Montag, 4. Februar 2013

,,Antifaschistische'' Gewaltkultur

von Tomasz M. Froelich
Von der Marxistin und dezidierten Antimilitaristin Rosa Luxemburg stammt der berühmte Satz ,,Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden''. Selbsternannte ,,Antifaschisten'' der Gegenwart berufen sich immer wieder auf diese einflussreiche Theoretikerin des Marxismus - und treten dabei die von ihr propagierten Ideale im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen. Militant gegen Andersdenkende - das hätte Rosa Luxemburg gar nicht gefallen. Und doch scheint ein solches Vorgehen beim militanten Teil der selbsternannten ,,Antifaschisten'' zum Usus geworden zu sein, wie man es unlängst rund um den am Freitag abgehaltenen Wiener Akademikerball in der Hofburg beobachten konnte.

Zur Vorgeschichte
Der inoffizielle Vorgänger des Wiener Akademikerballs war der Wiener Korporations-Ball. Dieser wurde vom  Verein ,,Wiener Korporations-Ring, Ballausschuss – Verein für Brauchtumspflege'' organisiert. Ziele des Vereins sind, neben der Organisation des Balls, die Förderung des akademischen Nachwuchses, etwa durch die Vergabe von Leistungsstipendien. Die Mitglieder des Vereins kommen aus unterschiedlichsten Studentenverbindungen aller Art in Österreich und Deutschland.
Erstmals veranstaltet wurde der Ball am 4. Februar 1952. Seit dem 16. Ball war, bis auf das Jahr 1987, die Hofburg der Veranstaltungsort. Zu den Besuchern zählten Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.  Der Ballausschuss war parteipolitisch ungebunden, die Besucher kamen aus vielen verschiedenen politischen Richtungen.

Im Jahre 2012 fand der Wiener Korporations-Ball zum letzten Mal statt. Dies lag zum einen daran, dass sich die Hofburg-Betreibergesellschaft dem von den Ballgegnern ausgeübten politischen Druck beugte, zum anderen an den Gewaltexzessen rund um den Ball, die aus den Protesten der Ballgegner hervorgingen. Diese sahen in dem Wiener Korporations-Ball einen Treffpunkt der rechtsextremen Szene aus dem In- und Ausland, sodass sie sich genötigt sahen, diesen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern.

Vom Wiener Opernball und dem Fourier-Komplex
Die organisierte Gewalt solcher Ballgegner richtete sich übrigens erst seit wenigen Jahren gegen den Wiener Korporations-Ball und seine Besucher. Zuvor war es stets der Wiener Opernball, der im Visier der ,,sozialistischen'' Weltverbesser stand: seit 1968 - das Jahr ist kein Zufall! - nutzten Sozialisten verschiedener Couleur den Opernball als Parkett, um dort ihren antikapitalistischen Tanz aufzuführen. Die Gründe für solch ein unreflektiertes Verhalten der Sozialisten hat niemand treffender beschreiben können als Ludwig von Mises: 
,,Ressentiment ist im Spiele, wenn man jemand ob seiner günstigeren Verhältnisse so sehr haßt, daß man bereit ist, selbst schwere Nachteile auf sich zu nehmen, wenn auch nur der Verhaßte dabei zu Schaden kommt. Gar manche, die den Kapitalismus bekämpfen, wissen sehr wohl, daß ihre Lage unter jedem anderen Wirtschaftssystem weniger günstig sein wird; sie treten aber in voller Erkenntnis dieses Umstandes für eine Reform, z.B. für den Sozialismus ein, weil sie hoffen, daß auch der von ihnen beneidete Reiche darunter leiden wird. Oft und oft kann man von Sozialisten die Äußerung hören, auch materielle Not werde in der sozialistischen Gesellschaft leichter zu tragen sein, weil man das Bewußtsein haben werde, niemand habe es besser.''
Mises nannte diese schwere Erkrankung des Nervensystems, diese Neurose, nach dem französische Sozialisten, den Fourier-Komplex. Sozialisten hassen es, wenn es Menschen gibt, die schöner, reicher und klüger sind. Das weckt bei ihnen gekränkten, nahezu kindischen Neid. Sie sind Gleichheitsfetischisten, koste es, was es wolle. Ihr inoffizieller Leitspruch lautet: ,,Für alle wenig, aber dafür gleich viel''. Wahrlich ein Steinzeitdenken, von der historischen Realität längst ad absurdum geführt und dennoch in vielen verwirrten Köpfen stets fest verankert.

