Libertäres Internet-TV

Mittwoch, 16. Januar 2013

Über den Gefängnis-industriellen Komplex der USA

US-Gefängnis
von Tommy Casagrande
Die USA gelten gemeinhin als das "Land der Freiheit", das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Viele Amerikaner sind immer noch stolz darauf, dass dieses Land als Wurzel der Freiheit gesehen wird. Der amerikanische Mythos lebt weiter, selbst dann, wenn sein Körper längst gestorben ist. Doch auch im Rest der Welt wird Amerika verherrlicht und gilt als Ideal eines Staates, indem seine Menschen in Freiheit leben können. Sobald vom "Westen" geredet wird, ist damit Amerika gemeint. Doch ist Amerika tatsächlich jener Hort, an dem die Freiheit des Individuums als unantastbar gilt? Nein, ganz sicher nicht. Dafür ist sind die USA mittlerweile ein zu großer Staat geworden. Die Macht ballt sich in Washington und auch die Amerikaner wissen mittlerweile, was staatliche Gängelung bedeutet.

Die Gleichsetzung von USA und Freiheit wäre genauso falsch wie die Gleichsetzung von Demokratie und Freiheit. Freiheit meint die negative Freiheit, welche sich darin definiert, dass es keine initiierende Gewalt auf Körper und Eigentum geben darf. Diese Definition von Freiheit ist natürlich nicht gleich zu setzen mit der Definition der USA, als einen Staat, dem das Gewaltmonopol, das Rechtsmonopol und das Besteuerungsmonopol inne wohnt. 
Denn die menschliche Historie ist eine ellenlange Geschichte aus Verletzungen des Selbsteigentums menschlicher Individuen durch staatliche Institutionen. Ebenso ist der Begriff der Demokratie nicht mit dem Begriff der Freiheit gleich zu setzen. Denn Demokratie ist ein Herrschaftsmodell und wo es Herrschaft gibt, dort gibt es notwendigerweise Beherrschte. Die Beziehung zwischen Herrschern und Beherrschten basiert jedoch auf Grundlage der Verletzung von Eigentumsrechten. Andernfalls gäbe es weder Herrscher, noch Beherrschte. Dem Herrscher fällt das Privileg zu, mit Privilegien und Funktionen ausgestattet zu sein, die dem Beherrschten nicht gestattet sind. Diese Ungleichheit führt notwendigerweise zu einer Verletzung der Freiheit der Beherrschten. Nun können in einer Demokratie natürlich die Gewinner einer Mehrheitsentscheidung der unterlegenen Gruppe einen Repräsentanten aufzwingen, der ihre Eigentumsrechte auf Basis demokratischer Legitimation verletzen darf. Doch dies ist schlicht und ergreifend nicht gleich zu setzen mit der Definition der Freiheit, verstanden als negative Freiheit.

Als Gegensatz zur negativen Freiheit gibt es die positive Freiheit. Diese meint Handlungsfreiheit. Doch Handlungsfreiheit kann auch bedeuten, dass ich jemanden ermorden oder vergewaltigen dürfte. Dies jedoch ist eine Verletzung der Freiheit der Opfer. Deswegen kann es keine allgemeine positive Freiheit für alle Menschen geben, da diese auf Kosten anderer Menschen verwirklicht werden könnte. Somit lässt sich der Begriff der Freiheit lediglich negativ verstehen. Positiv bedeutet so viel wie aktiv, offensiv: Ich weite meine Freiheiten aus und vereinnahme damit Menschen gegen ihren Willen. Ich darf alles tun, ähnlich einem Diktator. Negativ bedeutet so viel wie passiv, defensiv: Ich habe maximale Handlungsfreiheit im Rahmen jener Grenzen, durch die ich die Freiheit eines anderen nicht verletze. Verletzt wird die Freiheit der Individuen jedoch permanent.

Auch hierin geben die USA, die man zynischerweise mit ,,land of the free'' betitelt, ein mahnendes Vorbild ab. Dort hat sich eine Gefängnisindustrie entwickelt, die ihres gleichen in totalitären Systemen sucht. Der Ideenreichtum für den inhaltlichen Auftrag zur Resozialisierung von Menschen oder zur Mahnung an andere ist ähnlich groß, wie der Ideenreichtum des Menschen es generell hinsichtlich jener Unternehmungen meist ist, bei denen er sich darin gefällt, seine Mitmenschen mit Boshaftigkeit zu faszinieren.

Es gibt ein US-Gefängnis, in dem werden Gefangene als zu therapierende Menschen betrachtet. Sie erhalten Spritzen, weil man ihre Gewalt biologisch erklärt. Sie werden medikamentös ruhig gehalten. Auf diese Weise wird auch die Anzahl getragener Schusswaffen bei den Beamten reduziert. Nachdem die Inhaftierten in einen Zustand gebracht werden, in dem sie jenseits vom Diesseits sich befinden, sind diese gar nicht mehr fähig, irgendeine Form von menschlicher Lebendigkeit vorzuweisen. Nicht selten werden diese Inhaftierten auf jene Weise gebrochen. Es ist ein Gefängnis, das einem Versuchslabor gleicht, um Experimente an Menschen durchzuführen, die ihr Recht auf das Menschsein aufgrund einer Tat verwirkt haben.

Ein anderes US-Gefängnis bietet einen eigenen Friedhof an, denn man kommt dort erst wieder heraus, wenn man gestorben ist oder durch eine Begnadigung. Jenes Gefängnis bietet Rodeo-Reiten für die Inhaftierten an. Ein kurzer Moment, um die Zellen zu verlassen. Ansonsten wird Baumwolle gepflückt oder die Bibel gelesen, die dort dazu führt, dass man im Leben einen Sinn findet, an den man glaubt, auch wenn sich der Sinn und die Hoffnung auf das Jenseits beziehen, da man in diesem Leben keine zweite Chance mehr bekommt. Zudem gibt es einen Gefängnistourismus, der den Schulklassen auf imposante Weise und eindrücklich vermitteln soll, welche Lebensentscheidungen sie in Zukunft besser nicht treffen. Der Direktor jenes Gefängnisses ist stolz auf sein Gefängnis, in dem es kaum zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt und sagt einen Satz, den man kurz wirken lassen muss. "Wir geben den Menschen hinter Gittern freie Marktwirtschaft".

Es lässt sich natürlich anzweifeln, ob es sich dabei tatsächlich um freie Marktwirtschaft handelt, dennoch könnte es durchaus so sein, dass dieser Gefängnisdirektor etwas ganz entscheidendes damit anstoßt, nämlich einen Gedanken, den ich mir die ganze Zeit schon denke.

Zum einen zeigt dieser Satz, wenn es im Bezug auf jenes Gefängnis zutrifft, wie verkehrt diese Welt läuft. Erst hinter Gittern erfahren Menschen eine freie Marktwirtschaft und erleben Perspektiven. Außerhalb der Gitter, als angeblich freie Menschen, ist ihnen diese freie Marktwirtschaft verwehrt. Aufgrund staatlicher Eingriffe leiden die Ärmsten und sozial Schwächsten sowie auch die Minderheiten am stärksten unter der somit zunehmenden Perspektivlosigkeit. Wenn Arbeitsplätze durch staatliche Eingriffe künstlich verknappt werden, wenn aufgrund staatlicher Geldentwertung über den Zentralbankzins das Geld künstlich entwertet wird, wodurch die Lebenshaltungskosten ansteigen, dann sind das bereits zwei ganz massive Armutsmotoren, die Menschen in ein subjektiv brutal empfundenes hartes Leben stoßen, das sie ohne diese staatlichen Eingriffe nicht ertragen müssten. 
Da aber der Staat weitaus mehr Eingriffe tätigt, als lediglich diese beiden, ist das Ausmaß des subjektiv empfundenen Leids noch massiver und auch zahlreicher, sodass es die gesamte Gesellschaft infiziert und krank macht. Wenn Menschen perspektivlos sind und aufgrund individueller Unfreiheit, bedingt durch staatliche Eingriffe, nicht Schmied ihres eigenen Glücks sein können, dann werden in der Tendenz mehr Menschen zu Gewalttätern werden. Perspektivlosigkeit, die aufgrund staatlicher Eingriffe sich ausbreitet, führt dazu, dass ein Teil dieser Perspektivlosen versucht, diesen Zustand kurzfristig zu durchbrechen, indem sie sich zu einer Handlung hinreißen lassen, bei der sie ihrerseits die Freiheit eines anderen Menschen verletzen oder im Todesfalle gänzlich zerstören oder aber sie versuchen ihrer Existenz mit dem Konsum von Drogen für ein paar Momente lang zu entfliehen. Doch im Falle des Drogenkonsums verletzen sie niemandes Freiheit. Die Substanz, die sie zu sich nehmen, wandert nur in ihren Körper, nicht in einen Körper, der dazu gezwungen wird, diese Substanz zu sich zu nehmen. Mittlerweile sitzen um die 30% der amerikanischen Inhaftierten wegen Drogenkonsums im Gefängnis. Wegen einer Handlung, bei der sie niemandes Leben verletzt oder zerstört haben, wird ihr Leben verletzt oder zerstört. Doch 30% der  inhaftierten Amerikaner sitzen deswegen im Gefängnis. Wegen Ausübung ihrer Freiheit im Bezug auf ihren Körper.

Mittlerweile ist der Gefängnis-industrielle Komplex in den USA ein Abhängigkeitssystem geworden, an dem viele Arbeitsplätze hängen, die staatlich subventioniert und mit Steuergeld bezahlt werden. Die von diesem Job mittlerweile direkt und indirekt Abhängigen werden natürlich tendenziell eher der Meinung sein, dass ihr Job wichtig ist und dass eine beispielsweise Legalisierung von Drogen nur negative Folgeerscheinungen mit sich brächte. Diese Menschen, die an diesem Einkommenstropf hängen, würden keinen großen Freudensprung machen, wenn man ihre Dienste zur Disposition stellt, weil man der Meinung ist, dass viele Rechtsbruchdefinitionen selbst bereits einen Mangel von Rechtsverständnis voraussetzen und somit einem Rechtsbruch gleichkommen. 2,2 Millionen Menschen sind derzeit in amerikanischen Gefängnissen inhaftiert. All jene, die aktuell auf Bewährung entlassen sind, nicht mitgerechnet. Dies macht aktuell ein Viertel aller weltweit Inhaftierten aus, obwohl die USA lediglich 5% der Weltbevölkerung stellen. Land of the free? Wohin muss man sehen, um das zu glauben?

Um es abschließend noch einmal auf den Punkt zu bringen.

Das Zulassen des freien Marktes würde dazu führen, dass viele Gewalttaten gar nicht begangen werden, denn oft sind Gewalttaten auch Ausdruck von Verzweiflung und Perspektivlosigkeit. Diese werden durch staatliche Eingriffe verursacht. Wenn jeder Mensch Schmied seines Glückes werden kann, brauchen viele dazu keine Waffe mehr, die sie heute hingegen benutzen, um sich auf Kosten anderer Leben ihr eigenes kurzfristig besser zu stellen. Eine geringe Zahl an Gewaltdelikten bliebe übrig, aber viele würden nicht mehr auftreten, weil Menschen Perspektive und Zukunft hätten.

Stattdessen funktioniert der Mechanismus weiter. Der Staat wächst und nimmt den Menschen ihre Zukunft. Daraus ergibt sich die Zunahme gewalttätigen Verhaltens, worauf der Staat mit noch mehr Staat und Polizei oder Überwachung antwortet. Viele Bürger, die für die Ausweitung des Staates ihre Hand heben, tun dies auch mit Hinblick auf die Zahl der Kriminellen und sehen diese steigende Zahl als Anlass dafür, dass man den Menschen einen noch stärkeren Staat entgegenstellen muss. Doch dabei verschärft sich die Situation nur noch mehr. Es ist eine Spirale, die im Endeffekt dazu führt, dass die gesellschaftspolitischen Probleme zunehmen anstatt abzunehmen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Tommy C. bringt es (wie so oft schon) sehr schön auf den Punkt, großes Lob hierfür!
Anzumerken sei noch, dass ich trotz der zunehmenden „Freiheits“-Bewegung im Internet, welche den ECHTEN Liberalismus verbreitet, keinen wirklichen Ausweg aus der im letzten Satz zutreffend formulierten „Spirale“ gibt.

Wie Ludwig von Mises schon „vom Wert der besseren Ideen“ schrieb bleibt dem Liberalen nichts anderes übrig als konsequenten Liberalismus zu erläutern und verbreiten! Es ist und bleibt letztlich ein evolutionärer Prozess und eben kein revolutionärer….
H73