Donnerstag, 22. November 2012

Über die öffentlichen Güter

von Marco Kanne
In der Tat rechtfertigen "Minarchisten", wie alle anderen Etatisten, Zwangsmonopole mit der Konstruktion des "Kollektivguts" oder genauer des "öffentlichen Guts", also letztlich mit "Externalitäten", in diesem Falle einem "externen Nutzen" jener, die nicht für die Kosten aufkommen. Dies würde angeblich dazu führen, dass das jeweilige Gut nicht mehr nachgefragt würde. Das ist natürlich weder logisch, noch empirisch haltbar und darüber hinaus Ausdruck eines zutiefst perversen, absurden Menschenbildes.

Würde jemand, nur weil auch ein anderer einen Nutzen daraus zieht, seine eigenen Bedürfnisse völlig vernachlässigen und entgegen seiner Bedürfnisse handeln? Wäre dem so, gehörte die gesamte "Österreichische Schule" in die Tonne gekloppt. Natürlich ist dem nicht so. Zeige mir den Menschen, der darauf verzichtet, sich und sein Eigentum zu schützen bzw. schützen zu lassen, wenn er sich bedroht glaubt, nur weil jemand anderes dadurch ebenfalls geschützt wäre. Tatsächlich ist es ein völlig richtiges und rationales Verhalten, dass jene, die in den Genuss eines "externen Nutzens" kommen, nicht nochmals Ressourcen aufwenden (und damit verschwenden), um ein Bedürfnis zu befriedigen, das bereits befriedigt ist.

Hier kommen wir aber schon zum nächsten Kritikpunkt. Wer von "öffentlichen Gütern" und deren "externen Nutzen" schwadroniert, negiert natürlich auch die Wertsubjektivität. Selbst wenn wir mit einiger Berechtigung annehmen können, dass jeder Mensch das Bedürfnis nach physischer Sicherheit hat, so können wir doch nicht behaupten, dass dieses Bedürfnis gleichartig geformt ist, d.h. nur auf genau die selbe Weise mit den selben Mitteln befriedigt werden kann. Der Wert eines Gutes bestimmt sich nach seinem Nutzen und der Nutzen wiederum zeigt an, inwiefern ein Gut der Bedürfnisbefriedigung dient. Unter der Prämisse, dass Bedürfnisse individuell verschieden sind, kommt es eben dazu, dass auch der Nutzen eines Gutes individuell unterschiedlich bewertet wird. (Vielleicht erachtet jemand die schwerbewaffneten und ruppigen Wächter seines reichen Nachbarn gar nicht als Erhöhung seiner Sicherheit, sondern vielleicht sogar als Verringerung und auch als schädlich für die Befriedigung anderer Bedürfnisse). Ob ein Gut tatsächlich einen "externen Nutzen'' bringt, lässt sich somit gar nicht ex ante und erst recht nicht verallgemeinernd behaupten, sondern sich bestenfalls ex post für einen Einzelfall feststellen. Und selbst dann bleibt die Tatsache, dass Bedürfnisse nicht statisch sind und sich verändern können und deshalb eine Situation, in der jemand bisher einen "externen Nutzen" aus einem Gut gezogen hat, von diesem plötzlich ganz anders bewertet werden kann.

Um zum Schluss etwas empirischer zu werden: Würden Menschen entsprechend der Prämisse handeln, die der perversen Konstruktion vom "öffentlichen Gut" zugrundeliegt, würde sich niemand schick anziehen oder seine Hausfassade renovieren. Feuerwerke dürfte es auch nicht geben, so wenig wie privates Fernsehen und Radio oder Straßenkünstler. Und auch ehrenamtliches Engagement (z.B. in der Freiwilligen Feuerwehr oder im Sportverein) wären erst recht nicht zu erklären.

Menschen verzichten nicht auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, nur weil andere Menschen möglicherweise dabei auch ihre Bedürfnisse befriedigen können!

Kommentare:

  1. "The liberal understands quite clearly that without resort to compulsion, the existence of society would be endangered and that behind the rules of conduct whose observance is necessary to assure peaceful human cooperation must stand the threat of force if the whole edifice of society is not to be continually at the mercy of any one of its members. One must be in a position to compel the person who will not respect the lives, health, personal freedom, or private property of others to acquiesce in the rules of life in society. This is the function that the liberal doctrine assigns to the state: the protection of property, liberty, and peace." Ludwig von Mises

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  2. @ Anonym

    Das Mises-Zitat ist 'n bissl am Thema vorbei, oder? Hier geht's um das Thema "öffentliche Güter", nicht um die Frage, ob ein Mensch das Recht hat, sich gegen gewaltsame Übergriffe zu wehren, nicht mal darüber, ob das nun Aufgabe des Staates ist oder nicht.

    Offensichtlich will der Autor nur verdeutlichen, dass die Begründung, x oder y sei "öffentliches Gut" und daher müsse es als Monopol vom Staat angeboten werden, nicht haltbar sind. Schließlich ist das ja durch die Bank weg eine der wichtigsten Begründungen für so ziemlich alles, was der Staat macht. In der Tat ist es so, dass man die Begründung, Rente, Gesundheit, Bildung usw. müssten Staatsangelegenheiten sein, weil es sich um "öffentliche Güter" handele, dann nicht zurückweisen kann, wenn man behauptet, innere Sicherheit und äußere Verteidigung haben Aufgaben des Staates zu sein, weil sie öffentliche Güter seien.

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