Dienstag, 30. Oktober 2012

Über die Vorbehalte menschlicher Freiheiten

,,Fast alles verboten''
von Tommy Casagrande
Da gibt es Menschen, die mit der Freiheitsidee flirten, aber zu einer Liebe reicht es nicht. Sie haben einfach zu große Vorbehalte. Vorbehalte gegen alles. Wann immer sie zu zweifeln beginnen, sind sie der Meinung, dass es am besten sei, wenn der Staat abwägen würde, ob man den Menschen etwas gestattet oder nicht. Beispielsweise das Recht auf freien Waffenbesitz, welches in dieser Erörterung nur als Beispiel dienen soll. Gewiss hätte ich auch ein ganz anderes Beispiel heranziehen können.

Angenommen jemand behaupte, das Waffenrecht müsse eine Abwägungssache sein. Was ist diesem Menschen von einem konsequent libertären Standpunkt aus mitzuteilen?

Folgendes: Waffenrecht ist keine Abwägungssache, denn wer wägt ab? Doch nur jemand, der über andere sich das Recht herausnimmt zu entscheiden und zu herrschen. Die Befürworter eines staatlichen Waffenverbots argumentieren wie alle Befürworter staatlicher Maßnahmen inkonsistent, wenn sie letztlich nicht alles abwägen dem Staate überlassen. Diese utilitaristische Diskussion über die Konsequenzen vernebelt die tatsächlich zu führende Diskussion, die da lautet:


Sollen Menschen selbstbestimmt leben?

Oder sollen Menschen nicht selbstbestimmt leben? 

Wenn man über Konsequenzen spricht, lässt sich auch eine politische Abwägung in der Frage treffen, ob man Menschen zutrauen kann, selber zu essen, oder ob ihnen jemand das Essen vorher zu Brei verrühren muss, damit sich keiner verschluckt.

Wenn man für Freiheit ist, geht es nicht um die Konsequenzen selbstbestimmten Handelns, sondern darum, dass ich selbstbestimmt handeln darf. Und wenn ich dabei einem anderen Menschen schade, dann gibt es auch in einer freien Gesellschaft einen Rechtskanon, der dafür Sanktionen vorsieht.

Abwägen muss jeder für sich, nicht irgendwer für andere. Abwägen muss man alles im Leben, jede Handlung. Zu behaupten, diese Abwägung müsse fremdbestimmt werden, oder könnte fremdbestimmt werden, ist eine freiheitsfeindliche Position. Wenn man also für Zwang und Gewalt ist, sollte man das nicht als eine Position "zum Wohle" der Menschen, aber gegen deren Willen, ausgeben.

Fakt ist: Konsequenzen hat alles im Leben. Auch die Produktion von Autos oder von Energy-Drinks. Man müsste, wenn man konsequent denkt, bei allen Dingen im Leben, den Staat/eine politische Behörde abwägen lassen und nicht nur bei beliebigen, willkürlichen Themen, die von staatlichen Stellen in die öffentliche Diskussion, oder von organisierten Gruppen des öffentlichen Lebens in die Beamtenzentralen des Staates gebracht werden. Entweder man denkt konsequent, oder aber man denkt besser gar nicht, was inhaltlich auf's selbe kommt. 

Das Problem ist oft jenes: Da gibt es Leute, die behaupten, private Freiheiten muss es geben dürfen, aber die wirtschaftlichen Freiheiten sind nicht so wichtig. Und dann gibt es jene, die behaupten das Gegenteil. Diese sind für wirtschaftliche Freiheiten, aber gegen die privaten Freiheiten. Beide Positionen sind inkonsequent. Diese beiden Lager sollten sich ergänzen und zu einer konsequenten Freiheitsidee verschmelzen.

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