Freitag, 12. April 2013

Der Goldstandard - Fluch oder Segen?

Anonymer Autor
Es passiert dieser Tage nicht oft, dass der Goldstandard Eingang in die Medien findet. Wenn dies jedoch mal der Fall ist, dann ist es des Öfteren in Zusammenhang mit der Großen Depression. Viele der so genannten Mainstream-Ökonomen nennen den Goldstandard als Ursache dafür, dass ab 1930 in vielen Ländern eine jahrelange Rezession stattfand, die schlussendlich durch den Krieg beendet wurde. Zu diesen Ökonomen gehören die so genannten Keynesianer und Monetaristen, deren Begründer John Maynard Keynes und Milton Friedman beide starke Kritiker eines Goldstandards waren und die Abschaffung des Goldstandards entsprechend begrüßten.
Noch heute wird der Goldstandard als etwas Unzivilisiertes präsentiert und sogar mit dem Euro-System verglichen¹. Dabei wissen die Wenigsten, was überhaupt der Goldstandard ist und warum er, anders als ihn die o. g Ökonomen darzustellen versuchen, aufgrund seiner stabilitätsfordernden Wirkung über Jahrhunderte von Ländern angewendet wurde.
Aus diesem Grund soll im Folgenden das Wesen des Goldstandards dargestellt werden, wie aus Gold Geld wurde und inwiefern das heutige System von einem Metallgeld in Form von Gold profitieren würde.

1. Wie Gold zu Geld wurde
Bevor unser Geldsystem in Staatshände geriet und Währungen wie Dollar, Euro, DM, Yen und Yuan als offizielle Währungen zu existieren begannen, war unser Geldsystem über viele Jahrhunderte bis ins alte Rom geprägt von so genanntem Warengeld. Alleine diese Erkenntnis ist vielen nicht bewusst, obwohl die Definition „Geld“ alleine es schon verrät: das allgemein akzeptierte Tauschmittel, das auf dem freien Markt entsteht. So war es auch bei Geld. Während in den Anfängen Tauschgeschäfte direkt vollzogen wurden, sprich Milch gegen Hammer oder Kuh gegen Weizen, entwickelte sich später das Geld als indirektes Tauschmittel, da nicht jeder Besitzer seine Milch für einen Hammer oder seine Kuh für Weizen eintauschen wollte.
Viele Waren wurden in der Folge als Geld benutzt, darunter beispielsweise Weizen. Letztlich war es jedoch Gold, das sich als bestes Tauschmedium auf dem Markt durchsetzte. Die Gründe hierfür waren zahlreich: Gold hatte einen hohen Wert, war stark nachgefragt, leicht zu lagern und außerdem transportierbar. Anders als das heutzutage unendlich vermehrbare Papiergeld, war Gold nicht „auf Knopfdruck“ vermehrbar und stand nicht im Eigentum des Staates. Es sei insbesondere darauf hingewiesen, dass Goldgeld nicht das Ergebnis eines staatlichen Dekrets, sondern eines Marktprozesses war und jeder darin frei war, ob er es als Geld verwendete oder nicht.

2. Der gesetzliche Goldstandard
Gold wurde über viele Jahrhunderte hinweg als Geld verwendet und geriet bis auf wenige Ausnahmen niemals in Staatshand. Neben Gold wurde oftmals auch Silber als Geld verwendet. Unter anderem deswegen, weil zwei Waren nebeneinander als Geld existierten, wurde von vielen Ländern Anfang des 19. Jahrhunderts der gesetzliche Goldstandard ins Leben gerufen.
Es ist zwingend zu unterscheiden zwischen dem Goldstandard, der Ergebnis eines Marktprozesses ist und dem gesetzlichen Goldstandard. Wie die Bezeichnung „gesetzlicher Goldstandard“ schon verrät, wird hierbei Gold per Gesetz zum alleinigen Zahlungsmittel.
Viele Staaten gingen im 19. Jahrhundert dazu über, Gold als allein herrschende Währung festzulegen. Dies sollte den Handel erleichtern unter den Ländern, wo praktisch überall Gold Geld war. Des Weiteren bestand vorher eine Koexistenz zwischen Gold und Silber, welches beide Währungen waren, wobei Silber eher für kleine Geschäfte Anwendung fand.

3. Wie der Goldstandard zu wirtschaftlichen Wachstum verhalf
In der Folge ging das 19. Jahrhundert, vor allem in den USA, aber auch in Europa, zu einem der Jahrhunderte mit dem höchsten Wachstum ein. Dies war vor allem deshalb der Fall, da das Angebot an Geld bzw. Gold nicht „auf Knopfdruck“ verdoppelt oder verzehnfacht werden konnte, wie es heutzutage möglich erscheint. Aufgrund der immerzu höheren Produktivität, insbesondere während der industriellen Revolution, sanken die Preise. Was Ökonomen wie Friedman und Keynes negativ darstellten, erwies sich als positiv für die Volkswirtschaft und die Menschen, da die Kaufkraft stieg und Haushalte mehr kaufen konnten.

4. Das Ende des Goldstandards und der Beginn der Finanzkrisen
Obwohl 1971 immer als Ende des Goldstandards portraitiert wird, wurde bereits 1913 der Grundstein für das Ende des Goldstandards gelegt mit der Gründung der Federal Reserve. Zugleich wurde in den europäischen Ländern der Goldstandard abgeschafft, damit die riesigen Kriegsausgaben gestemmt werden konnten, was unter dem Goldstandard nicht möglich war. Ein Land konnte nur begrenzt Ausgaben tätigen und sich nicht verschulden, außer es ging über zu einem Papiergeldstandard, was eine Verschuldung erst ermöglichte und für Regierungen folglich am attraktivsten war. Das, was danach kam, bezeichnete Alan Greenspan in seinem 1966 veröffentlichten Artikel Gold and economic freedom als einen „gemischten Goldstandard“. Den Banken war es möglich, unbegrenzt Kredite zu verleihen und im Falle von zu geringer Liquidität die Zentralbank um Hilfe zu bitten.
Die von den Banken geförderte und durch das Teilreservebankensystem auch direkt betriebene Kreditexpansion fand ihr jähes Ende 1929, als England die Einstellung der Goldzahlungen verkündete. Dies war weniger die Ursache, sondern eher die Rettung davor, noch mehr Geld aus dem Nichts zu schaffen und somit noch mehr Schaden anzurichten. Da jeder Kredit einen Anspruch auf einen Gegenstand (in diesem Falle Gold) begründet, war es nicht möglich, endlos Geld aus dem Nichts zu schaffen, da nur eine begrenzte Anzahl von Gold zur Verfügung stand.
Der Goldstandard wurde offiziell 1971 abgeschafft, als US-Präsident Richard Nixon, so wie er sagte „vorübergehend“, den Goldstandard abschaffte und zugab, dass er die Auslandsverbindlichkeiten nicht bedienen konnte, was einem Staatsbankrott gleich kam (viele Länder wollten ihre Ansprüche einlösen und verlangten von den USA Gold). Auch Europa besitzt längst keinen Goldstandard mehr, obwohl nach Ende des zweiten Weltkriegs viele dieser Länder eine harte Währung besaßen. Dies ist heute nicht mehr der Fall.

5. Die Rückkehr von Gold als Geld
Seit dem Ende des Goldstandards sind Staaten in der Lage, sich auf Kosten der Bürger zu verschulden und damit Kriege und Sozialprogramme zu finanzieren, die innerhalb eines Systems wie dem Goldstandard überhaupt nicht erst zur Debatte stehen würden, da schlichtweg die finanziellen Mittel begrenzt wären. Aufgrund der globalen Finanzkrise ab 2007 und der damit einhergehenden Schuldenkrise hat sich gezeigt, dass jedes Papiergeldsystem früher oder später in sich zusammenfällt. Obwohl die Geschichte für sich spricht und der Goldstandard bis auf wenige Ausnahmen im 19. Jahrhundert die Grundlage für gesundes Wirtschaftswachstum darstellt, ist es notwendig wieder zu einem System zu gelangen, wo Geld als Ware gesehen wird und nicht aufgrund eines Gesetzes, sondern wie Friedrich August von Hayek einst sagte als „spontane Institution“ entsteht. Der einzige wichtige negative Kritikpunkt am gesetzlichen Goldstandard ist, dass er nicht das Resultat eines Marktprozesses ist, sondern wie auch das Papiergeld durch ein staatliches Dekret geschaffen wird. Letztlich kann eine Volkswirtschaft jedoch nur überleben, wenn es Vertrauen in seine Ware hat und aufgrund dieses Vertrauens den Status als Geld vorher erlangt hat.

Kommentare:

  1. Nicht Gold, sondern Schwundgeld ist die Lösung. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

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  2. Ein schöner Artikel!

    Mit den Schlussfolgerungen bin ich vollends d'accord, allerdings habe ich drei historische Anmerkungen:

    a) das Warengeld reicht nicht nur bis ins Römische Reich zurück, sondern bis (mindestens) in die griechische Antike

    b) "Gold [...] geriet bis auf wenige Ausnahmen niemals in Staatshand"; auch wenn das Geldmonopol meist nicht bei den Monarchen lag, konnten sie die Währung dennoch beständig abwerten (am Rande: sie taten es selten durch simple Münzverschlechterungen, wie vielfach angenommen wird)

    c) "In der Folge [gesetzlicher Goldstandard] ging das 19. Jahrhundert, vor allem in den USA, aber auch in Europa, zu einem der Jahrhunderte mit dem höchsten Wachstum ein. Dies war vor allem deshalb der Fall, da das Angebot an Geld bzw. Gold nicht „auf Knopfdruck“ verdoppelt oder verzehnfacht werden konnte."

    Das Wirtschaftswachstum des 19. Jahrhunderts ist - abgesehen davon, dass monokausale Erklärungen für historische Phänomene meist unzureichend sind - kann keine Folge des gesetzlichen Goldstandards sein, denn Gold war ja auch vor der gesetzlichen Implementierung der Standard. Ebenso konnte Gold schon vor der Implementierung nicht beliebig vermehrt werden. Dennoch gab es solch ein enormes Wirtschaftswachstum erst im 19. Jahrhundert. Die Gründe müssen also anderswo liegen.

    Gruß, Jonathan


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  3. "Nicht Gold, sondern Schwundgeld ist die Lösung"

    Ach und der Euro ist kein Schwund Geld? Dann legen Sie sich doch einfach mal ein paar Euro zurück und kommen gegen Ende Ihres Lebens darauf zurück (wenn es die zypriotische Lösung gibt, werden Sie sich wahrscheinlich sehr wundern)

    Schwundgeld ist wie Zellulosezwangszahlungsmittel einfach nur ein anderes längeres und offenbar nicht wo böses Wort wie Enteignung.

    Sie sind sogar noch schlimmer und wollen daraus eine Politik machen.

    Fangen Sie an Ihr Geld in Milch zu tauschen und damit Ihre Rechnungen zu bezahlen. Viel Spass...

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  4. @ FDominicus
    Es gibt bereits Schwundgeld, z. B. den erfolgreichen "Chiemgauer". Mehr dazu unter
    www.humane-wirtschaft.de

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  5. Sicher gibt es Schwundgeld - die frage ist nur, welche Währung heute kein Schwundgeld ist! Der € ist Schwundgeld, der $ ist Schwundgeld...

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  6. @Störk
    "die frage ist nur, welche Währung heute kein Schwundgeld ist!"
    Der Krügerrand?

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  7. Sollen die Schwundgeldianer doch mit ihrem Schwundgeld dealen, das wär' mir völlig wurscht, solange ich nicht dazu gezwungen werde. Der freie Währungswettbewerb wird dann schnell zeigen, wie konkurrenzfähig diese Idee ist.

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  8. Wo sind die Vorteile vom Goldstandard?

    1. Es gab auch mit einem Goldstandard Spekulationsblasen.

    2. Es wird sich nicht an diesen Standard gehalten, falls er unpraktikabel ist.

    3. Bei starkem Wachstum kann es zu Deflation kommen.

    4. Man verlagert die Geldschöpfung von den Staaten zu den Minenbesitzern.

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