Mittwoch, 5. Dezember 2012

Dein Kopf ist der Ausgang und mein Wille das Ziel

von Tommy Casagrande
Es gibt Diskussionen, in denen sind nicht die Zustände menschlicher Existenzen das Thema, sondern Objekte. Zu diesen objektbezogenen Themen zähle ich drei Themen, die sehr häufig unter Menschen verbreitet sind. Dabei handelt es sich um die Themen Gott, Natur und Tier.

Gott: Immer wieder sagen Menschen, man solle sich einem Gott unterwerfen, denn einem Gott sei zu dienen.
Natur: Immer wieder sagen Menschen, man solle sich der Natur unterwerfen, denn die Natur ist stärker und wichtiger als wir Menschen und daher zu respektieren.
Tier: Immer wieder sagen Menschen, man solle sich den Tieren unterwerfen, denn Tiere haben Rechte und der Mensch müsse sie respektieren.

Bei diesen drei Themen fällt eines auf, nämlich, dass weder Gott, noch die Natur, noch das Tier an meiner Haustüre schellt, um mir zu erklären, was ich ab sofort nicht mehr zu tun habe und auf welche Weise ich mein Leben von nun an ändern soll.
Kein Gott spricht zu mir, auch die Stimme der Natur nehme ich nicht wahr und die tierischen Laute haben sich mir gegenüber noch nie in dem Maße artikuliert, als dass sie mir gesagt hätten, welche Rechte sie einforderten. 

Auffällig an all diesen Themen ist hingegen etwas gänzlich anderes, nämlich die Tatsache, dass es andere Menschen sind, die mir sagen, wie ich mich gegenüber Gott, Natur und Tier zu verhalten habe. Es sind lediglich andere Menschen, die ihre Gedanken, Empfindungen, Werteinstellungen, Bedürfnisse in die Objekte Gott, Natur und Tier hinein projizieren oder sie hinein interpretieren. 
Aufgrund dieser Projektion oder Interpretation folgt keine objektive Tatsache, dass das hinein projizierte oder hinein interpretierte der Wahrheit entspräche. In Wahrheit entspricht es lediglich der Subjektivität, da das Subjekt, nämlich der Mensch mit seinem Kopf, Ausgangspunkt dieser Projektionen und Interpretationen ist. Und das Ziel dieses Menschen besteht darin, andere Menschen zu unterdrücken. Ihnen ein Handeln aufzuzwingen, weil sie der Meinung oder Überzeugung sind, dass es das beste Handeln sei. Der Wille jener Menschen, die diesen projizierten und interpretierten Gedanken nicht zustimmen, soll gebrochen werden, aufgrund eines falsch benutzten Moralbegriffes. Eines Moralbegriffes, der sich auf die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt bezieht. 
In Wirklichkeit besteht ein Moralbegriff stets nur unter Subjekten, denn Objekte fordern keine Moral. Moral ist ein Begriff, der aus dem Geist von Menschen entspringt, nicht dem Geist von Natur, Tier oder Gott. Wenn also ein Mensch behauptet, ein anderer würde sich im Bezug auf Objekte unmoralisch verhalten, so ist dies eine Täuschung. Tatsächlich kann man sich lediglich in Beziehung zu einem anderen Menschen als unmoralisch verhalten. Und hierbei ist initiierende/-r Zwang/Gewalt eine grundsätzlich unmoralische Handlung, welche mit Hilfe eines falsch benutzten Moralbegriffes für moralisch erklärt wird, um den Zweck zu erreichen, über andere Menschen zu herrschen, indem man diesen Menschen vortäuscht, sie täten es für Gott, die Natur oder die Tiere. 

Kommentare:

  1. "Gott ist Subjekt und daher nur für die Subjektivität in Innerlichkeit da.

    Die objektive Ungewissheit, festgehalten in der Aneignung der leidenschaftlichsten Innerlichkeit, ist .. die höchste Wahrheit, die es für den Existierenden gibt. Die gegebene Bestimmung der _Wahrheit ist eine Umschreibung des _Glaubens". (Sören Kierkegaard, Unwissenschaftliche Nachschrift)

    > Und das Ziel dieses Menschen besteht darin, andere Menschen zu unterdrücken

    Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist der mangelnde Freimut, auf eigene Rechnung zu "sündigen", also selbst für alles verantwortlich zu sein.

    Das Nicht-man-selbst-sein-Wollen ist für jeden Herrschsüchtigen die willkommenste Einladung zur Unterwerfung.

    Das Gegenprogramm:
    auf eigene Faust, auf eigene Rechnung, im eigenen Namen

    AntwortenLöschen
  2. Dies ist wahrlich nicht korrekt,

    sie beurteilen erstens alles aus der Perspektive eines Menschen der überall Unterdrückung riecht und zweitens auf der Basis des Relativismus. Werte und Wahrheit sind eben nicht relativ aus irgendeinem Kontext zu verstehen, sondern immer absolut.

    Es ist nicht stichhaltig zu sagen dass Moral nur zwischen Menschen geschieht, es gibt höhere Gesetze als die der Menschen.

    Beispielsweise ist es absolutes unrecht Menschen aus Spass zu foltern. Egal ob "die Gesellschaft" das gesetzlich erlaubt oder nicht. Und auch wenn eine Mehrheit von Menschen in freien und geheimen Wahlen entschieden hat, dass eine Minderheit oder ein Teil der Gesellschaft mit bestimmten Merkmalen diskriminiert, enteignet, belogen, betrogen, ruiniert und zerstört werden kann – ist es kein Recht sondern Unrecht und es ist keine Moral sondern Unmoral. Es ist schlicht Böse! Wenn ich das anmerke, unterdrücke ich nicht, sondern kämpfe für die Freiheit.

    Der Relativismus, dem sie hier anhängen, führt nicht in Freiheit, sondern in die Sklaverei. Freiheit ist nämlich niemals Bedingungslos und frei im Raum schwebend. Wir sind Lebewesen mit Bedürfnissen und angeborenen, auch biologischen, Sehnsüchten wie die nach Sexualität, Liebe, Gesellschaftlicher Anerkennung, Nahrung, Verdauung, Wärme, Trinken und so weiter. Was vom Relativismus verfolgt wird, ist ungefähr so vernünftig wie einen Fisch von der Unterdrückung durch das Wasser zu befreien.

    Weil ein Mensch denken kann, ist er auch dazu verdammt mit der Freiheit zu denken umzugehen. Doch kann das Denken beeinträchtigt werden durch eine Verzerrung durch Gefühle und äussere Einflüsse. Die „Freiheit“ eines notgeilen jungen Burschen ist eine sehr geringe. Die „Freiheit“ eines hungernden Menschen ebenso. Des einen Geist dreht sich nur um Sex, des anderen nur um Essen. Mehr is nicht. Dies muss man berücksichtigen und konsequent zuende denken wenn man von der Freiheit des Menschen spricht. Es reicht nicht den Menschen rein materialistisch zu betrachten und meinen dass die Freiheit ausbricht wenn alle Bedürfnisse erfüllt sind – denn sind diese erfüllt, kommen neue. Europa erstickt gerade am Versuch allem alle Wünsche zu erfüllen.

    Gott ist Wahrheit, Gott macht Frei. Was Sie beschränkt ist ihre Vorstellung von Gott. Die logische Fortführung der Vorstellung eines allmächtigen, unendlichen, unsterblichen Wesens ist die Vorstellung eines absolut FREIEN Geistes. Frei von Tod, frei vom Ende. Wir Menschen sind definitiv nicht frei, auch nicht wenn wir machen können was wir wollen da unser Willen sich meistens nur um Wunschbefriedigung dreht oder im Notfall natürlich um die Beendigung eines Notfalles oder einer Bedrohung. Das Christentum setzt aber schon davor an, fusst in den philosophischen Bedenken eines Platon, Sokrates, Marc Aurels und der Stoiker, führt es weiter zur Erkenntnis des einen Gottes und sein Handeln in unserer Welt.

    Es hat wenig mit der Unterdrückung zu tun wenn man Menschen zwingt die Strassenverkehrsordnung und die Physik zu beachten, sondern bedingt erst die Möglichkeit frei zu werden. Genauso ist die Beachtung der 10 Gebote eine Unterdrückung sondern eine auf die Menschen zugeschnittene „Lebensordnung“ die erst eine freie und kraftvolle Lebensführung ermöglicht.

    Templarii – recognoscere.wordpress.com

    AntwortenLöschen
  3. Der Umgang mit Tieren ist für mich ein Thema, bei dem ich mit meiner ansonsten zunehmend libertären Einstellungen an Grenzen stoße. Wenn (Selbst-)Eigentum auschließliche Basis für Recht und Umgang miteinander ist, habe ich dann das volle Recht, z.B. einen Menschenaffen aus Spaß bei mir im Keller zu foltern? Oder trennen überzeugte Libertäre einfach zwischen "Recht" und "Moral"? (Ich glaube Rothbard hat das z.B. beim Thema Abtreibung getan).

    Hier geht es aber ja nun sogar um Moral. Mal provokativ gefragt: Hat jemals ein Säugling oder ein stark geistig behinderter Mensch an Ihre Tür geklopft und Rechte eingefordert? Sind Menschen, die sich - außer durch SChreien weil sie gerade leiden - ihre Ansprüche nicht artikulieren können, nur Objekte?

    Bei "Gott" und "Natur" würde ich ihrem Text durhaus zu stimmen. Aber man muss doch kein fanatischer Tierrechtler zu sein, um zu sagen, dass bestimmte Tiere durchaus Interessen haben und leiden können.

    AntwortenLöschen
  4. Ich finde es eine sehr seltsame Vorstellung, dass Werte und Wahrheiten absolut sein sollen. Wo bitte existieren denn Werte und Wahrheiten? Doch nur in den Köpfen von Menschen, also von Subjekten. Sogar die Idee, dass Werte und Wahrheiten objektiv sein sollten existiert nur in einer Anzahl von Subjekten, ist daher subjektiv.
    Werte und Wahrheiten sind deswegen noch lange nicht beliebig. Wissenschaftliche Wahrheiten zum Beispiel lassen sich unabhängig von kulturellem Hintergrund einigermaßen sicher überprüfen. Gesellschaftliche Werte sind sich in allen Gesellschaften so ähnlich, dass man große Zeile davon „universell“ nennen kann. Aber diese Werte, wenn man sie im historischen Kontext sieht, hängen am Ende doch von ihren Subjekten in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen ab. Zum Beispiel war es in der Antike gesellschaftlicher Konsens, dass ein Mensch einen anderen Menschen besitzen kann. Heute schlagen wir bei dieser Vorstellung die Hände über dem Kopf zusammen. Aber woher wissen Sie, was zukünftige Generationen über unsere heutigen, allseits akzeptierten Werte sagen werden?
    Selbst ihr Verständnis von Gott ist subjektiv. Auch wenn Gott absolut ist, Sie und der Rest von uns ist es nicht und Sie müssen sein Wirken, seine Worte interpretieren, wenn Sie einen Sinn daraus für sich ziehen wollen.
    Was Tommy Casagrande hier meint, ist: Zu oft kommen Menschen, die uns zu einem bestimmten Verhalten veranlassen wollen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen, mit abstrakten Kategorien daher, die sie als absolut setzen oder für die sie vorgeben zu sprechen, um ihrem Argument „höhere Weihen“ zu geben.
    Im Übrigen ist es natürlich, wenn man es scharf abgrenzen will, eine Unterdrückung, wenn den Menschen zwingt, die Straßenverkehrsordnung einzuhalten. Ich habe schließlich den Regelungen nicht zugestimmt. Es ist eine Regelung, die im Allgemeinen eine zufriedenstelle Zusammenarbeit aller Verkehrsteilnehmer bewirkt, daher ist es kein großer Nachteil, sich daran zu halten.
    Aber im Einzelfall bin ich durchaus gezwungen, mich an Regelungen zu halten, die niemandem etwas nützen und mir zum Nachteil gereichen, z.B. wenn ich nachts um 3 an einer gut einsehbaren Kreuzung bei Rot warten muss, obwohl sonst niemand unterwegs ist. Ich darf an dieser Stelle meinen gesunden Menschenverstand nicht nützen, sonst werde ich bestraft.
    Um eine parallele zu den 10 Geboten zu ziehen: Wenn ich mich an die 10 Gebote halte, da steht geschrieben, „Du sollst nicht töten“, dann darf ich auch einen Adolf Hitler nicht töten, obwohl er Millionen tötet und ich mit einem Attentat weiteren Hunderttausenden oder Millionen das Leben retten könnte. Wollen Sie das als Notwehr einstufen? Gerne, aber dann ist das Gebot nicht mehr absolut, sondern relativiert. Darf ich einen Mann töten, um 1000 unschuldigen Männern das Leben zu retten? Oder 100? 10? 1? Oder soll ich danebenstehen und sehen, wie ein anderer das 1, Gebot verletzt?
    Sie sehen, wie die Einhaltung der Gebote, also ihre Umsetzung in Moral, sich je nach Zeit, Situation und Person durchaus unterscheiden kann. Damit werden Werte nicht obsolet oder verzichtbar. Im Gegenteil, es braucht klar definierte Werte, um eine Gesellschaft zusammenzuhalten, auch eine freiere Gesellschaft. Nur ist es eben so, dass die Werte von den Menschen (weiter)entwickelt werden und nicht von irgendeinem absoluten Standpunkt aus heruntergesandt werden.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *