Donnerstag, 14. Februar 2013

Österreichische Schule und Mathematik - zwei Gegensätze


von Tommy Casagrande
Manche Menschen sind der Meinung, dass die Österreichische Schule der Nationalökonomie sehr viel zu leisten im Stande sei, doch sie sollte sich ,,weiterentwickeln" und ,,öffnen" für Methoden, die den Mainstream auszeichnen, obgleich es jene Methoden sind, die den Mainstream scheitern lassen.

Dass ich derlei Forderungen für unsinnig erachte, möchte ich aus folgenden Gründen darlegen, die ich recht kurz halten werde:

1. Wahrheit entwickelt sich nicht unendlich weiter. Es wäre ein Irrglaube zu meinen, Erkenntnisse, die sich auf der Suche nach Wahrheit befinden, entwickeln sich weiter und nehmen niemals ein Ende. Ein Beispiel: Wenn ich weiss, dass initiierende Gewalt falsch ist, dann gibt es keine weitere Entwicklung mehr. Sie wird auch in zehntausend Jahren falsch sein. Wenn ich weiss, dass Selbstbestimmung gegenüber Fremdbestimmung zu bevorzugen ist, dann ist das auch in zehntausend Jahren noch richtig und es gibt keine tieferen Einsichten darüber.

2. Mathematik kann individuelles Handeln und individuelle Konsequenzen nicht abbilden. Sie kann die Spontanität des Lebens nicht erfassen. Im Bereich menschlicher Handlungen ist Mathematik nicht sinnvoll, da Mathematik eine statische Wissenschaft ist. Das menschliche Leben indes ist dynamisch. 

3. Wenn man die Absicht hat, so wie es Voluntaristen im Sinn haben, eine staatenlose Gesellschaft zu gründen, und sich auf die Erkenntnisse der Österreichischen Schule dabei stützen, dann wäre es vermutlich nicht nur sinnlos, dabei auf eine mathematische Methode zurück zu greifen, sondern es wäre ein Studium darüber, wie man eine Volkswirtschaft steuert; bereits Unsinn, weil dieser Begriff der Volkswirtschaft ein kollektivistischer Begriff ist. Es handeln jedoch stets Individuen. 

4. Gerade weil die Österreichische Schule sich nicht den unsinnigen Methoden des Mainstream öffnet, bewahrt sie ihre logische Stringenz. Ein weiser Satz lautet: Wer sich nach allen Seiten hin öffnet, der ist nicht mehr ganz dicht.

Kommentare:

  1. Super Beitrag!
    Danke für den kurzen aber prägnanten Appell!

    Die sog. Weiterentwicklung der Austrian School wurde von Rothbard und wird von Hoppe heute wunderbar vorangetrieben.
    Die logische konsequenz der Praxeologie ist Libertarismus. Und damit eine libertäre Welt möglich ist mit freien Individuen, ist die Privatrechtsgesellschaft eine sehr beachtenswerte Alternative.

    Ich denke Sie haben den Beitrag aufgrund des Artikels vom LVMI Deutschland (Warum die Österreichische Schule mehr denn je gebraucht wird) geschrieben. Den zweiten Teil zur "Weiterentwicklung" hat mich auf jeden Fall irritiert. Umso spezieller dass die auf der offiziellen Page des LVMI gepostet wird.

    Grüsse

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  2. "1. Wahrheit entwickelt sich nicht unendlich weiter."
    Das setzt vorraus, dass man weiß was die Wahrheit ist. Da Wahrheit immer subjektiv ist, kann man sie immer hinterfragen und sollte es auch. Selbst wenn man 10000 Jahre auf das gleiche Ergebnis kommt.

    "2. Mathematik kann individuelles Handeln und individuelle Konsequenzen nicht abbilden. Sie kann die Spontanität des Lebens nicht erfassen. Im Bereich menschlicher Handlungen ist Mathematik nicht sinnvoll, da Mathematik eine statische Wissenschaft ist. Das menschliche Leben indes ist dynamisch. "

    Wenn man diesen Absatz ließt, dann weiß man das sie wenig Ahnung von Mathematik haben. Das Problem sind nicht die mathematischen Beschreibungen, sondern die Modellannahmen. Mathematik funktioniert wie jedes andere Logikkonstrukt. Wenn man sagt, dass Mathematik niemals das menschliche Handeln qualitativ (statistisch) abbilden kann, dann kann es auch keine ökonomische Schule (auch nicht die österreichische). Das Mathematik statisch ist, ist auch falsch.

