Dienstag, 30. April 2013

Syrien und die Folgen einer militärischen Intervention von außen

Anonymer Autor
Obwohl in den letzten Wochen und Monaten der Syrien-Konflikt nicht mehr so stark in den Massenmedien thematisiert wurde und stattdessen über Themen wie dem Waffenverbot in den USA oder Uli Hoeneß‘ Steueraffäre berichtet wurde, findet es dieser Tage wieder Eingang in die Medien. Demnach fordern immer mehr Politiker wie der US-Senator aus Arizona John McCain und Journalisten, wie Hubert Wetzel (Süddeutsche Zeitung, „Es muss eine Grenze geben“ vom 26. April 2013) eine militärische Intervention in Syrien. Beim Zuhören und Lesen solcher Forderungen bekommt einem gar das Gefühl, sich im Jahr 2003 zu befinden, kurz vor Beginn des Irak-Krieges. Wie bereits im Falle Saddam Husseins, wird auch Bashar Al-Assad vorgeworfen, chemische Waffen gegen das eigene Volk eingesetzt zu haben. Ob es hierfür Beweise gibt oder nicht, wird mit keinem Wort gewürdigt. Kein Wunder also, dass die Augen wieder einmal auf die USA gerichtet sind, die immerhin die größte Militärmacht sind und genügend Erfahrung vorzuweisen haben im Umgang mit Militäreinsätzen im Ausland. Barack Obama, der sich bislang zurückgehalten hatte, und den Einsatz chemischer Waffen als so genannte „rote Linie“ bezeichnet hatte, wurde von vielen Seiten für seine passive Haltung kritisiert und dazu aufgefordert, dem Abschlachten in Syrien ein Ende zu bereiten. 
Wer nicht dazu in der Lage ist, die Folgen eines solchen Eingriffs nachzuvollziehen oder gewillt ist mehr darüber zu lernen, sollte nach dem Wort „Blowback“  nachschlagen. Es gibt nur wenige Journalisten geschweige denn Politiker, die das Wort Blowback in den Mund nehmen. Einer dieser Personen ist der dreimalige US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul, der dies in einer Debatte am 15. Mai 2007 tat und dafür für viel Unmut und Skepsis anderer Kandidaten und Zuschauer erhielt. Dabei hilft ein Blick in die Geschichte um zu erkennen, dass hinter jedem Terroristen oder Täter auch ein Mensch steckt, der ein Motiv für seine Tat besitzt, so schrecklich diese auch sein mag. Dass dieses Motiv auf Interventionshandlungen anderer Länder zurückgeht, findet wenig bis gar keine Erwähnung in den Massenmedien. Aus diesem Grund wird im Folgenden darauf eingegangen, was hinter dieser Blowback-Theorie steckt, geschichtliche Beispiele genannt, welche Folgen damit verbunden waren und warum kein neuer Krieg sondern Respekt der Schlüssel zur Beendigung des Syrien-Konfliktes ist.
  • Was ist Blowback?
Blowback (aus dem Englisch übersetzt: Rückstoß) beschreibt ein Phänomen, das eine Reaktion auf eine zuvor unternommene, von den Geheimdiensten gesteuerte, Aktion in einem fremden Land darstellt. Es stammt ursprünglich aus dem Wortschatz der CIA und ist das Ergebnis einer Unternehmung, hinter der ein bestimmter politischer, aber auch wirtschaftlicher Wille einer ausländischen Regierung steckt.  Dieser kann in dem Sturz eines feindlich gesinnten Staats- bzw. Regierungsoberhauptes oder der Kontrolle über wichtige natürliche Ressourcen (z.B. Öl) liegen. Auch vergleichsweise kleinere Aktionen, wie die Tötung von Zivilisten durch Drohnen, können Ursachen für einen solchen Rückstoß sein. Dieser Rückstoß kann in der Folge in der Form von Terroranschlägen, der Bildung von Drogenkartellen oder der Entführung und schlussendlichen Ermordung von Zivilisten auftreten. 
  • Historische Beispiele
Das vielleicht bekannteste historische Ereignis ist der 11. September 2011. Anders als offiziellen Erklärungen es verlauten lassen, ist die Tat der 19 Flugzeugentführer auf die von den USA betriebene Außenpolitik in den arabischen Ländern zurückzuführen. Obwohl diese These auch in dem offiziellen 9/11 Report als der Hauptgrund für die Anschläge Eingang findet, glauben die meisten Menschen nach wie vor, dass die Anschläge „aus dem Nichts“ kamen. Niemand kam auf die Idee, sich Gedanken darüber zu machen, welche Folgen die politische und finanzielle Unterstützung der autoritär regierenden Scheichs in Saudi-Arabien haben kann. Nicht anders war das bei der Bombardierung dieser Länder, was die Ermordung unzähliger Zivilisten zur Folge hatte. Der vielleicht namhafteste Terrorist, Mohammed Atta (Pilot des ersten Flugzeuges, das in die Zwillingstürme flog), war, anders als er als Terrorist porträtiert wurde, nicht von Natur aus radikal und darauf aus, Menschen zu töten. Wie bei den meisten anderen Personen, waren es die persönliche Erfahrung oder die Gegebenheiten in dem Heimatland, die ihn zu dieser Handlung veranlasste.
Ein anderes bekanntes Beispiel ist der Sturz des iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh im Jahr 1953 durch die USA, welche zur Machtübernahme des Schahs Mohammad Reza Pahlavi führte. Pahlavi sorgte während der 26 Jahre andauernden Herrschaft dafür, dass die USA mit Öl versorgt wurde und erhielt im Gegenzug dafür politische und finanzielle Unterstützung. Das Ergebnis war ein Polizeistaat, wo jeder Regimekritiker durch eine von Pahlavi kontrollierte Geheimpolizei ausgeschaltet wurde. Hauptprofiteur waren die USA, aber natürlich andere westliche Länder. Dies sollte sich 26 Jahre später, im Jahr 1979, rächen. Im Verlauf der islamischen Revolution nahmen iranische Studenten die US-amerikanische Botschaft ein und hielten die dort stationierten 52 US-Diplomaten für 444 Tage als Geiseln fest. Dass es sich dabei gerade um die US-Botschaft handelte, war kein Zufall, zumal die CIA 26 Jahre vorher entscheidend beim Systemwechsel von einer Demokratie in eine Diktatur mitwirkte.
Letztlich ist die Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion zu nennen. Aus einem ursprünglichen geplanten kurzen Einsatz wurde ein langer und für die UdSSR teurer Kampf, der mitverantwortlich für den danach folgenden Staatsbankrott war.
Die USA hatten auch mit den Folgen eines Intervenierens zu kämpfen. Sie unterstützten die auf der anderen Seite kämpfenden Mudschahedin mit Geld und Kampfausbildungen. Aus diesen entstanden später die Taliban, die ihre Waffen nun nicht mehr auf die mittlerweile abgezogenen Soldaten der UdSSR, sondern auf die der USA richteten.
  • Folgen für Staaten und Bürger
Obwohl der einfache Bürger von solchen Operationen grundsätzlich nichts mitbekommt oder über die Folgen nicht Bescheid weiß, ist er das Opfer und dies auf zweierlei Weise. Das oben genannte Beispiel des Staatsbankrotts der Sowjetunion traf ausschließlich die Bevölkerung, da diese für die gestiegene Staatsverschuldung und die hohen Zinsen sowie steigenden Preise mit Hunger bezahlen musste. In einem System, wo das Geld unter der Kontrolle des Staates steht, profitiert er als Einziger von einer Geldentwertung, da seine Schulden gegenüber der Zentralbank durch die stetige Entwertung der Landeswährung allmählich abnehmen. 
Des Weiteren bezahlen die Menschen mit ihrem Leben durch verübte Terroranschläge oder Entführungen. Hinzu kommt das Leid der Angehörigen und Freunde der Opfer dieser Taten. Der Grund, weshalb Terroristen sich immer „einfache“ Menschen als Opfer aussuchen, kommt dadurch, dass der Staat und das dahinter stehende Militär schlicht zu groß sind. Die vergleichsweise „kleinen“ Anschläge sollen einen Unmut in der Bevölkerung erzeugen, der sich dann in politischen Wahlen und einem Regierungswechsel entlädt, was letztlich zu einer Beendigung der militärischen Intervention führt.
  • Außenpolitische Handlungsempfehlungen- Weniger Intervention, mehr Respekt
Die Folgen dieser schadenden Politik würden in Syrien nicht anders sein. Im Falle von Libyen haben sich die Konsequenzen durch die Ermordung des US-Botschafters Christopher Stevens bereits bemerkbar gemacht, was weitere Reaktionen nicht unwahrscheinlicher macht. Da ein Eingreifen zumeist als humanitär notwendig dargestellt wird und der Bürger zu oft diesem Argument Glauben schenkt, ist ein Umdenken mit Blick auf die Zukunft und die zahlreichen Opfer dringendst erforderlich. Dieses Umdenken könnte in einer so genannten nicht-interventionistischen Außenpolitik bestehen, was nicht mit einer Isolation nach außen gleichzusetzen ist. Statt einem Land das eigene System aufzuzwingen oder „Weltpolizei“ zu spielen, sollte der Respekt vor der dort lebenden Bevölkerung und deren Vorstellungen im Vordergrund stehen. Freiheit besteht nicht darin, einem anderen Volk das eigene System aufzuzwingen und dafür das Leben anderer Menschen zu opfern. Gerade diese Einstellung hatte die ehemalige US-Außenministern als sie mit Bezug auf die Sanktionen gegenüber dem Irak und den daraus 500.000 ums Leben gekommenen Kindern sagte: „ We think the price was worth it.“ 
Es ist letztendlich nicht nur ein naturwissenschaftliches Phänomen, dass jede Aktion eine Reaktion bewirkt.

Kommentare:

  1. Die US-Amerikaner werden wahrscheinlich bald eine Flugverbotszone einrichten. Die USA und Israel werden in Syrien scheitern. Und Israel muss sich auf die Grenzen von 1960 zurückziehen. Auch der Iran wird stark geschwächt. Die Geburtenrate beträgt unter 2,0. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

    AntwortenLöschen
  2. Leider unterstützt das ansonsten richtige Blowback-Argument den offiziellen 9/11 Bericht, was natürlich eine Vertuschung des Staatsterrors ist. Das Video der Architects & engineers dazu warum die Story rein wissenschaftlich nicht stimmen kann, ist wahrscheinlich schon den meisten hier bekannt.

    AntwortenLöschen
  3. Wer weiterhin glaubt das Kriege möglich seien in denen so gut wie keine Zivilisten umkommen, in welchem nur die "Terroristen" bekämpft werden, dem sei dieses Video ans Herz gelegt.
    www.youtube.com/watch?v=rtuk08E09cw‎

    Ein wirklich gelungener Kommentar.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *