Donnerstag, 21. März 2013

Rost statt Gold!

von Tommy Casagrande
Unternehmer und Reiche haben soziologisch gesehen wenig Interesse an einem freien Markt. Die geschichtliche Erfahrung zeigte, dass unternehmerische Schichten stets beteiligt waren, wenn es darum ging, sich eigene Pfründe zu sichern und als Nebenwirkung das staatliche Wachstum voran trieben. Am Wettbewerb unter Unternehmern hat eher der Kunde als der Unternehmer ein Interesse. Für den Unternehmer bedeutet ein freier Markt Dienerschaft gegenüber dem Kunden, wohingegen er mit staatlich bedingten Privilegien, Vorteilen oder dem Genuss des behinderten Wettbewerbs aufgrund nicht entstehender Konkurrenten, mehr Einnahmen generieren kann und sich dabei nicht all zu sehr von den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden als Getriebener zu fühlen braucht. Was gäbe es schöneres für einen Unternehmer als den Rang eines Monopolisten einzunehmen? Wenngleich es stets Unternehmer geben wird, die aus idealistischen Gründen sich einer Unternehmung stellen, so gibt es durchaus ein geschichtlich nachweisbares und soziologisch nachvollziehbares Bildnis, in dem Unternehmer den Staat benutzen wie ein Arzt das Skalpell benutzt, um ihre Ziele zu erreichen. Schlicht, weil die Möglichkeit in unserem etatistischen System existiert.
Der Kunde hat in der Regel kein Bedürfnis nach höheren Preisen und einer geringeren Qualität. Er profitiert von einem harten Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen, er profitiert von einer freiwilligen Dienerschaft der Unternehmer an den Bedürfnissen der Menschen. In diesem Spannungsverhältnis sind die Unternehmerschaften besser organisiert und haben mehr Möglichkeiten ihren Einfluss auf staatliche Aktivitäten geltend zu machen. 

Zu sagen, dass die Armen die Gewinner des hiesigen Systems sind, ist soziologisch gesehen nicht möglich. Wären sie Gewinner, wären sie nicht arm. Gewinner zu sein, bedeutet, sich in dem gegebenem Umfeld zu behaupten, in dem menschliches Handeln stattfindet. Das uns gegebene Umfeld ist ein spätetatistischer Zustand, in dem es nicht um Fragen des ob sondern nur des wieviel geht. Diejenigen, die im jetzigen System oben stehen, profitierten de facto von diesem System. Sie haben in einem Umfeld sich behauptet, in dem andere als Verlierer keine Möglichkeit mehr haben, ihre soziale Klasse grundlegend zu verbessern. Insofern ist der Anreiz derer, die in diesem System oben stehen, unter der Annahme von Wahrscheinlichkeiten recht unwahrscheinlich, sich gegen dieses System aufzulehnen. Ausnahmen gibt es jedoch immer. 
Es ist kein moralischer Vorwurf, wenn man einem Gewinner des Systems sagt, dass er sich in einem spezifischem Umfeld bewiesen hat, in dem anderen mit geringerem Kapital, mit weniger guten Startbedingungen, aufgrund staatlicher Regulierungen, Eingriffe, kapitalzerstörungswütender bürokratischer Maßnahmen, die Möglichkeit sich zum Konkurrenten aufzuschwingen nicht gegeben ist. 
Es gilt, den Gewinnern des jetzigen Systems Demut zu lehren, sie stets daran zu erinnern, dass es kein freier Markt ist, in deren Zentrum sie sich selbst und allen anderen etwas bewiesen hätten. Ihr Erfolg wird verzerrt durch die Strukturen, in denen er möglich war. Die heroischen Lobgesänge sollten nicht zu laut geträllert und der Reiche als Übermensch glorifiziert werden. Moralische Vorwürfe sind all jenen zu machen, die aktiv auf die Hilfe des Staates setzen, während sie sich unternehmerisch behaupten oder dies versuchen. 

Den Armen indes gebührt Mitleid, denn trotz des Irrglaubens vieler, dass der Staat ihre Lage wird verbessern können, sind es auch die Privilegien der Unternehmerschichten, die dafür sorgen, dass viele Menschen aus ihrer Armut nicht herauskommen können. Der Arme, der den Staat als Retter seiner Situation erachtet, verbessert seine soziale Lage nicht im Vergleich zu seinen Möglichkeiten, die er in einer freien Gesellschaft mit einer freien Marktwirtschaft ohne Staat hätte. 
Dass er dies nicht erkennt ist eine Tragödie, denn diese Menschen hätten ein Interesse an der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, jedoch der Staat, der vorgibt ihnen zu helfen, sie ebenfalls ausbeutet und gemessen an dem, was sie zum leben haben, sie als erste gesellschaftliche Gruppe in die Gefahr einer gesundheitsschädlichen absoluten Armut bringt, die im Zweifel sogar tödlich sein kann. 
Natürlich lässt sich sagen, sie sind auch selber schuld, wenn sie zu einer parlamentarischen Wahl gehen und ihr Kreuz all jenen geben, die ihre soziale Lage nur ausnutzen. Aber die Wohlhabenden haben auch kein Interesse ihrerseits, die Kräfte der Armen sich frei setzen zu lassen. Die Situation ist verworren, über das eigene Soll-Interesse wissen die wenigsten bescheid. Jedoch das Haben-Interesse bestimmt die Rationalität der klassenbezogenen menschlichen Handlungen. 

