Mittwoch, 12. Dezember 2012

Die Kolonisation Pennsylvanias 1681-1696: Zwischen "Holy Experiment" und funktionierender Anarchie

William Penn: Gründer Pennsylvanias, dessen
Bevölkerung seiner Zeit Anarchie bevorzugte.
von Jonathan Danubio
1.      Einleitung
Pennsylvania unterschied sich von allen anderen Kolonien in Nordamerika insbesondere dadurch, dass es seit seiner systematischen Besiedlung ab 1681 de facto bis zum Jahre 1696 ein Beispiel unabsichtlicher, aber funktionierender Anarchie war. Anarchie meint in diesem Kontext zweierlei: a) die Abwesenheit von Zwangsabgaben in Form von Steuern, die bekanntlich die Grundlage jedes Staates bilden, und logisch daraus folgend b) die Abwesenheit von Zwangsherrschaft durch eine Regierung. Dauerhafte Steuern konnten in Pennsylvania erst im Jahre 1696 durchgesetzt werden. Trotz fehlenden finanziellen Substrats kam es zu vereinzelten Regierungstätigkeiten, welche jedoch so gut wie nie von der Bevölkerung, sondern (wenn überhaupt) von William Penn, dem verzweifelten Eigentümer der Kolonie, bezahlt wurden. Bei einem strengen Maßstab kann man in Pennsylvania also nur von einer relativen Anarchie sprechen.
Der Historiker Edwin B. Bronner, der als „Entdecker“ der anarchistischen Periode Pennsylvanias gilt, schrieb 1962 bezüglich seiner Motivation, ein Buch über diese Frühphase zu verfassen: „There is no thorough, well-documented, chronological study of Pennsylvania for the years 1681 to 1701. The books which are valuable for the later period are scanty during the first twenty years.”[1] Auch fünfzig Jahre später hat sich an Bronners Feststellung kaum etwas geändert. Die Dürftigkeit verfügbarer Sekundärliteratur zu diesem Thema schränkt die historische Evaluation offenkundig ein, ist aber gleichzeitig Initialzündung dieser Hausarbeit, deren primäres Ziel es ist, eine weitgehend vernachlässigte Episode der amerikanischen Koloniegeschichte vorzustellen.
Pennsylvania war anfangs insbesondere als ein Refugium für verfolgte Quäker gedacht. Aus diesem Grunde sollen zunächst die religiösen Konflikte im britischen Mutterland sowie die dortige Entstehung des Quäkertums skizziert werden. Anschließend stehen die anfängliche Besiedlung Pennsylvanias und die Genese der Anarchie innerhalb der Kolonie im Vordergrund. Diese gesellschaftliche Entwicklung wird bis zu ihrem Ende im Jahre 1696 dargelegt.

2.      Die englische Reformation und das Quäkertum
Auslöser der Reformation in England war eine politische Streitigkeit zwischen Heinrich VIII. (1509 – 1547) und Papst Clemens VII. 1527 bat der englische König den Papst darum, seine Ehe mit Katharina von Aragón aufzulösen, da diese ihm zwar eine Tochter, aber keinen männlichen Thronfolger geboren hatte. Als der Papst sich letztlich weigerte, brach Heinrich VIII. mit der katholischen Kirche, annullierte 1533 die Ehe eigenständig und ernannte sich zudem 1534 zum alleinigen Oberhaupt der bis dato katholischen Anglikanischen Kirche. Seitdem wurde die Anglikanische Kirche sukzessiv um reformatorische Elemente erweitert. Königin Maria I. (1553 – 1558), Tochter von Heinrich VIII. und Katharina von Aragón, versuchte die Abspaltung ihres Vaters rückgängig zu machen und England wieder zu katholisieren bzw. die Anglikanische Kirche wieder dem Papst unterzuordnen. Da sie jeden Widerstand gewaltsam niederschlagen ließ, erhielt sie den Spitznamen Bloody Mary. 1558 bestieg ihre Halbschwester Elisabeth I. (1558 – 1603) den Thron und machte die vorhergehende Rekatholisierung wiederum rückgängig. Unter ihrer Ägide zementierte sich der endgültige Bruch der nun stark protestantisch durchsetzten Anglikanischen Kirche mit Rom.[2]

Mitte des 16. Jahrhunderts entstand in England auch der Puritanismus. Den Puritanern reichten die protestantischen Elemente innerhalb der Anglikanischen Kirche nicht, sie forderten auch eine Reinigung (engl. purification) von den Resten der katholischen Lehre. Die religiös eher gemäßigte Elisabeth I. geriet daher oftmals in Konflikt mit den radikalen Forderungen der Puritaner. Diese Spannungen entluden sich dann, zusätzlich angefacht durch den Konflikt zwischen Karl I. (1625 – 1649) und dem Parlament, im Englischen Bürgerkrieg (1642 – 1649), der mit der Hinrichtung Karl I. und der Abschaffung der Monarchie endete. Es folgte ein kurzes Protektorat unter dem Puritaner Oliver Cromwell. Nachdem bereits während des Bürgerkrieges das Bischofsamt in der Anglikanischen Kirche abgeschafft wurde, hob Cromwell zudem noch die gesetzliche Pflicht auf, am Gottesdienst der Anglikanischen Kirche teilzunehmen, d. h. die Mitgliedschaft in der Anglikanischen Kirche war von nun an keine Zugangsvoraussetzung mehr für öffentliche Einrichtungen. Die Trennung von Kirche und Staat sorgte für eine Phase relativer religiöser Freiheit, sodass zahlreiche separatistische Bewegungen entstanden und sich die religiösen Anschauungen und etwaigen Streitigkeiten diversifizierten.[3] [4]

1660 wurde die Monarchie unter Karl II. (1660 – 1685) wieder restauriert und die Anglikanische Kirche (inklusive des Bischofsamtes) erneut als Staatskirche etabliert. Zudem wurden einige Gesetze erlassen, um alle nonkonformistischen Abweichungen zu unterdrücken und zu bestrafen. Zusammengefasst besagten diese Folgendes: alle Beamten mussten die Kommunion von der Anglikanischen Kirche erhalten haben; das Book of Common Prayers (Agende der Anglikanischen Kirche) war die Grundlage jedweden Gottesdienstes; private religiöse Zusammenkünfte von mehr als fünf Leuten – vorausgesetzt sie lebten nicht im selben Haus – waren verboten; Pfarrer, die den Eid auf den König und die Anglikanische Kirche verweigerten, wurden verbannt und durften sich ihrer alten Heimat nur auf fünf Meilen Entfernung nähern; Nonkonformisten wurde verboten im öffentlichen Dienst tätig zu sein.[5] In solch turbulenten Zeiten entstand auch das Quäkertum. Es wurde gegen Ende des Englischen Bürgerkriegs von George Fox begründet und stieß unmittelbar auf gesellschaftlichen und religiösen Widerstand. Hatte George Fox Anfang der 1650er Jahre erst eine kleine Gruppe von Anhängern um sich geschart, so wuchs die Gemeinschaft in der Folgezeit sehr schnell an. 1680 bekannten sich bereits ca. 60.000 Engländer und Waliser zum Quäkertum.[6]

Quäker glauben, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und dass jedem Menschen ein inneres Licht – der Geist Gottes – innewohnt. Um mit Gott in Kontakt zu treten, reicht es, seinem inneren Licht zu folgen. Es bedarf keiner Äußerlichkeiten wie der Kirche oder etwaigen Sakramenten.
Der Glaube an die Gleichheit der Menschen vor Gott hatte seinerzeit weitreichende Implikationen, die insbesondere von der Obrigkeit als Angriff auf die soziale Ordnung im Königreich gesehen wurde. In der Tat richteten sich Quäker gegen viele gesellschaftliche Privilegien und Praktiken: sie weigerten sich, den Adel als überlegen anzuerkennen, d. h. sie verzichteten bei der Ansprache auf Höflichkeitsformen oder in der Gegenwart von Autoritäten auf das Abnehmen ihrer Hüte; sie verwehrten Eide auf den König oder die Kirche; sie waren strikte Pazifisten und daher gegen den Kriegsdienst; sie praktizierten eine Geschlechtergleichheit, die es auch Frauen erlaubte, zu predigen; sie lehnten die Institution der Kirche ab und verweigerten daher den obligatorischen Kirchenzehnt. Des Weiteren verstießen die Quäker gegen erlassene Gesetze, da sie trotz Verbotes  u. a. öffentliche Gottesdienste abhielten.
Es ist kaum verwunderlich, dass die Quäker seit ihrer Entstehung von den Obrigkeiten grausam verfolgt und als Blasphemiker oder Häretiker verschrien wurden. Zahlreiche Quäker wurden in England gefoltert, verhaftet oder mit hohen Geldbußen bedacht. Die Verfolgungen ebbten erst ab den 1670er Jahren langsam ab, bevor sie mit der Toleranzakte von 1689 fast gänzlich aufhörten.[7] In Anbetracht dieser dramatischen Zustände richteten die Quäker ihre Aufmerksamkeit bereits früh auf die Neue Welt. So reiste George Fox zu Beginn der 1670er Jahre nach Nordamerika, um auf Barbados, in New England und im Süden der englischen Kolonien zu missionieren. Im Grunde wurden die Quäker nur in Rhode Island wirklich willkommen geheißen. In anderen Kolonien hingegen (bspw. Massachusetts) wurden sie meist auch verfolgt. Die erste Möglichkeit für eine erhoffte Quäker-Kolonie ergab sich im Jahre 1674.[8]

Im Zweiten Englisch-Niederländischen Krieg (1665 – 1667) eroberten die Engländer endgültig das heutige Gebiet von New Jersey, welches dann letztlich an zwei loyale Freunde des Königs – Lord Berkeley und Sir George Carteret – verschenkt wurde. Diese teilten 1674 das Gebiet in East Jersey (Carteret) und West Jersey (Berkeley). Lord Berkeley verkaufte West Jersey wiederum an John Fenwick und Edward Byllynge, die beide Quäker waren. Es kam schnell zum Streit zwischen ihnen, weshalb der spätere Eigentümer von Pennsylvania, William Penn, als Schlichter gerufen wurde. Penn stammte aus einer angesehenen Aristokratenfamilie, die über große Ländereien verfügte. Sehr zum Missfallen seines Vaters bekannte sich Penn jedoch bereits in frühen Jahren zum Quäkertum. Er reiste gemeinsam mit George Fox predigend durch Europa und wurde oftmals verhaftet.[9] Penn konnte den Konflikt in West Jersey erfolgreich lösen: Fenwick erhielt eine Abfindung und ein Zehntel des Landes, während Byllynge die restlichen neun Zehntel zugesprochen bekam. Byllynge übergab seinen Anteil schließlich an drei Verwalter – darunter auch William Penn –, die seine und die Interessen der Quäker wahren sollten. Die drei Verwalter begannen via Werbungen Siedler, insbesondere Quäker, anzulocken, eine Regierung zu etablieren etc. Penn sammelte durch die Verwaltung des Landes wichtige Erfahrungen für seine spätere eigene Kolonie. West Jersey entwickelte sich zwar zu einem finanziell erfolgreichen Unternehmen, aber es wurde doch keine eigene Quäker-Kolonie, nach der sich so viele Anhänger sehnten. Diese Hoffnung sollte sich erst ab 1681 erfüllen.[10]

3.      Die Kolonisation Pennsylvanias 1681 – 1684: „Holy Experiment“
Als William Penns Vater 1670 starb, hinterließ er seinem Sohn einen Großteil seiner Ländereien und einen königlichen Schuldschein über 16.000 Pfund. 1680 bat Penn König Karl II. in einer Petition darum, diese Schuld durch die Schenkung eines nordamerikanischen Territoriums zu begleichen. Im März 1681 unterzeichnete Karl II. die königliche Charter und William Penn wurde somit Eigentümer eines Landstrichs nördlich von Maryland und südlich von New York, welcher zu Ehren seines Vaters Pennsylvania getauft wurde. Das Gebiet wurde schon früher sporadisch besiedelt und war ein ewiger Zankapfel zwischen Schweden und Niederländern, bevor es im Dritten Englisch-Niederländischen Krieg (1672 – 1674) letztlich an England fiel.[11] Penns Charter war weniger umfassend als bisherige königliche Charters, so durfte er bspw. nur in Übereinstimmung mit einer Versammlung von freien Männern regieren. Penn verfolgte mit seiner Kolonie zwei Absichten: primär wollte er ein heiliges Experiment begründen, welches als Vorbild für alle Nationen dienen sollte und sekundär versuchte er Profit für sich und seine Familie einzustreichen. Das heilige Experiment bestand darin, ein Refugium für Quäker, aber auch andere religiös Verfolgte, zu schaffen, in dem tugendhafte Menschen in Eintracht und unter der Führung Gottes lebten. Diese friedliche Gesellschaft sollte dann als ein Ideal für die gesamte Menschheit gelten.[12]

Sobald Penn die Charter in Händen hielt, ernannte er seinen Cousin William Markham zum stellvertretenden Gouverneur der Kolonie und schickte ihn nach Pennsylvania, damit er für Recht und Ordnung sorgte sowie etwaige Grenzfragen klärte.[13] Penn selbst begann in England mit Planungen für die bevorstehende Kolonisierung. Um Siedler anzulocken, verfasste er eine Reihe von relativ ehrlichen und informativen Werbungen, die er übersetzen und auf dem Kontinent verteilen ließ.[14] Seine Werbungen waren in Kombination mit günstigen Landpreisen sehr erfolgreich, denn als Penn 1682 in Pennsylvania ankam, waren bereits ca. 857.000 Morgen Land verkauft. Des Weiteren veranlasste er, um die Ansiedlung noch attraktiver zu machen, dass die jährlich fälligen Landsteuern (quitrents), die ihm als Eigentümer der Kolonie von jedem Landbesitzer zustanden, erst ab 1686 – rückwirkend für 1685 – zu zahlen waren. Neben der Akquise begann Penn auch mit den Ausarbeitungen einer Verfassung für die Kolonie (Frame of Government of Pennsylvania), welche im April 1682 beendet wurden. Kurz vor seiner Abreise im August 1682 konnte Penn seinen Freund, den Duke of York (später König Jakob II.), überreden, ihm gegen Bezahlung die Rechte an Pennsylvanias Nachbarkolonie Delaware zu übertragen, wodurch Penn sich einen Zugang zum Atlantik verschaffte.[15] [16]

William Penn erreichte Nordamerika im Oktober 1682 und um schnellstmöglich eine Verfassung bzw. Gesetze zu verabschieden, berief er für den Dezember 1682 die erste Versammlung mit gewählten Repräsentanten aus Pennsylvania und Delaware ein. Nach zahlreichen Abänderungen wurde im April 1683 dann die sog. Second Frame of Government (oder auch Charter of Liberties) verabschiedet. Die Verfassung sah ein Zweikammersystem vor: einerseits ein Provincial Council und andererseits eine General Assembly, die beide von den freien Männern der Kolonie gewählt wurden. Der Gouverneur stand dem Council vor, konnte aber nur mit dessen Zustimmung handeln. Die Aufgabe des Councils bestand darin, Gesetze vorzubereiten, diese dann mit dem Gouverneur oder dessen Stellvertreter abzusprechen, um sie letztlich der Assembly zur Bestätigung oder Ablehnung vorzulegen. Wenig überraschend bestand der erste politische Konflikt in der Kolonie darin, dass einige Mitglieder der Assembly ein Gesetzesinitiationsrecht für sich forderten. Doch der Council war nicht bloß die Legislative, sondern gleichzeitig auch Exekutive und höchste Judikative, – obwohl es Bezirksgerichte und seit 1684 sogar ein Landgericht gab –.
In den ersten zwanzig Jahren der Kolonie wurde eine Judikative jedoch kaum benötigt, da die Mehrheit der Gesellschaft noch aus Quäkern bestand und diese ihre Konflikte untereinander auf regelmäßigen Treffen lösten. Dies änderte sich erst ab der Jahrhundertwende als zahlreiche Nicht-Quäker nach Pennsylvania zogen. In den Augen der Bevölkerung war das wichtigste Verfassungsmerkmal jedoch nicht das hier skizzierte Regierungssystem, sondern die gesetzliche Garantie religiöser Freiheit (zumindest für alle Theisten), d. h. es gab in Pennsylvania keine vorgeschriebene Religion, wenn auch nur Christen Regierungsämter besetzen durften.[17] [18]

Ein Hauch von Anarchie wehte bereits während Penns Anwesenheit durch die Kolonie. 1683 wurden zwar zur Unterstützung der Regierung eine geringe Verbrauchssteuer, Abgaben auf starken Alkohol sowie Exportzölle auf Felle und Pelze beschlossen, aber Penn schaffte diese umgehend wieder ab, um Kolonisten anzulocken. Als er ein Jahr später die alten Steuern wiedereinführen und um neue erweitern wollte, setzte sich eine Gruppe einflussreicher Männer erfolgreich dagegen ein. Sie wussten, dass die Kolonie ohne Steuern schneller wachsen würde und boten Penn im Gegenzug eine freiwillige Spende von 500 Pfund an. Penn akzeptierte das Angebot: die Steuern blieben abgeschafft, doch er erhielt von den Männern nie den vollen Geldbetrag.[19]

Als Penn im August 1684 nach England zurückreiste (insbesondere aufgrund von Grenzstreitigkeiten mit Maryland), tat er es in dem Gewissen, eine stabile Kolonie mit einer tugendhaften Regierung errichtet zu haben. Das heilige Experiment schien ideologisch und finanziell ein Erfolg zu werden. In der Retrospektive kann man jedoch sehen, dass Penns Experiment in beiderlei Hinsicht mit seiner Abreise zu scheitern begann. In der Tat war die Kolonie für Penn anfangs ein wirtschaftlicher Erfolg. Angelockt von der religiösen Freiheit, den günstigen Landpreisen und der  Steuerbefreiung, strömten viele Menschen – insbesondere Quäker – nach Pennsylvania. 1682 bewohnten ca. 3000 Siedler Pennsylvania, 1684 hatte es schon ca. 8000 und 1689 über 12.000 Einwohner.[20] Der Landverkauf brachte Penn zunächst viel Geld ein, doch während die Kosten der Kolonie beständig stiegen, sanken seit 1682 sukzessiv die Erlöse und die ersten Einnahmen aus der Landsteuer wurden erst 1686 fällig. Doch der anfängliche wirtschaftliche Erfolg für Penn soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ersten Jahre innerhalb der Kolonie sehr hart waren: Krankheiten suchten die Bevölkerung heim; die Landkultivierung erwies sich als schwierig; es existierte kein ausgeprägter Handel mit anderen Kolonien oder Ländern etc. Bis 1686 war die Kolonie auf ständige Importe aus dem britischen Mutterland angewiesen. Dies änderte sich erst im Zuge des King William’s War (1689 – 1697), da die Kolonisten ihre nun stark nachgefragten Güter zu hohen Preisen veräußern konnten und ein reger Handel insbesondere mit anderen Kolonien entstand.[21] [22]

4.      Die Kolonisation Pennsylvanias 1684 – 1696: Die anarchistische Phase
Nach Penns Abreise lag die Regierungsgewalt beim Council, wobei dieser ohne die Zustimmung der Assembly machtlos war. Penn versuchte zwar durch Briefe an Thomas Lloyd, den Präsidenten des Councils, Einfluss zu nehmen, doch de facto regierte sich die Kolonie selbst, ohne den Einfluss seines Gouverneurs. Wider Erwarten nahm der Council seine exekutiven Funktionen nur sporadisch wahr. Die Mitglieder trafen sich in unregelmäßigen Abständen, sodass bis 1688 praktisch keine Regierung vorhanden war. Dies lag vor allem daran, dass es für die Exekutive kaum etwas zu tun gab und die Mitglieder des Councils gleichzeitig Privatmänner waren, die sich auch um ihr neues Land kümmern mussten. Des Weiteren war die Anreise nach Philadelphia, wo sich der Tagungsort des Councils befand, oftmals sehr mühselig und kostspielig. Laut Gesetz stand den Regierungsbeamten zwar ein geringes Einkommen zu, doch da es keine Steuern gab, konnte dieses auch nicht bezahlt werden. Ein Steuergesetz zu erlassen war ebenfalls unmöglich, da die Assembly von 1686 bis 1688 die Zusammenarbeit mit dem Council aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten weitestgehend verweigerte. Interessanterweise gibt es in den Quellen allerdings keine Beschwerden über Anarchie oder Chaos.[23]

Ein weiteres Problem kam im Jahre 1686 hinzu, als die ersten Landsteuern an Penn fällig wurden. Die Landbesitzer weigerten sich vehement, diese zu bezahlen und forderten ein weiteres Jahr Aufschub, da sie momentan noch nicht über ausreichend Geld verfügen würden. Manche Siedler missachteten zudem Penns Monopol auf den Kalkabbau und errichteten eigene Mienen. Penn war über beides entsetzt und schrieb an Thomas Lloyd, dass die Regierung rechtliche Maßnahmen ergreifen müsse. Doch der Council bemühte sich kaum, Penns Anweisungen Folge zu leisten und so blieben dessen brieflichen Androhungen fruchtlos. Penn wurde immer aufgebrachter über die Unfähigkeit seiner Regierung, denn die fehlenden Steuereinnahmen machten Pennsylvania zu einem immer teureren Unterfangen. Hinzu kamen weitere Kosten für seinen extravaganten Lebensstil, Gerichte, Publikationen etc. Während Penn sich immer weiter verschuldete, blieb er in den Augen der Kolonisten ein reicher Mann, sodass die Hemmungen geringer waren, ihm die Landsteuern zu verweigern. Ebenso wurden seine Bitten um Kredite von der Bevölkerung einfach ignoriert. Penn hatte immer mehr das Gefühl, dass sein heiliges Experiment ihm entglitten war. Zur vorherrschenden Anarchie schrieb er 1686: „The great fault is, that those who are there lose their authority one way or another in the spirits of the people and then they can do little with their outward powers.”[24] Er musste einsehen, dass weder die Regierung noch die Bewohner Pennsylvanias in seinem Sinne tugendhaft handelten. Er war enttäuscht darüber, dass die Quäker auf ihren regelmäßigen Treffen stets ehrlich zueinander waren, diese Charaktereigenschaft in Bezug auf die Regierung aber ablegten.
Der anarchistische Geist Pennsylvanias offenbarte sich zudem im Jahre 1685, als William Dyer – der königlicher Steuereintreiber – dort eintraf und Zölle einforderte, die durch die Bestimmungen der Navigationsakten hätten eingenommen werden sollen. Trotz Penns inständigen Beschwörungen weigerte sich die Bevölkerung nicht nur mit Dyer zu kooperieren, sondern auch sich an die protektionistischen Navigationsakten zu halten.[25] [26]
Verzweifelt ernannte Penn im Februar 1687 eine Kommission, bestehend aus fünf prominenten Männern Pennsylvanias, deren offizielle Aufgabe es war, Recht und Ordnung zu gewährleisten, obwohl beides bereits existierte. Die Kommission wurde von der Bevölkerung ignoriert und in den Tagungsberichten des Councils erst ein Jahr nach ihrer Ernennung zum ersten Mal erwähnt. Die Kommission selbst täuschte nur vor, ihre Arbeit aufgenommen zu haben. Die einzelnen Mitglieder schickten Penn regelmäßig private Briefe über ihre vermeintlichen Tätigkeiten, doch dieser wurde im Dezember 1687 misstrauisch, da er noch immer keinen offiziellen Bericht der Kommission erhalten hatte. Im Februar 1688 musste die Kommission ihre Funktion dann tatsächlich wahrnehmen, was eine kurze Auszeit für die Anarchie in Pennsylvania bedeutete. Penn verordnete der Kommission, Steuern einzuführen und die Zölle des Königs einzutreiben. Doch die Kommission begnügte sich damit, die Assembly einzuberufen, welche nach drei Jahren erstmals wieder ein paar Gesetze bewilligte. Die vom Council eingebrachten Steuergesetze wurden jedoch abgelehnt. Nach dieser kurzen legislativen Phase traf sich die Kommission fast gar nicht mehr und auch der Council hielt an seinem unregelmäßigen Zusammenkommen fest, sodass Pennsylvania wieder in einen Zustand der Anarchie hinüberglitt.[27]

Immer frustrierter wandte sich Penn schließlich an einen Außenseiter, an jemanden, der weder Bewohner Pennsylvanias noch Quäker war. Mit der Ernennung John Blackwells zum stellvertretenden Gouverneur der Kolonie im September 1688 gestand sich Penn seine Niederlage ein. Die Regierung missachtete seine Anordnungen, die Bewohner betrogen ihn um die Landsteuer und das heilige Experiment war gescheitert. John Blackwell war ein Puritaner und ehemaliger Soldat unter Oliver Cromwell im Englischen Bürgerkrieg. Blackwells primäre Aufgabe war die Eintreibung der Landsteuern, denn die finanzielle Lage Penns verschlechterte sich zunehmend. Nebenbei sollte er auch eine funktionierende Regierung etablieren.
Als Blackwell im Dezember 1688 in New York ankam, wurde er trotz seiner vorherigen Bitte von keinem Vertreter Pennsylvanias empfangen. Nach drei Tagen machte er sich alleine auf den Weg nach Philadelphia, wo er realisieren musste, dass auch der einberufene Council nicht zusammengekommen war. Bronner schreibt: „Blackwell found the council room deserted and covered with dust and scattered papers. The wheels of government had nearly stopped turning.”[28] Nachdem Blackwell sich dem Council schließlich vorgestellt und seine von Penn erhaltenen Aufträge erläutert hatte, entgegnete dessen Präsident Thomas Lloyd, dass er den Weisungen Blackwells leider nicht gehorchen könne, da sie nicht durch das Great Seal amtlich beglaubigt worden seien. Die Krux besteht darin, dass Lloyd als Präsident des Councils auch gleichzeitig der Verwahrer des Great Seals war. Blackwell hatte also seit seinen ersten Tagen in Pennsylvania mit einer starken Opposition in der Regierung und Bevölkerung zu kämpfen, die in dem puritanischen Außenseiter eine Gefahr für ihren bisherigen Lebensstil sah.[29]
Die Öffentlichkeit und der Council änderten ihre Meinung jedoch schnell, da sich zunehmend eine revolutionäre Situation abzeichnete. Der Großteil des Councils betrachtete die offene Rebellion Lloyds gegen Blackwell nicht nur als Widerstand gegen Penn, sondern auch als einen Affront gegen die englische Krone. Nach kurzer Zeit standen die meisten Mitglieder des Council daher geschlossen hinter Blackwell, wobei sie sich gleichzeitig echauffierten, denn jede Kritik von Blackwell an der bisherigen politischen Praxis war eine Kritik an ihnen selbst. Der große Konflikt zwischen Blackwell und Lloyd begann um besagtes Great Seal. Lloyd weigerte sich beharrlich, das Siegel herauszugeben bzw. die Anordnungen Blackwells damit zu versehen. Als Blackwell bspw. den Gerichtsprotokollanten David Lloyd entließ, weil dieser diverse Gerichtsakten nicht herausrücken wollte, hob Thomas Lloyd ihn gegen die Proteste des Councils kraft des Great Seals wieder in sein Amt. Der Streit zwischen Blackwell und Lloyd kulminierte im April 1689, als Blackwell ein Amtsenthebungsverfahren gegen Lloyd anstrebte. Lloyd wurden mehrere Verbrechen zur Last gelegt. Doch mit seinem Schlussplädoyer schockierte Blackwell die Öffentlichkeit in Pennsylvania. Er erklärte, dass Penns Macht – und davon abgeleitet auch seine Macht – über die Kolonie absolut wären. Der Council sei auch kein Repräsentativorgan der freien Bewohner, sondern ein Instrument zur Durchsetzung von Penns Willen, d. h. er sprach den Siedlern ihre bisherige Selbstregierung ab. Seine Ausführungen endeten mit der Androhung von Gewalt gegenüber allen Widerständlern.[30]

Die Bevölkerung stand vor der Wahl, sich dem absolutistischen Blackwell anzuschließen oder sich hinter Thomas Lloyd zu scharen. Trotz der ihm nun feindlich gesinnten Bevölkerung enthob Blackwell Lloyd und zwei weitere Mitglieder des Councils ihrer Ämter. Als er ein weiteres unliebsames Mitglied entfernen wollte, protestierte der Council und weigerte sich nun, weitere Treffen abzuhalten. Blackwell löste den Council daraufhin auf und schrieb bereits nach vier Monaten, im April 1689, einen resignierenden Brief an Penn.  Die Mitglieder des Councils wiederum beschwerten sich bitter bei Penn, dass Blackwell ihnen die Freiheiten rauben wolle. Penn glaubte seinen Glaubensgenossen, entmachtete Blackwell und entschuldigte sich bei der Kolonie für dessen Ernennung. Stattdessen erklärte er nun den gesamten Council – wieder von Thomas Lloyd angeführt – zum stellvertretenden Gouverneur. Die Kolonie kehrte seitdem zu ihrer gewohnten Anarchie zurück: sowohl Council als auch Assembly trafen sich nur in unregelmäßigen Abständen, wobei gelegentlich Gesetze zur Regulierung des Alltags erlassen wurden. Steuern waren auch weiterhin nicht existent. Interessant ist in diesem Kontext folgende Anekdote: zu Beginn des King William’s War im Jahre 1689 verlas Blackwell einen Brief vom königlichen Außenminister, in dem dieser die Kolonie aufforderte, sich zu bewaffnen und gegebenenfalls zu verteidigen. Aufgrund ihres Glaubens und ihrer Abneigung gegen Zwangsgebühren lehnte die Bevölkerung (und in der Folge sowohl der Council als auch die Assembly) eine steuerfinanzierte Aufrüstung und Verteidigung der Kolonie ab. Der deprimierte Blackwell regierte formal noch bis Ende 1689 und versuchte in der verbleibenden Zeit vergebens für Penn Landsteuern einzutreiben. Er verließ Pennsylvania schließlich im Januar 1690.[31]
Währenddessen war Penn durch die politischen Entwicklungen im Mutterland genötigt, seine Kolonie vorübergehend zu vernachlässigen. Im Zuge der Glorious Revolution (1688/1689) wurde sein langjähriger Freund und König Jakob II. (1685 – 1688) gestürzt, was Penn einige Probleme mit den neuen Obrigkeiten bescherte. Als William Markham dem Council ein Steuergesetz vorschlug, um seinen Not leidenden Cousin zu unterstützen, wurde dieser einfach ignoriert. Trotz Schwierigkeiten insistierte Penn 1691 auf die Ernennung eines neuen stellvertretenden Gouverneurs, der von den Kolonisten selbst gewählt werden sollte. Diese entschieden sich für ihren Widerstandshelden Thomas Lloyd, der im April 1691 sein Amt antrat. Pennsylvania hatte nun zwar wieder ein permanentes Staatsoberhaupt, dies änderte zunächst jedoch wenig an den bisherigen Praktiken des Councils und der Assembly.[32]

Das Jahr 1691 brachte jedoch andere weitreichende Entwicklungen mit sich. Delaware löste sich wegen Repräsentationsstreitigkeiten von Pennsylvania los (William Markham wurde dort stellvertretender Gouverneur) und ein Schisma, angeführt von George Keith, spaltete die Gemeinschaft der Quäker. Keiths Schisma hatte politische Untertöne, denn einerseits setzte er sich zwar für Erneuerungen innerhalb des Quäker-Glaubens ein, kritisierte aber andererseits beständig die Ernennung Lloyds zum stellvertretenden Gouverneur. Für Keith war jedwede Regierung unvereinbar mit dem quäkerischen Credo des Pazifismus, da eine Regierung per definitionem Gewaltausübung impliziere. Er warf Lloyd vor, die Ideale des Quäkertums verraten zu haben. Die Anhänger Keiths wurden 1692 aus der Gemeinschaft der Quäker ausgeschlossen. Die einst noch verfolgten Quäker reagierten auf eine Spaltung innerhalb ihrer eigenen Reihen mit ähnlich drastischen Maßnahmen: Pamphlete wurden konfisziert; deren Autoren, Drucker und Verteiler inhaftiert; Keith wurde angeklagt und ihm wurde das Verfassen von subversiven Schriften bzw. das Halten von öffentlichen Reden verboten. Als Keith Pennsylvania 1693 verließ, löste sich bald auch die von ihm angeführte Bewegung auf. Das Schisma hatte nicht nur eine kurzweilige Spaltung der Quäker zur Folge, sondern eben auch einen Anstieg der Regierungstätigkeiten  (s. obige Maßnahmen). Um diese zu finanzieren, entwarf der Council 1692 ein Gesetz zur Steuereinführung, welches aber von der Assembly aufgrund von Protestpetitionen aus der Bevölkerung abgelehnt wurde.[33]

Im Oktober 1692 enteignete der neue König William III. (1689 – 1702) den untergetauchten Penn, machte Pennsylvania zu einer Kronkolonie und ernannte Benjamin Fletcher zum neuen Gouverneur. Der wesentliche Grund dafür war, dass Pennsylvania im King William’s War zu einem leichten Angriffsziel werden konnte,  die Bewohner aufgrund der Anarchie und des Pazifismus aber nicht in der Lage waren eine Verteidigung aufzustellen oder Steuerbeiträge zur Kriegsfinanzierung zu leisten. Interessanterweise missachteten die Bewohner Penns Aufrufe zum Widerstand gegen die Okkupation.
Fletcher übernahm im April 1693 die Regierung über Pennsylvania. Seine Aufgaben waren: Recht und Ordnung zu etablieren, eine Bürgerwehr zu errichten und – besonders wichtig – der Bevölkerung Steuern zur Kriegsfinanzierung abzuringen. Qua seines Amtes ernannte Fletcher den Council neu und berief im Mai 1693 die Assembly ein. Da er der Legislative – nun kurzzeitig aus Council und Assembly bestehend – zuvor erlaubte, neue Gesetze zu schreiben bzw. sich erbot, die alten Gesetze durch das königliche Siegel endgültig verifizieren zu lassen, konnte er in Pennsylvania ein Steuergesetz durchbringen. Des Weiteren drohte er bei einer Steuerverweigerung mit der Annexion durch New York, dessen Gouverneur er gleichzeitig war. Das Steuergesetz war für Fletcher jedoch eine Enttäuschung, da der zu entrichtende Obolus sehr gering war und dieser laut Gesetz nur für nachweislich nichtkriegerische Zwecke gezahlt werden durfte. Fletcher konnte auch keine Bürgerwehr errichten, da sich die Bevölkerung weigerte, ihre eigene Kolonie zu verteidigen. Anfang 1694 beschloss die Assembly auf Druck Fletchers ein zweites Steuergesetz, jedoch mit der Bedingung, dass die Hälfte der eingenommen Steuern zur freien Verfügung an die vorherigen stellvertretenden Gouverneure Thomas Lloyd (Pennsylvania) und William Markham (Delaware) gezahlt wurden. Fletcher, der aufgrund des Krieges genügend anderweitige Probleme hatte, war wütend und löste die Assembly kurzerhand auf, was de facto das Ende der königlichen Herrschaft in Pennsylvania und einen Rückfall in alte Muster – seltene legislative Treffen und keine Steuern – bedeutete.[34]

Im August 1694 bekam Penn nach zahlreichen Konzessionen an den König seine Kolonie zurück. Er versprach dem König u. a. zukünftige Steuerzahlungen; eine funktionierende Bürgerwehr; die Aufrechterhaltung der von Fletcher erlassenen Gesetze; sowie die Beibehaltung William Markhams als stellvertretendem Gouverneur, zu dem er von Fletcher ernannt wurde. Doch die Bewohner Pennsylvanias hatten sich nach zehn Jahren Selbstregierung an ihre Unabhängigkeit von Penn gewöhnt und wollten von Landsteuern sowie Steuern generell nichts wissen. So weigerten sich 1695 sowohl der neugewählte Council als auch die Assembly ein von Markham entworfenes Steuergesetz zu verabschieden. Doch im November 1696 schaffte dieser es durch illegale Mittel, langfristige Steuerzahlungen zu etablieren. Markham ersetzte die Second Frame of Government durch seine eigene Verfassung, sog. Markham’s Frame, die einen von ihm ernannten Council vorsah. Die Unterstützung der Assembly erlangte er dadurch, dass er ihnen ein dauerhaftes Gesetzesinitiationsrecht garantierte und die Eigentumskriterien, die zur politischen Wahl berechtigten, in den Städten hochsetzen ließ, was zur Folge hatte, dass zahlreiche Nicht-Quäker von einer zukünftigen Partizipation ausgeschlossen wurden. Pennsylvanias anarchistische Frühphase endete also 1696 und trotz großen Protests der Bevölkerung sowie einer Massenpetition gegen das neue Steuergesetz sind die Zwangsabgaben bis zum heutigen Tage bestehen geblieben.[35]

5.      Fazit
Es wurde dargelegt, dass William Penns ursprüngliches Experiment, eine friedliche und beispielhafte  Quäker-Kolonie zu errichten, anfangs sowohl ideologisch als auch finanziell ein Erfolg zu werden schien. Der Wendepunkt in beiderlei Hinsicht kam mit seiner Abreise im Jahre 1684. Die Regierung erwies sich für Penn in den nächsten Jahren als wenig tugendhaft, da sie seinen Anordnungen nicht Folge leistete. Auch die Bevölkerung der an sich ehrlichen Quäker enttäuschte den hoch verschuldeten Eigentümer, da sie sich weigerte, die ihm zustehenden Landsteuern zu bezahlen. Durch unterschiedliche Faktoren wie die Inaktivität des Councils, die Blockade von Gesetzen durch die Assembly, eine allgemeine Ablehnung von Steuern durch die Bevölkerung etc. entwickelte sich in Pennsylvania de facto ab 1684 ein anarchistischer Zustand – Abwesenheit von Steuern und Regierungstätigkeit –. Diese Phase der Herrschaftslosigkeit wurde gelegentlich durch die verzweifelten Versuche Penns, seine Landsteuern einzutreiben, für kurze Zeit unterbrochen. Doch selbst die vorübergehende Umwandlung Pennsylvanias in eine Kronkolonie konnte die dort grassierende Anarchie nicht beseitigen. Das endgültige Ende eines anarchistischen Pennsylvanias konnte erst 1696 durch eine Usurpation der Regierungsfunktionen erreicht werden. Von diesem Zeitpunkt an waren sowohl Steuern als auch die Regierung selbst gesellschaftlich fest verankerte Institutionen.

_____________________________ 
[1] Bronner, Edwin B.: William Penn’s „Holy Experiment“. The Founding of Pennsylvania 1681 – 1701, New York und London 1962, S. 1.

[2] Vgl. Brinkley, Alan: American History. A Survey, New York 112003, S. 24-26.

[3] Vgl. Milton, Anthony: Anglicanism and Royalism in the 1640s, in: Adamson, John (Hrsg.): The English Civil War. Conflict and Contexts 1640 – 1649, Basingstoke 2009, S. 61-82.

[4] Vgl. Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands, Bonn 2005, S. 158-188.

[5] Vgl. ebd. S. 188-210.

[6] Vgl. Wrigley, Edward A./Schofield, Roger S.: The Population History of England 1541 – 1871. A Reconstruction, Cambridge 1989, S. 93.

[7] Vgl. Dandelion, Pink: An Introduction to Quakerism, Cambridge 2007, S. 11-53 und S. 184-221.

[8] Vgl. Brinkley, History, S. 52-54.

[9] Vgl. Soderlund, Jean R.: Art. William Penn, in: Carnes, Mark C./Garraty, John A. (Hrsg.): American National Biography, Bd. 17, Oxford 1999, S. 291-294. Übrigens einer der wenigen Texte, die die anarchistische Phase Pennsylvanias erwähnen.

[10] Vgl. Rothbard, Murray: Conceived in Liberty, Auburn 1999, S. 319-327 und 380-391.

[11] Vgl. Mackintosh, Michael Dean: New Sweden, Natives, and Nature, in: Pencak, William A./Richter, Daniel K.: Friends and Enemies in Penn‘s Woods, Philadelphia 2004, S. 3-18.

[12] Vgl. Simmons, Richard C.: The American Colonies, From Settlement to Independence, New York und London 1981, S. 56-75.

[13] Es war im Übrigen eine besondere Leistung Penns, die indianischen Nachbarn als gleichwertige Menschen zu betrachten, mit ihnen Frieden zu schließen und Land auf freiwilliger Basis zu erwerben, statt es zu rauben.

[14] Bereits in der ersten Werbebroschüre Some Account of the Province of Pennsylvania (1681) versicherte Penn den Kolonisten, dass jedwede Besteuerung nur mit ihrer Zustimmung möglich sei.

[15] Vgl. Bronner, Penn, S. 21-31.

[16] Vgl. Landsman, Ned C.: Crossroads of Empire. The Middle Colonies in British North America, Baltimore 2010, S. 32-76.

[17] Vgl. Bronner, Penn, S. 31-50.

[18] Vgl. Rothbard, Murray N.: The Origins of Individualist Anarchism in the US, in: Libertarian Analysis 1 (1970), H. 1, S. 14-28, hier S. 14-18.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. Rothbard, Liberty, S. 394.

[21] Vgl. Bronner, Penn, S. 77-86.

[22] Vgl. Soderlund, Penn, S. 291-194.

[23] Vgl. Rothbard, Liberty, S. 392-397.

[24] Zit. nach ebd. S. 396.

[25] Vgl. Rothbard, Origins, S. 14-20.

[26] Vgl. Bronner, Penn, S. 70-86.

[27] Vgl. Bronner, Penn, S. 87-108.

[28] Bronner, Penn, S. 108.

[29] Vgl. Rothbard, Origins, S. 20-25.

[30] Vgl. Bronner, Penn, S. 109-133.

[31] Vgl. Bronner, Penn, S. 109-133.

[32] Vgl. Rothbard, Origins, S. 24-28.

[33] Vgl. Bronner, Penn, S. 134-153.

[34] Vgl. Bronner, Penn, S. 154- 170.

[35] Vgl. Bronner, Penn, S. 171-188.

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