Die großen antikapitalistischen Proteste rund um den Wiener Opernball blieben in den letzten Jahren jedoch aufgrund verstärkter Polizeipräsenz bescheiden, sodass sich das sozialistische - und teils militante -  Berufsdemonstrantentum fortan auf den Wiener Korporations-Ball konzentrierte, der ja nun Geschichte ist.

Wiener Akademikerball und sozialistische Gewalt
Um den traditionellen Wiener Korporations-Ball zumindest inoffiziell am Leben zu erhalten und die Hofburg als Veranstaltungsort nicht zu verlieren, wurde 2012 die Organisation des Balles von der Wiener Landesgruppe der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) übernommen. Der Wiener Korporations-Ball wurde dabei in Wiener Akademikerball umbenannt und fand am 1. Februar 2013 zum ersten Mal statt.

Verschiedene sozialistische Gruppen riefen zum Protest auf, da sie in dem Ball einen Treffpunkt der rechtsextremen Szene aus dem In- und Ausland, einen ,,bösen Naziball'', sahen. Eine Fehleinschätzung! Sicherlich waren auf dem Ball überwiegend Konservative,  Burschenschaftler, auch Nationalisten, aber auch sehr viele politisch Gemäßigte und sogar Unpolitische anwesend. Jeder hätte den Ball besuchen können. Auch ich war vor Ort. Es wurde getanzt, gefeiert, diskutiert. Wirklich politisch war der Ball nicht.

Doch dies ist dem einfach gestrickten Hirn eines wackeren Linken egal. Dieser braucht klare Verhältnisse und ab und an ein bisschen Action: Er ist auf der Seite des Guten, Wahren und Schönen, und alle, die ihm widersprechen, müssen demzufolge auf Seiten des Bösen stehen. Und das politisch einzig allseits als das Böse Anerkannte ist nun einmal auf der äußersten Rechten zu finden, sprich: bei den Nazis. Roland Baader schrieb über die Methode der Linken:
,,Da die Erziehung eines ,,neuen Menschen'' in allen Formen und Systemen des Sozialismus gescheitert ist, versucht man es jetzt auf dem Umweg Anti-Rechts und Antifaschismus (gleichgesetzt mit Antirassismus), indem man diese Begriffe so weit auslegt, daß in Europa jeder Konservative, jeder Patriot und jeder Gegner einer uferlosen und ungeregelten Einwanderung und jeder Gegner eines schrankenlosen Multikulturalismus und eines unbschränkten Sozialstaates - kurz: jeder Nicht-Linke - als Rassist oder Rechtsradikaler bezeichnet werden kann.'' 
Und um die Action-Komponente nicht zu vernachlässigen, wird fleissig demonstriert und randaliert. Sind ja nur alles Nazis! Da bedarf es keines politischen Diskurses, da ergötzt man sich lieber an den eigenen, ,,gerechtfertigten'' Gewalteskapaden gegenüber politisch Andersdenkenden.
Wie beim Wiener Akademikerball: große Teile des 1. Wiener Gemeindebezirks wurden aufgrund der von den Ballgegnern (zu denen auch ein militanter Teil der deutschen Antifa gehörte) zu erwartenden Gewalt abgesperrt. Für viele Ballbesucher kam die Anfahrt zur Hofburg einem Spießrutenlaufen gleich: Sie wurden bespuckt, geschlagen, mit Farbbeuteln beworfen und mit Pfefferspray besprüht. Symptomatisch hierfür ist ein Video, das seit einigen Tagen im Internet kursiert: Ein älteres, sich auf dem Weg zum Ball befindendes Paar wird von gewaltgeladenen Demonstrantenmassen herumgeschubst und angespuckt, die vom Steuerzahler zwangsfinanzierte Polizei schaut dem Schauerspiel nur zu. Um dieser Dreistigkeit noch die Krone aufzusetzen brüllt der wütende Mob ,,Wir sind friedlich, was seid ihr?'' Mein türkischer Taxifahrer echauffierte sich über diese ,,demonstrierenden Idioten, die ihm das Geschäft kaputt machen''.

