Donnerstag, 11. April 2013

Kritik am klassischen Liberalismus

von Tommy Casagrande
Was wäre, wenn du aufwachst und feststellst, dass der klassische Liberalismus in seinem besten Falle dir zwar mehr individuelle Freiheiten gewährt, du aber dennoch nur ein Teil jener Summe bleibst, deren Freiheiten vom Staat auch wieder genommen werden können?

Was wäre, wenn du aufwachst und feststellst, dass der klassische Liberalismus nicht die Befreiungsidee ist, für die du ihn hältst, sondern nur eine Doktrin, die aus Sicht der Herrschenden - trotz aller Kritik - deswegen geduldet wird, weil sie in jedem Fall den Apparat vor seinem Niedergang bewahrt, falls die Menschen sich wirklich auf die Suche nach Freiheit begeben?

Was ist, wenn der klassische Liberalismus nichts anderes wäre als eine perfide und listige Idee derjenigen, die für den Fall der Fälle, dass Menschen bereit sind, sich nicht mehr von der Politik durch staatliches Falschgeld und gewährte Privilegien kaufen zu lassen, diese Menschen versuchen durch die Kombination aus Freiheit und Staat, im System zu halten, weil Menschen, auch wenn sie kurzfristig für den Staat durch individuelle Freiheit wenig Profit dem Apparat einbringen, eine Langzeitinvestition darstellen, so lange man ihnen nicht erlaubt auszutreten oder eine konsequente Idee von Freiheit zu erkennen?

Was ist, wenn der klassische Liberalismus die Idee der Freiheit korrumpiert und du dich für den klassischen Liberalismus einsetzt? 
Korrumpierst du dann nicht genauso diese Idee, die in Schönheit nur dann geboren wird, wenn sie frei von Heuchelei, Verlogenheit und Inkonsequenz sich zeigen kann?

Wenn du für den klassischen Liberalismus eintrittst, besteht nicht die Möglichkeit, dass du in Wahrheit dem Fortbestand dieses Systems deine Unterstützung zugute kommen lässt, ohne dass du es bemerkt hast? 

Was ist, wenn der klassische Liberalismus sowas wie die erste Stufe des Staates in seinem Aufbau und die letzte Stufe bei seinem Abbau darstellt und alle staatliche Entwicklung und Wandlung einem Jojo-Effekt gleicht, weil Anfang, Ende und Neubeginn des Staates immer der klassische Liberalismus ist?

Was, wenn sich deswegen nichts grundsätzliches ändert, weil die Perspektive staatlicher Entwicklung stets zwischen klassischem Liberalismus und Totalitarismus pendelt?

Könnte es nicht sein, dass der klassische Liberalismus ein Hindernis auf dem Weg zu einem wirklich freien Menschengeschlecht, zumindest solchjenigen Menschen darstellt, die freiwillig auf jungfräulichem Boden den Beweis antreten wollen, dass auch ohne Staat eine menschliche Gesellschaft funktionieren kann? 

Vielleicht ist der klassische Liberalismus wie die Notbremse in einem Zug, bevor er in die Schlucht stürtzt und vielleicht ist der klassische Liberalismus damit auch die Reset-Taste eines Computers, mit dem man das System neu startet.

Denk darüber nach.

Kommentare:

  1. Wahrscheinlich bin ich deswegen kein "klassischer Liberaler" mehr ;-(

    Aber wo möchten Sie derzeit lieber leben in D oder in Nordkorea?

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  2. Das klingt wie die Kritik der Kommunisten an Gewerkschaften und Sozialgesetzgebung: sie helfen dem System zu überleben, lullen die Arbeiterschaft ein und machen sie revolutionsunwillig.

    Mich überzeugt das nicht.

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  3. Wahrscheinlich bin ich deswegen kein "klassischer Liberaler" mehr...
    Wirklich nicht? Seit wann? Was sind Sie denn jetzt?
    Aber wo möchten Sie derzeit lieber leben in D oder in Nordkorea?
    Und Sie, wo möchte Sie derzeit lieber leben? In Pjöngjang oder in Wŏnsan?

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  4. Werter Herr Casagrande,

    Sie tun dem klassischen Liberalismus unrecht, wenn Sie davon ausgehen, dass er Teil des Systems ist. Tatsächlich entspricht nicht einmal das Liberalismusplacebo FDP dessen Werten, weil so etwas wie eine Flat-tax schon zu radikal in unserer durchmarxisierten Welt ist. Der klassische Liberalismus eines Erhardt ist im Gegenteil eine der letzten Halme, an die man sich als freiheitsliebender Deutscher klammern kann. Gibt es denn sonst in jüngerer Vergangenheit Beispiele für einen gut funktionierenden Minimalstaat ? Sicher, man mag den klassischen Liberalismus angestaubt und konservativ finden, aber bedenken Sie, dass auch Vordenker der Libertären wie Rothbard und Rand im Vergleich zu heutigen jungen Menschen ziemlich reaktionäre Knochen waren. Die Ziele des klassischen Liberalismus sind indes in unserer Zeit schon zu utopisch, alsdass man Sie als zu kurz gesteckt verwergen sollte.

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  5. Ich verstehe die Intention des Autors nicht. Offenbar ist es ihm entgangen, daß ein großer - ein überwältigend großer - Teil der Menschen gerne in einm Staat lebt. Ebenso scheint ihm nicht sonderlich bewußt, daß der "Klassische Liberalismus" sehr wohl ein Sezessionsrecht für diejenigen kennt, die eben keine Lust mehr auf ihren Staat haben. Von daher kann ich da irgendwie nicht ganz folgen...

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  6. @Vogelfrei"Offenbar ist es ihm entgangen, daß ein großer - ein überwältigend großer - Teil der Menschen gerne in einm Staat lebt."
    Ich glaube nicht, daß ihm diese Tatsache entgangen ist. An genau diesen "Teil der Menschen" richtet er ja seinen Appell.
    Die Anderen, muß er ja nicht mehr überzeugen.

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  7. @Molot: Mondistan.
    (siehe "the moon is a harsh mistress)

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  8. "An genau diesen "Teil der Menschen" richtet er ja seinen Appell."

    Das ist ein interessanter Punkt. Was ist mit den Menschen die freiwillig in einer staatlichen Struktur leben wollen? Die Annahme, dass sich jeder gerne um Gesundheitsabsicherung, Rente, Infrastrukturinstandhaltung und -ausbau, etc. kümmern möchte, ist abwegig. Ich bin der Meinung, dass man eine normal Stadt ohne einen gewissen Verwaltungsapparat nicht sinnvoll am laufen halten kann.

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