Sonntag, 14. April 2013

Schutz von bedrohten Tierarten erfordert radikales Umdenken

von Dr. Sebastian Braun
Vom 3. bis 14. März fand in Bangkok die Konferenz der „Convention on International Trade in Endangered Species“ – kurz Cites – statt. Im deutschsprachigen Raum ist Cites als Washingtoner Artenschutzabkommen bekannt, da es vor 40 Jahren durch einen Vertragsschluss von 40 Regierungen in Washington aus der Taufe gehoben wurde. Anlass der Gründung von Cites war die Beendigung des unkontrollierten Handels von gefährdeten Pflanzen und Tieren auf der ganzen Welt.  Als erstes Land der EU schloss sich Deutschland 1976 dem Abkommen an. Seitdem haben die Cites Bürokraten viele ergebnislose Konferenzen abgehalten. So sind nach wie vor viele Arten vom Aussterben bedroht und der Handel mit diesen blüht wie nie zuvor.

Das Problem ist nämlich, dass sich die Nachfrage nach bestimmten Tierarten als sehr unelastisch - unempfindlich gegenüber Preiserhöhungen - erweist. Man denke nur an die astronomischen Preise, welche chinesische Käufer für exotische „Medikamente“ wie Nashornprodukte zahlen. Handelsbeschränkungen führen infolge der künstlich erzeugten Verknappung in erster Linie zu einem weiteren Preisanstieg, was wiederum die Anreize für Wilderei verstärkt. Da die bedrohten Tierarten kein Privateigentum sind wie Kühe oder Schafe, haben die Wilderer zudem auch keinen Anreiz für deren Schutz zu sorgen. Deshalb sind Handelsbeschränkungen kontraproduktiv, wie Umweltökonom Michael 't Sas-Rolfes in seiner Studie "Saving African Rhinos: A Market Success Story" überzeugend darstellt. Leider lehnen das Cites und grüne Lobbygruppen wie Greenpeace oder der WWF derartige Lösungen aus ideologischen Gründen ab.

Doch eine große Anzahl von empirischen Studien belegt, dass Marktlösungen bedrohte Tierarten viel effektiver schützen. So ist laut dem amerikanischen Forschungszentrums für Eigentum und Umwelt in Namibia die Anzahl von Wildtieren stark angestiegen, nachdem das namibische Volk die diesbezüglichen Eigentumsrechte 1990 zurückerhielt. Aufgrund des wirtschaftlichen Werts der Tierwelt und der Tatsache, dass die Einheimischen direkten Nutzen aus ihr ziehen können, sind die Probleme der Wilderei und der Konflikte zwischen Menschen und Tieren in Namibia sehr begrenzt. Das namibische Modell ist so erfolgreich, dass Delegationen aus der ganzen Welt nach Namibia kommen, um zu erfahren, wie es funktioniert und ob es sich anderorts replizieren lässt.

Allerdings lässt sich das auf Gemeindeeigentum aufbauende Modell Namibias nicht unbedingt auf andere Länder übertragen. Es funktioniert in Namibia, weil das Land relativ klein ist; es hat nur 2,1 Millionen Einwohner und eine sehr geringe Bevölkerungsdichte von drei Personen pro Quadratkilometer. In den meisten anderen Ländern hingegen stellt individuelles Privateigentum ein probates Mittel dar. Allein im südlichen Afrika befinden sich mehr als 9.000 private Jagdranchen und 1.100 privat verwaltete Naturschutzgebiete. In Südafrika, sind bereits 17 Prozent der Naturschutzgebiete in privater Hand. Infolgedessen hat sich zwischen 1964 und 2007 die Zahl der Tiere schätzungsweise von 575.000 auf mehr als 18 Millionen vervielfacht.

Privatunternehmen und Jagdvereine wie der Safari Club International sorgen für eine Vermehrung des Wildbestandes und erwirtschaften darüber hinaus große Gewinne. Mit ihren Handelsverboten und Beschneidungen von Privateigentum stellen sich das Cites und seine Armee von grünen Lobbyisten auf ein hohes moralisches Podest, doch damit ist weder den Einheimischen noch den Wildtieren geholfen. Den Menschen aber zu erlauben, wirtschaftlichen Nutzen aus der Natur zu ziehen, motiviert sie zum Schutz der Natur und bewahrt bedrohte Arten vor der Ausrottung. Entwicklungsländer sollten das defizitäre Naturschutzmodell, das von Cites, dem WWF, Greenpeace und anderen propagiert wird, auf keinen Fall anwenden, sondern vielmehr die zahlreichen Erfolge der auf Eigentumsrechten basierenden Ansätze studieren.
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Dr. Sebastian Braun ist als Project Director Indonesia für ,,das baumhaus'' tätig. ,,das baumhaus'' fördert innovative, wirtschaftsliberale und entwicklungsfreundliche Ansätze zur Bewältigung von Umweltproblemen in der Dritten Welt.

Kommentare:

  1. Ich habe nun wirklich einige Zeit über diesen für mich doch sehr erschreckenden Text nachdenken müssen.
    Das hat mich sehr zum Verzweifeln gebracht ob mein Veganismus zu einer libertären Weltanschauung passt oder eher nicht. Fakt ist, mir sind Tierrechte und der Veganismus wichtiger als eine konsequent libertäre Weltanschauung

    Mein Problem bei diesem Text ist einfach, das er aus Wildtieren Nutztiere macht und der Urheber in den Wildtieren eine Ressource.

    Meines Erachtens kann es aber keine Problemlösung sein, die Nutzung der Wildtiere zu legalisieren.
    Das wäre für mich in etwa so als würde man ein Frauenhaus mit Prostitution finanzieren.

    Ich empfinde es auch als unglaublich traurig das bis auf den Krüger Nationalpark alle Nationalparks auf Großwildjäger angewiesen sind um überhaupt überleben zu können. Da kaufe ich lieber Kaffee der dann solche Projekte mitfinanziert.

    Das Argument "Tiere als Eigentum sind besonders geschützt" verstehe ich auch nicht, bzw. halte ich für absolut lächerlich. Wie erklärt sich denn bitte damit die Massentierhaltung? Tierversuche? miserable Haltungen in Zoos?

    Das sind alles Tiere als "Privateigentum" und trotzdem werden sie misshandelt und gequält.

    Das Ziel kann es ja nicht sein, eine Tierart am Leben zu erhalten um daran Geld zu verdienen, sondern eine Tierart zu erhalten durch Respekt und Vernunft.

    Achja, Verknappung kann es auch in einer Privatwirtschaft ohne Handelsbeschränkungen geben, sie macht wirtschaftlich sogar Sinn. Man denke an den Thunfisch der gerade ausstirbt!
    Mitsubishu baute riesige Kühlhallen um dort den Thunfisch einzulagern. Sobald die Tierart ausgestorben ist schiessen die Preise und damit die Gewinne in die Höhe.

    Sicher, die Masse der Libertären sind Speziesisten. Aber man muss auch einfach bedenken das es einen rassistischen Libertarismus geben kann, der sagt:

    "Wenn die Schwarzen das Privateigentum von Weissen sind, haben sie was zu Essen, ein Dach über den Kopf und medizinische Versorgung. In Freiheit und mit Menschenrechten ausgestattet leben sie in Krieg, Hunger und Seuchen."

    Darüber vielleicht einmal nachdenken.

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  2. Vegane Lebensweise und libertäre Einstellung passen sehr gut zusammen.
    Ich lebe Vegan und zwinge niemanden meine Lebensweise anzunehmen. Ich denke, das unterscheidet uns noch. Du möchtest andere zwingen, Deine Vorstellung von Naturschutz und Tierethik zu befolgen.
    Ich kaufe das nicht, was mir nicht passt, fertig.
    Ich gebe kein Geld für Thunfisch aus. Mit mir macht Mitsubishu auch in Zukunft keine Geschäfte.
    Um den Wildtiere z.B. in Afrika, einen dauerhaften „Wert“ in unserem Sinn zu geben, ist Tourismus eine Geschäftsmodell, das allen hilft. Die Eigentümer der Savanne, welche mit Tourismus Ihr Geld verdienen können, werden alles tun um Ihr Eigentum langfristig zu erhalten.
    Mir ist Veganismus genauso wichtig wie eine konsequente libertäre Weltanschauung.
    Privateigentum und unser Vorbild beschützt den Planeten!
    Libertäre, vegane Grüße.

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  3. Ich habe ebenfalls Probleme damit zu verstehen, wie man andere Lebewesen als Eigentum betrachten kann, rein von der Anschauung her, was sich praktisch daraus ergibt, sei mal dahingestellt.

    Grade bei Tieren zeigt sich ja, dass diese genau so Schmerz und Leid erfahren können (z.B. in Gefangenschaft) wie wir.
    Wie will man rechtfertigen, dass Tiere als Eigentum eines Menschen gelten?
    Ist es, weil sie nicht zu n-dimensionaler Mathematik fähig sind?
    Das klingt verdammt nach "Krone der Schöpfung", als ob wir über alle anderen Lebewesen frei verfügen könnten.

    Meines Erachtens nach sind alle Lebewesen frei.
    Zur Tierhaltung kann ich sagen, von meinem Standpunkt aus, sollte es sich als eine Art Symbiose gestalten.
    Werden Tiere wie in der Massentierhaltung gehalten (was ja eigentlich nur mit Staaten möglich ist) ist das meines Erachtens nach genauso schlimm wie Sklaverei bei Menschen.


    Trotzdem möchte ich klarstellen, dass ich Voluntarist bin und ebenfalls für eine Privatrechtsgesellschaft (den Begriff finde ich um Längen besser als, z.B. Anarchokapitalismus) eintrete.

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  4. @Sascha Bose
    Soso, ihnen passt also nicht auf welche Art die Tiere gerettet werden?

    Sie sollten mehr Fleisch essen, dass fördert dass Denken.

    Wenn Sie wirklich um die Tiere besorgt wären und nicht um ihr Ego, dann würden Sie sich freuen dass man einen Weg gefunden hat um das Problem anzugehen.

    Und hören Sie auf Tiere mit Menschen gleichzusetzen. Zwischen einem Menschen und einem Affen sind riesigere Unterschiede als zwischen einem Affen und einem Wurm.

    Templarii

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  5. Wenn wir Libertär handeln, müssen wir mit jeder natürlichen Lebensgemeinschaft einen "Vertrag" abschließen um deren Recht auf Unversehrtheit oder zumindest auf Überleben ihres Ökosystems zu gewährleisten. Denn jede Spezies verrichtet in ihrer ökologischen Nische Arbeit die zu einem Mehrwert für sie selber und die Gemeinschaft führt.

    Anmerkung:
    Der obere Text ist urheberrechtsgeschützt und darf nur mit meiner vorherigen Zustimmung in jeglicher schriftlicher Form weiterverwendet werden. Jeder Verstoß kann mit einer Anzeige geahndet werden.

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