Montag, 8. Oktober 2012

Individualismus vs. Kollektivismus: Wie viel Staat können wir uns leisten?

Erich Weede auf der ,,Free Market Road Show''
Im Rahmen der Free Market Road Show des Hayek Instituts in Wien hielt der renommierte Soziologe, Politikwissenschaftler und Psychologe Prof. Dr. Erich Weede von der Universität Bonn am 04. Oktober 2012 einen exzellenten Vortrag unter dem Titel ,,Individualismus vs. Kollektivismus: Wie viel Staat können wir uns leisten?''. Vor Ort erhielten wir die Genehmigung die schriftliche Langfassung dieses Vortrags auf unserer Seite zu veröffentlichen. Dafür danken wir Prof. Dr. Erich Weede vom ganzen Herzen.
______________ 
von Prof. Dr. Erich Weede
1. Individualismus und Kollektivismus
Das Selbsteigentum ist der Grundgedanke des  Individualismus [1]. Wenn der Mensch sich selbst gehört, dann liegt es nahe, dass auch die Früchte seiner Arbeit ihm gehören. Deshalb gehören Selbsteigentum und Privateigentum zusammen (Locke 1690/2003). Wo es Privateigentum gibt, werden einige Menschen ihre Produkte gegen die Produkte anderer Menschen tauschen wollen. Wenn beide Seiten freiwillig ein Tauschgeschäft abschließen, dann können beide ihr Wohlbefinden durch Tausch verbessern. Freie Vereinbarungen und Tauschhandel sind deshalb Ergänzungen zu Selbsteigentum und Privateigentum. In individualistischen Gesellschaften haben die Menschen die Freiheit der Wahl. Es herrscht wirtschaftliche Freiheit oder Kapitalismus.  Friedrich Engels, ein Mitverfasser des kommunistischen Manifests (Marx und Engels 1848/1966, Fussnote 1), und einer der frühesten und konsequentesten Kritiker des Sozialismus, Ludwig von Mises (1920), stimmen darin überein, dass Privateigentum an Produktionskapital den Kapitalismus kennzeichnet. Deshalb muss eine individualistische Gesellschaft auch eine kapitalistische sein. 

Je mehr die individuelle Freiheit beschränkt wird, je weniger Privateigentum und freier Handel geduldet werden, je mehr die Menschen dem Staat oder ihrem Kollektiv gehören, desto kollektivistischer ist die Gesellschaft. Weder Individualismus noch Kollektivismus werden perfekt realisiert. Menschen leben nun mal in Gruppen und hängen von einander ab. Um den Krieg aller  gegen alle  zu vermeiden, sollte man sich auf einige Prinzipien einigen: etwa Selbsteigentum, Privatbesitz und Vertragsfreiheit. So eine Vereinbarung ist ein öffentliches Gut  oder, wenn die Vereinbarung schlecht ist und zur Verarmung der Gesellschaft beiträgt, ein öffentliches Übel. Alle Mitglieder der Gruppe werden betroffen. Auch wenn Vereinbarungen bzw. die Beschaffung öffentlicher Güter wünschenswert sind und damit perfekter Individualismus nicht realisierbar ist, kann man versuchen, individuelle Freiheit und Verantwortung zu maximieren und versuchen, den Einfluss von Kollektiven und Regierungen zu minimieren. Gruppenentscheidungen sind für Trittbrettfahrerei und rationale Ignoranz anfällig (Olson 1965). Auch perfekter Kollektivismus ist unmöglich, weil schon kleine Gruppen Führungsstrukturen entwickeln. Je größer die Gruppe ist, desto eher gilt das ‚eherne Oligarchiegesetz’ (Michels 1910/1970). Obwohl Kollektive die Massen völlig entrechten können, müssen die Führer oder Kader Freiheits- und Entscheidungsrechte behalten. In der Praxis läuft Kollektivismus auf einen Machttransfer von den Leuten zu den Amtsinhabern hinaus (de Jouvenel 1952/1990, S. 77). 

2. Warum sollte man Individualismus, wirtschaftliche Freiheit oder Kapitalismus statt Kollektivismus bevorzugen?
Obwohl Freiheit für mich ein Wert an sich ist, fürchte ich, dass sich die meisten Menschen diesem Werturteil nicht anschließen wollen. Weil Menschen sich nun mal in ihren Begabungen oder Humankapitalausstattungen unterscheiden, ist die Hoffnung, auf Kosten anderer Leute zu leben, vor allem für unproduktiven oder faule Menschen eine dauernde Versuchung. Wer politische Macht erwerben will, kann sich durch Umverteilungsversprechungen die Unterstützung der Verlierer des freien Marktes sichern. Weil ich die Überzeugungskraft von Effizienzargumenten für immer noch höher als die moralischer Argumente halte, konzentriere ich mich auf die Vorteile einer freien Gesellschaft für ihre Mitglieder [2]. Das läuft darauf hinaus, dass wirtschaftliche Freiheit den Lebensstandard der Menschen erhöht. Je freier eine Gesellschaft ist, desto mehr Menschen können zumindest einige ihrer materiellen Ziele erreichen. 

Zunächst stütze ich mich auf die Schriften drei großer Nationalökonomen. Ende des 18. Jahrhunderts erkannte Adam Smith (1776/1976), dass Gesellschaften Privatbesitz als Arbeitsanreiz brauchen, damit wir Güter für den Bedarf anderer Menschen herstellen. Nach dem ersten Weltkrieg und Lenins Machtergreifung in Russland erkannte Ludwig von Mises (1920), dass wir auch Privatbesitz bei Produktionskapital benötigen. Nur dadurch kann  es Wettbewerb und Knappheitspreise auf den Inputmärkten geben, wo Rohstoffe, Zwischenprodukte und Arbeit gehandelt werden. Ohne Knappheitspreise gibt es keine rationale Ressourcenallokation. Am Ende des zweiten Weltkrieges erkannte Friedrich August von Hayek (1945, 1960), dass wir dezentralisierte Entscheidungen benötigen, um das verstreute Wissen in der Gesellschaft zu  mobilisieren. Wissen befindet sich in Millionen Köpfen. Um es zu nutzen, brauchen Menschen Entscheidungsfreiheit. Außerdem müssen sie die Folgen ihrer Entscheidungen tragen, ob sie mehr oder weniger angenehm sind.   

Auch der Vergleich von Volkswirtschaften stützt die These vom Nutzen wirtschaftlicher Freiheit. Geteilte Länder – wie China, Korea und vor der Wiedervereinigung Deutschland – eignen sich besonders für den Vergleich. Vielleicht kann man auch die beiden Supermächte aus der Zeit des kalten Krieges hinzunehmen. Die kollektivistischere Volkswirtschaft dieser Paare war selten so erfolgreich wie die DDR, die es immerhin geschafft hat ihrer Bevölkerung ein Pro-Kopf-Einkommen von ungefähr einem Viertel bis einem Drittel des Wertes der BRD zu ermöglichen. Schon am Ende des 20. Jahrhunderts  war in Korea das Verhältnis von Nord und Süd 1 zu 13 und hat sich seitdem weiter verschlechtert.  Unter Mao funktionierte die chinesische Volkswirtschaft nicht besser als Nordkorea. Seit 1979 ist China unter Führung von Deng Xiaoping zum schleichenden Kapitalismus übergangen und hat innerhalb von 25 Jahren die Größe seiner Volkswirtschaft um den Faktor 8 vervielfacht, das Pro-Kopf-Einkommen um den Faktor 7 (Pei 2006).  

Es gibt sogar quasi-experimentelle Evidenz zum Wert der Freiheit. Während des ‘großen Sprungs nach Vorn’ ab 1959 in China wurde die  individuelle und wirtschaftliche Freiheit soweit wie möglich abgeschafft. Aus kleineren landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften wurden riesige Volkskommunen gebildet. Zwang ersetzte positive Anreize. Zuteilungen ersetzten Märkte.  Entscheidungen – etwa darüber, was man wann und wo anpflanzen sollte – wurden von Kadern statt von selbständig wirtschaftenden Bauern gefällt. Politische Indoktrination kostete viel Zeit. Das Ergebnis dieses Menschenversuchs wird auf  45 Millionen Tote (von damals ca. 650 Millionen Chinesen), meist Hungertote, geschätzt (Dikötter 2010). Nur Weltkriege haben  ähnlich viele Menschenleben wie dieses sozialistische Experiment gekostet. 

Auch ökonometrische Studien bekräftigen den Wert der Freiheit (zusammengefasst bei Weede 2012a, 2012b): Je mehr wirtschaftliche Freiheit es gibt, desto wohlhabender sind die dadurch  gekennzeichneten Länder, desto wahrscheinlicher wachsen sie schnell, desto höher ist auch das Einkommen der ärmsten 10 Prozent der Bevölkerung ( Gwartney, Hall and Lawson 2012, S. 24). Besser noch:  Wirtschaftliche Freiheit nützt nicht nur denen, die sie genießen, sondern auch denen, die sie noch entbehren. Die wirtschaftliche Freiheit der Einen wird damit zu den Vorteilen der Rückständigkeit der Anderen (Weede 2006). Wenn der Westen nicht vor den anderen großen Zivilisationen der Welt wirtschaftliche Freiheit durchgesetzt hätte, dann wäre das schnelle Wachstum anderswo – vor allem in Asien – gar nicht möglich geworden. Auch die Asiaten, die noch wenig Freiheit genießen, können sich an westlichen Vorbildern orientieren, westliche Technologien übernehmen und westliche Märkte beliefern.

