Montag, 15. Oktober 2012

Vom eigentlichen Nutzen des Tausches und des Geldes auf dem freien Markt

Murray Rothbard erkannte, dass nur
Marktgeld gutes Geld ist
von Tomasz M. Froelich
Der Nutzen des Tausches
Der Tausch ist die Grundlage einer jeden Wirtschaft und Gesellschaft. Ohne Tausch gäbe es praktisch keine Wirtschaft. Ohne Wirtschaft gäbe es praktisch keine Gesellschaft. Das Schöne am Tausch ist, dass die Tauschenden, aus ihrer jeweiligen Perspektive, beim Tauschgeschäft einen Gewinn machen. Es herrscht zwischen getauschten Dingen aus Sicht der Tauschenden keine Wertgleichheit, wie es etwa Aristoteles, Marx und viele andere irrtümlicherweise geglaubt haben. Vielmehr ist ein Tauschgeschäft eine win-win-Situation, ein Spiel positiver Summen und kein Nullsummenspiel, ,,denn jeder bewertet das, was er im Tausch erhält, höher als das, was er weggibt'' (Rothbard 1963/2000: 15), denn sonst würde es ja für niemanden Sinn ergeben, etwas zu tauschen.

Tausch durch natürliche Mannigfaltigkeit und Arbeitsteilung
Der Tausch resultiert aus der Mannigfaltigkeit menschlicher Talente und Fähigkeiten und der Verschiedenartigkeit der erdlichen Regionen und Bodenschätze, kurzum: aus der Mannigfaltigkeit der Natur: ,,Jeder Mensch hat eine andere Kombination an Fähigkeiten und Fertigkeiten, und jeder Landstrich hat seine eigentümlichen Qualitäten, seine besonderen Vorkommen. Aus dieser äußerlichen Tatsache der Verschiedenartigkeit entstehen Tauschhandlungen'' (ibid.: 16).
Diese Verschiedenartigkeit generiert auf Seiten der Menschen Spezialisierungen, die dazu führen, dass der Mensch seine Fähigkeiten und Fertigkeiten so gut wie möglich entwickelt. In diesem Arbeitsteilungsprozess kommt es zu einer sinnvollen Teilung und Verbindung der einzelnen Arbeitsgänge (vgl. Smith 1776/2006: 15-25). Dies impliziert automatisch eine Produktivitätssteigerung, welche auf drei Faktoren zurückzuführen ist:
[1.] Größere Geschicklichkeit der einzelnen Arbeiter,
[2.] Zeitersparnis, die bei einem nicht arbeitsgeteilten Prozess z.B. beim Tätigkeitswechsel verloren geht und
[3.] Maschinenerfindungen, deren Konsequenzen allgemeine Arbeitserleichterungen, Arbeitszeitverkürzungen und Produktivitätsmaximierungen sind.
Jeder Mensch spezialisiert sich auf eine Tätigkeit und optimiert diese infolge von Erfahrung und Übung. Daraus resultiert eine allgemeine Optimierung der Arbeitsquantität und -qualität. Durch den Ausbau individueller menschlicher Talente und Fähigkeiten profitiert die Gesellschaft – durch den Arbeitsteilungsprozess entsteht ein Plus an Produkten und Produktivität.
Auch die einzelnen Regionen werden danach trachten, aus den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen das Optimum herauszuholen. Libyen, mit all seinen Erdölvorkommen, wird sich im großen Maße auf die Ölindustrie fokussieren, wohingegen Schweden, aufgrund seiner Stahlvorkommen, bedeutend für die Stahlindustrie ist. Aus der Verschiedenartigkeit der Natur entsteht letztlich eine Verschiedenartigkeit der Produkte, die die Menschen untereinander tauschen können. Da kaum ein Mensch in der Lage wäre, sich selbst ausreichend zu versorgen, wären die meisten von ihnen zum Hungertod verdammt. Wie soll ein Rechtsanwalt, der selbst kein Essen produziert, überleben? Er braucht den Bäcker, den Gemüsehändler und den Bauern, um überleben zu können und bietet deshalb ihnen seine juristischen Dienste zum Tausch an. Dieser Tauschmechanismus führt dazu, dass es den Menschen insgesamt besser geht und sie überleben können: ,,Der Tausch ist das Lebenselixier, nicht nur unserer Wirtschaft, sondern der Zivilisation selbst.'' (ibid.) Dem Tausch verdanken wir unsere Zivilisation. Ohne ihn würden wir in primitiver Isolierung womöglich unter dem Existenzminimum leben:

,,Der Tauschprozess ermöglicht [...] dem Menschen [...] eine enorme Vergrößerung seiner Möglichkeiten und der Märkte für seine Waren; er ermöglicht es ihm, in Maschinen und andere ,,Kapitalgüter höherer Ordnung'' zu investieren; er bildet eine Tauschordnung - den freien Markt - die ihn in die Lage versetzt, Kosten und Nutzen höchst komplexer Methoden und Produktionsaggregate ökonomisch zu kalkulieren.'' (Rothbard 1982/2000: 52)

Doch wie wird getauscht? In rudimentären Gesellschaften tauschte man noch direkt. Diese Tauschform nennt man Naturaltausch. Der Naturaltausch hat allerdings unüberbrückbare Schwächen. So sind viele der angebotenen Dienste und Güter unteilbar, entsprechen nicht den Wünschen der potentiellen Tauschpartner oder sind einfach nur schwer transportierbar. Diese drei potentiellen Probleme machen eine zivilisierte Wirtschaft und Gesellschaft unmöglich.

Der Nutzen des Geldes
Die Schwächen des Naturaltauschs wurden von den Menschen schnell erkannt, sodass sie ein Tauschverfahren entwickelten, dass die Schwächen des Naturaltauschs schnell egalisieren sollte - den indirekten Tausch: ,,Beim indirekten Tausch verkauft man seine Ware nicht für ein Gut, das man direkt benötigt, sondern für ein anderes Gut, das man dann wiederum für das eigentlich gewünschte Gut verkauft.'' (Rothbard 1963/2000: 17). Juwelier Müller, der gerne Schmuck verkauft, erhält von seinem Kunden, dem Kuhhändler Schmidt, keine Kuh, die er nicht braucht, sondern Geld, welches er beliebig investieren kann. 

Das Geld ist ein durch den Markt ermitteltes, möglichst marktgängiges Tauschgut. Schon Adam Smith schrieb: ,,In allen Ländern scheinen [...] die Menschen schließlich bestimmt worden zu sein, durch unwiderstehliche Gründe zu diesem Zwecke (dem Tausch, Anm.: T.M.F.) den Metallen vor allen anderen Waren den Vorzug zu geben.'' (Smith 1776/2006: 37) Als besonders geeignete, marktgängige Tauschgüter wurden dabei die Edelmetalle Gold und Silber ermittelt: sie werden stark nachgefragt, sind leicht und ohne Wertverlust in kleinere Einheiten teilbar, über eine lange Zeit haltbar und problemlos transportierbar (=Banknoten mit Besitzansprüchen auf eingelagertes Gold). Dem Prozess der Ermittlung von Gold und Silber als marktgängige Tauschgüter obliegt im freien Markt der Wettbewerb, der im Ermittlungsverfahren eben jenen beiden Gütern die größte Marktgängigkeit zugesprochen hat. Der im freien Markt existierende Wettbewerb ist eine Methode zur Entdeckung von Tatsachen, ,,die ohne sein Bestehen entweder unbekannt bleiben oder doch zumindest nicht genutzt werden würden.'' (Hayek 1968: 119) Dank des Wettbewerbs als Ermittlungsverfahren ist bekannt, dass Gold und Silber marktgängige Tauschgüter sind. 

