Mittwoch, 26. September 2012

Über die zerstörerische Kraft des amerikanischen Imperialismus

von Tomasz M. Froelich
Kein Land der Welt war in den letzten Jahrzehnten in so vielen internationalen Konflikten und Kriegen involviert, wie die USA. Daher verwundert es auch kaum, dass die USA weltweit die mit Abstand höchsten Rüstungsausgaben haben. Doch wie wird dieser amerikanische Drang nach außenpolitischer Offensive und Aggression finanziert?

Krieg dank Inflation
Im Jahre 1914 wurde im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg die Golddeckungspflicht in den in ihm involvierten Staaten aufgehoben. Dies hatte zur Folge, dass die Staaten nun von ihren Zentralbanken mit so viel ungedecktem Geld beliefert werden konnten, wie sie es sich gerade wünschten. Dem Ende des Goldstandards und dem Beginn der ungedeckten und unbegrenzten Papiergeldes war Dank! Bankrott oder finanziellen Ruin hatten die Staaten aufgrund der scheinbaren ,,Zauberkraft der inflationären Finanzen [...], [die] die erforderlichen Mittel schon zur Verfügung stellen [würden]'' (Paul 2010: 57), nicht zu befürchten. Die daraus resultierende Elastizität der Geldmenge bewirkte, dass Staaten nicht mehr so sparsam mit ihren Ressourcen umgehen mussten, was wiederum dazu führte, dass sie sich nun nicht mehr davor scheuten blutige und lange Konflikte und Kriege zu führen, wie etwa den Ersten Weltkrieg.
Murray Rothbard bemerkte richtig, dass der Erste Weltkrieg nur deshalb ausgetragen werden konnte, weil die in ihm involvierten Staaten ihre eigenen Papier- und Bankengeldmengen ausweiteten, was heftige Inflationen zur Folge hatte, die es für diese Staaten unmöglich machten ihre Versprechungen einzuhalten, weshalb sie den Goldstandard verließen (vgl. Rothbard 1963/2005: 92).
Nun waren die Staaten finanziellen Beschränkungen kaum mehr unterworfen und dank inflationärer Geldpolitik ließ sich das Unheil des Krieges in die Länge ziehen. So schrieb Ludwig von Mises im Jahre 1919, ein Jahr nach dem 1. Weltkrieg: ,,Es ist keine Übertreibung, die Inflation als unabdingbares Mittel des Militarismus zu bezeichnen. Ohne sie treten die Auswirkungen des Krieges auf das Wohlergehen viel schneller und durchschlagender zutage; es käme weit schneller zur Kriegsmüdigkeit.'' (Mises 1919/1983: 163).
Zu dem Zeitpunkt hatten auch die USA bereits ihre eigene Zentralbank, die FED, gegründet, die letztlich auch die amerikanische Intervention in den 1. Weltkrieg im Jahre 1917 ermöglichen sollte. So wurden ca. 80% der amerikanischen Kriegsintervention durch von der FED gestützte Kreditaufnahme und Gelddruckerei finanziert.
Die Folgen des durch die staatlichen Papiergeldsysteme finanzierten Ersten Weltkriegs waren dramatisch:
Er kostete 17 Millionen Menschenleben, brachte in Europa militante und technokratisch organisierte Staaten hervor, ersetzte die bestehenden Monarchien durch Demokratien, schuf in Deutschland die Bedingungen für die Hyperinflation, infolge derer Hitler an die Macht kommen sollte, leutete in Russland den Kommunismus ein und verfestigte die imperialen Züge der amerikanischen Politik, die sich nun zu einer weltweiten außenpolitischen Mission verpflichtet sah (vgl. Paul 2010: 58). Mit dem Ende der goldgedeckten Währungen kam der Krieg und das Massensterben. Mit einem Goldstandard wäre all dies viel zu teuer und daher nie möglich gewesen.