Das letzte meiner Argumente zugunsten der Freiheit bezieht sich auf den Aufstieg des Westens oder das europäische Wunder (Jones 1981; Weede 2012a, 2012b). Während des Mittelalters war China noch Europa überlegen – in Bezug auf das Pro-Kopf-Einkommen und die Produktivität, in Wissenschaft und Technologie.  Im späten 16. und 17. Jahrhundert konnten die Türken noch Wien bedrohen. Danach aber überholte der Westen die großen asiatischen Zivilisationen. Das kann man durch die Sicherung der  Eigentumsrechte für Händler und Produzenten bzw. den Rechtsstaat, die wirtschaftliche Freiheit bzw. Grenzen der Staatseingriffe oder auch die Erfindung des Kapitalismus erklären. Hintergrundbedingung dieser westlichen Errungenschaften sind politische Fragmentierung und zwischenstaatliche Rivalität. Europas Herrscher mussten die Eigentumsrechte ihrer Untertanen respektieren, weil die Rivalität unter den Herrschern kleinflächiger Gebiete, der Konflikt zwischen Kaiser und Papst im Mittelalter  und die Existenz freier Städte den Menschen Abwanderungschancen vermittelte und damit die Macht der Fürsten begrenzte. In Asiens Großreichen gab es kaum Abwanderungsmöglichkeiten für die Untertanen. Die Begrenzung der Staatsmacht in  Europa beruhte letztlich darauf, dass Europa im Gegensatz zu China nie einer einigen Regierung unterstand. Unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung gilt: Europas Uneinigkeit war Europas Glück! 

Es gibt also fünf Argumente für die Überlegenheit von Individualismus, wirtschaftlicher  Freiheit und Kapitalismus über den Kollektivismus, der bisher immer auf Verarmung der Bevölkerung hinausgelaufen ist. Dennoch war der Kapitalismus in Kontinentaleuropa nie so populär wie in den USA (Lipset 1996, S. 46 und 95). Die Finanzkrise hat die Legitimität des Kapitalismus in Europa weiter geschwächt und die Staatsgläubigkeit gestärkt. Der Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Staatseingriffe einerseits und der Ineffizienz der Ressourcenallokation andererseits wird vergessen, obwohl der Kontrast zwischen kommunistischen und westlichen Ländern das während des kalten Krieges so klar gezeigt hat. Der Staat ist sogar im Westen während des 20. Jahrhunderts expandiert. Der Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt ist von ca. 10% in den  meisten Ländern auf zeitweilig bis ca. 60% in einigen Ländern gestiegen (The Economist 2011; Tanzi and Schuknecht 2000). Politiker vergessen gern, dass höhere Steuerlasten und Staatsquoten zur Verringerung des Wirtschaftswachstums beitragen (Bergh and Karlsson 2010, Bernholz 1986, Romer and Romer 2010, Vedder 2009, Weede 1991). Auch das geringere Wohlstandsniveau der europäischen Länder als der USA kann durch die unterschiedliche Steuerlast und die daraus resultierende unterschiedliche Arbeitsbereitschaft erklärt werden (Prescott 2004). 

Gegenwärtig verwenden die westlichen Demokratien den größten Teil ihres Budgets für Sozialleistungen. Dabei können sie es nicht vermeiden, Misserfolg auf dem Markt durch Transfers zu belohnen und Erfolg durch progressive Besteuerung immer härter zu bestrafen. Das muss nicht nur die Arbeitsanreize beeinträchtigen [3], sondern auch die Erziehung der nächsten Generation zur Arbeitsdisziplin (Lindbeck and Nyberg 2006). Der Wohlfahrtsstaat setzt auch falsche Wanderungsanreize. Leistungsträger überlegen, ob sie in Staaten mit geringerer Steuerlast (wie die USA oder die Schweiz) auswandern sollen. Für künftige Sozialleistungsbezieher aber lohnt die Zuwanderung in Wohlfahrtstaaten. Die meisten Wohlfahrtsstaaten waren darüber hinaus nicht in der Lage, ihre Sozialleistungen durch Steuererhebung zu finanzieren, sondern haben Schuldenberge aufgebaut. Sie haben eine Vielzahl von Versprechungen an Alte und Kranke gemacht, ohne für deren Finanzierung vorzusorgen. Wenn man diese Versprechungen berücksichtigt,  dann sind die Staatsschulden in Deutschland vielleicht dreimal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt. In manchen anderen Ländern ist es noch viel schlimmer [4]. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit läuft in der Regierungspraxis auf die systematische Vernachlässigung der Interessen künftiger Generationen hinaus. Wegen der Defizite und Staatsschulden waren die westlichen Demokratien schlecht auf die Finanzkrise und deren Folgen vorbereitet. 

Man darf nicht vergessen,  dass die Banker ihre Fehlentscheidungen nur innerhalb des Rechts- und Aufsichtsrahmens fällen konnten, die der Staat gesetzt hatte [5]. Die österreichische Wirtschaftstheorie und einige andere Theorien lehren, dass die Geldpolitik nach der ‘dotcom’-Blase am Anfang des neuen Jahrtausends zuviel Liquidität in die Wirtschaft gepumpt hat und damit die spätere Krise vorbereitet hat. Indem sie die Taylor Regel bei der Setzung des Leitzinses vernachlässigt und die Zinsen zu niedrig angesetzt hat, hat die amerikanische Zentralbank die  Fehlallokation der Investitionen angeregt [6]. Letztlich  ist die Politik für  die  Zentralbanken verantwortlich. Politiker haben Greenspan und andere Zentralbanker ernannt. Sie haben auch die überschüssige Liquidität in den Wohnungsmarkt gelenkt. Sie wollten, dass auch begrenzt zahlungsfähige Menschen Kredit bekamen. Zwar entschuldigen politische Fehler nicht die Fehler der Banken bei der Kreditvergabe, aber vergessen darf man den politischen Druck auch nicht. Fannie Mae und Freddie Mac hätte es in einer wirklich freien Marktwirtschaft nie gegeben. In Deutschland gibt es neben den Privatbanken auch noch öffentliche  Banken unter direkter Aufsicht der Politik, die Landesbanken. Im  Großen und Ganzen sind diese Banken besonders schlecht durch die Krise gekommen. Sie waren ein Transmissionsriemen dafür, auch den deutschen Steuerzahlen mit der Krise des amerikanischen Wohnungsmarktes zu belasten. 

3. Staatsschulden und der Weg zur Knechtschaft
Obwohl die Finanzkrise von 2008 der gegenwärtigen Staatsschulden und Eurokrise vorangegangen ist, sollte man die Verknüpfung der beiden Krisen nicht übertreiben. Von Irland und in geringerem Maße von Spanien abgesehen war die Bankenrettung nicht der zentrale Auslöser der Krise. Im Rückblick kann man auch sagen, dass der Steuerzahler nicht allzu sehr unter der Rettung von  Banken oder anderen Finanzmarktakteuren, wie AIG, gelitten hat. Ein großer Teil der damals eingesetzten Steuergelder ist inzwischen an den Fiskus zurückgeflossen. Die Steuerzahler in großen Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) sind mit weniger als 2% des BIP belastet worden, wobei im amerikanischen Falle die Rettung der Autofabriken von Detroit enthalten ist [7]. Wenn man nur die Bankenrettung betrachtet, könnte der amerikanische Steuerzahler sogar einen Profit von 24 Milliarden Dollar gemacht haben [8]. Verglichen mit Sozialausgaben in der Größenordnung von 30% des BIP kostete die Bankenrettung nur Kleingeld.

Jetzt ist Europa dabei, eine kontinentale Variante des Steuer- und Sozialstaates aufzubauen.  Ursprünglich stand ein vernünftiger Gedanke hinter der europäischen Idee: keine Bruderkriege unter Europäern mehr! Der friedliche Zustand Europas wird oft als Resultat von Europas Integration beschrieben. Ein freier Markt für Güter, Dienstleistungen, Kapital und Arbeit trägt tatsächlich zur Kriegsverhütung bei. Das kann man ‚Frieden durch Freihandel’ oder auch den ‚kapitalistischen Frieden’ nennen (Weede 2011). Dafür waren die Europäische Union und der Binnenmarkt gut. Außerdem hat der freie Handel in Europa dazu beigetragen, Westeuropa wohlhabend genug für ein demokratisches politisches System zu machen. Der ‚demokratische Frieden’ unterstützt und ergänzt dann den ‚Frieden durch Freihandel’. 

Aber diese Vorteile basieren auf dem Kapitalismus. Sollte Europas Integration den Kapitalismus – oder wie wir ängstlichen Europäer lieber sagen: die Marktwirtschaft – untergraben, dann werden auch die positiven Resultate der Integration verschwinden. Ob der Euroraum ein  optimales Währungsgebiet ist, oder ob so unterschiedliche Volkswirtschaften wie Deutschland und Griechenland eine gemeinsame Währung verkraften, ist durchaus fragwürdig. Ende der 1990er Jahre hatten sich die Regierungen noch auf die Selbstverantwortung jedes Landes für seine eigenen Schulden und das Verbot der monetären Staatsfinanzierung durch die Zentralbank geeinigt. Eigentlich sollten Staaten die Folgen verantwortungsloser Schuldenpolitik selbst tragen. Transferleistungen zwischen Staaten können negative Folgen genauso wenig vermeiden wie Transfers innerhalb von Staaten. Wieder wird Misserfolg durch Transfers belohnt und Erfolg durch Zahlungspflichten bestraft. Das kann nur zur Zunahme von Verantwortungslosigkeit beitragen. Das ist auch keine neue Einsicht.  Der britische Soziologe Herbert Spencer (1891, S.. 354) erkannte schon am Ende des 19. Jahrhunderts, wohin so eine Politik führt: ”The ultimate result of shielding men from the effects of folly, is to fill the world with fools.“ Gutes Geld wird im Vereinten Europa der Narren verschwinden. Je  mehr die Staatsschuldenberge wachsen, desto attraktiver werden inflationäre Auswege für die Politik [9].

Europa ist in Gefahr. Der Sozialstaat hat die Anreize schon lange geschwächt und manchen Menschen gestattet, auf Kosten anderer Leute zu leben – auch zulasten künftiger Generationen. Künftig wird der Weg in die Knechtschaft um eine zusätzliche Fahrbahn erweitert. Jetzt dürfen die Menschen hoffen, auch auf Kosten anderer Europäer in wirtschaftlich stärkeren oder besser regierten Ländern leben zu können. Das wird auch noch als Friedenspolitik verkauft! Die europäische Zentralbank hat schon mediterrane Staatsanleihen gekauft und will den Weg der indirekten Staatsfinanzierung über Sekundärmärkte künftig noch energischer beschreiten. Über den Europäischen Rettungsfonds sollen sogar die Bürger ärmerer Länder, wie die Slowakei oder Estlands, zur Finanzierung der reicheren, aber schlechter regierten Griechen beitragen dürfen. Weil die Eurorettung großenteils nicht den geretteten Ländern, sondern Investoren in deren Staatsanleihen zugute kommt, gibt es dabei auch eine Umverteilung von unten nach oben. Denn die Investoren in Staatsanleihen dürften eher reicher als die Steuerzahler sein. Jedenfalls ist ein wesentlicher Effekt der Eurorettung bisher, dass die dubiosen  Staatsanleihen immer mehr aus privaten in öffentliche Hände übergegangen sind. Mit einem Schuldenschnitt hätte sich diese Umverteilung vermeiden lassen (Hau und Hege 2012). 

In der Aufstiegsphase Europas hat die Rivalität unter Europas Staaten nicht nur Kriege ermöglicht, sondern auch zur Vermeidung wirtschaftspolitischer Fehler oder von deren Reichweite beigetragen. Jetzt ermöglicht die zunehmende Zentralisierung Europas immer größere wirtschaftspolitische  Fehler: zuerst die Einführung des Euros, womit den schwächeren Volkswirtschaften des Mittelmeerraums die Abwertungsmöglichkeit gegenüber der DM genommen wurde, dann schlimmer noch die Vertiefung des Fehlers durch die Eurorettung, womit Verantwortungslosigkeit durch Transfers belohnt und damit auf Dauer nur verfestigt werden kann. Aus der Schuldnergemeinschaft kann auch noch eine Inflationsgemeinschaft werden. Vor dem ersten Weltkrieg hatte der Goldstandard harte Budgetrestriktionen erzwungen. Später haben manche Zentralbanken, wie die deutsche Bundesbank, ähnlich gewirkt und gegen inflationäre Versuchungen gekämpft. Der Goldstandard ist verschwunden, die Bundesbank ist entmachtet. Die Unabhängigkeit der Zentralbanken von der Politik nimmt ab. Demokratisch gewählte Politiker scheinen harte Budgetrestriktionen nicht mehr als kommunistische Kader zu mögen. Europas Politiker sind dabei, sich dieser Ketten zu entledigen. Damit ist das Erbe Europas und des Westens in Gefahr, nämlich Grenzen der Staatsmacht und individuelle Freiheit, Privateigentum und Kapitalismus. Der Weg zur Knechtschaft aber wird ausgebaut.
____________________________ 
[1] Kenneth Minogue (2012, S. 259) bietet eine Alternative zu meinem Ansatz. Nach seiner Auffassung impliziert der Individualismus folgendes: “the wants and beliefs of individuals are recognized not as disruptive, but as valuable in themselves.“  Eng verwandt mit dem Individualismus ist der Rationalismus in der Interpretation von Popper (1958, S. 277); er fordert, „dass wir jeden Menschen, mit dem wir uns verständigen, als eine potenzielle Quelle von Argumenten und von vernünftiger Information betrachten müssen; und damit wird eine Verbindung zwischen den Menschen hergestellt, die man ‚die rationale Einheit der Menschheit’ nennen könnte.“

[2] Obwohl der Naturrechtsgedanke historisch zur Freiheit beigetragen hat, möchte ich nicht auf dieser metaphysischen Basis aufbauen. Grundsätzlich kann ich den Ausgangspunkt sozialdemokratischer Denker, wie Holmes and Sunstein (1999), akzeptieren, wonach  Rechte immer Resultat von kollektiven Entscheidungen und Zuweisungen sind. Auch wenn man diese Prämisse akzeptiert, bleibt aber eine Verteidigung von Freiheit und Grenzen des Staates unter Verweis auf die Konsequenzen möglich. Das ist es, was ich hier versuche. 

[3] Hier argumentiere ich verhaltenstheoretisch. Für Mikroökonomen: Ich gehe davon aus, dass der Substitutionseffekt (Freizeit statt Arbeit bei steigender Steuerlast) stärker ist als der Einkommenseffekt, der bei sinkenden Nettoeinkommen verstärkte Anstrengungen erklären könnte. Bei Transfers lässt auch die mikroökonomische Theorie keinen Zweifel an der Schwächung der Arbeitsanreize, weil Einkommens- und Substitutionseffekt nicht gegenläufig, sondern einander verstärkend wirken. Vgl. zu diesem Thema auch Boockmann (2008). Böhringer (2008, S.31) macht einen interessanten Vorschlag, wie man das Steuerrecht so ändern könnte, dass nicht nur die Arbeitsanreize gestärkt werden, sondern auch die Einwanderungsanreize zugunsten fleißiger Zuwanderer gestärkt werden, die vermutlich eher integrierbar sind als diejenigen, die auf dem Arbeitsmarkt zur Zurückhaltung neigen.  Böhringers Vorschlag kann auch als Maßnahme zur sich abzeichnende demographischen Krise in unserem Lande und anderswo in Europa gewertet werden. 

[4] Siehe Peterson (2004), Jackson and Howe (2008) oder Tanzi and Schuknecht (2000), die Zahlen angeben. Die schlimmsten Schätztungen der Staatsschulden, die ich bisher gesehen habe, stammen aus der ‚Financial Times’ (2010). Nach diesen Schätzungen sind die Staatsschulden (unter Einbeziehung von Rentenversprechungen und zugesagten Gesundheitsleistungen) ungefähr viermal so hoch wie das BIP in Deutschland und Großbritannien, ungefähr fünf mal so hoch in Frankreich und USA, mehr als acht mal so hoch in Griechenland.  

[5]  Ökonometrische Evidenz gegen die These, dass zuviel wirtschaftliche Freiheit Krisen der Banken erzeugt, findet man bei Baier, Clance and Dwyer (2012). 

[6] Es gibt viele Bücher zur Finanzkrise. Aus freiheitlicher Perspektive: Taylor (2009), aus österreichischer Perspektive: Woods (2009). Auch Bhides (2010) Werk ist von Hayek inspiriert. Bei Bhide kann man den Eindruck gewinnen, dass Märkte dann am effizientesten sind, wenn die Marktteilnehmer nicht an deren Effizienz glauben und selbst Informationen suchen statt sich auf das Wissen anderer Marktteilnehmer zu verlassen. Ganz anders argumentieren Krugman (2008), Posner (2009), Rajan (2010), Roubini with Mihm (2010), Sinn (2009) und Stiglitz (2010).  Wenn man diese Erklärungen der Finanzkrise, die dem Kapitalismus kritisch gegenüber stehen, sorgfältig liest, dann kann man dennoch viele Berührungspunkte zu  freiheitlichen oder österreichischen Analysen entdecken. Krugman (2008, S. 152) ist libertärer oder österreichischer Sympathien unverdächtig, aber schreibt nichtsdestoweniger: “Greenspan had succeeded only by replacing the stock bubble with a housing bubble”. 

[7] Diese Schätzungen beziehen sich auf die direkten Kosten der Rettung des Finanzsystems. Sie stammen von Deutsche Bank Research (2010). Bankenkrisen verringern auch das Wirtschaftswachstum und die Staatseinnahmen und erhöhen gleichzeitig die Staatsausgaben, u.a. weil mehr Menschen bedürftig werden und Transfers erhalten. Nach Reinhart and Rogoff (2009, S. 170) kann sich in drei Jahren nach der Krise der Schuldenstand fast verdoppeln.  

[8] Siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung (2011, S. 14). 

[9]  Zur Inflation vgl. Bernholz (2003). 
____________________________ 
Baier, Scott L., Matthew Clance, and Gerald P. Dwyer (2012). Banking Crises and Economic Freedom. S. 201-218 in Gwartney, James, Joshua Hall, and Robert Lawson (2012). Economic Freedom of the World. 2012 Annual Report. Potsdam: Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. 

Bergh, Andreas and Martin Karlsson (2010). Government size and growth: Accounting for economic freedom and globalization. Public Choice 142(1-2): 195-213.

Bernholz, Peter (1986). Growth of Government, Economic Growth and Individual Freedom. Journal of Institutional Economics (Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft) 142: 661-683. 
______(2003). Monetary Regimes and Inflation. History, Economic and Political Relationships. Cheltenham (UK): Edward Elgar. 

Bhide, Amar (2010). A Call for Jugdment. Sensible Finance for a Dynamic Economy. New York: Oxford University Press.

Böhringer, Fritz (2008). Die Fixsteuer – Ökonomische Motivation, Grundkonzeption und Umsetzungsdetails. S. 19-41 in Fritz Böhringer et al. (2008): Grenzsteuern, Arbeitsangebot und Wirtschaftswachstum. Baden-Baden: Nomos.

Boockmann, Bernhard (2008). Die marginale Abgabenbelastung der Arbeitnehmer und ihre Folgen für die Arbeitsanreize.  S. 43-56 in Fritz Böhringer et al. (2008): Grenzsteuern, Arbeitsangebot und Wirtschaftswachstum. Baden-Baden: Nomos.

Buchanan, James M. and Richard E. Wagner (1977). Democracy in Deficit. The Political Legacy of Lord Keynes. New York: Academic Press.  

Cogan, John F. and John B. Taylor (2011).  Where Did the Stimulus Go? Commentary 131(1):  23-26.

De Jouvenel, Bertrand (1952/1990). The Ethics of Redistribution. Indianapolis: Liberty Fund. 

Deutsche Bank Research (2010). Direkte fiskalische Kosten der Finanzkrise. Deutsche Bank Research, July 1st. 

Dikötter, Frank (2010). Mao’s Great Famine. The History of China’s Most Devastating Catastrophe, 1958-1962. London: Bloomsbury. 

Economist, The (2011). Taming Leviathan. A special report on the future of the state. The Economist, Vol. 398, No. 8725, March 19th (nach Seite 44).

Frankfurter Allgemeine Zeitung (2011). Bankenrettung bringt Gewinn von 24 Milliarden Dollar. Frankfurter Allgemeine Zeitung 77, 1. April: 14. 

Financial Times (2010). Sovereign fret. Financial Times (The Lex Column), Tuesday, February 16th: 12.

Gwartney, James, Joshua Hall, and Robert Lawson (2012). Economic Freedom of the World. 2012 Annual Report. Potsdam: Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. 

Hau, Harald und Ulrich Hege (2012). Warum ein Schuldenschnitt die bessere Lösung ist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. September (Freitag): 14. 

Hayek, Friedrich August von (1945). The Use of Knowledge in Society. American Economic Review 35(4): 519-530.
______ (1960). The Constitution of Liberty. Chicago: The University of Chicago Press. 

Holmes, Stephen and Cass R. Sunstein (1999). The Cost of Rights. Why Liberty Depends on Taxes. New York: Norton. 

Jackson, Richard and Neil Howe (2008). The Graying of the Great Powers. Demography and Geopolitics in the 21st Century. Washington: Center for Strategic and International Studies.

Jones, Eric L. (1981). The European Miracle. New York: Cambridge University Press.

Krugman, Paul (2008). The Return of Depression Economics. London: Penguin. 

Lindbeck, Assar and Sven Nyberg (2006). Raising Children to Work Hard: Altruism, Work Norms, and Social Insurance. Quarterly Journal of Economics CXXI: 1473-1503. 

Lipset, Seymour M. (1996). American Exceptionalism. New York: Norton. 

Locke, John (1690/2003). Two Treatises of Government (ed. by I. Shapiro). New Haven, CT: Yale University Press. 

Marx, Karl und Friedrich Engels (1848/1966). Manifest der kommunistischen Partei. S. 59-87 in Marx-Engels-Studienausgabe, Band 2. Frankfurt: Fischer. 

Minogue, Kenneth (2012). Individualism and Its Contemporary Fate. The Independent Review 17(2): 257-269. 

Michels, Robert (1910/1970). Zur Soziologie des Parteiwesens. 2. Aufl. Stuttgart: Kröner. 

Mises, Ludwig von (1920). Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 47(1): 86-121. 

Olson, Mancur (1965). The Logic of Collective Action. Cambridge, MA: Harvard University Press. 

Pei, Minxin (2006). China’s Trapped Transition. Cambridge, MA: Harvard University Press. 

Petersson, Peter G. (2004). Running on Empty. New York: Farrar, Straus and Giroux.

Popper, Karl R. (1958). Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band 2: Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen. Bern: Francke. 

Posner, Richard A. (2009). A Failure of Capitalism. Cambridge, MA: Harvard University Press. 

Prescott, Edward C. ((2004). Why Do Americans Work so Much More than Europeans? Federal Reserve Bank of Minneapolis Quarterly Review 28(1): 2-13. 

Sinn, Hans-Werner (2009). Kasino-Kapitalismus. Berlin: Ullstein (Econ). 

Romer, Christina D. and David H. Romer (2010). The Macroeconomic Effects of Tax Changes: Estimates Based on a New Measure of Fiscal Shocks. American Economic Review 100: 763-801.

Roubini, Nouriel with Stephen Mihm (2010). Crisis Economics. A Crash Course in the Future of Finance. London: Penguin (Allen Lane).

Smith, Adam (1776/1976). An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations. Oxford: Oxford University Press.

Spencer, Herbert (1891). Essays: Scientific, Political and Speculative. Vol. 3. London: Williams and Norgate. 

Stiglitz, Joseph A. (2010). Freefall. America, Free Markets, and the Sinking of the World Economy.  New York: Norton. 

Tanzi, Vito and Ludger Schuknecht (2000). Public Spending in the 20th Century. Cambridge: Cambridge University Press. 

Taylor, John B. (2009). Getting Off Track. How Government Actions and Interventions Caused, Prolonged and Worsened  the Financial Crisis. Stanford, CA: Hoover Press. 

Vedder, Richard and Jonathan Robe (2009). Taxes and Economic Growth: Implications for German Tax Reform. Munich: Taxpayers’ Association of Europe. 

Weede, Erich (1991). The impact of state power on economic growth rates in OECD countries. Quality and Quantity  25: 421-438. 
______ (2006). Economic Freedom and Development. CATO Journal 26(3): 511-524.
______ (2011). The Capitalist Peace. S. 269-280 in Christopher J. Coyne and Rachel L. Mathers (eds.): 

The Handbook on the Political Economy of War. Northampton, MA: Edward Elgar.
______ (2012a). Freiheit und Verantwortung, Aufstieg und Niedergang. Tübingen: Mohr Siebeck. 
______ (2012b). Liberty in Comparative Perspective: China, India, and the West. Wird in einem von Fred McMahon (Fraser Institute, Canada) herausgegebenen Sammelband erscheinen. 

Woods, Thomas E. (2009). Meltdown. Washington, DC: Regnery.
_____________________________
Erich Weede schrieb zudem ein kurzes Buch (,,Freiheit und Verantwortung, Aufstieg und Niedergang'') mit ähnlicher Thematik, welches hier zu beziehen ist.

Kommentare:

  1. Danke an Herrn Prof. Dr. Erich Weede für diesen präzisen und geistreichen Vortrag sowie seiner Einwilligung für die Veröffentlichung auf FREITUM. Danke auch an FREITUM selbst!
    Selten sind so informative und zugleich prägnante Bestandsaufnahmen der Wirklichkeit im Netz und sonst wo zu finden - mehr davon und weiter so!

    AntwortenLöschen
  2. Danke für das Kompliment! Wir sind darum bemüht, unser Niveau stetig zu verbessern, zumindest aber es zu halten.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  3. Anachronismus

    “Aus dem offenkundigen Versagen des historischen Liberalismus erwuchs die sozialistische Bewegung mit dem Ziel, die missbrauchten Freiheitsrechte einzuschränken zugunsten der Gesamtheit und besonders zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Diese Zielsetzung beruht jedoch auf einem Denkfehler; denn der historische Liberalismus versagte nicht, weil er zuviel, sondern weil er zuwenig Freiheit verwirklichte. Eine „freie Wirtschaft“ hat es im Liberalkapitalismus in Wahrheit nie gegeben, sondern nur eine vermachtete Wirtschaft: vermachtet durch Privatmonopole, durch den privaten Monopolbesitz von Grund und Boden und den Rohstoffen, durch das Geld- und Bodenmonopol, durch die Bildung von Syndikaten, Kartellen und Trusts. An die Stelle einer freien Konkurrenzwirtschaft trat die Herrschaft privater Wirtschaftsmächte, die durch ihre Maßnahmen weitgehend auch die Höhe von Preisen, Löhnen und Zinsen und damit das Wirtschaftsgeschehen insgesamt nach ihren Interessen bestimmen konnten.
    Die sozialistischen Bestrebungen laufen darauf hinaus, die liberalkapitalistische durch eine zentralgeleitete Wirtschaft, also die private durch eine staatliche Vermachtung und die Privatmonopole durch Staatsmonopole zu ersetzen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die vielen erbarmungslosen Wirtschaftsdiktatoren, die sich immerhin noch durch einen letzten Rest von Konkurrenz gegenseitig in ihrer Macht beschränken, durch einen einzigen, ebenso erbarmungslosen, aber völlig unbeschränkten Wirtschaftsdiktator in Gestalt des Staates abgelöst werden. Dadurch kann sich die Lage der arbeitenden Menschen nur noch hoffnungslos verschlimmern, wie mannigfache geschichtliche Erfahrungen hinlänglich bestätigen.”

    Ernst Winkler (Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung)

    Spätestens seit der Erstveröffentlichung von “Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld” (Silvio Gesell, 1916) sind alle volkswirtschaftlichen Fragen restlos geklärt. Für Politik und Wirtschaft im 21. Jahrhundert bedeutet das: “…weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten” (Zitat: Arthur C. Clarke). Dennoch verstehen die Allermeisten bis heute weder die einfache Ursache noch die einzig denkbare Lösung für die gegenwärtige “Finanzkrise” und lassen sich von “Spitzenpolitikern” und “Wirtschaftsexperten” beeindrucken, die außer Denkfehlern nichts gelernt haben.

    Die Ursache dieses Anachronismus ist die Religion, die vor Urzeiten erforderlich war, um den Kulturmenschen “wahnsinnig genug” für die Benutzung von Zinsgeld zu machen, damit das, was wir heute “moderne Zivilisation” nennen, überhaupt entstehen konnte:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/09/von-den-drei-verwandlungen.html

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *