Montag, 18. Februar 2013

Über das amerikanische Nordstaaten-Prinzip

Zentralismus statt
Unabhängigkeit: Lincoln.
von Tommy Casagrande
Das Amerika der Gründervater war ein Land, das wie keines zuvor in seiner Geschichte so vielen Begrenzungen der Staatsausweitung unterworfen war. Die Bundesstaaten waren weitgehend autonom und unabhängig von Washington. Nachdem Amerika seinen Unabhängigkeitskrieg gegen England gewonnen hatte, galt Amerika als Geburtsland der institutionalisierten Freiheit. Doch schon bald kamen jene wieder hervor, deren Absicht es war, die alte Ordnung aus Privilegierten und Unterprivilegierten zu rekonstruieren. 

Bevor es zum amerikanischen Bürgerkrieg kam gab es relativ gesehen viel Freiheit in Amerika. Im Süden, mit Ausnahme der Sklaverei, wohl sogar ein wenig mehr als in den Nordstaaten, die Washington erlaubten, politischen Einfluss zu nehmen in jene autonome Bundesstaaten, die sich die Menschen zuvor durch ihren Kampf gegen die Engländer erkämpft hatten. 

Kaum dass die Amerikaner die englische Fremdbestimmung bekämpften, entleerten sie ihren Sieg jeden Sinnes, indem sie ihre bundesstaatliche Unabhängigkeit gegen die Fremdbestimmung von Washington eintauschten.

Die Sklaverei der Südstaaten war ein nicht-libertärer Zustand, eine inkonsequente Haltung jener Menschen, die im übrigen an der individuellen Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Bundesstaaten festhielten. Die Sklaverei war eine Idiotie, eine Dummheit, eine Verleugnung der ansonsten erstrebenswerten Freiheitsprinzipien. 

Diese schäbige Sklaverei der Südstaaten gab Lincoln in Washington die Möglichkeit, die Befreiung der Sklaven, die Idee eines geeinten freien Amerikas, im Volk zu säen. Dabei war es jedoch nur ein willkommener und vorgeschobener Grund, um letztlich alle Bundesstaaten ihrer Autonomie und Unabhängigkeit berauben zu können. 

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es Informationen darüber gibt, über die ich leider noch kein Buch in deutscher Sprache finden konnte, welche besagen, dass Lincoln durch eine wirtschaftliche Blockadepolitik den Wohlstand der Nordstaaten unter den der Südstaaten senkte, da sich die Südstaaten nicht an der Blockadepolitik beteiligen wollten und weiterhin ihren Wohlstand fördernden Freihandel mit der restlichen Welt betrieben. Leider sind mir diese Informationen nur durch Hörensagen bekannt geworden und eine ausführliche Auseinandersetzung mit diesem Thema findet der geneigte Leser wohl eher bei amerikanischer libertärer Literatur. 

Viele tapfere Soldaten die für die Ideen der Freiheit, wie sie Lincoln behauptete zu verfolgen, starben, sind für ihren eigenen Glauben an die Worte Lincolns gestorben. Denn wenn Lincoln daran geglaubt hätte, dass Freiheit das höchste Gut ist, hätte er gar keine Politik betreiben dürfen. Denn jede Politik beruht auf dem Prinzip, sich in das Leben anderer Menschen einzumischen. Darüber, dass Lincoln die Macht Washingtons jedoch gebrochen hätte, ist nichts bekannt. Im Gegenteil: Er benutzte die Idee der Freiheit, um die bundesstaatliche Autonomie der Südstaaten, welche laut Verfassung gegeben war, zugunsten der zentralstaatlichen Machtfülle Washingtons zu brechen.

Der Denkfehler der Anhänger des nordstaatlichen Freiheitsprinzips ist folgender:
Wenn es irgendwo auf der Welt ungerechte Zustände gibt, dann muss die Nordstaatenarmee dort hingehen und diese Zustände beenden. Das ist die Mentalität der Weltpolizei. Frieden wird mit Krieg gebracht, Freiheit wird durch Bomben und Raketen gebracht, Demokratie lässt sich durch Gewalt erzwingen. 
Warum nur den Süden befreien? Warum nicht die gesamte Welt?
Doch am wichtigsten ist vielleicht jene Frage, die so nahestehend scheint, dass man sie leicht übersieht: Warum nicht sich selbst befreien?
Und anders gedacht: Hätten nicht auch die Vertreter der Unfreiheit dasselbe Recht, prinzipiell, ihre Unfreiheit jedem auf der Welt aufzuzwingen?
Doch vielleicht sind jene, die der Welt vorgeben Freiheit zu bringen und jene, die vorgeben Unfreiheit zu bringen, dieselben?
Gewalt zu initiieren ist kein befreiender Zustand, denn er kopiert die Methode, mit der die Unfreiheit geschaffen wurde. Gewalt abzuwehren, sich zu verteidigen ist ein freiheitsbewahrender Akt. Doch nur all zu gern wird Gewalt zu initiieren damit verwechselt sich selbst zu verteidigen. Und noch öfter wird eine Gewaltinitiierung damit gerechtfertigt, eine Verteidigung zu sein.

