Mittwoch, 29. Mai 2013

Der Staat ist nicht das Ergebnis einer Nachfrage

Mark Twain:,,Die Geschichte wiederholt
sich nicht, aber sie reimt sich.''
von Tommy Casagrande
Der Staat ist nicht als Nachfrage entstanden sondern er entstand auf zwei Arten.

1. durch äußere Eroberung. Die aggressiven Stämme haben die friedlicheren Stämme erobert und fortan unterdrückt und beherrscht. Das war die eine Möglichkeit, wie der Staat entstand.

2. durch interne Eroberung. Die aggressiven Stämme wurden abgewehrt, doch innerhalb des Stammes bildeten sich durch die Kämpfe jene Strukturen, die eine herrschende Klasse herausbildeten. So ist es bei den meisten Staaten geschehen.

Das war der Ursprung des Staates/der Staaten.

Von da an war man gezwungen, ohne Nachfrage, mitzumachen. Der Staat beruhte also nicht auf einer Nachfrage, sondern auf Gewalt, und im Laufe der Zeit wurde er als gottgegeben akzeptiert.

Wenn Vereinzelte merkten, dass der Staat das Problem sei, waren es nunmal Vereinzelte. Die sogenannte Nachfrage war im Laufe der Zeit keine bewusste Nachfrage nach einem Staat, sondern nur eine Nachfrage unter den Bedingungen des Staates. Denn Nachfrage setzt die Möglichkeit des Unterlassens der Nachfrage voraus. Auf die Idee, den Staat als bewusste Nachfrage zu akzeptieren oder ihn durch bewusstes Verzichten abzuschaffen, kam im Laufe der Zeit niemand mehr, weil man unter den Bedingungen, die der Staat setzte, Nachfragen gebildet hat, die sich inhaltlich auf die Tätigkeiten des Staates bezogen haben. Zum Beispiel, was kann der Staat gewährleisten?

Die Forderung, nicht mitmachen zu müssen, ist eine Außenseiterforderung, die seit jeher, lediglich vereinzelt entstanden ist. Diese Forderung ist gleichwohl richtig. Dennoch, es ist schlicht falsch zu behaupten, der Staat beruhe auf einer Nachfrage. Das gilt logisch nicht. Zu definieren wäre, was als Nachfrage zu betrachten ist. Jeder lebt und existiert auf dem Territorium eines Staates. Und alles was einem darauf in welcher Form auch immer gestattet ist und unter welchen Bedingungen es einem gestattet ist, entweder mit mehr oder mit weniger staatlichen Eingriffen, so lässt sich letztlich sagen, dass das Prinzip Staat versinnbildlicht eine Art Monarch ist, der einen an jenem Ort freier sein lässt als anderswo. Doch diese Freiheit, die er einem irgendwo mehr als anderswo gibt, verurteilt einen gleichsam zum Sklaven, denn er kann sie jederzeit nehmen. Man lebt also auch in einem freieren Staat als 100%iges Eigentum des Staates auf dem dortigen Gebiet. Und somit lässt sich schlussfolgern, dass die spezifische Existenz und Anwesenheit eines Menschen an einem spezifischem Ort dieser Welt, auf dem Territorium eines Staates, eine Nachfrage nach der Existenz des dortigen Staates darstellt. Die Bemerkung, die als Gegenüberstellung häufig in der Folgerichtigkeit dieser Interpretation auftaucht und vielen bekannt ist, lautet: ,,Du könntest dir ja einen anderen Staat aussuchen und wegziehen.'' Durch diese Pseudowahlfreiheit legitimieren Staaten untereinander ihre Existenz gegenseitig und stabilisieren einander das Prinzip der Herrschaft auf Grundlage des Gewaltmonopols, weil jeder Ort an dem ein Mensch lebt nicht der sein müsste, an dem er lebt. Und wo ein Mensch lebt, bestätigt dieser Mensch immer genau den Staat, der daraus die Interpretation ableitet, dass man exakt ihn nachgefragt hat.

Was also ist Nachfrage, wenn es praktisch kein Individuum auf der Welt gibt, das durch praktisches Handeln dem Umfeld des Staates irgendwo auf der Welt entrinnen kann? Egal wie praktisch jemand handelt, derjenige bleibt in einem Staat, egal wo. Somit kann durch das, was jemand tut, nicht erkannt werden, was er tatsächlich nachfragt. Nur sein Denken kann darüber noch Auskunft geben.

Somit liegt es nicht an der Nachfrage, dass Staaten existieren, es liegt am Denken der Menschen, dass sie Alternativen dazu noch nicht entdeckt haben bzw. der Staat nicht umsonst das Bildungsmonopol für sich in Anspruch nimmt oder Sendefrequenzen an mediale Einrichtungen verteilt, damit ein solcher alternativer Gedanke sich gar nicht erst bildet. Durch praktisches Handeln können Menschen dem staatlichen Umfeld, das sich über den gesamten Globus erstreckt, nicht entrinnen. Denn in diesem Umfeld ist jeder Schritt und jede Handbewegung als Nachfrage nach dem Staat aus Sicht derer, die durch seine institutionelle Existenz sich besser zu stellen vermögen als ohne, interpretierbar.

Fazit: Es gibt eine bewusste Nachfrage nach dem Staat, es gibt aber auch Abhängigkeiten und Unterdrückungen, die es erschweren, eine bewusste Ablehnung tatsächlich geistig zu erarbeiten und es gibt eine bewusste Nachfrage nach einem Leben außerhalb des Umfeldes nach dem Staat.

Die Aussage jedoch, der Staat existiert aufgrund der Nachfrage nach ihm, lässt außer Acht, zu fragen, wer ihn bewusst nachfragt (wer sind die Profiteure und wer die Verlierer?) und lässt außer Acht, dass diese Nachfrage, mangels der Möglichkeit, ihn durch bewusstes Nicht-Nachfragen für sich außer Kraft zu setzen, nicht möglich ist.

Der Staat ist ein Gewaltmonopol, das die Gesellschaft in Klassen einteilt, aus denen Schichten entspringen. Und je nachdem zu welcher Klasse und welcher Schicht man gehört, sind die Gewinner des Systems interessenbedingt stärker angereizt, die bestehenden Verhältnisse zu verteidigen, als die Verlierer des Systems. Mangels alternativer Gedanken, die in Konkurrenz zum bestehenden System existieren, an dessen Veränderung die Gewinner kein grundsätzliches Interesse haben, haben auch die Verlierer des Systems durch eine Revolution lediglich dieselbe Sklavenmoral (nach Friedrich Nietzsches Dialektik von Herr und Knecht) anzunehmen, wie jene, die davor geherrscht haben. Deswegen tauschen sich im Laufe der Epochen immer nur die Gesichter aus, die Prinzipien und Bedingungen unter denen Menschen leben und handeln sind dieselben und führen deswegen zu wiederkehrenden Problemen, die Geschichtsinteressierte an die Aussage von Mark Twain erinnert: ,,Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber, sie reimt sich."

Kommentare:

  1. Der Artikel vernachlässigt, dass sich Hierachien faktisch immer ausbilden, wenn Menschen miteinander interagieren.

    Die Frage ist also wie man solche Hierachien, die sich im Allgemeinen immer ausbilden, organisiert. Was wäre denn die Alternative zu einem demokratisch organisiertem Staat?

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  2. Die Alternative wäre so etwas wie Pennsylvania vor der Eingliederung in die USA.

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  3. Eine rhetorische Frage: ist die Existenz der Möglichkeit der Bildung von aggressiven Gruppen inzwischen verschwunden? Ich denke eher nicht, also wird es auch weiterhin eine Nachfrage nach Sicherheit geben, die der Staat nunmal für ein Gewaltmonopol verschiedenster Auspraegung und für andere Einschränkungen der Freiheit bietet. Wirklich frei ist man nur, wenn man entweder unangreibar, oder zumindest unerreichbar ist. In einer weitestgehend erschlossenen Welt sind solche Möglichkeiten rar. Ueberzeugungen helfen da auch nicht weiter. Es bedarf nur ein organisierter , bewaffneter Gruppe, die sich als Staat definiert, weil sie eine Nachfrage haben, und schon sind die Freien ueberrannt.

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