    "Volkswirtschaft ein kollektivistischer Begriff ist.
    Es handeln jedoch stets Individuen."
    Das ist richtig. Sie als Mensch bestehen aus Zellen und sind aber keine Zelle, sondern ein Mensch.
    Die Summe aller Teile kann etwas anderes hervorbringen. Diese Zusammenhänge zu verstehen ist sehr wichtig. Hätte man sich immer auf den Standpunkt der Komplexität und der daraus resultierenden Nichtdurchführbarkeit zurück gezogen, dann würden wir heute viele Technologien und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht erreicht.
    Dabei heißt verstehen noch nicht einmal steuern. Hinzu kommt, dass man selbst chaotische, unvorhersehbare Systeme regeln kann. Jeder der Auto fährt weiß das. Regeln und Steuern sind zwei verschiedene Dinge.

    "4. Gerade weil die Österreichische Schule sich nicht den unsinnigen Methoden des Mainstream öffnet, bewahrt sie ihre logische Stringenz."
    Siehe oben. Wenn sie der Mathematik die Modellbildung absprechen, dann gilt das auch für die österreichische Schule. Sie müssen Annahmen treffen, um logisch stringent zu argumentieren.
    Einige Annahmen sind
    das Marktergebnis immer besser ist als ein staatsgesteuertes,
    Existenz eines natürlichen Zins, rationales Handeln der Marktteilnehmer,
    Vollständigkeit der Informationen, alle Märkte verhalten sich gleich,
    Sparen führt zu Investitionen,
    die Summe egoistischer Entscheidungen führt zu einem optimalen Ergebnis.

    Viele dieser Annahmen sind durch psychologische Untersuchungen, empirische Analysen, geschichtliche Auswertungen in Teilen widerlegt worden. Somit sind sie nicht universell und eine logisch stringente Wahrheit lässt sich für die reale Welt nicht ableiten.

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  3. Herr Casagrande hat die österreichische Schule in wenigen Sätzen sehr gut nachvollziehbar zusammengefasst! Toller Beitrag!

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  4. Auch von mir: Schönes Plädoyer! für die ökonomische Richtung, die mit Abstand die besten Werkzeuge hat um sämtliche Ursachen der aktuellen Wirtschafts- und Gesellschaftskrise zu erkennen und entsprechende Lösungen anzubieten. Danke für diesen Post!

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  5. Es ist eben genau die Praxeologie, die als eine Gesamtwissenschaft betrachet werden muss. Die Nationalökonomie ist nur ein Teilgebiet daraus. Unter diesem Gesichtspunkt ist und bleibt die Austrian School ein Gegensatz zur Mathematik. Sehr wichtig!

    Ludwig von Mises hat es sehr schön auf den Punkt gebracht:
    In diesem Subjektivismus unserer Lehre (der Praxeologie) liegt auch zugleich ihre Objektivität.
    Weil sie subjektivistisch gerichtet ist, weil ihr jedes Werturteil eines handelnden Menschen als gegeben und keiner weiteren Kritik unterworfen erscheint, ist sie über alle Parteiungen und Parteikämpfe erhaben, ist sie selbst ohne Weltanschauung und ohne Moral, ist sie objektiv, wertfrei, voraussetzungslos, ist sie allgemeingültig und schlechthin «menschlich».

    Mehr zur Praxeologie hier:
    https://wertfreiheit.wordpress.com/2013/01/21/praxeologie-der-mensch-im-mittelpunkt/

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  6. Schließe mich dem Vor-Kommentierer uneingeschränkt an:

    Es ist genau DER Tatbestand der Herausragende, dass die "österreichische Schule" im Gegensatz zu ALLEN Mainstream-Ökonomien (wichtig: darunter fällt auch der Neoliberalismus!) eben DIE Subjektivität eines jeden Menschen und somit auch seiner SUBJEKTIVEN Wahrheiten zu Grunde legt und eben KEINE rational handelnde Menschen bzw. mathematische Annahmen als Voraussetzungen gegeben sieht.

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  7. "Es ist genau DER Tatbestand der Herausragende, dass die "österreichische Schule" im Gegensatz zu ALLEN Mainstream-Ökonomien (wichtig: darunter fällt auch der Neoliberalismus!) eben DIE Subjektivität eines jeden Menschen und somit auch seiner SUBJEKTIVEN Wahrheiten zu Grunde legt und eben KEINE rational handelnde Menschen bzw. mathematische Annahmen als Voraussetzungen gegeben sieht."

    Das ist ein Widerspruch. Denn genau diese Aussage lässt sich mathematisch beschreiben. Kein rational handelnder Mensch ließe sich z.B. als zufällig handelnder Mensch beschreiben. D.h. alleine diese Annahme ist eine subjektive Wahrheit, da sie sich kaum Beweisen lässt.
    Bezüglich des Fakts, dass Annahmen existieren, unterscheidet sich die österreichische Schule nicht von den anderen ökonomischen Schulen. Die Annahmen mögen unterschiedlich sein, aber sie sind vorhanden (nicht Vorhersagbarkeit, Nichtsteuerbarkeit der Märkte, irrationales Handeln von Akteuren,etc.).

    Das heißt nicht, dass man durch diese Annahmen etwas vorhersagen kann.

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