Freitag, 4. Januar 2013

Über Menschen und Bedürfnisse

Fetischisten einer Planwirtschaft: Engels und Marx
von Tommy Casagrande
Menschen sind Individuen. Bedürfnisse sind menschlich. Somit sind Bedürfnisse individuell. Wirtschaft befriedigt Bedürfnisse. Wirtschaft besteht aus Menschen. Menschen haben Bedürfnisse. Menschen wären in einem freien Markt frei, einander Bedürfnisse zu befriedigen durch Angebot und Nachfrage. Was Menschen nicht wollen, werden Menschen nicht nachfragen. Was Menschen wollen, dafür wird es ein Angebot geben. Niemand wird abgehalten selbst zum Anbieter zu werden um Bedürfnisse zu befriedigen. 
Die Idee, dass Planwirtschaft funktionieren soll, würde bedeuten, dass es Menschen gibt, die glauben, man könne herausfinden, welche Bedürfnisse die wichtigsten sind, um sie von der Politik befriedigen zu lassen. Dabei werden den Menschen Ressourcen entzogen, die sie für die Befriedigung anderer Bedürfnisse nicht mehr einsetzen können. Niemand kann wissen, welche Bedürfnisse wichtig und welche unwichtig sind. Niemand kann wissen, wie viele Ressourcen für eine Bedürfnisbefriedigung investiert werden müssen. 
Die Idee, dass Planwirtschaft funktionieren kann, bedeutet, dass man glaubt, Menschen lassen sich lenken und Individualität lässt sich kontrollieren. Erst wenn man glaubt, dass man Menschen lenken und kontrollieren kann, was mit der Überzeugung einhergeht, dass Freiheit kein wichtiger Wert ist, kommt man zur Position, dass man die Handlungen und Ziele der Menschen planen könne. Solche Menschen haben das Leben nie als dynamisches, evolutives Wunderwerk begriffen, sondern glauben daran, dass die menschliche Existenz dem Zweck dient, die Ziele, die Sozialtechniker und Gesellschaftsplaner vorgeben, nach Maßgabe der Ingenieure zu erfüllen. Diese Ansicht ist menschenfeindlich, weil in ihrer Konsequenz das System über dem Menschen steht und der Mensch dem System zu dienen hat.

Kommentare:

Ralf Karnowsky hat gesagt…

Passend zu diesem Thema gibt es treffendes Zitat:
""Es gehört ebenso viel unhistorischer Sinn wie Mangel an
Ehrfurcht vor der unendlichen Mannigfaltigkeit des Lebens zu dem
Glauben, die moderne Wirtschaft als die komplizierteste und empfindlichste Erscheinungsform des gesellschaftlichen Seins in eine ins Einzelne vorgezeichnete Bahn zwingen zu können, das Wollen und
Wissen eines einzelnen oder eines noch so sorgfältig zusammengesetzten
Rates dem Wollen und Wissen all der Millionen zu substituieren, die
den Lebenskampf unter eigener Verantwortung zu führen haben

Gustav Stolper, Deutsch-Österreich als Sozial- und Wirtschaftsproblem, München 1921, S. 308/09

endless.good.news hat gesagt…

"Menschen wären in einem freien Markt frei, einander Bedürfnisse zu befriedigen durch Angebot und Nachfrage. Was Menschen nicht wollen, werden Menschen nicht nachfragen. Was Menschen wollen, dafür wird es ein Angebot geben."

Dieser Gedanke klingt erst einmal logisch. Allerdings sind die Annahmen, damit dieser Gedanke erfüllt wird irreal. Die Nachfrage und das Angebot muss erkannt (Allwissenheit) und ohne Zeitverlust erfüllt werden. Ist dies nicht der Fall, dann gibt es Angebotsdefizite, bzw. Nachfrageprobleme.
Des Weiteren setzt dieser Gedanke eine Vielzahl von Anbietern vorraus, damit sich so etwas wie ein Markt bilden kann. Bei Produkten die große Investitionen für die Herstellung vorraussetzen ist dies nicht immer gegeben.

Auch wird vorrausgesetzt, dass keine Kreislaufeffekte existieren.
Der Arbeitsmarkt zum Beispiel beeinflusst seine eigene Nachfrage. Wenn die Löhne steigen, dann steigt die Nachfrage nach produzierten Gütern und somit nach Arbeitskräften. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Unternehmen und sie wollen weniger Löhne zahlen. Tun sie dies, dann sinken die Absatzzahlen. Das heißt der einzelwirtschaftliche Gedanke wirkt auf dem Arbeitsmarkt für einzelne Unternehmen gut, für viele oder alle Unternehmen nicht.
Ein anderes Beispiel sind die Sparbemühungen von Griechenland. Dort werden mit den Ausgaben direkt die Steuereinnahmen mit gesenkt.

