Donnerstag, 20. Dezember 2012

Über utilitaristische Positionen

Utilitarist und Positivist: Jeremy Bentham
von Tommy Casagrande
Immer wieder ist in Diskussionen über utilitaristische Positionen zu lesen. In diesen werden die Konsequenzen menschlicher Handlungen erörtert. Oftmals finden diese Diskussionen dort statt, wo es um Drogen geht. Je nachdem was man unter Drogen versteht, sind damit auch Alkohol und Zigaretten gemeint.

Beispielsweise gibt es die Behauptung, die öffentliche Sicherheit würde gefährdet werden, weil Drogen oder Alkohol konsumiert werden. 
Eine öffentliche Sicherheit gibt es nicht. Es gibt nur eine private Sicherheit. Diese ist definiert anhand des Selbsteigentums eines jeden Menschen.

Auch sind es keine Dinge, die Menschen gefährden, sondern Menschen, die Menschen gefährden. Und wenn manche Menschen dies tun, dann werden sie auch in einer staatenlosen Gesellschaft bestraft. Das ist aber kein Grund dafür, denen die Freiheiten wegzunehmen, die keines Menschen Sicherheit gefährden. Wenn Cannabis bei jemandem dazu führen mag, dass er kriminell wird, dann bedeutet das nicht, dass man Cannabis verbietet, sondern dass derjenige zur Rechenschaft gezogen wird, der sich kriminell verhält. 

Auch wenn von 100 Menschen, 99 Menschen durch Cannabis Konsum kriminell werden, so ist es nicht ok, den einen Menschen, der sich nicht kriminell verhält, Cannabis zu verbieten. Die 99 werden bestraft für ihre kriminellen Handlungen, nicht für den Konsum von Cannabis. Ansonsten wäre in der Strafrechtsprechung kein kausaler Zusammenhang zwischen Tat und Strafe, sondern zwischen Tatursache und Strafe. Und die Tatursache ist nicht in jedem Fall eindeutig. Davon abgesehen, kann auch die streitsüchtige Freundin die Tatursache sein, was zur absurden Situation führen würde, dass wenn sie zugleich das Opfer wäre, man nicht von einem Verbrechen sprechen könnte. Zugleich lässt sich die Tatursache beliebig interpretieren. Die Geburt an sich, die dazu führte, einen Täter auf die Welt gebracht zu haben, könnte schon als Ursache gesehen werden, die dazu führte, dass der Geborene die Tat begehen konnte. Ebenso ließe sich interpretieren, dass demnach schon die Geburt selbst die Tat war, die dazu führte, dass eine andere Tat unausweichlich folgen musste. Damit reduziert man die Schuld des Täters und verlegt die Tat in die Vergangenheit, die sich beliebig interpretieren und instrumentalisieren lässt. 

Der utilitaristische Gedanke, Handlungen ausschließlich anhand ihrer Konsequenzen und nicht anhand ihrer selbst zu beurteilen, führt in den Totalitarismus. Denn utilitaristisch betrachtet könnte man auch behaupten, dass es dem Staat zugestanden sein muss, die Ernährung für die Menschen bereit zu stellen, die von Ernährungsexperten empfohlen wird. Denn Menschen könnten das "falsche" essen und trinken. Es könnte somit "schädlich" sein. Man könnte behaupten, zuckerhaltige Ernährung sei "schädlich". Aus utilitaristischer Sicht muss der Staat ebenso festsetzen, wie viel Zucker, Fett, Kohlenhydrate jemand zu sich nehmen darf. Um es individueller zu gestalten, sollte man auch gleich den individuellen Stoffwechsel und die Körpergröße berücksichtigen. Aus utilitaristischer Sicht könnte allein das Verlassen des Hauses zum Tode führen. Man wird von einem Auto überfahren oder hat einen Unfall. Das Leben ist ein Risiko. Wer entscheidet, welche Risiken verboten werden müssen und welche Risiken man den Menschen zutrauen darf? Warum dürfen das die Menschen nicht selbst entscheiden? 

Ein Vergleich: Jemand nimmt eine Droge und fühlt sich dabei gut. Weder wird er kriminell, noch geschieht sonst etwas. Er fühlt sich einfach gut. Währenddessen hat ein Mann, der den Staat einsetzen will, um Drogen zu verbieten, eine kleine Depression aufgrund der Botenstoffe, die in seinem Gehirn gerade einen Einbruch haben. Eine Minidepression. Er fühlt sich schlecht. Dabei meckert er an seiner Frau. Weshalb wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass das Verhalten desjenigen, der sich wohl fühlt, bestraft werden muss, wenn er niemandem etwas zu Leide tut, doch in die Situation der Minidepression und des Meckerns an der eigenen Frau solle der Staat sich raushalten. Wieso eigentlich? Die Frau wird nicht gerne angemeckert, die Minidepression fühlt sich schlecht an. Das wären aus utilitaristischer Sicht zwei Gründe, um auch hier den Staat einzuschalten, die Welt zu verbessern. Davor müsste jedoch eine politische Debatte darüber einsetzen, dass schlechte Gefühle per Gesetz verboten werden müssen. 

Aus utilitaristischer Sicht kann es schon ein Verbrechen sein, seine eigene Wohnung nicht aufzuräumen. Man stelle sich vor, Menschen gehen Barfuß durch ihre Wohnung und rutschen auf einem Socken aus. Sie schlagen mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf. Gibt es dann ein neues Gesetz für die Anfertigung von Fußböden? Oder die Produktion ausrutschfester Socken? Gibt es Helmpflicht für daheim? Es lassen sich Milliarden Situationen konstruieren um darzulegen, dass freies menschliches Handeln eine schädliche Konsequenz hat. 

Es hat jedoch mit Freiheit nichts zu tun, all diese Situationen zu konstruieren, denn Freiheit ist ein formelles Konstrukt, dass für jeden in gleicher Weise dasselbe Recht erwägt. Eine Welt, in der vor allen Konsequenzen geschützt und behütet werden soll, ist nicht frei, sondern totalitär. Es wäre die übelste Diktatur die sich Menschen vorstellen können. Darum ist eine jede inhaltliche Diskussion über Konsequenzen von Verhaltensweisen irrelevant im Bezug auf die Freiheit. Sie sind lediglich dann relevant, wenn ein Mensch das Selbsteigentum eines anderen verletzt und nur dann wird lediglich die Tat selbst bemessen und nicht die seit Geburt interpretierbaren möglichen Ursachen für eine Tat.

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