutet, dass es immer gültig ist."
    Es sollte eher heißen, dass es nicht überall durchgesetzt ist. Das einzige konsequente, logische, konsistente und auf allen Ebenen anwendbare Recht ist das Recht auf den eigenen Körper und die Selbstbestimmung. Ein Recht muss ja erst begründet werden und das Selbsteigentum stellt das einzige universell begründbare Recht dar. Welches Recht sollte es denn sonst sein? Das Fremdeigentum (bzw Sklaverei), die Fremdbestimmung? Aber dabei würde es sich ja nicht um Rechte, sondern um Privilegien handeln!

    "Da es Eigentum aber nicht immer gab und es sich erst mit dem Menschen entwickelt hat, kann es kein universelles Recht sein."
    Mit dieser Argumentation müsstest du aber noch einen Schritt weiter gehen und auch das Recht an sich als etwas betrachten, das der Mensch entwickelt hat, was ja auch durchaus zutrifft. Es ändert aber nichts daran, dass das absolute Selbsteigentum das einzige begründbare Recht darstellt und es darum als universell, bzw. auf alle Menschen in jeder Situation anwendbar zu betrachten ist.

    "Weiterhin stellt sich die Frage, wenn es ein Naturrecht ist, warum gilt es nicht für Tiere? Was definiert einen Menschen?"
    Recht wird durch den Menschen festgelegt und gilt darum auch nur für den Menschen. Desweiteren setzt Eigentum auch bestimmte Bedingungen voraus. Neben dem Kriterium der Knappheit muss auch gegeben sein, dass es sich beim Eigentümer um eine Person handelt, die fähig ist, Knappheiten als solche zu erkennen und das Eigentum anderer zu respektieren. Einen Elefant im Porzellanladen wird man wohl kaum dafür bestrafen können, weil er die Porzellanvasen zerstört und das Eigentum anderer beschädigt hat. Da es sich beim Elefant um keine Person handelt, die Eigentum als solches anerkennen kann, kann dieses Recht auch nicht umgekehrt gelten.

    "Hier ergeben sich eine Menge Probleme. Locke/Rothbard gehen von einem unbewirtschafteten Startplaneten aus. Das ist aber nicht unser aktueller Stand. Unser heutiges Eigentum ist teilweise Entstanden wie beschrieben. Allerdings gab und gibt es auch gewaltsame Enteignungen, Diebstahl, Raub und vieles mehr, was gegen das Naturrecht verstößt."
    Ja, richtig, aber was wäre daran so falsch, einen Zustand herzustellen, in dem alle gestohlenen Güter wieder an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgeführt werden (sollten sie eindeutig sein und noch leben) oder (im Falle der Unklarheit) an neue Eigentümer vergeben werden? Dazu muss auch kein Urzustand hergestellt werden, es wäre lediglich ein gesellschaftlicher Wandel.

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  7. "Es gibt kein universales Naturrecht. Universal bedeutet, dass es immer gültig ist. Da es Eigentum aber nicht immer gab und es sich erst mit dem Menschen entwickelt hat, kann es kein universelles Recht sein. Weiterhin stellt sich die Frage, wenn es ein Naturrecht ist, warum gilt es nicht für Tiere? Was definiert einen Menschen?"

    Es soll beschreiben, worauf alle Menschen einen natürlichen ANSPRUCH haben. Dabei bezieht sich dies jedoch nur auf den Umgang der Menschen untereinander.

    Wir werden geboren, und haben somit von der Natur das Recht bekommen, zu leben. Durch dieses natürliche Recht auf Leben haben wir selbstverständlich auch das Recht, unser eigenes Leben zu schützen und zu verteidigen. Das Recht oder den Anspruch auf Leben und auf Selbstverteidigung besitzen alle Menschen gleicher maßen. Eine Gesellschaft, deren moralische Grundsätze diese Rechte nicht anerkennt und achtet, hätte keinen moralischen Wert.

    Die Natur hat den Menschen durch die Evolution mit einem freien Willen ausgestattet. Tiere haben diesen freien Willen nicht, ihr Handeln ist instinktiv.
    Diese Rechte nennt man in der Philosophie Naturrechte. Sie sind die ursprünglichsten und grundsätzlichsten Rechte eines jeden Menschen. Es sind letztlich die einzigen Rechte, die Menschen für sich beanspruchen können, außer dem Recht, das aus freiwilligen Übereinkünften erwächst. Mit „jedem Menschen“ heißt, dass diese Rechte/Ansprüche und die daraus hergeleiteten moralischen Grundsätze universell sind. Sie gelten immer, zu jeder Zeit, an jedem Ort. „UNIVERSELL“ meint hier, sie betreffen jeden Menschen, egal welcher Rasse, welchen Geschlechts oder welcher Religion er angehört. Es gibt keine Ausnahmen und keine Einschränkungen. (und unabhängig davon, ob diese von Einzelnen ingoriert bzw. übergangen werden)

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  8. Django unchained30. Juni 2013 um 08:48

    Da unter diesem Beitrag die Problematik Eigentum und Naturrecht angesprochen wurde - ein paar Anmerkungen:

    Der Mensch ist für seine Leiblichlichkeit auf die Güter der Natur angewiesen, in diesem Sinne also von ihr abhängig bzw. außerstande, ohne sie sein Dasein auch nur zu erhalten, geschweige denn zu entfalten. Daher ist der Mensch dazu berufen, über die Natur zu herrschen und sie seinen Bedürfnissen dienstbar zu machen. Das liegt in der Natur des Menschen schlechthin und gilt darum für jeden Menschen OHNE AUSNAHME.

    Eine Welt für viele Menschen

    Soll nicht ein einziger und völlig alleinstehender Mensch, sonder eine Vielzahl von lebender Menschen sich geordneter und befriedeter Nutzung der Naturgüter erfreuen, dann muss diese Nutzung für alle vollziehbar gemacht werden. Das ANGEWIESENSEIN jedes einzelnen Menschen auf die Naturgüter und die sich daraus ergebende Abhängigkeit von ihnen erfordert, dass jeder Mensch sich eines Mindestmaßes von Beteilung an ihnen sicher sein kann, wozu gehört, diesbezüglich nicht von fremder (privater wie staatlicher) Herrschafts-Willkür abhängig zu sein. Das bedeutet, dass mindestens die unentbehrliche Ausstattung und Versorgung mit Gütern nicht nach obrigkeitlichen Ermessen zugeteilt und gegebenenfalls entzogen wird, vielmehr unentziehbar gesichert sein muss. Durch „Höherhängen des Brotkorbes“, d.h. Entzug der notwendigen Unterhaltsmittel, vermöchte eine Obrigkeit (staatlich oder privat) ihr mißliebige Personen völlig wehrlos zu machen und ihrer Willkür zu unterwerfen. Anders gesagt: lebensnotwendiges und grundlegend-freiheitssicherndes Eigentumsrecht für alle, für jeden einzelnen Menschen muss gewährleistet sein. Sprich: Eigentumsrecht an der eigenen Person und an materieller Grundversorgung, die JEDEN Menschen aus den natürlichen Gegebenheiten heraus dazu befähigt, „nein“ gegenüber allen anderen Menschen sagen zu können, ohne sein Leben oder seine Freiheit aufs Spiel zu setzen.

    Denn es ist, u.a. historische, Tatsache, dass eine äußerst ungleiche Verteilung des gegenständlichen Eigentums bei gleichzeitiger Entblößung der vielen von Eigentum dazu geführt hat, das EIGENTUM, dass Herrschaft über Sachen sein soll, zu einem Herrschaftsinstrument über Menschen zu verfälschen. Soweit das zutrifft, ist der rechte Sinn des Eigentums, nämlich ALLEN MENSCHEN Freiheitsräume zu erschließen, ins genaue Gegenteil verkehrt.

    DAS ist (naturrechtlicher) Liberalismus. Für jedes Individuum.

    PS: Wer bei dieser Argumentation mehr als Parallelen zu Oswald von Nell-Breunings Buch „Gerechtigkeit und Freiheit – Grundzüge katholischer Soziallehre“ von 1980 findet, darf sich gut fühlen, sehr gute individual- wie sozialliberale Literatur gelesen zu haben.

    PS2: Soundtrack für alle Freiheitssehnsüchtigen: http://vimeo.com/58750919

    An die Freiheit!

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  9. "Kinder gehören sich mit Geburt an selbst."
    Ab wann gehören Kinder sich selbst? Wann steht ihnen das Naturrecht zu. Darf man abtreiben? Oder sollte sogar Verhütung verboten sein, da sie das Naturrecht des potentiell geborenen Kindes verletzt?
    Je nachdem wie religiös man ist, wird man diese Fragen unterschiedlich beantworten. Das universelle Recht lässt viel Raum für Interpretation und damit auch Willkür (wie immer).

    "Die Natur hat den Menschen durch die Evolution mit einem freien Willen ausgestattet. Tiere haben diesen freien Willen nicht, ihr Handeln ist instinktiv."
    Über den freien Willen streiten sich Forscher und Philosophen. Das Thema Unterschied zwischen Tier und Mensch ist ebenso schwierig. Das Tiere nur instinktiv handeln ist nicht richtig. Zumindest nicht bei den Menschenaffen. Die Behauptung, dass sie es tun wurde frühe auch auf Sklaven verwendet. Damit wurde begründet, dass sie jemandem gehören können.
    Noch schwieriger wird es bei kranken Menschen. Ein Mensch im Koma, ein Mensch mit Demenz, schwer geistig behindert, etc.

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  10. @endless.good.news

    „… Darf man abtreiben? Oder sollte sogar Verhütung verboten sein, da sie das Naturrecht des potentiell geborenen Kindes verletzt?
    Je nachdem wie religiös man ist, wird man diese Fragen unterschiedlich beantworten. „

    Ich schlage vor, die Religion wegzulassen und es mit Logik zu versuchen.

    „..Naturrecht des potentiell geborenes Kindes..“

    Tja, ohne Logik kommt nur Unsinn raus.

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  11. Ich halte den Begriff des Eigentums in Bezug auf das Ich für verkehrt. Ich bin nicht mein Eigentum. Es würde bedeuten, dass ich mir selbst als etwas zweites, als Eigentum gegenübertrete. Ich ist mit selbst identisch. Genauso falsch ist das Postulat vom Nicht-Eigentum des Ichs in Bezug auf eine Gruppe. Gleichwohl sind wir doch sowohl Individuen als auch Angehörige. Wir gehen Biundungen ein. Ihne Bindung kann kein höheres Lebewesen psychisch gesund bleiben. Das beweisen Versuche, von denen die frühesten bekannten Friedrich II. im frühen Mittelalter durchführte.

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  12. @H_Krebs

    Wenn das Wort Eigentum zu unangenehm ist, können wir es mit dem Synonym "Herrschaftsrecht" versuchen.

    Wer hat das uneingeschränkte Herrschaftsrecht über Dich?

    Bei mir ist es so: Nur ich selbst!

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  13. "Ich schlage vor, die Religion wegzulassen und es mit Logik zu versuchen."
    Was sagt die Logik zur Abtreibung? Hat ein ungeborenes Kind ein uneingeschränkte Herrschaftsrecht oder nicht?
    Das kann man nicht logisch erklären.

    "Tja, ohne Logik kommt nur Unsinn raus."
    Leider hilft die Logik nicht bei einer gesellschaftsphiliosphischen Sicht weiter. Denn dieser Unsinn wird von der katholischen Kirche verbreitet.

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  14. Das heutige Papiergeld ist deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil es gänzlich unreflektiert dem Goldgeld der Antike nachgeäfft wurde! Und noch heute gibt es Äffchen, die – wie die Vertreter der "Österreichischen Schule" – den "Goldstandard" anbeten und sich von diesem Unsinn die Lösung aller Menschheitsprobleme versprechen. Gold kann in der Natur gefunden oder durch Neutronenbeschuss von Quecksilber künstlich erzeugt werden. Und nur weil das zweite Verfahren noch viel zu teuer ist, stellt sich der im Altertum verhaftete, unbewusste Mensch das Gold als ein "natürliches Geld" vor, dem er wegen seiner Seltenheit einen "besonderen Wert" beimisst. Die Abstraktion vom Gold über das Goldgeld bis zum Papiergeld kann der noch unbewusste Mensch nicht nachvollziehen.

    Das bewusste Denken beginnt mit der Feststellung, dass in einer Volkswirtschaft die Waren das Angebot sind und das Geld die Nachfrage bildet. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist also immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht "beliehene Sachwerte", eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas. Damit das Geld seine Aufgabe als Tauschmittel erfüllen kann, muss lediglich sichergestellt sein, dass es als "gesetzliches Zahlungsmittel" definiert, dass es fälschungssicher ist, und dass es umläuft. Allein die Art und Weise, wie die letzte Bedingung erfüllt werden kann, entscheidet über das Schicksal der ganzen Volkswirtschaft:

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll

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  15. @Stefan Wehmeier

    Da Ihre Art des Geldes nur mit Zwang und Enteignung funktioniert, ist mir völlig klar was ich davon zu halten habe.
    Die Äffchen versuchen ihre Mitmenschen nicht mit Zwang und Gewalt zu steuern. Ist mir eindeutig sympathischer.

    Wer beherrschen will, muß derart komplizierte Steuerungstheorien mit Urzins und Freigeld basteln, sich Zinssätze aus den Fingern saugen und Mitmenschen verwirren.

    Warum 2% Zinsen pro Quartal? Warum nicht 2,6354787% Zinsen? Das würde wenigstens ein bißchen wissenschaftlicher Aussehen.
    Und bitte nicht unterschätzen: Sie möchten mit so einer Zahl die gesamte globale Wirtschaft steuern.

    Roland Baader nannte solche Vögel: Gottspieler.




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  16. Es gibt außer Gold und Silber inzwischen auch anderes gutes Geld: http://www.mount-knox.com/

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  17. @Hermann Meßmer: Ich verstehe Ihre Argumentation, muss aber widersprechen. Die Ersetzung von Eigentum durch Herrschaft verschiebt das Problem des schwierigen Anfangs nur von der Ökonomie auf die Politik. Zwar gibt es den sinnvollen Begriff der Selbstbeherrschung, aber das ist psychologisch gemeint. Herrschaft ist ein Komplement zu Knechtschaft. Daher ist der Begriff nicht monadisch anzuwenden. Ein Einzelwesen leidet weder unter Herrschaft, noch übt es Herrschaft über sich aus. Das ist ein Beziehungsstatus zwischen mindestens zwei verschiedenen Menschen. Mir ist nicht klar, wie eine Sozialtheorie, und die liegt ja wohl bei Rothbarth vor, von einem Einzelwesen ausgehen kann und nicht von einer Beziehung von mindestens zwei Individuen. Das halte ich für logisch widersinnig.

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  18. @H_Krebs

    Auch wenn mein Deutsch nicht ausreichend scheint und meine Gadankengänge nicht ausreichend kompliziert sind versuche ich es nochmal:

    Wer darf Dir gerechtfertigt vorschreiben, wie Du Dein Leben zu leben hast?
    Ein Staat? Eine Mehrheit der weisen Männer? Eine Mehrheit? Ein Erleuchteter?

    In meinem Fall: Nur Ich mir selbst!

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  19. "In meinem Fall: Nur Ich mir selbst!"

    Das funktioniert nur bedingt. Sie leben nicht allein auf dem Planeten, sondern in einer Gesellschaft. Sie können nicht frei Entscheiden, da es zum Beispiel historisch bedingte soziale Normen gibt, die sie in der Regel erfüllen.
    Erfüllt man diese Regeln freiwillig, oder weil es sich einfacher lebt?

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  20. @endless.good.news
    "Das funktioniert nur bedingt. Sie leben nicht allein auf dem Planeten, sondern in einer Gesellschaft. Sie können nicht frei Entscheiden, da es zum Beispiel historisch bedingte soziale Normen gibt, die sie in der Regel erfüllen.
    Erfüllt man diese Regeln freiwillig, oder weil es sich einfacher lebt? "
    Aber gerade der Umstand, dass man in einer Gesellschaft und nicht allein lebt, setzt ja voraus, dass klar festgelegt wird, wer wem gehört, da eben der Körper ein knappes Gut ist und hinsichtlich dessen keine Interessenharmonie herrscht. Also muss festgelegt werden, wer wem gehört. Und es gibt nur einen logisch denkbaren Ausweg: Nämlich das absolute Recht auf Selbsteigentum.

    Historisch bedingte Normen (du meinst wohl eher Gewohnheiten?) ändern daran nichts, im Gegenteil. Auch nicht, dass man durch sein Umfeld beeinflusst wird. Gerade diese Umstände machen ein absolutes Selbsteigentum zwingend notwendig, damit klare Grenzen gesetzt sind. Nur weil es beispielsweise in einigen Kreisen gerade "hip" ist, Umverteilung und hohe Steuern zu fordern, wird das nicht gerechter - ganz im Gegenteil muss hier das absolute Recht auf Selbsteigentum verfochten werden, damit klare Grenzen gesetzt sind und Relativismus ausgeschlossen wird.

    Und schließlich: Dass es nur bedingt funktioniert, ist auch nicht wahr. Im privaten Recht und Umfeld ist es längst gang und gäbe. Auch hier und jetzt, wo ich diesen Beitrag verfasse. Ich akzeptiere es, dass du dir selbst gehörst und argumentiere (jede Argumentation setzt voraus, dass man das absolute Selbsteigentum seines Gegenübers akzeptiert!). Nicht anders ist es, wenn du irgendwo einkaufen gehst oder jemanden auf der Straße nicht verprügelst. Es funktioniert sehr wohl, ja, es ist sogar in vielen Belangen eine Selbstverständlichkeit. Nur im sogenannten öffentlichen Recht wird diese Selbstverständlichkeit außer Kraft gesetzt - mit fatalen ökonomischen und sozialen Folgen.

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  21. @endless.good.news

    Das Kind gehört von der Zeugung an sich selbst. Man darf es nicht abtreiben und man darf keine Verhütenden Mittel verwenden. Dies ist die Schlussfolgerung der absolut gesetzten Freiheit eines Menschen. Und gleichzeitig ist das Naturrecht und die im Artikel zitierten Aussagen von Thomas von Aquin der Grund für dieselbe Argumentation der Katholischen Kirche. Thomas von Aquin war ja bekanntermassen ein Heiliger Kirchenlehrer.

    Es gibt ein Universales Naturrecht - aber solch ein Naturrecht basiert nicht in der Natur und auch nicht im Willen der Menschen sondern in Gott der das Recht selbst ist. Die Zitierten Monarchen und die Kirche bezogen sich darauf.

    @Hermann Meßmer

    Die Religion widerspricht der Logik nicht sondern ist die Folge von intensivstere Verfolgung der Logik seit Sokrates. Dies kann man auch beweisen - dazu muss man aber alle Bücher, Theorien und Abhandlungen seit Sokrates lesen. Zum Teil in Altgriechisch, Latein und anderen Sprachen - dies macht das alles zum Problem.

    Das Naturrecht fusst in der Gottesebenbildlichkeit des Menschen - ein geliebtes Wesen dass vom Höchsten geliebt und für welches er sein Blut gegeben hat. Darum ist ein Menschenleben unendlich wertvoll, wertvoller als alle Menschen zusammen definieren und wahrnehmen könnten.

    Um dass Problem mit dem "legitimen Eigentümer" zu lösen muss man etwas tun was nur Gott endgültig tun kann - vergeben. Dafür gab und gibt es die Beichte, Sühne und Vergebung. Diesem Vorbild kann man folgen und zum Beispiel den Polen vergeben dass Ostpreussen nun nicht mehr existiert. Oder Napoleon vergeben.

    Wenn man dies nicht tut sinkt die Gesellschaftliche Struktur herab auf primitves Stammesniveau dass zu einem allgemeinen Abmetzeln führt - wie der erste und zweite Weltkrieg.

    Einen Anarchokapitalismus kann man ohne Gott gar nicht bauen weil die Triebhaftigkeit des Menschen zu Fehlern verführt und die Menschen gar nicht in der Lage sind dauerhaft eine objektive Vernunft zu leben. Dies muss man wissen und um Hass oder Selbstzerstörung zu verhindern braucht es eben Vergebung.

    Templarii - recognoscere.wordpress.com

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  22. "Das Kind gehört von der Zeugung an sich selbst. Man darf es nicht abtreiben und man darf keine Verhütenden Mittel verwenden. Dies ist die Schlussfolgerung der absolut gesetzten Freiheit eines Menschen."
    Genau das zeigt in meinen Augen die Probleme auf. Ein fühlendes Tier ist weniger Wert als ein potentiell zu zeugendes Kind. Im Namen der Freiheit darf man die Freiheit der Frau einschränken sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden.

    "Es gibt ein Universales Naturrecht - aber solch ein Naturrecht basiert nicht in der Natur und auch nicht im Willen der Menschen sondern in Gott der das Recht selbst ist."

    Da man niemals beweisen kann das Gott existiert, denn sonst wäre es kein Glaube an Gott mehr, kann man mit Ihm auch keine rechtliche Basis begründen. Im Namen Gottes wurden auch Kriege und staatliche Macht legitimiert. Die Interpretation liegt immer beim Menschen.

    "Die Religion widerspricht der Logik nicht sondern ist die Folge von intensivstere Verfolgung der Logik seit Sokrates."
    Religion widerspricht der Logik nicht, setzt aber andere Axiome an den Anfang. Wenn ich einen Gott und dessen Schöpfung definiere und als gegeben ansehe, dann kann ich logisch argumentieren.
    Allerdings ergeben sich einige Probleme. Sie schreiben von einem Gott. Milliarden Menschen glauben an mehrere Götter. Auch die Gottesdefinition ist alles andere als klar. Somit steht das logische Gebäude der Religion auf wackeligen Füßen.

    "Darum ist ein Menschenleben unendlich wertvoll, wertvoller als alle Menschen zusammen definieren und wahrnehmen könnten."
    Wenn dem so ist, dann müssten Menschen über dem Eigentum stehen. Somit wäre Enteignung in jedem Falle erlaubt, wenn es der Mehrheit der Menschen dient.

    "die Menschen gar nicht in der Lage sind dauerhaft eine objektive Vernunft zu leben."
    Es gibt keine objektive Vernunft. Für die meisten Kommentatoren in diesem Blog ist es vernünftig den Markt alles regeln zu lassen. Ich und viele andere sind der Meinung, dass der Staat eingreifen muss, wenn es nötig ist. Wieder andere Wünschen sich die totale staatliche Kontrolle. Alle halten ihre Ideen für vernünftig. Vernunft wird gesellschaftlich definiert. Eine Wahrheit gibt es nicht.

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  23. „Im Namen der Freiheit darf man die Freiheit der Frau einschränken sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden.“
    Was für ein Unsinn! Freiheit welche die Freiheit einschränkt. Was soll das werden?
    Die Frau gehört sich selbst. Das gezeugte Kind gehört sich selbst.
    Die Frau kann abtreiben! Niemand kann es ihr gerechtfertigt verbieten.

    Die Frau kann entscheiden, die Nabelschnur zu durchtrennen. Sie kann von niemandem gezwungen werden, das werdende Kind, welches aus ihrer Blutbahn Energie entnimmt, in ihrem Unterleib zu tolerieren.
    Was das werdende Kind mit der Situation, durchtrennte Nabelschnur, macht ist Sache des Kindes.
    Punkt.
    Soweit zur Logik.
    In der Realität wird einen Mutter sich um das („ihr“) Kind sorgen. Auch das kann ihr niemand verwehren. Wer sollte ihr diese Freiheit einschränken?
    Nur das Kind! Aber das ist graue Theorie. Zwar logisch aber graue Theorie.
    Liebe Grüße
    Hermann Meßmer

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  24. "Freiheit welche die Freiheit einschränkt.
    Die Frau gehört sich selbst. Das gezeugte Kind gehört sich selbst.
    Die Frau kann abtreiben! Niemand kann es ihr gerechtfertigt verbieten."
    Damit verstößt man gegen die Freiheit des Kindes. Verbietet man die Abtreibung verstößt man gegen die Freiheit der Frau. Freiheit des einen schränkt die Freiheit des anderen ein.

    "Sie kann von niemandem gezwungen werden, das werdende Kind, welches aus ihrer Blutbahn Energie entnimmt, in ihrem Unterleib zu tolerieren.
    Was das werdende Kind mit der Situation, durchtrennte Nabelschnur, macht ist Sache des Kindes.
    Punkt."

    Mit dieser Argumentationskette kann man Morde legitimieren. Ich hoffe das ist Ihnen klar.
    Ich schieße in ihre Richtung und wenn sie nicht schnell genug ausweichen, ist das ihre Sache. Funktioniert irgendwie nicht richtig, da ich willentlich ihre Schädigung in kauf nehmen.
    Sie sprechen dem Kind zu, dass es sich willentlich entschieden hat im Bauch der Mutter zu sein. Das hat es aber nicht.

    "Aber das ist graue Theorie. Zwar logisch aber graue Theorie."
    Das trifft es. Logik versagt an der Stelle.

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  25. Freiheit besteht nicht darin, das andere was aktiv tun müssen. Das nennt man nicht Freiheit sondern Zwang. Meine Freiheit ist nicht Zwang.
    Wenn ich von Freiheit spreche meine ich immer die negative Freiheit.
    Sie verstehen Freiheit als positive Freiheit deren untrennbarer Begleiter der Zwang ist.
    Sie haben damit zwar das schönere Wortpaar. Aber positive Freiheit ist Zwang für jemanden anderen.
    Meine negative Freiheit zwingt niemanden zu was. Negative Freiheit ist die Freiheit für jedermann. Nur darum kann es gehen.

    „Mit dieser Argumentationskette kann man Morde legitimieren. Ich hoffe das ist Ihnen klar. „

    Eben nicht!

    Ich zwinge niemanden mir oder meiner Tat (Pistolenschuß) auszuweichen um am Leben zu bleiben. Der Pistolenschuß auf jemanden anderen verstößt gegen das NichtAngriffPrinzip.

    Negative Freiheit = Niemand darf mich zu etwas zwingen.
    Leider wird das Wort Freiheit von vielen als positive Freiheit mißbraucht.
    Dann ist meine (positive) Freiheit, z.B. die Freiheit am Leben zu bleiben, auch wenn ich unfähig oder stinkendfaul bin. Damit kann ich dann argumentativ jeden anderen Menschen „verhaften“ weil er mich am Leben erhalten muß. Nach dieser Logik müssen sie fleißig sein, damit ich überlebe, weil ich schlicht zu blöd bin für meine eigenes Leben zu sorgen. Sie würden mich sonst, nach ihrer Vorstellung, zwingen zu streben.
    Negative Freiheit: Die Mutter muß das Kind nicht am Leben erhalten. Niemand kann sie dazu zwingen!
    Natürlich ist die Verbindung der Mutter mit Kind ein Sonderfall diese Art der Argumentation. Aber man muß selbst zu einer Entscheidung kommen.
    In Ihrer Gedankenwelt und Logikkette wird es spannend, wenn die Mutter mit dem Kind im Bauch sterben würde, ohne das Kind aber nicht. Bei ihnen dürfte die Mutter die Nabelschnur nicht durchtrennen solange das Kind noch ein Lebenszeichen von sich gibt. Sie müsste jedes Leid auf sich nehmen, sogar den eigenen Tod damit das Kind überlebt.
    In meiner Gedankenwelt nicht.

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  26. "Allerdings ergeben sich einige Probleme. Sie schreiben von einem Gott. Milliarden Menschen glauben an mehrere Götter. Auch die Gottesdefinition ist alles andere als klar. Somit steht das logische Gebäude der Religion auf wackeligen Füßen."

    Das Thema hat schon Sokrates und Platon abgehandelt. Es gibt nur einen Gott. Alle anderen "Götter" sind nur wirre Geister - wie man den Göttergeschichten auch entnehmen kann. Was sollen das für Götter sein die sich selbst aufheben könnten. Ich würde sagen Ihre Aussage steht auf wackeligen unlogischen Füssen.

    "Vernunft wird gesellschaftlich definiert. Eine Wahrheit gibt es nicht."

    Dementsprechend schliessen Sie sich selbst aus der Diskussion aus. Denn sie teilen mir mit dass "Vernunft" nur auf der Basis von macht basiert. Wer mächtiger ist und mehr Gewalt ausübt - der hat Recht. Dem widerspreche ich. Sowohl Vernunft als auch Wahrheit gibt es als objektive Entitäten ausserhalb der Menschlichen Wahrnehmunng.

    Wahrheit gibt es sehr wohl, sie selbst sind nur sehr verwirrt - und haben wohl keine Kinder. Die erkennen die Wahrheit sehr schnell und sprechen sie aus. Dass kann ziemlich peinlich werden.

    Sie sollten sich Thomas von Aquin und Anselm von Canterbury beschäftigen. Die können ihnen etwas über Vernunft und Wahrheit erzählen. Oder fangen Sie wenigstens mit Platon und Sokrates an wenn sie Christophobie haben.


    Templarii

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  27. @Hermann Meßmer
    Ich denke wir sind näher beieinander als sie glauben. Der Unterschied ist, dass ich der Meinung bin das die Ausnahmen (Mutter Kind) deutlich häufiger auftreten als man glaubt. Die Grenze der aktiven und passiven Freiheit kann man meiner Meinung nach selten sauber ziehen. Auf den ersten Blick offensichtlich passive Freiheitsrechte können durchaus sehr aktiv in das Leben anderer Menschen eingreifen, wenn auch über Umwege.

    @Templarii
    "Es gibt nur einen Gott. Alle anderen "Götter" sind nur wirre Geister - wie man den Göttergeschichten auch entnehmen kann. "
    Na wenn das so ist, irren sich wohl 5/7 der Menschheit, welche an andere Götter, mehrere Götter oder keine Götter glauben. Im Übrigen wusste ich gar nicht, dass Platon und Sokrates Christen waren.

    "Denn sie teilen mir mit dass "Vernunft" nur auf der Basis von macht basiert. "
    Vernunft basiert auf einem gewissen gesellschaftlichen Konsens.

    "Die können ihnen etwas über Vernunft und Wahrheit erzählen. Oder fangen Sie wenigstens mit Platon und Sokrates an wenn sie Christophobie haben."
    Philosophen können keine Wahrheit beweisen. Daran sind alle Philosophen gescheitert. Warum habe ich Ihnen bereits erklärt. Wie will ein Mensch die Unendlichkeit mit einem endlichen Gehirn begreifen? Wir leben in einer Welt der Modellvorstellungen. Wir abstrahieren Dinge, wir vereinfachen, wir nehmen nur einen Bruchteil unserer Umgebung wahr. Wie wollen wir die Gesamtheit, denn das wäre die Wahrheit, dann erschließen.

    Auch bei der Verbunft sieht es nicht besser aus. Vernunft entsteht aus Moralvorstellungen. Diese wandeln sich. Deshalb kann die Vernunft nicht universell sein. Das sieht man daran, dass bestimmtes vernünftiges Verhalten nicht in allen Kulturen gleichermaßen gilt.

    Ist die Gleichstellung von Mann und Frau vernünftig?
    Ist die Aufklärung von Jugendlichen vernünftig?
    Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

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  28. @Hermann Mesmer
    "Negative Freiheit: Die Mutter muß das Kind nicht am Leben erhalten. Niemand kann sie dazu zwingen!"

    Doch dass muss sie ausser sie stirbt selbst dabei - und selbst dann gibt es Menschen die sich dafür entscheiden. Das Leben des Kindes wiegt schwerer als die Bequemlichkeit der Mutter. Bei einem geht es nur um Schiss vor der Verantwortung (vornehmlich in wohlhabenden Ländern mit rundumvollversorgung von der Wiege bis zur Bahre) und beim anderen geht es schlicht um das Leben.

    Möchten Sie dass ihre Mutter Sie abgetrieben hätte?

    Ausserdem gilt zu beachten was für Auswirkungen Abtreibung hat, etwas was gerne ignoriert wird. Abtreibungen sind nicht wie "Nase Putzen" sondern haben schwerwiegende Folgen wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit oder Depressionen bis zum Lebensende. Sprechen Sie mal mit einigen Frauen die Abgetrieben haben. Sehr viele von Ihnen bereuen es und fühlen einen tiefen Seelischen Schmerz.

    @endless.good.news >Na wenn das so ist, irren sich wohl 5/7 der Menschheit, welche an andere Götter, mehrere Götter oder keine Götter glauben.

    Richtig, sie irren sich. Es ist doch völlig logisch. Entweder gibt es ein mächtigstes Wesen oder nicht. Gibt es zwei mächtigste Wesen dann ist keins davon dass mächtigste. Streiten sich die Götter oder sind neidisch und wütend dann sind das keine mächtigen Wesen sondern zankende Geister.

    Dass mächtigste Wesen ist absolut mächtig, es ist unendlich, zeitlos und so weiter. Zum Beispiel ist es im Christentum klar dass man Gott nichts ausser seine unschuldige Liebe geben kann. Und die Gnade Gottes erhält man nur weil er will, nicht weil man etwas tat um es zu bekommen. Eine vollkommene Majestät - die aber nur mit dem Kreuztod Jesu diese Struktur hat. Nimmt man das Kreuz weg, bleibt nur ein unnahbares Mächtiges etwas übrig dem man dumpf gehorchen soll.

    > Im Übrigen wusste ich gar nicht, dass Platon und Sokrates Christen waren.

    Christen waren sie nicht, aber sie sind schon von alleine drauf gekommen dass es a. Nur einen Gott geben kann, b. der Gerechteste Mann wohl gekreuzigt werden würde, c. wir Menschen Illusionen schauen und die Wahrheit fürchten.

    > Wie wollen wir die Gesamtheit, denn das wäre die Wahrheit, dann erschließen.

    Die Wahrheit ist nicht die Gesamtheit aller Dinge. Genauso wie die Vernunft, kann man die Wahrheit nur dann anwenden und wahrnehmen wenn man weiss WAS man will und wohin man will.

    Vernunft entsteht nicht aus Moralvorstellungen sondern steht für sich selbst wie die Wahrheit deren Tochter sie ist. Man kann sie nur nicht eins zu eins aus allen Situationen erkennen sondern letztlich im Nachhinein oder als Negativabdruck sehen.

    Beispiel: Die Vorstellung dass Vernunft von Menschen definiert wird, führt so schnell in ein blutiges Gemetzel welches zur Selbstzerstörung führt dass man daran erkennen kann dass es nicht stimmt.

    Wie beim Bau eines Motors gibt das Ziel vor, was vernünftig und richtig ist. Wenn das Ziel in menschlicher Reichweite ist, dann gelingt nichts weil es sich ständig ändert was dass Ziel ist - zum Beispiel ein tolles "Reich" oder "diese und jene Moralischen Ziele". Schon allein mit einfacher Propaganda und Fernsehgehirnwäsche kann man die "Ziele" ständig verwischen.

    Evolutionär gesprochen: Anhand der unfähigkeit der Gesellschaft in solch einer Umgebung zu prosperieren und nachhaltig zu existieren zeigt sich das der Ansatz nicht stimmt und falsch ist. WAS WAHR IST - ist die Sehnsucht nach Wachstum, Ruhe, Friede, Liebe usw..

    Dass mit der Wahrheit ist nicht so einfach, aber die griechischen Philosophen sind schon nah dran gewesen. Ihre Vorstellung davon wie man Wahrheit erkennen kann ist halt Kulturell bedingt primitiv. Wir sind abgestürzt auf Barbareniveau.

    Templarii

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  29. "Richtig, sie irren sich. Es ist doch völlig logisch. Entweder gibt es ein mächtigstes Wesen oder nicht. Gibt es zwei mächtigste Wesen dann ist keins davon dass mächtigste. Streiten sich die Götter oder sind neidisch und wütend dann sind das keine mächtigen Wesen sondern zankende Geister."
    Nach ihrer Definition ist der christliche Gott ein Geist? Oder ignorieren sie das alte Testament? Religion ist Glauben. Wenn man nicht glaubt, dann akzeptiert man den Rahmen der Logikargumentation nicht. Vor allem, weil Religion nicht Widerspruchsfrei ist. Das müsste sie aber sein, wenn die Logik sauber angewendet wurde.

    "Die Wahrheit ist nicht die Gesamtheit aller Dinge."
    Wenn sie nicht die Gesamtheit begreifen, woher wollen sie dann wissen was Wahrheit ist?

    "Die Vorstellung dass Vernunft von Menschen definiert wird, führt so schnell in ein blutiges Gemetzel welches zur Selbstzerstörung führt dass man daran erkennen kann dass es nicht stimmt."
    Korrekt und deshalb ist es auch so oft passiert. Vernunft hat sich kulturell entwickelt. Was sie darstellt ist nicht wirklich geklärt und viele Philosophen haben sich an ihr versucht.
    Dabei wird die Vernunft eines sozialen Wesens (normaler Mensch) etwas anders aussehen als die Vernunft eines Narzisten oder andersweitig psychisch auffälligen Menschen.

    "Vernunft entsteht nicht aus Moralvorstellungen sondern steht für sich selbst wie die Wahrheit deren Tochter sie ist"
    Man sieht an dieser Aussage schon wie unklar das Ganze ist.
    Wahrheit (was ist Wahrheit?)
    Sie steht für sich selbst (Axiomatische Festlegung, kein logischer Nachweis der universellen Gültigkeit)

    "Dass mit der Wahrheit ist nicht so einfach, aber die griechischen Philosophen sind schon nah dran gewesen."
    Was ist nah dran? Griechische Philosophen konnten die Wahrheit nie erreichen, da sie über Logik arbeiteten. Nach Kurt Gödel hat hierzu für die Mathematik (logischer geht es nicht) die Unvollständigkeitssätze aufgestellt.
    Der erste "besagt, dass in einem widerspruchsfreien Axiomensystem, das genügend reichhaltig ist, um die Arithmetik (natürliche Zahlen) in der üblichen Weise aufzubauen, und das überdies hinreichend einfach ist, es immer Aussagen gibt, die aus diesem weder bewiesen noch widerlegt werden können. Hinreichend einfach bedeutet dabei, dass das Axiomensystem eine entscheidbare Menge ist. Als zweiter Gödelscher Unvollständigkeitssatz wird Gödels Korollar (Zusatz) zum ersten bezeichnet, wonach die Widerspruchsfreiheit eines solchen Axiomensystems nicht aus dem Axiomensystem selbst ableitbar ist."

    "WAS WAHR IST - ist die Sehnsucht nach Wachstum, Ruhe, Friede, Liebe usw.."
    Es gibt Menschen die nicht nach Liebe streben. Davon abgesehen, dass sie einen unscharfen Begriff durch andere ersetzen und das als Beweis ansehen.

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  30. @recognoscere

    "Doch dass muss sie ausser sie stirbt selbst dabei - und selbst dann gibt es Menschen die sich dafür entscheiden. Das Leben des Kindes wiegt schwerer als die Bequemlichkeit der Mutter."

    Interresante Festlegung.
    Sie persönlich sind bereit Ihre Meinung der Mutter aufzuzwingen?
    Sie persönlich würden die Mutter unter Gewaltandrohung hintern abzutreiben?



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  31. @Hermann Meßmer

    Das Thema Abtreibung polarisiert. Ich bin auch der Meinung das es bis zu einem bestimmten Monat erlaubt sein sollte. Danach sollte das Recht auf Leben über dem Recht auf Freiheit stehen. In diesem Fall sollte man es der Mutter aufzwingen. Denn sie hatte vorher die Chance es sich anders zu überlegen.

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  32. @endless.good.news

    "In diesem Fall sollte man es der Mutter aufzwingen."

    Ich verzichte nur aus dem Kontext des grenzwertigen Themas auf die Feststellung, was einer derartige Aussage zugrundeliegt.

    Aber ich denke schon, das wir sehr viel weiter auseinanderliegen als Sie annehmen. So einen Satz würde nicht nicht schreiben.

    Wir diskutieren hier im fiktiven Raum, bei dem man seine Grundprinzipien nennt.
    Da der Bereich derartig grenzwertig ist, zeigt sich die persönliche Grundeinstellung um so besser.
    Dieses Grenzthema wird seit Jahrzehnten diskutiert.

    Also: Darf die Mutter so handeln wie sie es für richtig hält?
    Wären Sie bereit unter Gewaltanwendung die Mutter an einer Abtreibung zu hindern?
    Wenn Ja: Warum ist Ihre Meinung so viel besser als die der Mutter? Spielt das überhaupt eine Rolle, wer besser argumentieren kann, Götter hervorzaubert, oder vorgibt alles von der Antike bis jetzt gelesen zu haben und damit der Wahrheitsträger zu sein?

    Wenn Nein: Dann sind wir vielleicht doch recht nahe beieinander.

    Zur (negativen) Freiheit gehört schon auch eine völlig abweichende Meinung haben zu dürfen. Solange kein Zwang daraus erwächst: Was solls.

    Dann können alle anderen Menschen an Götter und Geister glauben. Oder an den Sozialismus, an den Weihnachtsmann. Nur zu. Macht was Ihr wollt. Und schreibt was Ihr wollt.
    Nur: Übt bitte keinen Zwang aus.

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  33. "Nur: Übt bitte keinen Zwang aus. "
    Wann fängt Mord an? Das ist die zentrale Frage in diesem Beispiel. Diese Frage hat man nicht beantwortet mit den Worten

    "Nur: Übt bitte keinen Zwang aus."

    Denn daran hängt mehr als man meint. Wann spreche ich einem Menschen das Recht auf Leben und dessen Unversehrtheit zu. Warum gilt das z.B. für Tiere nicht? Warum gilt das Recht auf Freiheit nur bei Menschen und nicht bei Tieren. Was hebt uns hervor? Wenn man es sich nicht einfach macht und Religion zu Hilfe nimmt, sind diese Fragen nicht mal eben zu beantworten.

    Noch eine Frage zu
    "Nur: Übt bitte keinen Zwang aus."
    Ein Ideal keine Frage. Ist es auch realitätstauglich? Wer zwingt bspw. einen Schuldner sein Geld zurück zu zahlen, wenn er es nicht will oder kann?

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  34. @endless.good.news

    "Wann spreche ich einem Menschen das Recht auf Leben und dessen Unversehrtheit zu."

    Ganz zentral in der Grundeinstellung ist der Standpunkt, was einen was angeht und was einen nichts angeht.

    Bei dem Thema Abtreibung geht es die Mutter und das ungeborene Kind an. Es geht Sie nichts an und mich auch nicht. Sie mischen sich aber bewusst in die Entscheidung der Mutter ein und sind bereit der Mutter es durch Gewaltanwendung zu verbieten.
    Ich lasse die Entscheidung bei der Mutter.
    Meine Meinung ist nicht wertvoller, als die Meinung der Mutter.

    "Warum gilt das Recht auf Freiheit nur bei Menschen und nicht bei Tieren."
    Auch das ist eine individuelle Entscheidung eines Menschen, ihre "Festlegung" kann ich nicht nachvollziehen.
    Ich bin Veganer und unterstütze keine Tierhaltung.

    Wenn ich aber Ihr Gedankengut übernehmen würde, meine Meinung über Ihre Meinung stellen würde, mich hier als edler Gutmensch darstelle, sollte ich Ihnen das Fleischessen verbieten.
    Ich tue es nicht. Meine Meinung zählt nicht mehr als Ihre "Festlegung".

    Wenn eine Schuldner X dem Menschen Y sein geliehenes Geld nicht zurückgibt geht mich und Sie das erstmal gar nichts an.
    Zwang wird hier vom Schuldner X für den Menschen Y initiiert. Mensch Y kann dann Sie oder mich um Hilfe bitten...

    Selbstverteidigung (auch für sein Eigentum) und Notwehr und auch Nothilfe stelle ich nicht in Abrede.
    Der zentrale Punkt ist, wer den Zwang initiiert.

    @recognoscere

    "Möchten Sie dass ihre Mutter Sie abgetrieben hätte?"

    Die Frage ist ja schon völlig falsch zu dem Thema gestellt.

    Ich möchte jedenfalls nicht dass sich in diese schwere Entscheidung meiner Mutter dritte,unbeteiligte Besserwisser einmischen und meiner Mutter sagen, was sie zu tun hat und meiner Mutter damit demonstrieren, wie wenig ihre eigene Meinung wert ist.
    Ich selbst hätte schlicht und ergreifend Pech gehabt und Ihr würdet nicht wissen was Ihr mit Eurer Extra-Zeit machen solltet, wenn ihr mir nicht Antworten könntet :-).


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  35. @Hermann Meißner
    "Ganz zentral in der Grundeinstellung ist der Standpunkt, was einen was angeht und was einen nichts angeht.

    Bei dem Thema Abtreibung geht es die Mutter und das ungeborene Kind an."

    Schön Umschifft. Die Frage bleibt trotzdem bestehen. Wann schreibe ich dem Kind das Recht auf Leben zu? Nach ihrer Definition dürfte man sich auch nicht einmischen, wenn die Mutter nach einem Jahr merkt das Kind ist nichts für sie.

    "Selbstverteidigung (auch für sein Eigentum) und Notwehr und auch Nothilfe stelle ich nicht in Abrede.
    Der zentrale Punkt ist, wer den Zwang initiiert. "
    Da sehe ich eben das Problem. Ist die Initiierung immer eindeutig?
    Wenn ich am Verhungern bin und Ihnen Essen stehle, dann will ich mein Leben schützen. Sie sehen es als Angriff auf ihr Eigentum an.

    Für sie ist es das gleiche ob ich verhungere oder ob ich stehle um mir einen Vorteil zu verschaffen. Für mich ist es das nicht.
    Die Frage ist im Endeffekt ob das Recht auf Leben mehr Wert ist als das Recht auf Eigentum. Setzt man beides gleich, dann gibt es Situationen die Probleme bereiten.

    " wie wenig ihre eigene Meinung wert ist. "
    Das ist leider immer ein Problem. Folgt man ihrem Beispiel und die Mutter ist depressiv, dann würde man ihr nicht helfen. Es ist ihre Meinung. Auch stellt sich die Frage, wann die eigene Meinung über dem Leben eines Menschen steht. Wann spricht man dem Kind den gleichen Rechtstatus wie der Mutter zu? Das ist nicht einfach zu beantworten.

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  36. Was Abtreibung betrifft: keine werdende Mutter führt allein und selbständig eine Schere in ihren Unterleib ein und zerschneidet damit die Nabelschnur des Kindes. Sie wird immer einen Arzt oder Quacksalber aussuchen, der das Kind gezielt abtötet, oder wenn wirklich kein "ausführender Killer" verfügbar ist, dann ein Gift schlucken, von dem sie hofft, daß sie es besser verträgt als das Kind.

    Selbst wenn die "Tötung durch durchtrennen der Nabelschnur" praktikabel wäre, besteht diese genetisch immer noch aus Zellen des Kindes und nicht aus Zellen der Mutter.

    Eine Abtreibung ist also ohne "Initiierung von Gewalt gegen das Kind" schlicht nicht machbar.

    Nun kann man eine Frau nicht mit Gewalt zwingen, ein Kind auszutragen, wenn dies für sie unerträglich ist. Umgekehrt muß aber auch niemand bei der Tötung des Kindes helfen, wenn nicht vorher alle Möglichkeiten einer friedlichen Lösung ausgeschöpft wurden (wofür gibt es z.B. Babyklappen?).

    Daß Abtreibungen (ohne medizinische Indikation) von der Krankenkassen bezahlt werden, halte ich für unmoralisch. Niemand sollte Ärzte zu Auftragskillern degradieren.



    @recog:
    Der Eine Allmächtige Gott, der Adam den Garten Eden zeigte und Abraham das Land Kanaan, der Mose aus Ägypten befreite und die Christenheit aus der Knechtschaft der Thora, der gesprochen hat durch die Propheten und die Eine christliche Kirche (in all ihrer Vielfalt) - ist das derselbe, den Mohamed meinte, wenn er von Allah sprach?

    Falls ja: warum zum Henker schickt er den fanatischen Islamisten nicht mal Seinen Heiligen Geist, damit sie endlich Seine Wahre Größe erkennen?

    Falls nein, wer zum Satan ist dieser Allah denn dann und wieso nannte sich sein Engel "Gabriel"?

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  37. @endless.good.news

    „Wenn ich am Verhungern bin und Ihnen Essen stehle, dann will ich mein Leben schützen. Sie sehen es als Angriff auf ihr Eigentum an.“

    Nach der Logik rechtfertigen Sie RAUB und DIEBSTAHL. Ich hoffe Ihnen ist das klar.

    Wenn dem so ist, heißt das für alle am Verhungerten, dass Sie sich Eigentum von Ihnen (endless.good.news) beliebig stehlen können ohne Konsequenzen zu befürchten!

    Gut zu wissen…

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  38. @endless.good.news

    „Wenn ich am Verhungern bin und Ihnen Essen stehle, dann will ich mein Leben schützen. Sie sehen es als Angriff auf ihr Eigentum an.“

    Nach der Logik rechtfertigen Sie RAUB und DIEBSTAHL. Ich hoffe Ihnen ist das klar.

    Wenn dem so ist, heißt das für alle am Verhungerten, dass Sie sich Eigentum von Ihnen (endless.good.news) beliebig stehlen können ohne Konsequenzen zu befürchten!

    Gut zu wissen…:-)

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  39. @endless.good.news

    „Wenn ich am Verhungern bin und Ihnen Essen stehle, dann will ich mein Leben schützen. Sie sehen es als Angriff auf ihr Eigentum an.“

    Nach der Logik rechtfertigen Sie RAUB und DIEBSTAHL. Ich hoffe Ihnen ist das klar!?

    Wenn dem so ist, heißt das für alle, die am verhungern sind, dass sie sich Eigentum von Ihnen (endless.good.news) beliebig stehlen können ohne Konsequenzen zu befürchten!

    Gut zu wissen…:-)

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  40. @Störk
    Sie zeigen sehr schön die Widersprüche auf. Es gibt pro und contra für beide Seiten. Am Ende rettet man sich in die Moral. Ich denke man kann es auch nicht anders lösen.

    @AnCap
    "Nach der Logik rechtfertigen Sie RAUB und DIEBSTAHL. Ich hoffe Ihnen ist das klar!?"
    Sie haben nicht verstanden vorauf ich hinaus will. Man hat zwei Freiheitsrechte. Ein Recht auf Unversehrtheit des Lebens und ein Recht auf Eigentum. Es gibt Grenzfälle wo beide Rechte gegeneinander stehen. Die Einhaltung des Eigentumsrechts führt zur Schädigung des anderen Menschen. Darf er ein das Eigentumsrecht brechen, um sich selbst zu helfen?
    Wenn er es darf, wann darf er es? Nach Hermann Meißner darf man es nicht. Denn es wäre ein aktiver Zwang. Für mich wäre es in diesem Fall aber ein Zwang des Eigentümers gegenüber dem Hungernden. Es ist letztenendes eine Standpunktfrage. In meinen Augen verdeutlicht das Beispiel, dass es nicht so einfach ist ein paar Naturrechte zu definieren und dann anzunehmen, dass alles sauber funktioniert. In einer Gesellschaft sind die Ausnahmen die Regel.

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  41. @ endless.good.news
    "Sie haben nicht verstanden vorauf ich hinaus will."

    Ich glaube nicht, dass man Ihre Argumentation mißverstehen kann :-)

    "Darf er ein das Eigentumsrecht brechen, um sich selbst zu helfen? ... Denn es wäre ein aktiver Zwang"

    Wie kann man Eigentumsdiebstahl als PASSIV und NICHT als Zwang, da GEGEN den Willen des Eigentümers gerichtet, beurteilen? Ich kann hier beim besten Willen keine Logik erkennen?

    "Für mich wäre es in diesem Fall aber ein Zwang des Eigentümers gegenüber dem Hungernden. Es ist letztenendes eine Standpunktfrage."

    Dies kann keine Standpunktfrage sein. Nach der Logik würden ALLE Eigentümer auf diesem Planeten gegenüber Hungernden Zwang ausüben!?

    Für mich kann das nur diese eine EINDEUTIGE Interpretation zur Folge haben:

    Nach Ihrem Standpunkt geben Sie dem Hungernden das Recht dem Eigentümer GEGEN seinen Willen notfalls per Zwang und mit Gewalt sein Eigentum wegzunehmen! ("Recht geben" heißt hier OHNE Konsequenz für den Räuber). Ihre Aussage lässt keine andere Interpretation zu!

    Kann ich dann mit gutem Gewissen und ohne Reue den/die (eigentlich alle :-))Hungernden bei Ihnen vorbeischicken? :-)

    Grüße

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  42. @AnCap
    "Ich kann hier beim besten Willen keine Logik erkennen?"
    Mit Logik kommen Sie bei dem nicht weiter. Dem Mann ist nicht zu helfen. Und Logik lehnt der als Diskussionsgrundlage ausdrücklich ab.
    Lesen sie sich mal durch seine bisherigen Beiträge oder schauen Sie auf seinem Blog rein.
    Versuchen Sie lieber einen Pudding an die Wand zu nageln, als mit " endless.good.news" eine sinnvolle Diskussion zu führen.

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  43. AnCap hat gesagt...

    @ endless.good.news
    "Sie haben nicht verstanden vorauf ich hinaus will."

    Ich glaube nicht, dass man Ihre Argumentation mißverstehen kann :-)

    "Darf er ein das Eigentumsrecht brechen, um sich selbst zu helfen? ... Denn es wäre ein aktiver Zwang"

    Wie kann man Eigentumsdiebstahl als PASSIV und NICHT als Zwang, da GEGEN den Willen des Eigentümers gerichtet, beurteilen? Ich kann hier beim besten Willen keine Logik erkennen?

    "Für mich wäre es in diesem Fall aber ein Zwang des Eigentümers gegenüber dem Hungernden. Es ist letztenendes eine Standpunktfrage."

    Dies kann keine Standpunktfrage sein. Nach der Logik würden ALLE Eigentümer auf diesem Planeten gegenüber Hungernden Zwang ausüben!?

    Für mich kann das nur diese eine EINDEUTIGE Interpretation zur Folge haben:

    Nach Ihrem Standpunkt geben Sie dem Hungernden das Recht dem Eigentümer GEGEN seinen Willen notfalls per Zwang und mit Gewalt sein Eigentum wegzunehmen! ("Recht geben" heißt hier OHNE Konsequenz für den Räuber). Ihre Aussage lässt keine andere Interpretation zu!

    Kann ich dann mit gutem Gewissen und ohne Reue den/die (eigentlich alle :-))Hungernden bei Ihnen vorbeischicken? :-)

    Grüße

    AntwortenLöschen
  44. @Molot
    ich weiß, gerade weil die Beiträge und sein Blog grotesk unlogisch sind, macht es manchmal auch Spaß darauf hinzuweisen;-)
    (s.auch seine exemplarische Argumentation mit H.Meßmer)

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  45. endless,

    die Geschichte vom Verhungernden, der "Mundraub" begehen muß, um zu überleben, ist recht konstruiert.

    Wenn jemand halbverhungert aus der Wüste in eine Oase kommt, dann findet sich eigentlich immer jemand, der dem armen Wanderer freiwillig und ohne Zwang Gastfreundschaft gewährt.

    Wenn der Hungernde aber schon länger unter Menschen ist, und genau weiß, daß die Ressourcen, die er zum Überleben braucht, im Besitz anderer Menschen sind (das ist der Normalfall in einer arbeitsteiligen Zivilisation!) dann hat er jederzeit die Wahl zwischen drei Optionen:

    1. er übnerlegt, was er seinerseits für andere Menschen dieser Zivilisation tun kann, damit diese ihn für seine Leistungen mit den Tauschmitteln belohnen, die er braucht, um das nötigste zu kaufen. Beispiel: zwei Zigeuner mit Geige und Gitarre stellen sich in die Fußgängerzone und musizieren. Nach einer Weile ist genug Geld im Hut, um etwas zu essen zu kaufen

    2. der Mensch bettelt. Beispiel: eine Roma sitzt in der Fußgängerzone mit einem Pappschild. Irgendwann ist der Hut voll, es dauert halt länger als mit Musik.

    3. Der Mensch nimmt sich einfach, was er will, ohne Rücksicht auf rechtmäßige Eigentümer. Beispiel: eine Großfamilie mit osteuropäischem Migrationshintergrund rempelt sich durch die Geschäfte und klaut hier und da Brieftaschen, Geldbörsen und Portemonnaies aus Jackentaschen, Handtaschen und Rucksäcken. binnen einer Stunde haben sie genug zusammen, um dem Clanchef auf dem Balkan ein Auto zu kaufen. Ziemlich viele Leute sind ziemlich verärgert, weil in den Brieftaschen nicht nur Geld drin war, und die Großfamilie hat die Stadt verlassen, noch bevor die Polizei alle Anzeigen aufnehmen konnte.

    DAS sind die Möglichkeiten, die man hat, wenn man sich in eine Stadt voller Menschen begibt, weil man Geld braucht. Um Szenario 3 zu rechtfertigen, braucht man eine ingroup-outgroup-Moral, ein allgemeines Gesetz taugt dafür nicht.

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  46. "Wie kann man Eigentumsdiebstahl als PASSIV und NICHT als Zwang, da GEGEN den Willen des Eigentümers gerichtet, beurteilen?"
    Es ist nicht passiv.

    "Ich kann hier beim besten Willen keine Logik erkennen?"
    Weil sie Dinge herauslesen die nicht geschrieben worden sind.

    Meine Aussage lautet, dass aktiver Zwang notwendig sein kann, wenn das Recht auf Leben gegen das Recht auf Eigentum steht. Warum Eigentum einem menschlichen Leben überlegen sein. Ich kann mich nicht mit Herrn Meßmers Thesen anfreunden, dass keine aktive Zwangsausübung automatisch zu einem bestmöglichen Leben führt.

    "Dies kann keine Standpunktfrage sein. Nach der Logik würden ALLE Eigentümer auf diesem Planeten gegenüber Hungernden Zwang ausüben!?"
    Abstrakt gedacht ist das richtig.
    Um meinen Punkt vielleicht etwas klarer darzustellen. In jeder Wirtschaft werden Güter erstellt. Diese Güter müssen verteilt werden. Unser aktuelles Wirtschaftssystem erlaubt es, dass einige wenige theoretisch unendlich viele Güter anhäufen können und zwar zur Last der anderen. Denn die Güter werden nicht von dieser einen Person erstellt, sondern in der Regel von der Mehrheit der anderen. Das nennt sich nach der hier vorgetragenen Argumentation, dann Freiheit des Einzelnen. Fordert die Mehrheit der Menschen ihren Anteil ein, dann nennt sich das aktiver Zwang. Begründet wird diese Freiheit mit einer Logik die auf Axiomen wie der Markt ist IMMER überlegen, es stellen sich IMMER die besten Preise, Marktversagen gibt es NIE, etc. aufbaut. Wären diese Axiome war, dann würden diese Gedanken vielleicht funktionieren. Nur Axiome kann man nicht beweisen. Schon gar nicht mit Logik, da sie am Anfang der Logikkette stehen und als wahr angenommen werden. Wer diese Axiome hinterfragt, wirkt unlogisch.

    "Wenn jemand halbverhungert aus der Wüste in eine Oase kommt, dann findet sich eigentlich immer jemand, der dem armen Wanderer freiwillig und ohne Zwang Gastfreundschaft gewährt."

    Soviel zum Thema Konstruktion. Im Zweifel werden sie gerettet, da Menschen so nett sind. Warum tun sie das, weil die Schlüsse ihnen die Schlussfolgerungen nicht gefallen. Der Mensch der zur Oase kommt verhungert, wenn ihm nicht freiwillig geholfen wird. Das ist in Ordnung, da sich an das Naturrecht gehalten wird. Unter dieser Prämisse hätte es keine Revolutionen in Richtung Demokratie und Freiheit geben dürfen. Auch dort wurden Gesetze gebrochen, um das Leben der Mehrheit zu verbessern. Das vermeintliche Naturrecht ist genauso von Menschen konstruiert wie die Rechtssprechung von Staaten. Es kann und würde genauso verwendet werden um Macht zu legitimieren und zu festigen. Genau das was sie vermeiden wollen, fördern sie. Indem der Arme von dem Wohlwollen des Reichen abhängig ist, ist er nicht mehr frei.

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  47. „Es ist nicht passiv.“

    Eben, es ist aktiv! Und somit ein gewalttätiger, weil aktiver, Eingriff in das Eigentum des Eigentümers GEGEN seinen Willen!

    „Weil sie Dinge herauslesen die nicht geschrieben worden sind.“

    Bitte konkreter, was denn zum Beispiel? M.e. habe ich genau DAS gelesen, was sie GESCHRIEBEN haben.

    „Meine Aussage lautet, dass aktiver Zwang notwendig sein kann, wenn das Recht auf Leben gegen das Recht auf Eigentum steht“

    Wie ich ja schon sagte: Das bedeutet logisch, dass Menschen das Recht auf Diebstahl und damit verbunden Zwang bzw. Gewalt haben.

    Genauso haben sie es geschrieben. Anders KANN man das NICHT lesen! :-)

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  48. @endless.goog.news

    Schade finde ich, dass jemand über Logik schreibt, mit dieser aber nichts anfangen will, da sein willkürliches Gedankenkonstrukt fallen würde.
    Es kommt weiterhin nur Unsinn raus:
    „Wer diese Axiome hinterfragt, wirkt unlogisch.“
    Das gilt für alle Sozialisten, weil das Ziel „willkürliche Umverteilung“ in diesen Köpfen als unumstößliches Axiom gesetzt ist. Sozialisten würden daher unlogisch handeln, wenn sie sich tatsächlich mit widerspruchsfreier Logik beschäftigen würden.
    Für alle die ergebnisoffen sich mit Logik beschäftigen gilt dieser Unsinn „Wer diese Axiome hinterfragt, wirkt unlogisch“ eben nicht.
    Es gibt Axiome die widerspruchsfrei bewiesen werden können. Nicht von endless.good.news, aber von jedem der sich die Mühe macht sich mit Logik zu beschäftigen.
    Ein gutes Axiom am Anfang einer Logikkette ist eindeutig wahr oder eindeutig falsch.
    Die Aussage: „Der bewußte Mensch handelt“ ist nicht zu widerlegen. Der Versuch die Aussage zu widerlegen ist selbst eine Handlung und damit widersprüchlich. Sich zu entscheiden, sich nicht zu bewegen ist eine Handlung. Sich bewußt nicht zu bewegen ist auch eine Handlung.
    Dieses Axiom „Der bewußte Mensch handelt“ am Anfang einer Logikkette kann nicht widerlegt werden.
    endless.good.news wird sicherlich auch das Axiom „ endless.good.news existiert“ irgendwie mit 1000 Worten verwässern und in Zweifel ziehen können. Viel Spaß dabei.
    Aber wie meine Kollegen hier schon schreiben, ich spreche besser hier mit der Wand im Zimmer.
    Den sich mit jemanden über Logik auszutauschen, der die Hinterfragung der Logik als unlogisch ansieht, dem ist wirklich nicht zu helfen.

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  49. endless.brainless...

    > Um meinen Punkt vielleicht etwas
    > klarer darzustellen. In jeder
    > Wirtschaft werden Güter erstellt.
    > Diese Güter müssen verteilt werden.

    Nein, müssen sie nicht. Wenn jemand die Güter, die er hergestellt hat, selbst nutzt, müssen sie nicht verteilt werden, denn das wäre schlicht Subsistenzwirtschaft. Wenn er sie aber gegen Güter tauscht, die jemand anderes produziert hat, ist dazu nur der bilaterale Tausch nötig, aber keine übergeordnete Instanz, die "verteilt".

    > Unser aktuelles Wirtschaftssystem
    > erlaubt es, dass einige wenige
    > theoretisch unendlich viele Güter
    > anhäufen können

    Damit Güter "unendlich" angehäuft werden können, müssen sie erstmal "unendlich" vorhanden sein - dann sind es keine knappen Güter..

    > und zwar zur Last der anderen.

    ... eben nicht, es handelt sich doch um "unendlich" verfügbare Güter! Wenn z.B. ein Briefmarkensammler Milliardenwerte an abgestempelten Marken hortet, hat das NULL Einfluss darauf, wieviel Porto ich zahlen muß.

    Und nein, die Familie Albrecht kann NICHT so viele Lebensmittel horten, wie ihre Märkte binnen eines Jahres verkaufen - die Ware MUSS verkauft werden, solange sie frisch ist, sonst kommen keine Kunden mehr.

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  50. @ endless...

    "Diese Güter MÜSSEN verteilt werden"

    Ist das ein Axiom? :-)

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