Libertäres Internet-TV

Dienstag, 15. Januar 2013

Über positive und negative Freiheit

Staat: Diktatur statt Freiheit.
von Tommy Casagrande
Freiheit ist ein Begriff, den viele Menschen gerne benutzen. Doch was ist darunter eigentlich zu verstehen? Besagt er, dass ich tun und lassen kann, was ich will? Wohl kaum, denn wenn ich machen kann, was ich will, so kann ich auch Dinge tun, die auf Kosten anderer Menschen gehen. Deswegen unterscheidet man gemeinhin zwischen zwei Definitionen von Freiheit, wobei die eine tatsächlich Freiheit meint, und die andere lediglich vorgibt, Freiheit zu meinen.

Positive Freiheit: Ich darf tun und lassen, was auch immer ich möchte. Im extremsten Falle auch töten und vergewaltigen. Der Begriff ,,positiv'' meint, dass Freiheit bedeutet, dass ich sie setzen darf, wie es mir beliebt; ich darf agieren in jedwede Himmelsrichtung. Freiheit wird als maximale Handlungsmöglichkeit ausgelegt, auch wenn andere die Kosten dafür bezahlen müssen. In diesem Sinne meint ,,positiv'' aktiv, offensiv. Doch positive Freiheit ist keine Freiheit, denn jede Diktatur genießt seinerseits den Zustand positiver Freiheit.

Negative Freiheit: Niemand darf meinen Körper und mein Eigentum verletzen. Ich habe das Recht von initiierender Gewalt, die gegen mich und mein Eigentum gerichtet ist, in Ruhe gelassen zu werden. Niemand darf mich töten und vergewaltigen. Natürlich darf auch ich das nicht, denn ich würde die Freiheit eines anderen verletzen. Der Begriff ,,negativ'' meint, dass Freiheit bedeutet, dass niemand Gewalt gegen mich initiieren darf, wie es ihm beliebt. Niemand darf in jedwede Himmelsrichtung agieren.
Handlungsmöglichkeiten sind nur innerhalb jener Grenzen maximal zu verstehen, in denen ich keine Gewalt gegen Körper und Eigentum eines anderen Menschen initiiere. Die Verantwortung für jede Handlung trägt ein jeder selber und wird somit auch zur Rechenschaft gezogen, wenn er etwas verschuldet. Das Haftungsprinzip gilt individuell und nicht kollektiv. Somit werden auch keine Kosten, die man durch eigenes Handeln verursacht, sozialisiert bzw. auf andere abgewälzt. In diesem Sinne meint ,,negativ'' passiv, defensiv. Somit ist negative Freiheit die tatsächliche Idee von Freiheit und kein Mensch hätte das Recht über einen anderen zu herrschen.

In gleicher Weise beziehen sich die Begriffe ,,positiv'' und ,,negativ'' auf den Begriff der Gewalt. Positive Gewalt ist initiierende Gewalt, da sie aktiv und offensiv zu verstehen ist. Diese Gewalt ist die eigentliche Gewalt und ist in einer auf Freiheit beruhenden Gesellschaft, mehr noch, als in einer durch staatlichen Zwang organisierten Gesellschaft, durch die Individuen, die diese Gesellschaft bilden, geächtet, da positive Gewalt stets gegen die Freiheit eines Menschen gerichtet ist.

Dem gegenüber steht die negative Gewalt. Sie ist passiv und defensiv zu verstehen. Diese Gewalt ist die Verteidigung auf jene Gewalt, die durch eine initiierende Handlung den eigenen Körper oder das Eigentum bedroht. Verteidigung ist in einer auf Freiheit beruhenden Gesellschaft, mehr noch, als in einer durch staatlichen Zwang organisierten Gesellschaft, durch die Individuen, die diese Gesellschaft bilden, legitimiert, da Verteidigung das Recht auf Selbsteigentum widerspiegelt. Wenn ein Mensch sich selbst und somit keinem Herrn und auch keiner Institution gehört, der/die ihn zum Sklaven macht, so bedarf die freie Verfügungsgewalt über den eigenen Körper und das Eigentum, mithin auch das Recht, diesen eigenen Körper und das ohne initiierende Gewalt - durch freiwilligen Tausch - erworbene Eigentum zu verteidigen. Wäre es einem Menschen verboten, seinen eigenen Körper und sein Eigentum verteidigen zu dürfen, so folgt daraus, dass dieser Mensch nicht frei über seinen Körper und sein Eigentum verfügen darf. Ergo wäre er nicht frei von initiierender Gewalt, die dieses Verbot erwirkt.

Kommentare:

endless.good.news hat gesagt…

Kann man in jedem Fall diese Trennung vornehmen?
Wenn ich alle Nahrung besitzen würde, dann darf ich diesen Besitz verteidigen. Menschen die diesen Besitz an sich nehmen, um ihr Leben zu schützen greifen meine Freiheit an.

Störk hat gesagt…

Soweit kommt es nur, wenn Du bei der Inbesitznahme der Nahrungsmittel staatliche Unterstützung hattest.

Sogar der größte Spekulant der Weltgeschichte, Joseph ben Jakob, konnte die Geschichte mit den sieben fetten und sieben magaren Jahren nur durchziehen, weil er
1. den Staatsschatz des Pharao zur Verfügung hatte, um während der fetten Jahre Getreideüberschüsse am freien Markt aufzukaufen UND
2. von den ägyptischen Bauern eine 20%-Sondersteuer auf ihre Ernteerträge verlangte!

Gut, die Spekulation war erfolgreich, es gab in diesen Jahren in Ägypten keine Hungertoten, und am Ende hatte der Pharao nicht nur seinen Schatz wieder, sondern war zusätzlich Eigentümer allen Landes, und seine Untertanen waren seine Leibeigenen geworden und hatten die 20%-Steuer als Dauerlösung akzeptiert...

Anonym hat gesagt…

Der - mir Abstand - beste Artikel auf Freitum.de, denn er ist so fundamental, das allein schon das Begreifen und verinnerlichen dieses Unterschieds, eine radikale Bewusstseinsänderung mit sich führen muss.
Ich finde auch schade das die Libertäre Community kaum über diesen Unterschied spricht. Denn alles was heute unsere Freiheit einschränkt, egal ob das Grundgesetz, die Menschrechte, Demokratie, Regulierungen jedweder Art oder Erziehung, die Befürworter dieser Dinge berufen sich allesamt (Unbewusst) auf die positive Freiheit.

Es gibt auch das schöne Beispiel wie negative Freiheit verletzt wird, als Marlon Brando als der Pate im gleichnamigen Film seine Helfershelfern dazu auffordert druck auf einen Kunden auszuüben, indem sie ihm "ein Angebot" unterbreiten sollen, "das er nicht ablehnen kann".