Mittwoch, 1. Mai 2013

Habermanns Richtigstellung: Arbeiter

Prof. Gerd Habermann
von Prof. Gerd Habermann
Diesen Monat: Arbeiter
Von Sozialpolitikern und Sozialisten hofierte soziale Zentralfigur des 19. Jahrhunderts. Die neue Schicht der Arbeiter wurde möglich durch die Produktivität der industrialisierten Marktwirtschaft, die mehr Menschen am Leben erhalten und besser versorgen konnte als jedes andere Wirtschaftssystem vorher. Trotz der ständigen Verbesserung der Lage der Arbeiter durch die Marktwirtschaft begann bereits im 19. Jahrhundert staatliche Sozialpolitik mit Zwang und Umverteilung auf ihre Lage einzuwirken (z. B. Einführung einer ,,Arbeiterversicherung''). Durch ihre Eigendynamik und im Wettbewerb der Politiker um Sozialbeglückung wurde aus der gezielten Sozialpolitik für Arbeiter eine Gesellschaftspolitik für alle: Die ursprüngliche ,,Arbeiterversicherung'' heißt heute ,,Sozialversicherung'', eine Art Proletarisierungsvorgang. Dies war von einer Steigerung der Umverteilung und einer extremen Ausdehnung der Zwangsverträge begleitet, die zerstörerisch auf Kapitalbildung, bürgerliches Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung wirkte. Liberale Sozialreformer suchen heute die Folge dieser Fehlentwicklung zu korrigieren. Die Arbeiterschicht stellt heute nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung dar. Das Denken moderner Gesellschaften wird vor allem durch die Angestelltenschicht bestimmt.
Literaturtipp: Hans Aichinger: Sozial- als Gesellschaftspolitik, 2. Auflage, Frankfurt/M., 1971.
Diesen und weitere Begriffe finden Sie in Gerd Habermanns ,,polemischem Soziallexikon''.
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Prof. Dr. Gerd Habermann, Jahrgang 1945, ist Wirtschaftsphilosoph, Hochschullehrer und freier Publizist. Er ist seit 2003 Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Initiator und Mitgründer der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und der Friedrich-August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft
Bei Freitum erscheint monatlich ,,Habermanns Richtigstellung''.

Kommentare:

  1. auch Professoren sind vor Dummheit, extremer Dummheit sogar, mitunter nicht gefeit!

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  2. Im Gegensatz zu Ihnen, Anonym 1.May 21:02, Sie begründen alles mit unnachahmlicher Präzision. Respekt!

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  3. @Grüntee. Sie werden oft feststellen (wenn Sie es denn könnten) hinter Ananym verbergens sich die Schmarotzer ganz besonders gut. Sie werden dort oft die übelsten Sprüche gegen Eigentum und Selbstverantwortung finden.

    Manchmal allerdings können Sie erkennen, ist es jemand der den ganzen Diebstahl aber so was von satt hat..

    Dieser Anonym gehört zu ersteren Sorte. Er hat selber ein Leben zum vergessen, lebt wahrscheinlch als Beamter, Hartzler (ich habe darauf ein "Recht") oder sonstiger nichts Leistender. Durchaus auch denkbar er hat nichts gelernt und kann nichts. Aber ein Rechner mit Flatrate ist auch mit wenig Geld heutzutage "drin"

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  4. Die wirtschaftliche Situation kann durch diverse ökologische Maßnahmen verbessert werden. Das gesamte Wirtschaften kann in nur 40 Jahren 10-mal einfacher werden. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

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  5. "oder sonstiger nichts Leistender"
    Ein hoch auf das Niveau. Wer leistet denn ihrer Meinung nach etwas? Warum leistet ein Beamter nichts? Ist das allgemein gültig? Warum leistet ein Hartz 4 ler nichts? Viele Bezieher sind alleinerziehnde Mütter. Leisten diese gar nichts? Des Weiteren sind etwa 1 Millionen von ihnen sogenannte Aufstocker. Leisten die nichts? Sie werfen Anonym zur Recht vor, dass er keine Argumente hat. Ihre sind auch nicht vorhanden, nur etwas länger formuliert.

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  6. Anstatt alle Sozialstaatsopfer als Nichtsnutze abzukanzeln, wäre es besser, die Kritik beim System selbst anzubringen - schließlich ist es das dekadente Anspruchsdenken der Wohlfahrtsgesellschaft, die Leistung nicht nur wenig attraktiv macht, sondern rundheraus verdammt, wie die Klassenkampfparolen der Linkspopulisten rezent wieder bewiesen haben.

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  7. "die Leistung nicht nur wenig attraktiv macht"

    Zeigen sie mir die Leistung die jeder Einzelne in einer arbeitsteiligen Gesellschaft erbringt und vielleicht bekommt ihr Text einen Inhalt.
    Wenn Leistung so unattraktiv wäre, wieso rennen dann Millionen Menschen bei steigender Produktivität und sinkenden Löhnen weiterhin zur Arbeit?
    Wenn man endlich aufhört Leistung an Einkommenshöhe festzumachen, wäre schon viel gewonnen.

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  8. Ich stellte die Tatsache, dass "Millionen Menschen bei steigender Produktivität und sinkenden Löhnen weiterhin zur Arbeit" rennen ja keineswegs in Abrede. Gegenteilige Tendenzen sind allerdings auch kaum leugbar, weiters stellt sich die Frage, was volkswirtschaftlich noch möglich wäre, wenn

    a.) die Steuerquote sänke, um erhöhte Anreize zur produktiven Arbeit zu schaffen

    b.) die Zentralbanken endlich die Gelddruckerei einstellen würden, was wiederum dazu führt, dass

    c.) die Lohnzuwächse nicht mehr per inflationem annulliert werden sowie

    d.) das Paradoxon steigender Preise bei steigender Produktivität endlich beendet würde.

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  9. "a.) die Steuerquote sänke, um erhöhte Anreize zur produktiven Arbeit zu schaffen"
    Warum sollte das so sein?

    "die Lohnzuwächse nicht mehr per inflationem annulliert werden sowie "
    Zentralbanken haben nur einen sehr begrenzten Einfluss auf die Inflation. Das sieht man an der Eurozone. Es gibt eine Zentralbank, aber unterschiedliche Inflationsraten in den Euroländern.

    "das Paradoxon steigender Preise bei steigender Produktivität endlich beendet würde."
    Das ist kein Paradoxon. In Deutschland sanken in einem Jahr die Bruttoreallöhne. Das heißt die inflationsbereinigten Löhne vor Steuern sanken. Sinkende Löhne wurden von der Exportindustrie mit Hilfe der Politik durchgesetzt. Dadurch konnte man die Exporte des Landes deutlich steigern.
    Wenn die Inflation die Ursache des Übels wäre, dann hätte es in den 60er und 70er Jahren keine Reallohnzuwächse geben dürfen.

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