In Wahrheit führt das Nordstaaten-Prinzip dazu, so lange mit der Welt Krieg zu führen, bis alle weltlichen Zustände den Nordstaaten genehm sind. Eine leider sehr blutige Tragödie, die letztlich auch nur durch einen Steuergeld raubenden, mit staatlichem Fiat Money operierendem Zentralstaat möglich ist. 

Und ist es nicht Faktum, dass der amerikanische Zentralstaat als Steuergeld raubendes zentralstaatliches Rattenloch viel Leid in die Welt transportiert sowie Hass und Vorurteil gegenüber Kapitalismus und Freiheit verursacht hat? Die wenigsten Menschen machen zwischen den Begriffen "USA und Kapitalismus" sowie "USA und Freiheit" einen Unterschied. USA und Kapitalismus sind zwei verschiedene Dinge. Genauso sind USA und Freiheit zwei verschiedene Dinge. Verständlicherweise sind viele Menschen der Meinung, dass Kapitalismus schlecht ist, wenn er jenes System repräsentiert, welches die USA verkörpern, doch das ist kein freier Markt und kein Kapitalismus. Zudem haben viele Menschen recht, wenn sie jene Freiheit nicht haben wollen, die sie mit den gesellschaftlichen Zuständen der USA identifizieren. Doch die USA sind kein Ort, an dem die individuelle Freiheit heiligen Schutz genießt.

Selbst wenn die USA den Mythos der Freiheit darstellen, so sind sie kein Ort der Freiheit mehr. Sie sind auch kein Ort des Kapitalismus. Sich nach dem Nordstaaten-Prinzip mit initiierender Gewalt in anderer Menschen Belange einzumischen, haben sie nicht nur der Welt als mahnendes und abschreckendes Beispiel gedient. Sie haben leider auch ihr eigenes Land vollkommen ruiniert. Moralisch und wirtschaftlich.

Die größte Moral ist die Freiheit. Wenn jeder Mensch jeden Menschen leben ließe wie er möchte, gäbe es weitaus weniger Konflikte auf unserer schönen Erde. 

Das Nordstaaten-Prinzip hat nicht funktioniert, weil es mit Freiheit nichts zu tun hatte. Freiheit war nur der Köder, der die Idealisten ihr Herz und ihr Leben opfern ließ. Doch wie sehr fehlen heute Idealisten! Wie sehr mangelt es unserer Welt an einer aufrechten, moralischen Ideologie! Wie sehr mangelt es an konsequenten, unbeirrbaren, festen Standpunkten! Radikalismus bedeutet, an der Wurzel zu sein. In diesem Sinne gibt es nur sehr wenige Menschen, die in einer Idee verwurzelt sind. Leidenschaftslos, geistlos, ehrlos, sinnlos sind viele Menschen geworden, sodass man nach einem Tag unter Menschen kaum umhin kommt, eine Gesellschaftskritik nach der anderen nieder schreiben zu wollen. Wichtig ist, dass man begreift, dass in den Menschen etwas besseres steckt als das, was wir sehen und erleben. Es dringt bloß nicht aus ihnen heraus, weil die Bedingungen, unter denen sie sich verhalten, ihre strahlende Natur zugunsten der seelischen Abstumpfung verwelken lassen.

Wir Menschen ähneln dem trockenem Holz, dem zum Brennen nur der Funke fehlt. Manchmal aber auch, wenn es den Funken geben könnte, kommt uns der Regen dazwischen, der das Brennen verhindert.

Freiheit ist die Voraussetzung aller Tugenden. Und Tapferkeit ist die Voraussetzung, um in einer unfreien Welt seine Stimme zu erheben. Das Gewissen stellt die Bedingung dieser Tapferkeit dar, denn ohne Überzeugungen verliert sich schnell der Mut. Erkenntnis im Antlitz der Wahrheit bietet Wissen, aus dem das Gewissen folgt. Die Einsicht, dass es eine Wahrheit gibt, die sich vom Unwahren unterscheidet, führt zu jener Eigenschaft, die einen Menschen antreibt. Man nennt sie Neugier. Bezweifle ich bereits, dass es eine Wahrheit gibt, so beruhen meine Handlungen als Mensch auf den Annahmen, die andere Menschen mir vorgeben. Und nicht selten basieren die Annahmen anderer Menschen auf der Überlegung, dass sie diese Annahmen notfalls auch mit Gewalt durchsetzen können. Dass Gewalt zu initiieren falsch ist, wäre dabei die tiefste Einsicht, welche wiederum die Akzeptanz des Wahrheitsbegriffes voraussetzt.