Die Vertreterin der Österreichischen Hochschülerschaft vor
dem Schwarzen Block
Die Gedanken sollten frei sein!
Heinz-Christian Strache, Bundesparteiobmann der FPÖ, verglich solche Szenen schon im letzten Jahr mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. Sicherlich ein gewagter und übertriebener Vergleich, dessen Botschaft aber deutlich machen soll, dass wir schon heute in einer Meinungsdiktatur leben, in der man gewisse Meinungen nicht äußern darf, ohne schikaniert zu werden. Sobald der Staat diktieren kann, was gesagt werden darf und was nicht, sind der (Meinungs-)Diktatur Tür und Tor geöffnet. In Deutschland und Österreich hat die politische Linke in ihrem seit der 1968er-Bewegung andauernden Marsch durch die Institutionen auf subtile Art und Weise zentrale Machtpositionen des Staates besetzt. Die Folge: vieles darf nicht mehr gesagt werden: Geschichtsrevisionismus wird mit mehrjährigen Gefängnisstrafen geahnet, Sexisten werden zu Geldstrafen verurteilt, friedliche Ballbesucher werden unbestraft attackiert. Wir nähern uns in großen Schritten einer Meinungsdiktatur. Unsere Meinungsfreiheit ist nur noch eine Farce. Unangenehme, wenn teils auch bescheuerte Meinungen werden zunehmend mit roher Gewalt und Unterdrückung statt mit den Waffen des Geistes bekämpft. Aber das sagt eh alles über den geistigen Zustand der Unterdrücker aus. Schade nur, dass dies kaum jemandem auffällt.
Die Gedanken sollten frei sein! Lasst uns für ihre Freiheit kämpfen! In unserem Sinne. Und im Sinne Rosa Luxemburgs.

Kommentare:

  1. Ich sehe das ähnlich. In meinen Augen soll ruhig demonstriert werden, wenn sie nichts besseres zu tun haben. Allerdings sollte man keine Gewalt anwenden.

    AntwortenLöschen
  2. Ich halte es abgesehen davon, dass ich der Grundaussage des Artikels durchaus zustimme, für abwegig, sich ausgerechnet auf Rosa Luxemburg zu berufen. Es ist nämlich keinesfalls wahrscheinlich, dass sie als Generalsekretärin eines kommunistischen Deutschlands lange an den von ihr verkündeten Idealen festgehalten hätte. Vom Genossen Mao Zedong kennen wir es ja auch nicht anders.

    AntwortenLöschen
  3. Ist halt eine gewisse Schreibtaktik, das Handeln des Gegenübers mit Zitaten seiner ideologischen Vorbilder zu diskreditieren.

    AntwortenLöschen
  4. Das gesamte Zitat von Luxemburg war
    ,,Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden SICH ZU ÄUßERN''.

    Hierbei sagt sie deutlich, dass die Andersdenkenden trotzdem des Kollektivzwanges unterworfen werden und Abgaben zu entrichten haben. Eigentlich hätte man Luxemburg öffentlich mit ihrem ganzen Schwachsinn konfrontieren sollen, aber ich denke, ich hätte in der Situation auch geschossen und einen Märtyer für diese Clowns geschaffen.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *