Donnerstag, 6. Dezember 2012

Über Bitcoins und den Versuch, Freiheitliches auf parteipolitischem Wege zu erreichen: Aaron Koenig im Gespräch

Gut gerüstet: Aaron Koenig
Tomasz M. Froelich im Gespräch mit Aaron Koenig
Aaron Koenig hat eine abwechslungsreiche politische Vita hinter, und womöglich noch vor sich: Als Mitglied im Bundesvorstand der Piraten kehrte er diesen den Rücken, als er merkte, dass sozialistische Tendenzen in der Partei die libertären unterwandern würden. Später gründete er die Partei ,,Die Freiheit'', welche klassisch liberal ausgerichtet sein sollte. Das Projekt scheiterte jedoch. Nun engagiert er sich bei den Freien Wählern, vor allem wegen der EU-kritischen Haltung, die sie vertreten. Außerdem hat er vor kurzem ein neues Magazin in die Wege geleitet, welches eine erfrischende Alternative zu den Mainstream-Medien, die uns Tag für Tag überschütten, bietet. ,,BLINK'', so der Name des Magazins, hat in der aktuellen Ausgabe die Bitcoins zum Schwerpunktthema. Bitcoins könnten eines Tages den staatlichen Geldsozialismus und sein ungedecktes Papiergeld ersetzen. Aaron Koenig ist ein Fan von ihnen. Tomasz M. Froelich sprach mit ihm.

Ft: Herr Koenig, Sie sind gemeinsam mit Daniel Fallenstein Chefredakteur des neuen Magazins ,,BLINK. Politik & Freisinn''. Sind Sie freisinnig genug, um den Euro als politisches Projekt, welches an der wirtschaftlichen Realität scheitert, zu erkennen?

Koenig: Ja. Man muss aber nicht besonders freisinnig sein, um zu erkennen, dass der Euro ein gescheitertes Projekt ist. Ein bisschen gesunder Menschenverstand reicht dafür völlig aus. Sogar Sahra Wagenknecht, die ja nun bestimmt keine Liberale ist, hat dazu eine sehr gute Rede im Bundestag gehalten, in der sie der Merkel-Regierung zu Recht Insolvenzverschleppung vorwirft.

Ft: Dann scheint es um den gesunden Menschenverstand unserer Politiker schlecht bestellt zu sein. Sehen Sie denn Alternativen zur gegenwärtigen Geldordnung?

Koenig: Ich bin für eine marktwirtschaftliche Geldordnung: ohne staatliches Geldmonopol und ohne das Privileg der Banken, per Kreditvergabe Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Ob sich dann durch Sachwerte wie Gold und Silber gedecktes oder auf Kryptographie beruhendes Geld wie Bitcoin durchsetzt, werden wir sehen. Wahrscheinlich wird auf einem freien Markt Platz für beides sein.

Ft: Bitcoin scheint es Ihnen besonders angetan zu haben. Seit Monaten engagieren Sie sich in Berlin bei sogenannten Bitcoin-Stammtischen. Ihr Magazin kann man in Bitcoins kaufen und die aktuelle Ausgabe hat Bitcoin zum Schwerpunktthema. Sehen Sie in den Bitcoins das Geld der Zukunft?

Koenig: Ich halte Bitcoin für ein sehr gut durchdachtes Projekt mit einem riesigen Potenzial. Ich kann nicht hellsehen und daher nicht sagen, was aus Bitcoin wird. Klar ist aber, dass Bitcoin allen anderen Währungen und Zahlungsarten um Längen überlegen ist, daher bin ich durchaus optimistisch, dass es sich durchsetzen wird.

Ft: Können Sie uns das Konzept, das hinter Bitcoin steckt, ein wenig erläutern?

Koenig: Bitcoin ist eine digitale Währung und ein weltweites Zahlungsnetzwerk zugleich. Beides kommt ohne Zentralbank oder sonstige zentrale Institutionen aus, denn es funktioniert nach dem Peer-to-Peer-Prinzip, so wie man es von Filesharing-Plattformen kennt.
Bitcoins werden durch eine Open-Source-Software nach einem fest vorgegebenen Verfahren neu erzeugt, das Geldmengenwachstum ist vorsehbar und nimmt mit der Zeit ab, eine Inflation wie beim staatlichen Fiat Money ist also ausgeschlossen. Bitcoins sind durch Kryptographie geschützt, es ist unmöglich, sie zu fälschen. Die Transaktionen laufen weltweit direkt zwischen den Usern und sind kostenlos. Banken und Zahlungsdienstleister wie Western Union werden damit überflüssig. Alles weitere kann man in der neuen Ausgabe von BLINK nachlesen.

Ft: Am Ende kurz zu Ihnen: Ihr Magazin steht laut eigenen Angaben für unantastbare Menschenrechte, freie Marktwirtschaft, direkte Demokratie und die Begrenzung staatlicher Macht. Sie waren politisch in der Partei ,,Die Freiheit'' und den Piraten aktiv. Viele würden einen Widerspruch zwischen diesen Parteien und den Grundsätzen Ihres Magazins erkennen. Weshalb sind Sie diesen Parteien beigetreten?

Koenig: Die Piraten waren zu meiner Zeit (2009-2010) noch nicht so sozialistisch wie heute - der erste Pirat, den ich kennenlernte, war sogar ein echter Libertärer. Mit den Kernaussagen der Piraten zu Transparenz, Datenschutz, Netzneutralität etc. stimme ich nach wie vor überein, und ich hatte die Hoffnung, dass sich die Partei zu einer freisinnigen Alternative entwickeln könnte. Doch als absehbar wurde, dass die Sozialisten und „Grundeinkommen“-Befürworter sich dort durchsetzen, bin ich wieder ausgetreten.
Die Partei „Die Freiheit“, die ich ursprünglich initiiert hatte, war von uns Gründern eigentlich als klassisch-liberale Partei gedacht. Wir haben dann allerdings den Fehler gemacht, uns mit einigen Berufspolitikern zusammenzutun, die die Partei in eine falsche, staatsgläubige Richtung manipuliert haben. Aber durch solche Fehler lernt man am meisten.

Ft: Werden Sie eines Tages wieder in die Parteipolitik zurückkehren? Aus rein programmatischer Sicht würde sich Ihnen ja die Partei der Vernunft anbieten.

Koenig: Die Partei der Vernunft hat ein gutes Programm, aber keine Chancen, bei der nächsten Bundestagswahl über die 5%-Hürde zu kommen. Deswegen bin ich jetzt bei den Freien Wählern aktiv. Deren Grundsatzprogramm hat zwar einige Schwächen, aber mit den Kernaussagen: Ablehnung des Euro und des EU-Zentralismus, Stärkung der kommunalen Eigenverantwortung und Einführung der direkten Demokratie bin ich d'accord.
Die Freien Wähler haben sehr gute Chancen, in den Bundestag einzuziehen, vielleicht sogar zum neuen Zünglein an der Waage zu werden. In der Politik geht es nun einmal nicht darum, eine möglichst reine Lehre zu vertreten, es geht darum, etwas zu bewirken.

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