Dem Nordstaaten-Prinzip mangelt es nicht am Glauben zur Wahrheit, sondern der Erkenntnis, dass ich der Wahrheit nicht näher komme, wenn ich Gewalt benutze um die Welt zu verbessern.

Wenn wir alle dies erkennen würden, wären wir alle endlich frei.

Kommentare:

  1. Ganz herzlichen Dank an Herrn Cangrande. Ich konnte diese "Verehrung" für Lincoln niemals verstehen. Genauso wenig wie für J.F. Kennedy (BTW).

    Die Zentralisten und Etatisten fanden und finden leider viel zu oft Ihren Weg. Unterdrückung liegt Ihnen im Blut und offenbar vielen auch der Wunsch unterdrückt zu werden. So nach dem christlichen Motto, der Mensch ist grundsätzlich böse und nur der weisen Vorraussicht der Bürokraten ist es zu verdanken, daß wir uns nicht schon lange gegenseitig masakriert hätten. Der "civil war" hatte mit "civilized" wenig zu tun.

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  2. Der Grund für den Bürgerkrieg ist in der Tat ein wirtschaftspolitischer. Zum einen waren die damaligen Republikaner zur Interessenpartei der Großindustrie und Banken der Nordstaaten geworden. Was lieben diese Branchen ganz besonders? Richtig, Zentralismus! Das Ziel des Präsidenten war es, die USA mehr zentral zu steuern, ganz nach dem Willen dieser Branchen. Der Grund hierfür war, dass die Südstaaten ihren Handel mit Industriegütern mit den Europäern betrieben, welche bessere und günstigere Produkte als die Nordstaaten hatten. Die Industrie des Nordens war das ein Dorn im Auge, weshalb Zölle eingeführt wurden, welche die Südstaaten "zwang", beim Norden zu kaufen. Der Süden merkte, dass man ihn ausbeuten und dessen Souveranität beschneiden wollte, folglich kam es zum Krieg. Das Interessante war, dass England und Frankreich den Süden aus machtstrategischen Gründen (Kolonien) unterstützen wollte, es fanden Mobilisierungen in Kanada statt. Der Süden hätte gewonnen, wäre eines nicht passiert. Die Russen schalteten sich ein, da sie in Europa mit den Engländern und Franzosen ein Ringen um die Vorherrschaft betrieben. Der Zar sandte die Pazifikflotte seiner Marine nach Amerika und deckte dadurch die Nordstaaten. Frankreich und England, welche offiziell nichts mit dem Süden zu tun hatten, konnten sich einen offenen Konflikt mit der Union und den Russen nicht erlauben und leisten. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Der Süden war vor dem Sieg, der Union mangelte es an finanziellen Mitteln und motivierten Soldaten. Lincoln betrug einfach, indem er eigenes Geld drucken ließ (nachdem er einen Kredit mit hohen Zinsen ablehnte), welches als "Greenback" in die Geschichte eingehen sollte . Er zog nun die Sklavenfrage in den Mittelpunkt und wollte dadurch (wie sich später herausstellte sehr erfolgreich) die Union als Kämpfer der Freiheit dastehen lassen. Seine Anordnung, demonstrierende Bürger zu Hauf erschießen zu lassen, scheint heute keinen mehr zu interessieren. Nachzulesen ist das Ganze im Buch "Die Kreatur von Jekyll Island" von Edward Griffin.

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  3. Der Bürgerkrieg war wohl in erster Linie ein Sezessionskrieg, und man sollte diese Bezeichnung wieder einführen. Die Abspaltung des Südens galt es zu verhindern, weil der Norden materiell vom Süden profitierte, der Süden wollte (man denke nur an Bayern, BW und Hessen)nicht zugunsten des Nordens zur Ader gelassen werden.

    Ich denke, Lincoln war die Sklaverei im Süden ursprünglich schnuppe. Erst als die Gefahr bestand, daß England an der Seite des Südens in den Krieg eintritt, machte er den Krieg zu einem Befreieungskrieg. Unter dieser Voraussetzung hätte es sich niemand in Europa mehr leisten können, Partei für den Süden zu nehmen.

    Der kluge Schachzug eines Zentralisten also. Dennoch wird man umgekehrt nicht behaupten können, man könne von der Sklaverei absehen, wenn man die "Liberalität" des Südens beurteilen will.

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