Falsche Schlüsse gezogen...
Dennoch kehrte man nie wieder zum Goldstandard zurück. Stattdessen wurden nach der großen Katastrophe des Ersten Weltkriegs mit einer zusätzlichen Stärkung der Zentralbanken die Weichen für weitere, folgenschwere Wirtschaftskrisen und den Zweiten Weltkrieg gestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg konstruierte man das System von Bretton Woods. Die USA als nun führende Weltmacht stellten den US-Dollar, der goldgedeckt war, als Leit- bzw. Reservewährung bereit. Die angeschlossenen Währungen waren reines Papiergeld. Das System von Bretton Woods wurde von Präsident Nixon 1971 abgeschafft und somit auch die Golddeckung des US-Dollars, um so den Vietnam-Krieg finanzieren zu können. Seitdem gibt es weltweit nur ungedecktes Geld, reines Papiergeld, reinstes Falschgeld.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs weiteten die USA eben aufgrund dieser Welt- und Vormachtstellung und dank der FED ihren außenpolitischen Aktionsradius aus: ,,Es gab den Kalten Krieg, den Koreakrieg, die Schweinebucht, die Invasion in die Dominikanische Republik, Vietnam, das endlose Engagement im Nahen und Mittleren Osten plus die Kriege in Nicaragua, El Salvador, Bosnien, Haiti und all die Kriege, die weltweit im Namen des Kriegs gegen den Terrorismus geführt wurden und werden. [...]. [D]ank der Geldmaschine kann alles gewährt werden. Selbst wenn die FED nicht direkt neu erzeugtes Geld fließen lässt, so steht sie bereit, Jahr für Jahr riesige neue Schuldverschreibungen zu decken, die allesamt auf dem freien Aktien- und Anleihemarkt keinen Pfifferling wert wären, würde die FED nicht für sie garantieren.'' (ibid.: 60f.).
Außerdem tat und tut die Stellung des US-Dollars als internationale Leit- bzw. Reservewährung ihr übriges. Dazu Hans-Hermann Hoppe: ,,Mit dem Dollar als internationaler Reservewährung ist es den USA möglich, ein andauerndes "tränenloses Defizit" zu unterhalten. Das heißt, die USA müssen nicht, wie es unter gleichen Partnern üblich ist, für ihre ständigen Import-Überschüsse mit zunehmenden Exporten zahlen [...]. Ganz im Gegenteil: Als sichtbares Zeichen ihres ungleichen Vasallenstatus gegenüber den USA kaufen ausländische Staaten mit den im Export verdienten Dollarüberschüssen nicht amerikanische Güter, die dann der heimischen  Bevölkerung zugute kommen würden, sondern sie kaufen US-Staatsanleihen und tragen so dazu bei, dass Amerika - auf Kosten der eigenen heimischen Bevölkerung - weiterhin über seine Verhältnisse leben kann.'' (Hoppe 2012: 47).
Auch dies erleichtert den USA die Finanzierung für Rüstung und Krieg.

Interner Liberalismus, externer Imperialismus und der allmähliche Zerfall
Ob dies noch lange so bleibt ist indes fraglich, da der Status der USA als führender Weltmacht und des US-Dollars als internationaler Reservewährung zunehmend auf einem wackeligen Fundament steht. Imperien neigen zu Verschwendung, Ineffizienz und zum Zusammenbruch. Auf die USA trifft dies momentan zunehmend zu, aber auch hier lohnt sich ein Blick in die Geschichte:
Die USA sind zur Weltmacht geworden, da sie intern liberaler waren, als andere Großmächte. Damit ist gemeint, dass die USA ,,parasitär an einer vergleichsweise wohlhabenderen Wirtschaft zehren [konnten]'' (ibid.). Wohlhabender, da liberaler als in anderen Staaten und diesen somit auch überlegen. Dies führt(e) nun zur paradoxen Situation, dass die intern liberalen USA, sich ihrer Überlegenheit bewusst, außenpolitisch aggressiv, kriegerisch und imperialistisch agier(t)en, also nach außen hin alles andere als liberal waren/sind. Irrtümlicherweise wird der vergangene und gegenwärtige Imperialismus oft dem liberalen Wirtschaftsprogramm, also dem Kapitalismus zugeschrieben. Faktum ist, dass der Kapitalismus nie Kriege geführt hat, sondern Staaten, die ihn für imperiale Zwecke missbrauchten (vgl. Baader 2005: 77). Der Kapitalismus war nie der Aggressor, sondern lediglich ein Instrument der staatlichen Aggressoren, deren Hang zum Imperialismus ihnen nun zum Verhängnis werden könnte. Dazu abermals Hoppe:
,,Je näher ein Staat dem ultimativen Ziel einer Weltherrschaft kommt, umso weniger Grund gibt es für ihn, seinen anfänglichen internen Liberalismus beizubehalten. Stattdessen kann er zunehmend der natürlichen Neigung aller Staaten nachgeben, die Ausbeutung der eigenen (noch) produktiven Bevölkerung immer weiter zu erhöhen. Doch wenn die produktive Kraft der Wirtschaft dann infolgedessen stagniert oder nachlässt und wenn es keine zusätzlichen ausländischen Tributquellen mehr gibt, dann wird es immer weniger möglich, den ganzen Brot-und-Spiele-Zirkus, den der demokratische Wohlfahrts-Umverteilungs-Staat errichtet hat, weiter aufrechtzuerhalten. Es kommt zu ökonomischen Krisen, die separatistische bzw. sezessionistische Kräfte und Bewegungen befördern und schließlich zur Auflösung und zum Untergang des Imperiums. [...] [W]ir sehen es gegenwärtig am Beispiel der im sichtbaren Niedergang befindlichen USA.'' (ibid.: 46f.).

Ein Nachfolger an der Spitze der Weltmacht ist seit geraumer Zeit in Sicht: die Volksrepublik China, die sich nach Jahrzehnten des Sozialismus und der ihm inhärenten Armut dazu entschlossen hat, sich intern zu liberalisieren. Die Folge: hohes Wirtschaftswachstum. Die USA hingegen wählen derzeit genau den umgekehrten Weg. Und so wundert es kaum, dass China mächtig aufrüstet, weltweit nach den USA bereits die zweithöchsten Rüstungsausgaben hat, diese womöglich nicht so verpulvert und immer mehr Paroli bietet.
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Quellen

Baader, Roland (2005): Die belogene Generation. Politisch manipuliert statt zukunftsfähig informiert. Gräfelfing: Resch.

