Mittwoch, 21. November 2012

Der Markt kann alles

von Tommy Casagrande
Immer wieder stoß ich in Diskussionen auf Aussagen, die nicht logisch sind. Das merke ich beispielsweise dann, wenn der Begriff Markt darin vorkommt. Als Voluntarist bin ich überzeugt, alles was der Staat an Leistungen erbringt, lässt sich auch durch den Markt bereitstellen.

Wieso bin ich dieser Überzeugung ? 

Der Markt ist zwar als Begriff ein Abstraktum, dennoch meint er etwas ganz konkretes, ohne dass es keinen Markt geben kann - Menschen. Ein Markt besteht aus Menschen. Er besteht weder aus Kartoffeln, noch aus Porsches, sondern er besteht aus Menschen. 

Wenn ich behaupte, es gibt nichts, dass der Markt nicht hervorbringen kann, dann sage ich nichts anderes, als dass es nichts gibt, das Menschen nicht hervorbringen können. Denn, egal ob wir uns in einem Staat oder einem Markt befinden, es sind immer Menschen, die etwas hervorbringen.

Auch ein Staat besteht aus Menschen. Und wäre dies das Kriterium, es gäbe keine Unterscheidung zwischen dem, was wir Markt, und dem, was wir Staat nennen. Der Unterschied zwischen Staat und Markt besteht in den Bedingungen, unter denen Menschen miteinander leben.
In einem Staat sind es Befehle, denen man zu gehorchen hat. Die Leistungen des Staates werden nicht freiwillig erbracht. 
Im Markt müssen Leistungen freiwillig erbracht werden, da sich Markt durch Freiwilligkeit definiert. 

Es gibt in einem staatenlosen Markt die gleichen menschlichen Bedürfnisse wie in einem Staat. Der Unterschied liegt in der Art der Finanzierung und der Art diese Bedürfnisse zu befriedigen. In einem Staat gilt das Primat des Recht des Stärkeren. Das bedeutet, jener, der auf der Seite der Bürokraten und der Beamten oder der Mehrheit steht, gehört zu jener Achse, die aufgrund ihrer Macht den Unterlegenen ihren Willen aufzwingen kann. In einem Markt gilt das Primat der Verträge. Einen Vertrag einzugehen kann niemand gezwungen werden. Im Staat gibt es keine Verträge. Und wenn es sie gibt, so sind sie nur so lange gültig, bis sie als ungültig erklärt werden. 

Es ist unsinnig zu behaupten, dass Menschen unter den Bedingungen von Gewalt eher dem Anspruch gerecht werden, die Bedürfnisse der Mitmenschen zufrieden zu stellen, als es Menschen unter den Bedingungen von Freiwilligkeit täten.

Jene Bedürfnisse, die mittels Gewalt befriedigt werden, würden unter den Bedingungen der Gewaltlosigkeit erst recht befriedigt werden. Denn wenn es sich um derlei starke Bedürfnisse handelt, dass hierzu Gewalt als so wichtig erscheint, dann werden die Menschen ohne Gewalt erst recht Mittel und Wege finden, diese Bedürfnisse zu stillen. 
Es spräche beispielsweise nichts dagegen, die staatlichen Leistungen einem Konkurrenzkampf auszusetzen, der im Wettbewerb mit den Ideen von Menschen steht, die keine Gewalt dafür einsetzen. Doch die Staaten erlauben es nicht. Lieber verschulden sie sich noch mehr. Und Schuld wird jener Idee zugesprochen, deren fehlen zu den Problemen führt, dem Markt. 

Der freie Markt kann alles, weil freie Menschen von niemandem gehindert werden, Ideen zu realisieren, die dazu führen, anderer Menschen Leben zu verbessern. Gewalt ist keine Qualität des Zivilisationsprozesses. Gewalt ist der Teil unserer Instinkte, der sich noch nicht entschieden hat, ob er Mensch sein oder Tier bleiben will. Das unreflektierte Grunzen, dass sich wie ein Orkan über den eben noch friedlich scheinenden Geist legt, macht aus der gesellschaftlichen Weide einen Schweinestall.

Kommentare:

  1. Es gibt in einem staatenlosen Markt die gleichen menschlichen Bedürfnisse wie in einem Staat. Der Unterschied liegt in der Art der Finanzierung und der Art diese Bedürfnisse zu befriedigen. In einem Staat gilt das Primat des Recht des Stärkeren. Das bedeutet, jener, der auf der Seite der "Bürokraten und der Beamten oder der Mehrheit steht, gehört zu jener Achse, die aufgrund ihrer Macht den Unterlegenen ihren Willen aufzwingen kann. In einem Markt gilt das Primat der Verträge. Einen Vertrag einzugehen kann niemand gezwungen werden. Im Staat gibt es keine Verträge. Und wenn es sie gibt, so sind sie nur so lange gültig, bis sie als ungültig erklärt werden."

    Sehr interessant. Es gilt das Primat der verträge. Das ist nett, aber wer garantiert den rechtlichen Rahmen für die Einhaltung der Vaträge? Auch das an Märkten nicht das Recht des Stärkeren gilt halte ich für eine Idealvorstellung. Das würde voraussetzen, dass genug gleichwertige Angebote vorhanden sind. Das ist in den seltensten Fällen so.
    Beispiele:
    Wenn jemand viel Geld hat, dann kann er sich bessere Anwälte leisten. Die Chance auf ein besseres Ergebnis in einem juristischen Streit wird dadurch deutlich erhöht.

    Wenn jemand viel Geld hat kann er juristische Streitereien viel besser verschleppen. Er hat die Möglichkeit einfach zu warten, während es bei seinem armen Gegenüber eventuell um die Existenz geht. Andererseits darf man das Verfahren auch nicht zu Gunsten der Armen auslegen, da sonst diese das System ausnutzen.

    Rabatte von großen Firmen sind ebenfalls ein Wettbewerbsvorteil und gängige Praxis. Die Größe des Unternehmens verschafft den Vorteil.

    Als Fazit lässt sich sagen, dass die Modellannahmen der österreichischen Schule zutreffen, wenn man von idealen Märkten ausgeht. Da diese existieren könnte man im besten Fall qualitativ Erkenntnisse gewinnen.

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  2. Wenn ich versuche, mir eine nicht-staatliche "kapitalistische" Gesellschaft vorzustellen, dann lande ich unweigerlich beim vor-staatlichen Israel, wie es im Buch der Richter beschrieben wird: ein loser Verbund von Stämmen, ohne gemeinsamen König, ohne stehendes Heer, ohne Steuersystem, nur zusammengehalten durch die gemeinsame Abstammung und den gemeinsamen Gott.

    Nur war dies eine Gesellschaft, in der Sklaverei durchaus üblich war (z.B., wenn jemand seine Schulden nicht anders bezahlen konnte), in der Frauen üblicherweise als Eigentum ihrer Ehemänner galten und unverheit#ratete Mädchen als Eigentum ihres Vaters, und in der die 10 Gebote nicht nur common sense, sondern gleichzeitig "positives Recht des göttlichen Gewaltmonopols" waren.

    Wenn damals ein Mann eine verheiratete Frau vergewaltigte, dann tat er nicht nur ihr selbst Gewalt an, sondern er griff auch in die Eigentumsrechte ihres Ehemannes ein und er verletzte vor allem das göttliche Verbot des Ehebruchs - für letzteres wurde er sowieso gesteinigt. Wenn er jedoch eine Jungfrau schändete, dann entfiel das Strafrecht, und er war schlicht schadenersatzpflichtig in höhe des ortsüblichen Brautpreises, zahlbar an den Vater und Eigentümer des Mädchens.

    Nun die Frage: wie sollte eine moderne, säkulare Privatrechtsgesellschaft mit Vergewaltigern umgehen? Man kann sie nicht wegen des Verstoßes gegen Gottes Gebot steinigen, denn er könnte ja an einen anderen Gott glauben (es reicht schon, wenn er meint, im Jihad für Allah zu kämpfen - Mujahedin haben Allahs Erlaubnis, ungläubige Frauen zu erbeuten). Der "ortsübliche Brautpreis" ist Null, weil die Frau nicht mehr verkauft wird, sondern ihren Partner frei selbst wählt. Dennoch wird keine Frau wollen, daß Vergewaltiger in einer Gewalt ablehnenden Gesellschaft ungestraft davonkommen - die Wiedereinführung der Blutrache währe die naheliegendeste Variante.

    Nun zeigt das Beispiel der Blutrache, worin sich ein Gewaltmonopol von anderen Monopolen unterscheidet, und was es mit anderen Monopolen gemeinsam hat: ein Staat monopolisiert die Gewalt nämlich nicht, um die Produktion des fiktiven Gutes "Sicherheit" zu gewährleisten. Wie jedes Monopol führt auch das Gewaltmonopol zu künstlicher Knappheit: es findet schlicht weniger Gewalt statt als ohne Monopol! In den allermeisten Fällen beschränkt sich der Monopolist auf die billigste Gewalt der schwächsten Qualität: mehr oder minder subtile, unspezifische Drohungen. Ein Monopolist kann es sich nämlich leisten, die schwächste, billigste und kostengünstigste Qualität zu liefern, die vom "Kunden" gerade noch angenommen wird.

    Ein Wettbewerb des Gewaltangebotes führt doch dazu, daß sich derjenige durchsetzt, der für die geringstmögliche Beute bereits die tödlichste Gewalt einsetzt.

    Bei allen Gütern, die irgendjemand als "gut" bewertet, führt der Wettbewerb zu größerer Qualität und geringeren Preisen, während ein Monopol zur Verringerung der Qualität bei steigenden Preisen führt. Bei der Gewalt (die eben kein "Gut", sondern ein "Schlecht" ist) muß man schlicht "Qualität" durch "Brutalität" ersetzen, und man sieht, warum auf der einen Seite Anarchie zu somalischen Verhältnissen führt, aber auf der anderen Seite der "starke Staat" nie genug Geld hat - eine echte Zwickmühle.

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  3. "Bei allen Gütern, die irgendjemand als "gut" bewertet, führt der Wettbewerb zu größerer Qualität und geringeren Preisen,"

    Das ist die Krux an der Logik. Alle güter die als "gut" bewertet werden. Wer bewertet als gut? Das macht eine Gesellschaft. Woher weißt du, dass die damaligen Gesellschaften ihre Rechtsnormen nicht auch als "gut" angesehen haben? Ist Abtreibung gut? Ist Homosexyualität gut? Das sind zwei Rechtsbeispiele, wo in der heutigen Zeit zwischen und innerhalb der Gesellschaften keine Einigkeit herrscht. In der Vergangenheit sieht es noch dramatischer aus.

    Nun zur höchsten Qualität und den geringsten Preisen. Eine gute These die in einem idealen Markt nachweisbar ist. Die Vorraussetzung ist, dass Wettbewerb herrscht. Das ist nicht immer gegeben. Ein Bäcker in einem Dorf kann höhere Preise nehmen. Der Aufwand in die nächste Stadt zu fahren ist zu hoch. Ein zweiter Bäcker könnte sich nicht halten, da der Markt zu klein ist. Es herrscht ein Quasimonopol. Von diesen gibt es eine Menge. Die Preise werden also nur bedingt durch den Markt und einen Wettbewerb mit anderen Teilnehmern erzeugt.
    Weiterhin gehst du davon aus, dass sich Produkte substituieren lassen. Das mag bei Lebensmitteln funktionieren. Bei Software, Medikamenten oder Hochtechnologie geht das nicht so einfach. Niedrigste Preise erhält man dort nicht. Eine hohe Qualität vielleicht.
    Werbung ist ein weiterer Punkt. Warum kaufen sich die Menschen Apple Produkte zu einem überhöhten Preis? Nach der Logik der Angebots und der Nachfrage sollten alle Menschen auf Linux umsteigen, da dies kostenlos ist.
    Absprachen zwischen Unternehmen. Kartelle gibt es und wird es geben.
    Wirtschaftskriminalität
    Auch die wird es geben. Sie kann massiv den Markt verzerren.

    Worauf ich hinaus will. Das ideale Modell ist gut und schön. Es passt nur leider nicht auf die Realität. Es gibt Gründe, dass sich staatliche Monopole durchgesetzt haben. Bestimmte große Investitionen die für die Gesellschaft interessant waren konnten schnell durchgesetzt werden. Durch Normen wurde vieles vereinfacht.
    Du sitzt am Ende der Entwicklung und sagst es könnte besser sein. Dabei wäre dieses Ende wahrscheinlich nie erreicht worden. Stromnetze mit verschiedenen Frequenzen, Spannungen und Stromstärken die nebeneinander laufen sind nicht effizient.

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