Freitag, 21. Dezember 2012

Über den Reichtum der Reichen in einem unfreien Markt

von Tommy Casagrande
Man pflegt gerne, den Reichtum der Reichen zu verteidigen, indem man sagt, diese zu enteignen sei unmoralisch. Dem ist in der Tat nichts hinzuzufügen. Immer wieder wird gesagt, sie hätten sich diesen Reichtum erarbeitet. Auch das mag stimmen. Was man aber berücksichtigen sollte, ist, dass die Zusammensetzung der gegenwärtigen Branchenstruktur, Unternehmensgrößen, Unternehmensvielfalt, Wohlstandsverteilung das Ergebnis staatlicher Eingriffe darstellt. Wir wissen nicht, ob jene Unternehmen, die heute marktführend sind, es auch dann wären, wenn es einen freien Markt gäbe, wo all jene, die heute aufgrund staatlich induzierter Arbeitslosigkeit in sozialstaatlicher Abhängigkeit gehalten werden, in einen Zustand eintreten, wo sie zu Konkurrenten der etablierten Unternehmer werden würden.

Wenn es einen freien Arbeitsmarkt gäbe, wäre der Wettbewerb zwischen den Unternehmen größer. Heutzutage sind die marktführenden Unternehmen vor all den potentiellen Unternehmern geschützt, die aufgrund der staatlichen Bürokratie nicht eben mal ein Unternehmen gründen können. Wenn infolge der staatlichen Eingriffe sich der Markt auf jene Weise zusammensetzt, wie das gegenwärtig geschehen ist, und jene Unternehmer reich werden, die in den Etagen der marktführenden Unternehmen sitzen, so lässt sich nicht behaupten, dass diese Unternehmer es genauso geschafft hätten, erfolgreich zu sein, wenn sie auf einem freien Markt konkurrieren müssten. Somit ist ihr Reichtum zweifelhaft, denn ob sie diesen genauso angehäuft hätten, wenn sie nicht geschützt wären durch die Bürokratie des Staates, lässt sich nur spekulieren.

Der zweifelhafte Reichtum dieser Menschen ist dennoch keine Rechtfertigung, sie zu enteignen. Aber es ist genauso wenig eine Rechtfertigung, sie als erfolgreiche Unternehmer in den Himmel zu loben. Denn unter tatsächlich freien Bedingungen haben sie es nicht geschafft, marktführend zu werden. Hier hat der Staat nämlich stets seine Finger im Spiel. Und es kann mit Fug und Recht angenommen werden, dass gerade die erfolgreichen Unternehmer einen Hang zu einem unfreien Markt haben, weil dadurch ihre Vormachtstellung und ihr Reichtum geschützt bleibt, dank des Staates Hilfe. Man stelle sich nur vor, es gäbe unter jenen, die vom Staat leben, Menschen, die Ideen entwickeln, auf die Menschen eher ansprechen als auf jene, die heute das große Geld machen. Das Potential an unternehmerisch tätigen Menschen ist gegeben. Menschen können viel leisten und über sich und ihre Vergangenheit und Gegenwart hinaus wachsen. Worauf es ankommt, sind die Bedingungen, unter denen sie leben, sodass dieses Potential zur Entfaltung gelangt.

Kommentare:

  1. Wir wissen tatsächlich, daß die Ergebnisse anders aussähen. Man betrachte nur die diversen Rettungspakete für Banken. So unter anderem für die Commerzbank. Ob es die CB in dieser Form geschafft hätte ist nicht raus.

    Tatsache ist aber auch: Wir werden es nie erfahren. Denn wir haben eben keinen Vergleich.

    Was wir auch wissen jeder Staatseingriff muß und wird auf Kosten der Bevölkerung getroffen. Ob geben eine Mehrheit oder nicht weiß man auch nicht.

    Dazu braucht man sich hier in D die "Diskussion" über den Naturschutzpark Nordschwarzwald anschauen. Angebeblich sind ja die meisten aus Baden-Württemberg dafür. Selbst wenn das wo wäre, wieso darf/kann diese Mehrheit einfach über die Köpfe derjenigen entscheiden die davon betroffen werden?

    Unser ganzer Betrug mit dem angeblich gesicherten Eigentum, ist eine ziemliche Farce. Und daher kann es einen nicht wundern wenn Eingriffe gegen das Eigentum bestimmte Gruppen bevorteilen und andere eben unterdrücken.

    Das unsere Wirtschaft "reguliert" ist, kann niemand wirklich mehr sagen wo wirklich Bedarf vorherrscht und wo er nur vorgeschüzt wird.

    Ja die Erde sähe ziemlich anders aus wenn es nicht die Gewaltmonopolisten gäbe...

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  2. Leider ist der Text eben reine Spekulation. Ob etwas besser oder schlechter wird, wenn der Markt freier wird ist nicht vorrauszusagen. Das Problem ist, dass wir nicht bei Null starten. Somit führt die Umstellung zu einen freien Markt automatisch zu einer Verwerfung in der Gesellschaft mit allen Konsequenzen.

    Ein zweiter Punkt ist, dass Reiche nie reich werden und bleiben können ohne den Staat. Er schafft die Rechtsgrundlage für Handel und Besitz.

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  3. Nein, den modernen, alles regulierenden Nationalstaat braucht niemand, um "die Rechtsgrundlagen für Handel und Besitz" zu haben. Die Menschen haben schon Handel getrieben, lange bevor es Staaten gab. Räuber und Wegelagerer gab es damals natürlich auch schon...