Fazit
,,[D]ie kumulative Herausbildung eines Tauschmediums auf dem freien Markt [...] ist der einzige Weg, auf dem Geld eingeführt werden kann. [...] [I]n der Geldnachfrage ist das Wissen um die Geldpreise der unmittelbaren Vergangenheit enthalten; im Gegensatz zu direkt verwendeten Konsum- oder Investitionsgütern müssen im Falle von Geld bereits Preise existieren, auf denen sich dann eine Geldnachfrage entfalten kann. Doch dazu kann es nur kommen, wenn die spätere Geldware zunächst als nützliche Ware im Naturaltausch auftritt und sich dann die Nachfrage für den Tauschmittelgebrauch zu der Nachfrage für den direkten Gebrauch [...] gesellt. Daher kann keine Regierung Geld für die Wirtschaft schaffen; Geld kann nur durch die Vorgänge auf dem freien Markt entwickelt werden.''(Rothbard 1963/2000: 19; vgl. Rothbard 1982/2000: 53; vgl. Menger 1871: 255ff.; vgl. Mises 1924: 73-102).
Im heutigen Geldsystem mit all seinen staatlich dominierten Zentralbanken, den mit ihnen eng verflochtenen Geschäftsbanken und dem Wegfall jeglicher Gelddeckung durch Gold und andere Edelmetalle ist leider das Gegenteil der Fall: Staat statt Markt! Das Papiergeld von heute ist durch keinerlei Sachwerte gedeckt und erlaubt dem Staat, etwa durch Inflation, die finanzielle Entmündigung ,,seiner'' Bürger zugunsten der Realisierung seiner eigenen Projekte - wie z.B. der Kriegsführung -, welche zwangsläufig auf Schulden aufgebaut sind und das System früher oder später zum kollabieren bringen müssen.
________________________
Literatur

Hayek, Friedrich August von (1968): Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. In: Internationales Institut ,,Österreichische Schule der Nationalökonomie'' (Hrsg.): Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Texte - Band II von Hayek bis White. Wien: Manz'sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, 119-137.

Menger, Carl (1871): Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Wien: Braumüller.

Mises, Ludwig von (1924): Theorie des Geldes und der Umlaufmittel. München: Duncker & Humblot.

Rothbard, Murray (1963/2000): Das Schein-Geld-System. Gräfelfing: Resch-Verlag.

Rothbard, Murray N. (1982/2000): Die Ethik der Freiheit. Sankt Augustin: Academia.

Smith, Adam (1776/2006): Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. München: FinanzBuch.

Kommentare:

  1. "Das Papiergeld von heute ist durch keinerlei Sachwerte gedeckt..."

    Unsinn. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht "beliehene Sachwerte", eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas.

    Wer die "Mutter aller Zivilisationsprobleme" verstehen und überwinden will, muss nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich bei Adam und Eva anfangen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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  2. Stellt sich nur die Frage, wie das mit dem Wert des aktuellen Papiergeldes ausschauen würde, wenn die Menschen das aktuelle Geldsystem wirklich verstehen würden.

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  3. Ein interessanter Beitrag.
    Besonders gefällt mir, dass Sie viel mit Quellen arbeiten und diese auch zitieren - einschließlich Literaturliste am Ende. Dies fehlt mir oft bei Blogs...
    Ich möchte gerne noch einen Link teilen:
    http://www.cfo-insight.com/events/webinars/webinar-about-money-and-the-good-life/?src=BL

    Hierbei handelt sich um einen Link zu einem kostenlosen Webinar am 20.11.2012.
    Das Webinar ist auf englisch und es wird mit Lord Robert Skidelsky diskutiert, "Wieviel ist genug? Geld und das sorgenfreie Leben".
    Ist ganz interessant, weil es um die volkswirtschaftliche Betrachtung des Themas geht und Skidelsky wiriklich als Koryphäe auf seinem Gebiet gilt!
    Vielleicht interessiert es ja meine Mitleser und den Blogschreiber als weiterbildende Maßnahme sozusagen ;)

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