Montag, 3. Juni 2013

Habermanns Richtigstellung: Kapitalismuskritik

Prof. Gerd Habermann
von Prof. Gerd Habermann
Diesen Monat: Kapitalismuskritik
Seit Auftreten der modernen Marktwirtschaft vor zweihundert oder dreihundert Jahren ständige Begleiterscheinung des ökonomischen und sozialen Fortschritts. Betrüblicher Hintergrund der Kritik ist das Unverständnis für die Zauberformel des ,,Kapitalismus'': dass in diesem System jedermann nur vorwärtskommt, indem er anderen nützliche Leistungen bietet und dass er eine Einrichtung für die Menschen als Konsumenten insgesamt, vor allem die ,,kleinen Leute'' ist. Sozialisten können nicht begreifen, dass sich aus dem Eigeninteresse unter allgemeinen Verhaltensregeln mit Preisen als rechnerischen Koordinationsmittel eine spontane Ordnung ergeben kann, die an Effizienz und Wohlstandserzeugung alles übertrifft, was die Welt bis heute gesehen hat. Häufig wird auch für ein Versagen des Kapitalismus gehalten, was nur Ergebnis des Staatsversagens ist: z.B. Massenarbeitslosigkeit als Ergebnis staatlich gesetzten Arbeits- und Sozialrechts, Inflation und Staatsbankrott als Ergebnis des staatlichen Geldmonopols und staatlicher Ausgabenpolitik, das Umweltproblem als Ergebnis fehlender staatlicher Rahmensetzung für die Nutzung von Gemeingütern wie Luft und Wasser, für deren Schutz ja der Staat zuständig ist. Kapitalismuskritik ist reaktionär: Sie geht meistens von totaler Gemeinschaftlichkeit (,,Solidarität'') und einer Ethik des familiären Teilens aus, die in einer offenen Marktgesellschaft nicht funktionieren kann und die nur die Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse behindert.
Literaturtipp:
Friedrich August von Hayek: Der Weg zur Knechtschaft, Neuausgabe München 2003.
Roland Baader: Die belogene Generation. Politisch manipuliert statt zukunftsfähig informiert, Gräfelfing 1999.
Diesen und weitere Begriffe finden Sie in Gerd Habermanns ,,polemischem Soziallexikon''.
_________________________ 
Prof. Dr. Gerd Habermann, Jahrgang 1945, ist Wirtschaftsphilosoph, Hochschullehrer und freier Publizist. Er ist seit 2003 Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Initiator und Mitgründer der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und der Friedrich-August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft
Bei Freitum erscheint monatlich ,,Habermanns Richtigstellung''.

Kommentare:

  1. "Häufig wird auch für ein Versagen des Kapitalismus gehalten, was nur Ergebnis des Staatsversagens ist: z.B. Massenarbeitslosigkeit als Ergebnis staatlich gesetzten Arbeits- und Sozialrechts"

    Ich hätte gerne mehr als Logikbelege aus dem Buch "Der Weg in die Knechtschaft". Im Umkehrschluss würde wenig Arbeits- und Sozialrecht mehr Arbeit bedeuten. Die empirische Studie will ich sehen, die das zeigen kann. Die Wirtschaft ist viel zu komplex, als das man sie auf solche einfache Logik herunterbrechen könnte.

    "Inflation und Staatsbankrott als Ergebnis des staatlichen Geldmonopols und staatlicher Ausgabenpolitik"

    Inflation kann nur Ergebnis staatlichen Geldmonopols sein, da es keine aktuell Alternative gibt. Die Frage ist ob man den Umkehrschluss ziehen kann, dass es ohne dieses Monopol anders laufen würde. Wenn Inflation, Kaufkraftverlust oder Preissteigerung bedeutet, dann sicher nicht.
    Wenn man das absurde Geldmenge/Güter (Güterwert, Gütermenge, oder was?) Verhältnis bildet, stellt sich die Frage warum die Geldmenge nicht beliebig wachsen sollte, wenn es einen Markt gibt.
    Die Geldmenge ist heute schon teilweise privatwirtschaftlich, da private Banken mit einer EZB Rücklage Geld schöpfen können. Die Geldmenge ist also variabel und nicht staatlich gesteuert.

    "das Umweltproblem als Ergebnis fehlender staatlicher Rahmensetzung für die Nutzung von Gemeingütern wie Luft und Wasser, für deren Schutz ja der Staat zuständig ist."

    Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Der Staat soll einerseits möglichst wenig kontrollieren und möglichst wenig Regeln aufstellen. Andererseits wird er verantwortlich gemacht, wenn der Rahmen nicht stimmt. Bei Umweltvorgaben darf er reglementieren und es scheint kein Markteingriff zu sein, bei Arbeitsmarktgesetzen aber nicht. Wo ist da die Logik? Die Definition eines Gemeingut ist nämlich ein weites Feld.

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  2. Vielleicht schafft der folgende Text bei Ihnen Klarheit:
    http://www.freitum.de/2012/12/schafft-die-ezb-ab-uber-das-problem-des.html

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  3. Danke ich hab es überflogen und werde es mir im Detail ansehen. Wenn die Privatisierung der Währung allerdings so abläuft wie die Privatiserung der Energieunternehmen, dann tauscht man ein staatliches Monopol gegen ein privatwirtschaftliches.
    Des Weiteren sehe ich nicht, warum es keine Inflation und Krisen geben sollte. Das würde vorraussetzen, dass Märkte vollständige Informationen hätten + sie können diese in Echtzeit nutzen. Allein durch die Trägheit des Marktes kann es zu Fehlallokationen und einem Aufschwingen kommen. Die Finanzmärkte haben oft gengu gezeigt, wohin Herdenverhalten führen kann. Das ist nicht staatlich induziert.

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  4. Antwort an Herrn endless.good.news

    Geldtheorie: Geld ist nur eine Bezeichnung für das absatzfähigste Gut, welches sich am Markt allmählich zum allgemein gebräuchlichsten Tauschmittel entwickelt. (Vgl. Mises 1924, S.6)
    Diese Definition gibt darüber Aufschluss, dass staatliche Währungen, ganz egal ob wert gedeckt oder nicht niemals die Funktion des Geldes übernehmen können. Geld ist ein Produkt des freien Marktes und kann nur in einem solchen seine Funktion erfüllen.

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  5. "Diese Definition"
    Es ist eine Definition. Das heißt nicht, dass diese am Ende zu einem besseren oder schlechteren Ergebnis im Vergleich zur aktuellen Situation führt. Gekdtheorie ist ein unglaublich weites Feld. Von Mises ist einer von vielen.

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  6. ... Aber nur einer von wenigen, die bisher nicht widerlegt werden konnten.

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  7. noch ergänzend:

    „Das Bürgertum als festumrissene Gesellschaftsschicht (sah) seinen Aufstieg von der Durchsetzung liberaler Ideen abhängig. Das gab dem Liberalismus im 19. Jahrhundert seine Stoßkraft und seine soziale Basis. Das Bürgertum hat den Liberalismus groß gemacht, als es seinen gesellschaftlichen Aufstieg mit ihm verbunden glaubte. Es hat ihn (vor allem in Deutschland) schnell verraten, als es meinte, seine gesellschaftlichen Interessen im Bündnis mit den konservativen Kräften wirksamer und risikoloser vertreten zu können und der Arbeiterschaft den gesellschaftlichen Aufstieg vierbauen wollte.“
    Karl-Hermann Flach: „Noch eine Chance für die Liberalen?

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  8. da sieht man mal wieder, dass Habermann die Kritik an den Verhältnissen gar nicht verstehen WILL (!!).

    "Nicht, wenn wir die Theorien des klassischen Liberalismus ernstnehmen. Adam Smiths Loblied auf die Arbeitsteilung ist wohlbekannt, nicht aber seine Verurteilung ihrer inhumanen Auswirkungen, die die Menschen "so stumpfsinnig und einfältig" macht, "wie ein menschliches Wesen nur eben werden kann". Das aber muß "in jeder entwickelten und zivilisierten Gesellschaft" durch Regierungsmaßnahmen verhindert werden, die die zerstörerische Macht der "unsichtbaren Hand" überwinden sollen. Auch seine Annahme, von der Regierung getroffene Regelungen "zugunsten der Arbeiter" seien "immer gerecht und billig", nicht aber jene "zugunsten der Herren", wird kaum zur Kenntnis genommen. Das gilt ebenso für seine Forderung nach gleicher Bewertung der Produkte, dem Herzstück seiner Argumentation für einen freien Markt."
    (Noam Chomsky)

    Die sog. Kapitalisten verhindern aber gerade den freien Markt, da sie eine Politik betreiben, die ihre und nur ihre Vormachtstellung zementiert.

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  9. ,,Die sog. Kapitalisten verhindern aber gerade den freien Markt, da sie eine Politik betreiben, die ihre und nur ihre Vormachtstellung zementiert.''

    Auf den Staatskapitalismus trifft das zu. Ist halt die unheilvolle Allianz, bestehend aus Big Business und Big Government. Reiner Kapitalismus hingegen ist reiner Marktanarchismus - freier Markt, ohne Staat. Da muss man ein wenig differenzieren.

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  10. Die sog. Kapitalisten verhindern aber gerade den freien Markt, da sie eine Politik betreiben, die ihre und nur ihre Vormachtstellung zementiert.
    Kapitalisten betreiben keine Politik.
    Politik betreiben Politiker!
    Kapitalisten betreiben Handel.

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  11. @Freitum
    "Reiner Kapitalismus hingegen ist reiner Marktanarchismus - freier Markt, ohne Staat."
    Die Frage ist, ob ein solcher Kapitalismus über längere Zeit stabil funktionieren kann. Er wäre vollkommen unreguliert, es gäbe keinerlei Umweltgesetze, keine Kennzeichnungspflicht, keine Standards für die Lebensmittelherstellung oder bei Medikamenten, etc.
    Der Verbraucher wäre massiv geschwächt, da ihm immer Informationen oder das Verständnis für diese Informationen fehlt. Selbst wenn es Unternehmen gäbe die Produkte bewerten, kann das schiefgehen (siehe Ratingagenturen als prominentes Beispiel). Es würde deutlich mehr Misstrauen vorherrschen. Da es keine Gesetze gibt (kein Staat), sind rechtliche Schritte auch nicht möglich. D.h. reiner Kapitalimus auf einer globalen Skala ist in meinen Augen nicht umsetzbar und nur eine Modellvorstellung.

    @Molot
    "Kapitalisten betreiben Handel."
    Stimmt genau. Nur ist Politik für sie auch nur eine Ware mit der man handelt. Wozu braucht man sonst die Think Tanks und Lobbygruppen?

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  12. >>Kapitalisten betreiben Handel<<

    So ist das schon mal glatt gelogen.
    Denn zunächst müssen sie erst mal etwas produzieren, was dann gehandelt werden kann
    Die ewig propagierte Vorstellung der 'Glaubensgemeinschaft Freier Markt' alles sei nur Handel, klammert die Produktionsprozesse vollkommen aus.

    >>D.h. reiner Kapitalismus auf einer globalen Skala ist in meinen Augen nicht umsetzbar und nur eine Modellvorstellung.<<

    Dem würde ich erst mal zustimmen.
    Ohne Staat gäbe es keine Kraft, die das Eigentum garantiert. Jeder könnte sich also auch aneignen wie es gerade beliebt. Ergo müsste "der Markt", d.h. die Menschen, die ihn bilden, andere Eigentumsformen (er-)finden, die dem Rechnung tragen - z.B. Kollektiveigentum (denn woran ich Anteil habe, brauch ich mir nicht anzueignen).
    Zudem wäre "der Markt", d.h. die Menschen, die ihn bilden, gezwungen aus reinem Selbsterhaltungstrieb soziale Spannungen gering zu halten - also den erwirtschafteten Wohlstand wirklich gerecht zu verteilen. Und man müsste auch ein Bildungssystem finanzieren, dass ohne staatliche Gewalt die Akzeptanz des "reinen Kapitalismus" herstellt.
    Andernfalls bestünde ja immer die Gefahr vom aufgebrachten, weil ungerecht behandelten, Mob gelyncht zu werden.

    Klingt etwas Anarcho-Syndikalistisch ;)
    Aber ich habe da so meine Zweifel, ob DAS wirklich im Interesse der Apologeten des sog. "Freien Marktes" ist.

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  13. @ Anonym
    "Die ewig propagierte Vorstellung der 'Glaubensgemeinschaft Freier Markt' alles sei nur Handel, klammert die Produktionsprozesse vollkommen aus.“

    Ich besitze Maschinen. Ich kaufe Rohstoffe. Meine Mitarbeiter verkaufen mir Ihre Arbeitszeit. Ich kaufe Strom und Werbeprospekte. Ich verkaufe die Produkte. Wo soll denn da kein Handel sein? Produktion ist Handel.

    "Ohne Staat gäbe es keine Kraft, die das Eigentum garantiert. Jeder könnte sich also auch aneignen wie es gerade beliebt...."
    "...z.B. Kollektiveigentum (denn woran ich Anteil habe, brauch ich mir nicht anzueignen).““

    Ich habe einen Zaun um meine Firma gezogen. Ich habe ein Videoüberwachung installieren lassen. Diese ist aufgeschaltet auf eine private Security-Firma. Die kümmern sich darum wenn jemand versucht einzubrechen. Diese „Kraft“ ist schneller und unkomplizierter als die staatlichen Systeme. Die staatlichen Systeme verbieten zur Zeit leider rein marktwirtschaftliche Systeme die ich frei auswählen könnte. Eigentumsschutz im Kapitalismus ist gar kein Problem und wäre deutlich preisgünstiger.
    Wie mit „Kollektiveigentum“ umgegangen wird, darf man an Autobahntoiletten bewundern. Daran möchte ich keinen theoretischen Anteil haben.

    " Zudem wäre "der Markt", d.h. die Menschen, die ihn bilden, gezwungen aus reinem Selbsterhaltungstrieb soziale Spannungen gering zu halten - also den erwirtschafteten Wohlstand wirklich gerecht zu verteilen."

    Wirklich gerecht? Na prima, die faulen, neidischen Nichtstuer sollen den gleichen Anteil haben, damit sie nicht mehr neidisch sind? Diese Art von Leistungsbelohnung hat bisher alle sozialistischen System scheitern lassen.

    "Und man müsste auch ein Bildungssystem finanzieren, dass ohne staatliche Gewalt die Akzeptanz des "reinen Kapitalismus" herstellt.“

    Nicht „man“. Jeder selbst den es betrifft. Alle Freilerner versuchen das heute schon und werden von Staatsseite nur behindert. Bei den Freilernern handelt es sich nicht um reiche Menschen. Und die können das heute schon.

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  14. "Ich habe einen Zaun um meine Firma gezogen. Ich habe ein Videoüberwachung installieren lassen. Diese ist aufgeschaltet auf eine private Security-Firma. Die kümmern sich darum wenn jemand versucht einzubrechen. "

    Genau hier wird es dann interessant. Wie viel Gewalt ist zur Verteidigung seines Eigentums legitim, wenn das Leben eines Menschen unantastbar ist?

    "Wirklich gerecht? Na prima, die faulen, neidischen Nichtstuer sollen den gleichen Anteil haben, damit sie nicht mehr neidisch sind? Diese Art von Leistungsbelohnung hat bisher alle sozialistischen System scheitern lassen. "

    Das Problem ist, dass man nicht nach Leistung bezahlt wird, sondern danach was man eben bekommt. Ökonomen meinen, dass sich die Löhne nach den Gesetzen des Marktes bilden. Letztenendes sind sie aber willkürlich. Denn wenn man die Leistung eines Menschen nicht messen kann, wie will man dann bei der Entscheidung, ob ein Lohn richtig oder falsch ist die richtige Wahl treffen?
    Man orientiert sich an anderen. Bloß dadurch wird das Ganze nicht richtiger. Wenn es also kein richtig oder falsch gibt, geht es in der ganzen Disussion nur darum seinen Anteil am Kuchen zu verteidigen. Die Linken machen das über soziale Gerechtigkeit, die marktkonformen über den Leistungsbegriff. Wie sinnfrei dieser Begriff ist mach folgendes Beispiel klar. Hätte ein Bill Gates so reich werden können ohne die Ideen von tausenden Mitarbeiter, ein Patentrecht durch den Staat?

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  15. "Wie viel Gewalt ist zur Verteidigung seines Eigentums legitim, wenn das Leben eines Menschen unantastbar ist?"

    Genau so viel, wie notwendig ist, um das Eigentum zu schützen. Das Leben eines Menschen ist natürlich nicht unantastbar. Wenn der Räuber sich anders nicht von seinem Vorhaben abbringen läßt, dann darf er auch getötet werden.

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  16. @Molot
    Die Schlussfolgerung ist, dass menschliches Leben weniger Wert ist als Eigentum und derjenige der die größte Security Firma hat, definiert was ihm gehört. Wo ist der Unterschied zu Staaten die sich bekriegen. Der Stärkere nimmt sich vom schwächeren. Raub und Diebstahl kann es nur über eine Definition von Eigentum geben. Dazu bedarf es einen Rechtsstaat oder etwas ähmliches. In ihrem Beispiel, kann ich mir nehmen was ich will und es als mein Eigentum deklarieren. Es kann ja sein, dass es nicht in ihre freiheitliche Ethik passt, aber die Geschichte zeigt das es so laufen würde.

    Weiterhin stellt sich die Frage wer die Security hindert ihnen etwas wegzunehmen. Verträge brauchen auch einen Rechtsrahmen. Genau den verteufeln sie.

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  17. endless,

    auch das Völkerrecht kennt keinen "übermächtigen letzen Schiedsrichter". Das, was Anarchokapitalisten für den zwischenmenschliuchen Bereich anstreben, ist im zwischenstaatlichen Bereich schon lange gang und gäbe: man hält seine Verträge ein und respektiert die Grenzen des anderen. Sicher kommt es immer wieder vor, daß sich irgendjemand nicht an die Spielregeln hält - z.B. als in den 80ern die argentiunische Junta mal eben die britischen Falkland-Inseln besetzt hat. Aber im Normalfall hat derjenige, der gegen die Regeln verstößt, dadurch selbst den größten Nachteil - Argentinien hat den Falklandkrieg ebenso jämmerlich verloren wie später Saddam Hussein den Kuweitkrieg.

    Sie können Kötter Security beauftragen, mit bewaffneten Kurieren die Geldautomaten Ihrer Bank aufzufüllen. Aber Kötter würde keinen Auftrag annehmen, mit denselben Wachleuten die Geldtransporte der Konkurrenz zu überfallen. Menschen haben seit der Sache mit dem Apfel einen inneren Kompass für richtig und falsch, und derjenige, der eine Grenze überschreitet, begibt sich in ungleich größere Gefahr, als derjenige, der diese Grenze schützt.

    Nicht "menschliches Leben ist weniger wert als Eigentum" sondern "dem Dieb scheint sein Leben nicht allzuviel wert zu sein, wenn es für einen Sack voll Beute auf's Spiel setzen will". Wert ist immer subjektiv.

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  18. "auch das Völkerrecht kennt keinen "übermächtigen letzen Schiedsrichter""

    Darum funktioniert es auch so gut.


    "Sicher kommt es immer wieder vor, daß sich irgendjemand nicht an die Spielregeln hält ... dadurch selbst den größten Nachteil"

    Ist das so? In meinen Augen stimmt das nur, wenn sie zu schwach, bzw. interessant genug sind.
    Gegenbeispiele:
    Angriff der USA auf Vietnam. Angriff der USA auf den Irak. Chinas Untersdrückung der Opposition.
    Medikamententests in Nigeria durch Pfizer

    Wo ist da die Ethik und Moral?

    "Menschen haben seit der Sache mit dem Apfel einen inneren Kompass für richtig und falsch,"

    Nicht alle Menschen. Ich empfehle hierzu die Bücher von Mark Benecke
    "Aus der Dunkelkammer des Bösen."

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  19. @Störk
    "Menschen haben seit der Sache mit dem Apfel einen inneren Kompass für richtig und falsch,..."

    Es ist nicht nur der innere Kompaß, es sind vor allem rationale Gründe, welche die Menschen so handeln lassen.
    Freiwilliger Austausch ist am Ende immer billiger als Raub und zwar für beide Seiten.
    Sicher könnte die Security-Firma ihre Ressourcen auch für Raub nutzen, nur verlöre sie dadurch ihre Reputation und würde keine legalen Aufträge mehr bekommen. Das Rauben würde ihr dagegen nur am Anfang leicht fallen später würde es immer schwieriger und vor allem teurer, bis zu dem Punkt an welchem die Kosten den Profit übersteigen.
    Selbst kriminelle Organisationen setzen, wenn sie langfristig erolgreich sein wollen, auf Handel und nicht auf Raub. So scheut etwa die Mafia weder Kosten noch Mühe um für ihre Kunden Drogen zu beschaffen, obwohl sie doch sicherlich auch die Macht hätte, den Junkie`s das Geld einfach zu rauben.

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  20. @Störk
    Wert ist immer subjektiv.
    So ist das.
    Und diese simple Erkenntnis reicht, z.B., aus um das gesamte Lebenswerk eines Herrn Marx aus Trier, ad absurdum zu führen!

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  21. > Freiwilliger Austausch ist am Ende
    > immer billiger als Raub und zwar
    > für beide Seiten

    Jein. Es ist tatsächlich möglich, durch Raubzüge ein Imperium aufzubauen, man muß allerdings den Radius der Raubzüge immer weiter vergrößern, um immer wieder neue Opfer zu finden. Das Reich der Kalifen ist auf diese Weise entstanden: Mohamed selbst reichte es, von Yattrib / Medina aus immer wieder mekkanische Karawanen zu überfallen; nach der Eroiberung Mekkas mußte der Djihad erst auf die ganze arabische Halbinsel ausgeweitet werden und nach 2-3 Generationen über den gesamten Nahen Osten und Nordafrika, weil es in Arabien niemanden mehr zum ausplündern gab. (Dort waren alle potentiellen Opfer bereits zum Islam konvertiert - und nur mit dieser Ingroup-Outgroup-Ideologie ließ sich das Gewissen der Krieger neutralisieren. Der National-Sozialismus verfolgte einen ähnlichen Ingroup-Outgroup-Ansatz, schaffte es aber mangels Mission nicht, die Ingroup mit der wachsenden Zahl von Feinden mitwachsen zu lassen. Man kann durch den Ruf "Allahu Akbar" mal eben schnell zum Moslem werden, aber nicht zum Arier...)

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  22. Endless,

    Vietnam war für die USA eine einzige Pleite,und auch das Irak-Abenteuer hat immense Kosten verursacht ohne einen erkennbaren Nutzen.

    Was glauben Sie, warum es keinerlei "Intervention" in Nordkorea gibt...?

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  23. @Molot
    "bis zu dem Punkt an welchem die Kosten den Profit übersteigen."

    Ich stimme Ihnen grundsätzlich ja zu. Allerdings ist die Frage wie lange es dauert bis dieser Zustand eintritt. Unter Umständen kann es Jahre dauern. Diejenigen die in dieser Zeit ihr Eigentum verlieren haben recht wenig davon, dass es global ineffizient ist.
    Vor allem gehen sie auch immer davon aus, dass der Arme den Reichen bestiehlt. Was ist, wenn es genau anders herum läuft? Der Reiche kann sich die Security Firmen leisten, um sich sein neues Eigentum zu nehmen. So wie es Staaten früher auch gemacht haben, nur eben auf privatwirtschaftlicher Ebene.

    "Vietnam war für die USA eine einzige Pleite,und auch das Irak-Abenteuer hat immense Kosten verursacht ohne einen erkennbaren Nutzen. "
    Das ist nicht der Punkt. Von wem wurde die USA international für diese Handlung bestraft? Von niemandem, da es keine Instanz gibt die es ermöglichen würde auch die Starken zu verurteilen.

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  24. Wenn Massenarbeitslosigkeit das Ergebnis staatlichen Versagens interpretiert wird, wirft das die Frage auf, warum es dann Arbeitslosigkeit in Zeiten gab, wo der Staat noch nicht über Arbeits- und Sozialgesetze eingriff. Die Verdrängung der Männer durch die Frauen und dieser durch die Kinder im Zuge der Industrialisierung mag als Hinweis dafür gelten, dass es auch in Zeiten Arbeitslosigkeit gab, wo von einem „sozialistischen“ Staat noch keine Rede sein konnte. Auch heute gibt es Länder, in denen der Staat sich weitgehend aus dem Arbeitsmarkt heraus hält, und wo es Massenarbeitslosigkeit gibt.
    Helmut Krebs

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  25. @H_Krebs
    Sehr guter Kommentar.
    Massenarbeitslosigkeit muss es geben, auch wenn kein Staat eingreift. Schließlich werden immer wieder neue Technologien entwickelt, welche Arbeitskräfte freisetzen. Diese müssen sich erst neu qualifizieren, um wieder an Arbeit zu kommen. In dieser Zeit kann es zu einer hohen Arbeitslosigkeit kommen. Das ist insofern nachvollziehbar, da die Marktwirtschaft als Zielgröße den Gewinn hat und nicht die gerechte Verteilung oder eine niedrige Arbeitslosigkeit.

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  26. „Wenn Massenarbeitslosigkeit das Ergebnis staatlichen Versagens interpretiert wird, wirft das die Frage auf, warum es dann Arbeitslosigkeit in Zeiten gab, wo der Staat noch nicht über Arbeits- und Sozialgesetze eingriff.“
    (Massen)Arbeitslosigkeit gab und gibt es nicht, ohne staatliche Eingriffe. Wie denn auch, die Leute würden verhungern, wenn sie weder einer Erwerbstätigkeit nachgingen, noch alimentiert würden.

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  27. @ Molot: Das ist Palmström-Logik - dass nicht sein kann, was (nach der reinen Lehre) nicht sein darf. Wir brauchen uns über Tatsachen nicht zu streiten. Es gab Massenarbeitslosigkeit in der Geschichte der Industrialisierung, lange bevor der Staat eine sozialistische Prägung bekam. Einfach mal Sozialgeschichte studieren. Übrigens gab es immer auch Hungerrevolten. Die Menschen wurden früher von ihren Familien versorgt. Bei meinem Beispiel wurden Männer arbeitslos, aber ihre Frauen brachten geringere Löhne nach Hause. Es kommt bei meinem Argument auf folgendes an: Massenarbeitslosigkeit darf nicht generell als eine Folge staatlicher Intervention angesehen werden, und nur so. Das verengt die möglichen Ursachen zu sehr. Damit widerspreche ich nicht, dass staatliche Interventionen sich negativ auswirken können.

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  28. @ H-Krebs
    "Wir brauchen uns über Tatsachen nicht zu streiten. Es gab Massenarbeitslosigkeit in der Geschichte der Industrialisierung, lange bevor der Staat eine sozialistische Prägung bekam..."
    Geht das auch konkreter? Wann, wo und für wie lange soll denn das Phänomen stattgefunden haben?

    "Bei meinem Beispiel wurden Männer arbeitslos, aber ihre Frauen brachten geringere Löhne nach Hause."
    Wenn ein Mann es vorzieht, seine Frau anschaffen zu lassen, statt selbst den "Buckel krumm" zu machen, dann ist das ein moralisches, aber kein ökonomisches Problem.

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  29. "Wenn ein Mann es vorzieht, seine Frau anschaffen zu lassen, statt selbst den "Buckel krumm" zu machen, dann ist das ein moralisches, aber kein ökonomisches Problem."

    Wenn er keine Wahl hat, weil es keine Arbeit für Ihn gibt? Es mag ja sein, dass es immer ein Marktgleichgewicht zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage gibt? Allerdings kann es sein, dass die Löhne negativ werden, d.h. der Arbeitnehmer muss Geld bezahlen um eine Arbeit zu erhalten. Bei Krediten gibt es ähnliche Situationen.
    Massenarbeitslosigkeit dem Sozialstaat unterzuschieben ist zu einfach. In der Industrialisierung wurden viele Menschen nicht mehr gebraucht. Sie wurden durch Maschinen ersetzt. Anfang des 20 Jahrhunderts wurden viele Menschen in den USA im Agrarbereich ersetzt. Diese Erschütterungen der Arbeitsnachfrage haben etwas mit dem technologischen Fortschritt zu tun und können immer wieder auftreten.
    So lange sie einfache lineare Systeme betrachten mag die Welt so schön sein, wie sie glauben. Aber schon beim Stoffen die sich angeblich immer ausdehnen, wenn man die Temperatur steigert, sind sie gescheitert.

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  30. @ molot: Bitte studieren Sie ein wenig Sozialgeschichte. Die Verdrängung der Männer durch Frauen und dieser durch Kinder zu verhindern, stand nicht in der Macht der Betroffenen. Es wurde schließlich durch Gesetze verhindert, dass Kinder unter einem Mindestalter beschäftigt wurden. Der Markt hat das nicht geregelt, sondern der Staat. Auch dies ist gut dokumentiert, z. B. in den Blaubüchern der britischen Regierung aus dem 19. Jahrhundert.

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  31. In der Industrialisierung gab es viele Arbeitssuchende, ja (arbeitslos ist das falsche Wort, ein privatier wie Goethe war auch "ohne [Lohn-]Arbeit", aber er suchte auch nicht danach). Die kamen aber mitnichten aus den Fabriken, die gerade investiert und neue Maschinen aufgebaut hatten - sie kamen vom Land, wo die Geburtenrate immer noch hoch war, aber die Kindersterblichkeit immer mehr zurückging.

    Man muß schon Malthusianer und Misanthrop sein, um ein Sinken der Kindersterblichkeit für etwas schlechtes zu halten...


    und endless, die USA wurden für ihr Vietnam-Abenteuer schlicht von der Realität bestraft. Oder um es mit den Worten von Peter Fox ("Haus am See") zu sagen: Gott hat einen harten linken Haken.

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  32. @H_Krebs "Die Verdrängung der Männer durch Frauen und dieser durch Kinder zu verhindern, stand nicht in der Macht der Betroffenen."
    Wie wäre es, wenn Sie eine Ihrer Thesen mal belegen, statt diese immer nur zu wiederholen wie ein Papagei?
    Von einer Branche mal abgesehen fällt mir keine Arbeit ein, die nur von Frauen, nicht aber von Männern ausgeführt werden kann.
    Wie, bitte schön, ist es denn den Frauen gelungen, die Männer aus ihren Job`s zu verdrängen?
    Gegen deren Willen?
    Wann und wo war das konkret?
    Weshalb wird trotz dieser angeblichen "Verdrängung" ständig nach Quoten für Frauen, nicht aber für Männer gerufen?
    Und die Massenarbeitslosigkeit ohne staatliche Einmischung, wann und wo gab es die?

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  33. "In der Industrialisierung gab es viele Arbeitssuchende"
    Indem ich das Wort oder den Zustand umbennene wird es nicht besser. Dir Ursachen sind zum Teil richtig, zeigen aber das der Staat nichts damit zu tun hat. Die technologische Entwicklung war der Auslöser der Probleme und nicht der Sozialstaat. Dieser entwickelte sich, um die Wirkung zu mildern.

    "die USA wurden für ihr Vietnam-Abenteuer schlicht von der Realität bestraft. Oder um es mit den Worten von Peter Fox ("Haus am See") zu sagen: Gott hat einen harten linken Haken."

    Tut mir leid, dass ich diese Aussage nicht ernst nehmen kann. Haben sich die USA entschuldigt? Gab es Reparationen? Wurde die Geschichte in den USA aufgearbeitet? So weit ich weiß nicht.
    Es hatte also keine Konsequenzen. Der Vietnam hat nichts davon, dass die USA Millionen traumatisierte Veteranen im Land hat, oder das Milliarden Dollar verpufft sind.
    Das ist in etwa so, als ob ich bei Ihnen einbreche und mir bei der Flucht den Fuß breche. Davon haben sie recht wenig, aber "Gott hat einen harten linken Haken".

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