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  4. "Die Menschen haben schon Handel getrieben, lange bevor es Staaten gab."

    Das stimmt schon. Allerdings hat die Komplexität ein wenig zugenommen. Das einfachste Beispiel sind Währungen. Diese müssen eine Deckung haben. Es muss Regeln geben, welche diese Deckung definieren. Viele Regeln wurden aufgestellt, da es ohne sie nicht gut funktionierte.

    Ein weiterer Punkt zu diesem Beispiel. In prähistorischer Zeit galt auch öfter das Recht des Stärkeren und es wurde sich einfach der Besitz der anderen Sippe genommen. Wenn der Staat so unwichtig ist, warum funktionieren Gesellschaften ohne funktionionsfähige staatliche Strukturen so schlecht? Wahrscheinlich, weil jeder die Macht haben will und sich eben nicht an Regeln hält. Handel ist eben nur eine Form, um an seine gewünschten Ressourcen zu gelangen. Das Recht des Stärkeren eine Andere. Eine Rechtsgrundlage stärkt die erste Form und minimiert die Zweite.

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  5. "Diese müssen eine Deckung haben. Es muss Regeln geben, welche diese Deckung definieren. Viele Regeln wurden aufgestellt, da es ohne sie nicht gut funktionierte."

    Erläutern Sie uns bitte die "Deckung" des Euro oder altenativ jeder anderen Währung. Bin mal gespannt wann Sie auf "gesetzliches Zahlungsmittel" treffen werden..

    "
    Ein zweiter Punkt ist, dass Reiche nie reich werden und bleiben können ohne den Staat. Er schafft die Rechtsgrundlage für Handel und Besitz"

    Das ist noch nicht einmal ein schlechter Witz.

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  6. ,,Handel ist eben nur eine Form, um an seine gewünschten Ressourcen zu gelangen. Das Recht des Stärkeren eine Andere. Eine Rechtsgrundlage stärkt die erste Form und minimiert die Zweite.''

    Und wer sagt, dass Recht staatlich sein muss? Eine Privatrechtsgesellschaft kommt auch, oder gerade ohne Staat viel besser zurecht.

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  7. Geld braucht keinen Staat - mir ist es völlig schnuppe, ob der Krügerrand vom Staat Südafrika geprägt wird oder von einer dort ansässigen privaten Minengesellschaft - solange ich darauf vertrauen kann, daß er 1 Feinunze Gold enthält, weiß ich daß ich für 10 solche Münzen ein anständiges Auto bekomme.

    Im übrigen meine ich mit "vor-staatlichen Zeiten" nicht prä-historische Zeiten. Es gibt z.B. in der Bibel im Buch der Richter sehr detaillierte historische Aufzeichnungen aus der Zeit, bevor die Stämme Israels sich unter König Saul zu einem Staat zusammenschlossen. Prä-staatlich ist also nicht überall auch prä-historisch.

    Das Fazit der Geschichtsschreiber im Schlusssatz ebendieses Buches ist allerdings ernüchternd: "Damals hatte Israel noch keinen König und ein jeder tat, was ihm richtig dünkte"...

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  8. "Eine Privatrechtsgesellschaft kommt auch, oder gerade ohne Staat viel besser zurecht."

    Intern ja. Aber wenn mehrere Privatrechtsgesellschaften handeln, wer überprüft, dass das Recht eingehalten wird? Sicher kann man dies auch anders organisieren. Aber im Moment hat sich eine staatliche Struktur bewährt. Wieder verweise ich auf Länder ohne staatliche Strukturen. Dort scheint der Handel nicht gut zu florieren.

    "Das ist noch nicht einmal ein schlechter Witz."
    Stimmt wohl Es zeigt aber auch, dass sich an staatlichen Strukturen sich so bald nichts ändern wird, da die Reichen und Mächtigen massiv von Ihnen profitieren.


    "solange ich darauf vertrauen kann, daß er 1 Feinunze Gold enthält, weiß ich daß ich für 10 solche Münzen ein anständiges Auto bekomme."

    Darauf müssen sei vertrauen können. Ein Staat ist da in meinen Augen so glaubwürdig wie ein Unternehmen. Geld wurde schon auf verschiedene Arten organisiert. Derjenige, der die Organisation kontrollierte hat seine Macht auch missbraucht. Da finde ich es praktikabler, dass diejenigen die potentiell missbrauchen gewählt werden. Das ist nicht viel aber immerhin etwas.

    "Im übrigen meine ich mit "vor-staatlichen Zeiten" nicht prä-historische Zeiten. Es gibt z.B. in der Bibel im Buch der Richter sehr detaillierte historische Aufzeichnungen aus der Zeit, bevor die Stämme Israels sich unter König Saul zu einem Staat zusammenschlossen. Prä-staatlich ist also nicht überall auch prä-historisch.
    Das Fazit der Geschichtsschreiber im Schlusssatz ebendieses Buches ist allerdings ernüchternd: "Damals hatte Israel noch keinen König und ein jeder tat, was ihm richtig dünkte"..."

    Wir leben aber nicht mehr in Stammesgesellschaften, oder? Zudem zeigt der Schlusssatz, dass eine rechtslose Welt eben auch Probleme mit sich bringt.

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