Mittwoch, 10. Oktober 2012

Demokratie

von Tommy Casagrande
Demokratie ist ein Herrschaftsmodell. Es hat mit Freiheit nichts zu tun, weil dort, wo es Herrschaft gibt, notwendigerweise die Freiheit von dieser Herrschaft nicht besteht. 
Das Maß der Unfreiheit wechselt sich im Laufe der politischen Gezeiten ab und tendiert dennoch stets dazu dem Herrschaftssystem mehr und mehr Macht angedeihen zu lassen. 
In einer Demokratie bin ich der Stumpfsinnigkeit meiner interessenlosen Mitmenschen ausgeliefert. Und dort, wo ich ihnen nicht ausgeliefert bin, dort entscheiden Politiker, ohne meine Mitmenschen, über mich hinweg. Als Mensch, der die Herrschaft ablehnt, kann ich mich nirgendwo frei fühlen. Lediglich unter Gleichgesinnten besteht die Möglichkeit, sich danach zu fühlen, was formell mir nicht gegeben ist. Darum kann ich auch dem Gegensatz “EU-Bürokratur vs. demokratische Freiheit” nichts abgewinnen. Ob Menschen in Brüssel über mein Leben entscheiden oder ob das Menschen in Österreich tun, ist für mich einerlei. Wer, an welchem Ort und wie viele von ihnen über mich bestimmen: es bleibt immerzu Gewalt und Zwang, der als legitim gegen mich verstanden wird und dem ich mich zu beugen habe. 
Es ist darum ein Irrglaube und ein gern bemühtes Märchen, wenn man der Meinung anheim gefallen ist, dass die Demokratie Freiheit bringt oder dass das Übel ausnahmslos nur in Brüssel seinen Wohnsitz hat. Das Übel sitzt im Kopf meiner Mitmenschen. Brüssel, Wien, all das sind nur Kleidungsstücke, die man sich anzieht, je nach Theaterstück. Der Kern ist das Prinzip von Zwang und Gewalt. Alles andere besitzt lediglich Schattierungen, die sich nach politischer Struktur der Größe nach als relativ schädlicher oder relativ harmloser darstellen. In der Tatsache aber macht es keinen Unterschied graduelle Differenzierungen vorzunehmen. In der Tatsache gibt es nur einen Gegensatz: Selbstbestimmung vs. Fremdbestimmung.

1 Kommentar:

  1. Man kann dem geschassten Norbert Röttgen dennoch für seinen Ausspruch “Bedauerlicherweise entscheiden die Wähler darüber.” danken, der dem einen oder anderen an das Gute in den Volksparteien Glaubenden die Augen geöffnet haben dürfte.

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