Freitag, 10. Mai 2013

Deutschland, der Mindestlohn und der Staat als maschinelles Gesellschaftssystem

von Tommy Casagrande
Deutschland, ein kollektivistischer Begriff
Wer ist Deutschland? Deutschland ist ein politisches Konstrukt, das manche freiwillig akzeptieren würden, wenn man es ihnen anböte, und andere als ihnen durch den Staat aufgezwungen erleben, wenn man sie nach ihrer Unterschrift zum Gesellschaftsvertrag befragt. Insofern hat ein Begriff wie Deutschland als Ausdruck eines Territoriums, in welchem ein Monopolist (namentlich der Staat) sich selbst das Recht der Besteuerung und das Monopol auf Rechtsprechung eingeräumt hat, sehr wenig mit individueller Freiheit zu tun. Genauer gesagt gar nichts. Deutschland im gegenwärtigen Sinne ist nichts anderes als ein kollektivistischer Begriff der unter sich Menschen vereint, die nicht allesamt damit einverstanden sind, zu allerhand, was durch diesen Begriff legitimiert werden soll, gezwungen zu werden. Betrachtet man sich die Landmassen dieser Erde, so lebt die Menschheit zwar unter graduell verschieden aggressiven Monopolisten, aber letztlich unter Monopolisten, deren innere Natur zur Aggression neigt. Die Tatsache, dass keiner dieser Monopolisten einen Vertrag mit den unter ihm lebenden Menschen darüber abgeschlossen hat, ihn unter sein Monopol zu stellen, offenbart einen weltlichen Zustand, in dem staatliche Monopolisten alle territorialen Gebiete dominieren und sich die unter ihnen auf dem Land lebenden Menschen wie Leibeigene halten, die kein Recht haben, sich freiwillig unter ihres gleichen zu finden und ein Gebiet zu annektieren, um eine staatenlose Gesellschaftsidee umsetzen zu können. Doch bereits die Tatsache als Rechtssubjekt eines Monopolisten und mit den rechtlichen Vorgaben und Pflichten, die der Rechtsmonopolist anhand seiner Macht rechtspositivistisch festsetzt, geboren zu werden, bestätigt einen Zustand qua Geburt, der das Neugeborene zum Leibeigenen des staatlichen Monopols deklariert.

Mindestlöhne
Mindestlöhne setzen Menschen voraus, die in dem Maße zumindest produktiv sind, wie die Herrschaftsklasse diese Produktivität per Gesetz zur Verteilung an die Mitarbeiter zwingt.

Dieser Vorgang beschreibt allerdings einen Raub an jenen, die einen freiwilligen Vertrag mit ihren Angestellten eingegangen sind, zu Konditionen, auf die sich beide Seiten geeinigt haben.

Ein solcher Raub ist weniger ehrenwert als die gesellschaftliche Möglichkeit, in der ein Mensch, anstelle eines Mindestlohnes, sich mittels eigener Leistung seinen durch Leistung gerechten Lohn erwirtschaften kann. Dazu muss man wissen, dass nicht Geld reich macht, sondern steigende Produktion von Gütern, die aufgrund der Mehr-Produktion und im Falle von Wettbewerb zwischen Unternehmen billiger werden.

Gewinner und Verlierer von Mindestlöhnen
Ein Mindestlohn trifft Unternehmen, die sich den Mehraufwand dieses per Gesetz erzwungenen Lohnes nicht leisten können. Das sind logischerweise Kleinbetriebe. Dass viele große und mittelständische Betriebe trotz eines Murrens gut mit einem Mindestlohn leben können, liegt daran, weil es ihnen einen Teil der unliebsamen Konkurrenz von Kleinbetrieben vom Leib hält:

1. Durch die somit zustande kommende Zerstörung kleiner Betriebe reduziert sich der Wettbewerb und die im Markt bestehenden Unternehmen können höhere Preise verlangen und ihre Macht als Anbieter ausspielen, welche die Kosten eines Mindestlohnes somit letztlich wieder ausgleichen.
2. Selbst wenn die Preise gleich bleiben, so suchen fortan auch Kunden der ehemals kleinen Betriebe genötigterweise jene Unternehmen auf, die sie zuvor nicht aufgesucht hätten, falls sie an einem spezifischen Gut interessiert sind. Diese Zunahme an Kundschaft bedeutet einen Zugewinn an Einnahmen, auch bei gleich bleibenden Preisen, da die Konkurrenz beseitigt wurde.

3. Doch bereits der Mindestlohn lässt sich auf die Preise aufschlagen und dem Kunden weitergeben. Somit zahlt unterm Strich der Kunde und die kleinen Betriebe drauf. Von den Kunden wiederum zahlen die ärmeren Menschen stärker drauf, weil sie weniger Geld zur Verfügung haben.

Perspektive
Aufgrund eines staatlich festgesetzten Mindestlohnes werden jene Unternehmen geschützt, die sich einen solchen Mindestlohn leisten können, gegenüber solchen, die ihn sich nicht leisten können, weil sie zu klein sind. Neue Betriebe werden voraussichtlich nicht entstehen, weil sie erstmal klein anfangen und anzunehmen ist, dass sie sich die per Gesetz auferlegte Pflicht, einen Mindestlohn zahlen zu müssen, wohl kaum leisten können. Diese Vorgänge schlagen sich letztlich auf höheren Preisen für die Kunden auf, anstatt dass die Preise durch freien Wettbewerb zwischen Unternehmen im Sinne der Kunden fallen könnten.
Wenn sich Preise tendentiell erhöhen, leiden die Menschen mit festen Löhnen am meisten darunter. Seien es nun Angestellte oder Bezieher von Transferleistungen, wie Rentner oder Arbeitslose. In der Folge entsteht unter dem Strich eine Gesellschaft, die tendentiell das Leid für die Armen erhöht, anstatt es zu mindern. Darauf werden weitere staatliche Eingriffe folgen, die eine weitere Zunahme an Bürokratie und Besteuerung sowie Regulierung nach sich ziehen, wodurch die individuelle Freiheit weiterhin reduziert wird.

Maschinelles Gesellschaftssystem
Der Mindestlohn ist die politische Lösung auf ein von der Politik verursachtes Problem. Der Staat verhindert die freie Marktwirtschaft. Somit bleibt der Wohlstand und die Perspektive der Menschen unter seinen Möglichkeiten. Kommt staatlich induzierte Inflation hinzu, die eine Geldentwertung meint, so lässt sich nachvollziehen, dass das Geschrei nach lebenserhaltenden Löhnen groß ist. Doch wird dabei übersehen, dass nur ein weniger an Geld und ein mehr an Angebot von Gütern und Dienstleistungen dem Geld seine Kaufkraft zuspricht, sie lebenserhaltend wirkt. Nichtsdestotrotz ist der Lösungsansatz im Sinne eines Mindestlohnes nur ein folgerichtiger Schritt, wenn man gedanklich das staatliche System als unentrinnbar voraussetzt. In diesem Falle lässt sich sagen, dass die bildhafte Vorstellung eines solchen staatlichen Systems einer Maschine gleicht, die permanent an Umfang gewinnt, weil der zuvor getätigte Eingriff ihn provoziert hat. Der Apparat, in dem wir am Ende leben werden, ist so groß, dass er alle unsere Leben umfasst.

Die folgerichtige Antwort eines nach Wahrheit suchenden Menschen ergibt sich durch die Analyse einer auf freiwilliger Vertragsbasis beruhenden Gesellschaftsordnung versus eines durch staatliche Regulierungen und Eingriffe erzeugten Gesellschaftssystems. Die Ansätze um Lösungen zu finden, werden dem Wahrheitssuchenden nicht durch die Akzeptanz der vorausgesetzten herrschaftlichen Bevormundung ermöglicht, sondern durch die Freiheit des Geistes, diese Gewalt initiierende Voraussetzung abzulegen und die Ursachen für gesellschaftliche Probleme zu erforschen. Um beim Beispiel des Mindestlohnes zu bleiben, liegen die Lösungen nicht innerhalb des gegenwärtigen Systems, sondern außerhalb. Die Analyse des gegenwärtigen Systems, in dem die Erkundung der Entstehung von Problemen in den Mittelpunkt der Betrachtungen rückt, findet seine intellektuellen Werkzeuge nicht innerhalb des gegenwärtigen Systems, sondern außerhalb.

Kommentare:

  1. "Dieser Vorgang beschreibt allerdings einen Raub an jenen, die einen freiwilligen Vertrag mit ihren Angestellten eingegangen sind, zu Konditionen, auf die sich beide Seiten geeinigt haben. "

    A) Müssen die Unternehmen keinen Vertrag eingehen. Sie müssen nur einen Mindestlohn im Vertrag berücksichtigen. So wie sie heute schon eine bestimmte Arbeitszeit einhalten müssen, einen Mindesturlaub, Arbeitschutzbestimmung und vieles mehr.
    B) Alle Unternehmen werden im gleichen Maße benachteiligt, sodass der Wettbewerb nicht verzerrt wird.
    C) Stärkt man die Position des Arbeitnehmers gegenüber des Arbeitgebers. Das ist in meinen Augen legitim, wenn die Kräfte sehr ungleich verteilt sind und keine faire Vertragsbildung zustande kommen kann.

    "Ein solcher Raub ist weniger ehrenwert als die gesellschaftliche Möglichkeit, in der ein Mensch, anstelle eines Mindestlohnes, sich mittels eigener Leistung seinen durch Leistung gerechten Lohn erwirtschaften kann."

    Es ist kein Raub, da das Unternehmen nicht gezwungen wird den Menschen anzustellen. Wenn er durch einen Mindestlohn zu teuer wird, dann kann das Unternehmen einfach verzichten. Weiterhin stimmt die Aussage nicht, dass Lohn durch Leistung legitimiert wird. Da man Leistung nicht messen kann, werden die Löhne durch die Annahme der Leistungsfähigkeit erstellt. Wenn es die Leistung wäre, müssten die Menschen in den Industrieländern in ähnlichen Branchen bei ähnlichen Positionen etwa das gleiche verdienen. Das tun sie aber nicht. Manager in Japan verdienen deutlich weniger als diejenigen in den USA. Dennoch sind die Unternehmen dort auch erfolgreich.

    "Kommt staatlich induzierte Inflation hinzu, die eine Geldentwertung meint"
    Die Geldmenge ist nicht ursächlich für die Inflation. Einen Beleg hierfür erhält man in der Eurozone. Jedes Euroland hat eine unterschiedliche Inflationsrate, aber die gleiche Geldpolitik.

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  2. Ferdinand Hoischen10. Mai 2013 um 18:01

    Schön, dass auch SPD-Anhänger bei Freitum lesen. Wenn man allerdings keine Ahnung von Ökonomie hat, sollte man vielleicht nicht solche Kommentare veröffentlichen. An diesem Kommentar ist wirtschaftlich wirklich alles falsch, aber immerhin stramm auf Parteilinie.

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  3. @endless.good.news

    Da kann ich mich Ferdinand Hoischen nur anschließen. Um Ihren Kommentar adäquat zu beurteilen, müsste ich zu Beleidigungen greifen, daher frage ich nur:

    Dass Ihnen ein solcher Kommentar nicht peinlich ist?

    Würde ich Ihre anderen Kommentare auf diesem Blog nicht kennen, würde ich es für einen Scherz halten.

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  4. Ein Mindestlohn ist sinnvoll. Aber ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht. Denn ein bedingungsloses Grundeinkommen würde u. U. dazu führen, dass niemand mehr bereit ist, zu arbeiten. Um einen Mindestlohn einführen zu können, sollte man zunächst die finanzielle Situation verbessern. Dies kann u. a. dadurch erreicht werden, dass man durch Schwundgelder (Beispiel "Chiemgauer") die ungerechte Vermögensverteilung beseitigt. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

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  5. "Schwundgelder" (z.B. €, $, ¥, mittelalterliche Brakteaten) reduzieren nicht die "ungerechte Vermögensverteilung", sondern zementieren und verstärken sie. Wenn mein "Vermögen" gerade ausreicht, um nächsten Monat die Miete zu zahlen, dann muß ich es in liquiden Mitteln, d.h., Bargeld oder Giralgeld verfügbar haben und bin von Geldentwertung zu 100% betroffen. Wäre ich Millionär, würden 99% meines Vermögens in Sachwerten stecken (Villa, Goldbarren, Firma...) und wären vor Geldentwertung sicher.

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  6. endless.good.news: "Es ist kein Raub, da das Unternehmen nicht gezwungen wird den Menschen anzustellen. Wenn er durch einen Mindestlohn zu teuer wird, dann kann das Unternehmen einfach verzichten."

    Je hoeher die Arbeitslosenquote, umso mehr Macht haben die Arbeitgeber gegenueber den Arbeitnehmern. Um die Position der Arbeitnehmer zu "staerken", fuehrt der Staat den Mindestlohn ein. Aufgrund dessen steigt die Arbeitslosenquote. Merken sie nicht wie paradox das ist?

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  7. @Ferdinand Hoischen
    Versuchen sie es doch mal zu erklären was "Kommentar ist wirtschaftlich wirklich alles falsch". Absolutismen werden gerne verwendet. Das ist gut denn das bedeutet, dass ich sie mit einem Gegenbeispiel widerlegen kann. Wenn alles falsch ist was ich geschrieben habe, dann dürfte nicht ein Beispiel aus der Realität passen.
    1 Beispiele

    Mindestlohn soll einen Raub darstellen. Irgendjemand muss dem Unternehmen gegen seinen Willen etwas wegnehmen. Da ein Lohn nur gezahlt wird, wenn ein Arbeitsvertrag vorliegt gebietet die Logik, dass ein Zwang zum Arbeitsvertrag vorliegt. Das sieht der Mindestlohn nicht vor. D.h. Unternehmen werden zwar gezwungen den Lohn, wenn sie jemanden einstellen zu zahlen, aber nicht gezwungen jemanden einzustellen. Wo ist der Raub?

    Und jetzt die Gegenthese. Denn nur wenn die kommt und schlüssig ist, kann man eine Diskussion führen.

    @Anonym
    "Dass Ihnen ein solcher Kommentar nicht peinlich ist?"
    Was ist an Ihm peinlich? Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich nicht an die Allgemeingültigkeit des effizienten Marktes. Ich vertraue keiner ökonomischen Schule die im wesentlichen auf Logik aufgebaut ist. Logik hängt immer von den Rahmenbedinungen ab, in der sie sich bewegt. Allein die Behauptung das auf einem freien Markt immer freiwilliger Handel stattfindet ist dermaßen absurd, dass ich mich frage ob Ihnen dieser Glaube nicht peinlich ist. Mich stört das Immer. Denn dieses Immer lässt keine anderen Denkweisen und Gedanken zu, sie verbaut Ihnen den Blick in die reale Welt.

    @Yalimba
    "Aufgrund dessen steigt die Arbeitslosenquote. Merken sie nicht wie paradox das ist?"
    Schade das die Empirie ihnen widerspricht. Ihre Logik beruht darauf, dass sie nicht innerhalb eines Kreislaufs denken. Sie denken in Unternehmensmaßstäben mit einem Ein- und Ausgang. Allerdings beeinflusst der Ausgang den Eingang, sprich die Kosten sind auch Einnahmen.
    In Griechenland sieht man diese angebliche Paradoxie. Der Staat senkt seine Ausgaben und reduziert damit auch seine Einnahmen. Warum sollte das im Umkehrschluss nicht funktionieren?

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  8. @ endless.good.news: Wenn ich richtig verstehe, behaupten Sie, dass aufgrund hoeherer Ausgaben der Unternehmen die Wirtschaft besser funktioniert, da dadurch mehr konsumiert wird und die Unternehmen so mehr Kunden haben (aufgrund des staatlich festgesetzten Mindestlohns)?

    Durch den Mindestlohn wird kein zusaetzliches Geld in die Wirtschaft gepumpt. Es wird nur anders ausgegeben.

    Das Unternehmen zahlt dem Angestelleten im Idealfall so viel, dass es sich fuer in lohnt dort zu arbeiten und nicht mehr. Der Gewinn des Unternehmens ist sein Anreiz zu funktionieren. Der Gewinn wird ebenso ausgegeben, wie im Falle, als sei es den Arbeitern zugeteilt.

    Das Beispiel ist deswegen ziemlich unzutreffend. Was haben Finanzspritzen des Staates (durch Kredite finanziert) mit Gesetzen zu tun, die Unternehmern vorschreiben, wie sie ihr Geld auszugeben haben?
    Vielleicht, dass beide auf Dauer der Wirtschaft schaedigen. Aber dass sie diese beiden Sachen verwaechseln, laesst mich daran zweifeln, ob sich mit ihnen diskutieren laesst.

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