Hoppe, Hans-Hermann (2012): Der Wettbewerb der Gauner. Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft. Berlin: Holzinger.

Mises, Ludwig von (1919/1983): Nation, State and Economy. New York: New York University Press. Deutsche Ausgabe: Mises, Ludwig von (1919): Nation, Staat und Wirtschaft. Wien: Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung.)

Paul, Ron (2010): Befreit die Welt von der US-Notenbank. Warum die Federal Reserve abgeschafft werden muss. Rottenburg: Kopp.

Rothbard, Murray (1963/2005): Das Schein-Geld-System. Gräfelfing: Resch.

Kommentare:

  1. Ich empfehle dem Autor die Lektüre von "Die Schockstrategie: Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus" (Naomi Klein). Es sollte danach etwas schwieriger sein, zu behaupten, dass Kriege (womit auch Kriege gegen die eigene Bevölkerung gemeint sein müssen) immer von Staaten ausgehen.

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  2. Das Buch ist dem Autor bekannt und er erachtet es als irrelevant.
    Es gibt in der Tat Riesenunternehmen, die eventuell auf Krieg drängen. Diese sind aber in der Regel mit dem Staat verwurzelt oder profitieren vom Krieg führenden Staat. Auf einem freien Markt wäre dies jedoch nicht der Fall. Die Rüstungsindustrie wäre in einem freien Markt und einer staatenlosen Gesellschaft ziemlich unbedeutend. Ich erlaube mir hierzu Roland Baader zu zitieren:
    ,,[W]enn Krieg geführt wurde, [haben] nur bestimmte Industriezweige daran verdient - und zwar in jedem System. Für diejenigen Unternehmer, die in einer (überwiegend) kapitalistischen Ordnung keine Waffen produziert haben - und das waren und sind die weitaus meisten -, war und ist Krieg die größte denkbare Katastrophe - auch hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Interessen. Sie wußten und wissen, daß Krieg - egal, wer ihn gewinnt - Zerstörung des Geldes und ihres Kapitals bedeutet, sowie langfristige Kaufkraftminderung der Bevölkerung und Verlust in- und ausländischer Märkte, sowie meistens auch Vernichtung ihrer Investitionen, Finanzanlagen und Betriebe. [...] Der Kapitalismus [...] braucht Frieden, um die [...] nationalen wie die internationalen Märkte mit seinen Produkten friedlichen ,,erobern'' zu können.''

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  3. Es gibt gleichwohl den Aspekt der ökonomisch-strategischen Konfiktinitiierung, der für die beteiligten Unternehmen nach dem Konflikt zu einer Bereinigung der Konkurrenzsituation und damit Marktdominanz führt. Ein Krieg / Konflikt / Bürgerkrieg / Putsch wird hier zur Voraussetzung für erhöhten Profit. Im übrigen lohnt auch der Gedanke, dass Staaten (im Sinne der legitimierten Volksvertreter) in Unternehmen verwurzelt sind. Beispiele dafür lassen sich genügend finden.

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  4. Und welche konkreten Unternehmen sollten davon auf welche Weise profitieren?
    Was den letzten Satz angeht, so stimmt dieser sicherlich. Wir leben nur leider in einer staatlich dominierten Welt, in der das Primat der Politik gilt. Der Kapitalismus kommt aber, in seiner reinsten Form, zumindest in der Wirtschaft ohne Staat und Politik zurecht. Reiner Kapitalismus ist freier Marktanarchismus. Sobald sich Staat und Politik in die Wirtschaft einmischen, kann von einem reinen Kapitalismus nicht mehr die Rede sein. Wir leben nicht im Kapitalismus, sondern in einem nepotistisch veranlagten Etatismus. Das übersehen Klein und Konsorten leider allzu häufig.

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  5. ("Und welche Unternehmen ...?") Das wäre doch mal einen eigenen Artikel wert....
    Die Darstellung, die Welt sei staatlich dominiert, ist vielleicht zu oberflächlich oder nur teilweise zutreffend. Könnte es nicht sein, dass es sich umgekehrt verhält? Dass die Staaten die "Werkzeuge" der global agierenden Unternehmen sind? Dass hinter vielen Konflikten der Gegenwart nur vermeintlich religiöse, moralische oder ideologische Beweggründe stehen?

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    1. Auch in diesem Fall wäre natürlich gegen den Staat zu argumentieren, weil so ein Werkzeug natürlich schädlich ist.

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  6. Meiner Meinung nach nicht! Aber natürlich kann man das auch anders sehen. Meine Sicht der Dinge wird hier erläutert:

    http://www.freitum.de/2010/09/aggressor-staat-eine-libertare.html

    Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße,

    Tomasz M. F.

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