Dienstag, 5. Februar 2013

Freiheitskeime bereichern das Leben!

Henning Lindhoff (Hg.): Freiheitskeime
2013. Ein libertäres Lesebuch, Books
on Demand, Norderstedt 2012, 203 S.,
12,90 Euro. 
von Dr. Michael von Prollius
Die erste Saat der Freiheitskeime ist aufgegangen! Und wer klug wirtschaftet kann im folgenden Jahr mit einer größeren Ernte rechnen. Henning Lindhoff hat das getan: die Seitenzahl hat sich fast verdreifacht und neben ihm bestellen noch 14 weitere Autoren mit insgesamt 25 Beiträgen den Boden der Freiheit.

Nachdenken und vordenken sind die beiden Kategorien, in die sich die Masse der Beiträge einordnen lässt – nachdenken über Ungerechtigkeit, Gewalt und Zwang in Wirtschaft und Gesellschaft, vordenken für eine freiere, vertraglich geregelte, weitaus weniger etatistische oder sogar staatsfreie Gesellschaft. Die Themen reichen von der Aufhebung des Gewaltmonopols über die Legalisierung von Drogenkonsum und Rauchen bis zu einer freien Schulwahl als Teil einer Privatisierung aller staatlicher Dienstleistungen. Demokratiekritik, Lob der Anarchie und Privatrechtsgesellschaft sowie Parallelgesellschaft sind die Schlagworte für vorgedachte Utopien. Hinterfragt werden auch Antikonzentrationspolitik, Klimapolitik, das Diktum der bösen Spekulanten und mancher etablierte Marx.

Hervorgehoben sei statt anderer der Beitrag über Singularität, Privatrechtsgesellschaft und Kryptoanarchie. Die dort skizzierte technische Revolution mit 3D-Druckern und der Verbindung von menschlichem Gehirn mit digital gespeichertem Wissen birgt echtes Revolutionspotenzial. Nicht alles wird sich so schnell entwickeln und Wissen ist nicht mit anwendbarem Wissen identisch. Gleichwohl ist eine Parallelgesellschaft, die nicht verboten werden kann, weil sie technisch überlegen ist und mit eigenem Geld und gesicherter Kommunikation existiert, ein greifbarer Ausweg, der sogar ohne Territorium auskommt. Grundsätzlich dürfte ein Schlüssel zur Freiheit in der Etablierung von Parallelgesellschaften innerhalb bestehender Gesellschaften liegen. Das gilt umso mehr, weil der Wunsch nach dem Staat (wieder) so unerträglich ausgeprägt ist.

Wenn Sie wissen wollen, wie Freiheit und Wahrheit in der Kindheit zum Gegensatz werden, dann ist das psychotherapeuthische Kapitel „Der lange Arm der frühen Zeit“ erhellend. Manches ist mit viel Humor gelungen, etwa die Dokumentation über die praktizierte CO2-Demokratie in Doha. Lesenswert, weil konsequent nach- und weitergedacht ist auch der Beitrag über die Antikonzentrationspolitik. Das gilt auch für die Aufhebung des staatlichen Dienstleistungsmonopols durch Gutscheine, für die es eine Steuererstattung gibt, sobald der Preis des Staates über dem der in Anspruch genommenen privaten Dienstleistung liegt. Grundsätzlich gilt wie bei so vielen libertären Argumentationen: mehr Empirie macht aus klugen Überlegungen einen argumentativen Knaller!

Über manches lässt sich trefflich und mit Gewinn streiten: Lassen sich Drogenkonsum und seine Folgen auf die Privatsphäre beschränken? Kann einem Hamster das Selbsteigentum abgesprochen werden? Werden die relevanten Fragen beim Schleifen des Gewaltmonopols berücksichtigt? Wäre eine Welt ohne Schulpflicht lediglich eine dogmatisch freiere oder auch eine praktisch bessere Welt? Halten alle Spekulationen die Wirtschaft zusammen?

Vieles lässt sich nicht so einfach beantworten, wie manche stringente Argumentation insinuiert. Und genau das ist der Reiz der Freiheitskeime. Sie sind nicht glatt und perfekt geschliffen, sondern sehr individuell, eigen und unangepasst. Das ist großartig! Das rockt, nicht nur weil bei der Lektüre in der S-Bahn die Wagen wackeln. Es ist einfach erfrischend frei.

Bestellen bei Buchausgabe oder Amazon.
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Dr. Michael von Prollius ist Publizist und Gründer von Forum Ordnungspolitik, Senior Fellow beim Berlin Mahattan Institut und Mitbegründer des "Liberalen Privatseminars in der Tradition von Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek".

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