"Niemand wird abgehalten selbst zum Anbieter zu werden um Bedürfnisse zu befriedigen."
Warum nicht? Auch auf einem freien Markt braucht man Kapital und Fähigkeiten. Beliebige Substitution ist nicht möglich.

"Die Idee, dass Planwirtschaft funktionieren soll, würde bedeuten, dass es Menschen gibt, die glauben, man könne herausfinden, welche Bedürfnisse die wichtigsten sind, um sie von der Politik befriedigen zu lassen."
Darum funktioniert die globale Planwirtschaft auch nur sehr bedingt.

"Niemand kann wissen, welche Bedürfnisse wichtig und welche unwichtig sind."
Wenn es niemand wissen kann, dann würde auch der Markt nicht funktionieren. Da widersprichst du Dir selbst. Niemand kann für alle Menschen wissen, sollte es eher heißen.

"Diese Ansicht ist menschenfeindlich, weil in ihrer Konsequenz das System über dem Menschen steht und der Mensch dem System zu dienen hat."
Das interessante an dem letzten Abschnitt ist, dass man Ihn in ähnlicher Weise über die liberalisierten Märkte schreiben kann. Auch hier dient man einem System und nicht dem Menschen. Die Gier nach Gewinnen erzeugen keinen höheren Lebensstandard. Im Gegenteil. Nicht Chile und die USA, sondern Schweden, Norwegen und Dänemark haben die höchsten Lebensstandards.

Mein Fazit ist deshalb, dass ein Mittelweg zwischen staatlicher Kontrolle und freiem Markt der einzig gangbare Weg ist. Die Gründe hierfür sind sehr vielfälltig. Ein wesentlicher Grund liegt im Fehlen des Nachweises der unbedingten Effektivität der Märkte in der realen Welt. Die Sozialisten und Kommunisten haben diesen Nachweis auch niemals erbracht. Es werden so viele Annahmen und Vorraussetzungen gefordert, dass Modelle wie der freie Markt, Modelle bleiben.

Störk hat gesagt…

Die Gier des Bäckers nach Gewinnen erzeugt bessere Brötchen - und damit einen höheren Lebensstandard seiner Kunden.

Linke denken immer vom "lohnabhängigen Arbeiter" her, aber wer als Unternehmer erfolgreich sein will, muß vom Kunden her denken. Ganz egal, mit welcher "manpower" man sich an die Befriedigung der Bedürfnisse des Kunden macht.

Die Klassifizierung nach "Kapitalisten" auf der einen und "Arbeitern" auf der anderen seite ist ohnehin ein Produkt des preußischen Obrigkeitsstaates - in einem freien Land, in dem jeder "seines Glückes Schmied" ist, wäre die "Ich-AG", in der jeder nur sich selbst "ausbeutet", viel näher an der Lebensrealität der Menschen. (Man denke an den "Wilden Westen" der Siedler und Pioniere oder auch das vor-bismarcksche Deutschland der "Dichter und Denker"...)

endless.good.news hat gesagt…

"Die Gier des Bäckers nach Gewinnen erzeugt bessere Brötchen - und damit einen höheren Lebensstandard seiner Kunden."

Wenn ein Bäcker die gleiche Qualität für einen geringeren Preis produzieren kann, diese Brötchen für den gleichen Preis verkauft, dann ändert sich für den Kunden gar nichts.
Das heißt die Gier des Bäckers kann den Lebensstandard seiner Kunden steigern. Er kann Ihn aber auch senken oder konstant lassen. Noch klarer wird das wenn man bedenkt, dass nicht alle Produkte substituierbar sind. Ich ärgere mich regelmäßig über Word. Da dieses Programm ein Standard bei meisten Unternehmen ist, wird kaum jemand wechseln. Selbst wenn sich die Bedienung leicht verschlechtert, oder der Preis unverhältnismäßig steigt, kann man nicht einfach wechseln. Die Austauschbarkeit der Daten ist nicht mehr gegeben. Die Welt besteht eben nicht nur aus Brötchen.

"in einem freien Land, in dem jeder "seines Glückes Schmied" ist, wäre die "Ich-AG", in der jeder nur sich selbst "ausbeutet", viel näher an der Lebensrealität der Menschen."

1. Was ist denn ein freies Land?
2. Jeder ist seines Glückes Schmied, lebt aber in einem Land?! Das ist ein Widerspruch. Ein Land schafft Gesetze, Infrastruktur, etc. Das heißt die Gesellschaft ist im gewissen Maße für den Erfolg des Einzelnen verantwortlich.

"Man denke an den "Wilden Westen" der Siedler und Pioniere"

Vertreibung, Mord, Diebstahl von Land ist also Basis für ein freies Land, wo jeder seines Glückes Schmied ist?

"vor-bismarcksche Deutschland der "Dichter und Denker""

Feudalherrschaft bedeutet Freiheit? Die Dichter und Denker in Deutschland waren häufig im Dienste der Fürsten unterwegs.