Libertarismus ist eine Philosophie für das Zusammenleben von Menschen, gleichgültig der Klassen, in denen sie sich befinden. Doch abhängig davon, in welchen Klassen sich Menschen in einem spätetatistischem System befinden, ist es eine Philosophie zur Befreiung der Armen aus Armut und Leid. Den Reichen noch reicher zu machen, mag nicht das rhetorisch behauptete Ziel staatlicher Konstrukte sein, dennoch, ist es die Folgeerscheinung staatlichen Wirkens, in deren Zangengriffen wir uns befinden. 
Sich auf die Gewinner des Systems zu fokussieren, um darauf zu argumentieren, wozu Freiheit doch gut sei,  bewirkt unter spätetatistischen Bedingungen eine undifferenzierte Sicht gegenüber dem Umfeld, in dem sich Gewinner und Verlierer herausbilden. Diese Differenzierung ist wichtig. Man lernt sie bei Rothbard, man folgt ihr bei Blankertz. 
Der Blick in der Argumentation muss die Verlierer des Systems in den Mittelpunkt stellen. Auf sie hinzuweisen ist die gewissenhafte Aufgabe libertär denkender Menschen. Nicht der Glanz des Goldes sondern der Rost auf einer alten Eisenbahnschiene öffnen uns die Augen über die Strukturen unter denen Menschen leben und handeln.

Kommentare:

  1. "Die geschichtliche Erfahrung zeigte, dass unternehmerische Schichten stets beteiligt waren, wenn es darum ging, sich eigene Pfründe zu sictl eher der Kunde als der Unternehmer ein Interesse."

    Kann mir jemand erklären, was der letzte Nebensatz zu bedeuten hat?

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  2. Lieber Herr Casagrande,
    so sehr ich dem Anliegen dieses Blogs beipflichte, muss ich doch feststellen, dass die Qualität ihrer Artikel immer weiter nachlässt. Der hier vorliegende ist ein Beispiel dafür, und Sie müssen gestehen, dass er als Hausarbeit abgegeben die beste Möglichkeit wäre, diese unkorrigiert und nicht bestanden wieder zurückzuerhalten. Ich bitte Sie in Ihrem eigenen Interesse darum, ihre Texte besser zu überarbeiten.

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  3. Ich muss hier Herrn Casagrande in Schutz nehmen, die zwei groben Fehler, in denen es zu Verschneidungen von Sätzen kam, gehen auf meine Kappe. Gab wohl einige Probleme beim Kopieren und Korrigieren, kann mir den Fehler nicht wirklich erklären. Ich bitte um Nachsicht.

    Liebe Grüße,

    Tomasz

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  4. "25 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Obersten haben Gewalt. 26 So soll es nicht sein unter euch. Sondern, so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener; 27 und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht, 28 gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele." (Matthäus 20:25-28)

    Ein Sinn des Lebens ist unter anderem, herauszufinden, dass der Mensch nicht fähig ist, sich gerecht zu regieren - ganz egal welche Staatsform. Erst wenn wir die Regierung Gott allein übergeben, wird Frieden einkehren.

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  5. Eine "libertäre Welt" kennt keine Regierungen mehr und schon gar keine göttlichen. Religionsgemeinschaften sind dann Vereine mit freiwilligen Mitgliedern, welche im Bereich der Zustimmung tun dürfen, was immer sie für richtig halten.

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  6. "Eine "libertäre Welt" kennt keine Regierungen mehr und schon gar keine göttlichen."

    Eine Utopie?

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  7. Sondern, so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener; und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht,

    => so funktioniert Kapitalismus in Reinkultur: wer allen anderen Dinge andient, die diese wertschätzen (sei es die Wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln bei ALDI oder gute Musik von Michael Jackson) der wird damit stinkreich.

    Natürlich hat ALDI auch jahrzehntelang vom Landenschlußgesetz profitiert und Michael Jackson vom "Copyright". Aber im großen und ganzen kam der reichtum doch von zufriedenen Kunden und nicht vom Staat.

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